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  • Es muss mehr Platz her
    So langsam wird es eng bei den Iridomyrmex, das Nestbecken ist komplett umgegraben und große Mengen Brut werden schon in der Verbindungsröhre gelagert. Ich habe mir zwar schon länger Gedanken über eine Erweiterung gemacht, allerdings fehlt mir dieses Jahr leider die Zeit für einen größeren Umbau. Deshalb habe ich jetzt erst einmal Schlauchverbinder und 5m Schlauch gekauft und werde die Tage vorübergehend erstmal eine Farm mit recht großem Plattenabstand anschließen, damit sie wieder genug Platz haben und etwas mehr Laufstrecke mit den fünf Metern Schlauch.






    Bemerkenswerte Thermozeption
    Seit ein paar Tagen habe ich nun die Heizmatte ausgeschaltet, um eine etwas kühlere Winterpause (16-20 Grad) einzuleiten. Heute habe ich dann ein kleines Experiment gemacht; greift man mit der Hand um die Plexiglasröhre, bemerken sie bereits nach wenigen Sekunden (!) den Temperaturunterschied und beginnen hektisch zu rekrutieren und die Brut genau dort hinzutragen, selbst die inzwischen sichtlich physogastrische Königin kam nach wenigen Minuten schwerfällig angelaufen:


    Ein Becher mit warmen Tee veranlasst sie kurz darauf, die Brut wieder umzuschichten - nach 30 Sekunden:


    Und nach zwei Minuten:



    So ein schnelles, gezieltes Umlagern der Brut aufgrund nur winziger Temperaturunterschiede finde ich absolut bemerkenswert.

    LG, Phillip
  • Blattschneiderameisen?

    Iridomyrmex purpureus mit Fischfutter geben ein amüsantes Bild ab, so geschickt wie Blattschneiderameisen stellen sie sich beim Transport nicht an.
    Flockenfutter wird sehr gerne angenommen, aber ich füttere immer nur ab und an kleine Mengen, damit es im Nest nicht schimmelt.

    LG, Phillip
  • Die erste Erweiterung
    Das Wachstum dieser Art ist wirklich rasant und da es zunehmend schwerer geworden ist den Deckel abzuheben, ohne dass mir sofort dutzende Arbeiterinnen entgegenkamen, habe ich nun endlich ein zweites Becken über eine 1m Plexiglasröhre angeschlossen. Die transparenten Anschlüsse stammen vom Antstore aus Berlin und ich bin damit sehr zufrieden, sie sehen wirklich toll aus im Vergleich zu den bei Anlagen für Blattschneiderameisen oft verwendeten grauen Plastikmuffen. Grundsätzlich kann ich den Einsatz von Plexiglasröhren trotz der höheren Kosten nur empfehlen, es sieht einfach sehr viel besser aus als die immer leicht bläulichen und häufig beschrifteten Plastikschlauche.

    Das Nestbecken werde ich ab jetzt nur noch selten zum Besprühen öffnen und die Fütterung findet in dem rechten Becken statt. Dort habe ich einen Glasrahmen verklebt und mit Talkum bestrichen, sodass ich den Deckel abheben kann, ohne dass Ameisen entweichen. Die Arbeiterinnen können nämlich bei Störung erstaunlich schnell rennen, sodass man keine Chance hat sie am Entkommen zu hindern.

    Ich bin sehr gespannt auf die erste Fütterung im neuen Becken, die Verbindungsröhre wird eine tolle Ameisenstraße hergeben:

    Leider habe ich vor dem Anschließen nicht daran gedacht, vorher noch ein Foto des Nestes von unten zu machen, inzwischen ist nämlich der gesamte Boden (20x30cm) ausgehölt und etwa zur Hälfte dicht an dicht mit Larven und Puppen bedeckt. Auch die Königin konnte ich endlich einmal wieder sehen, sie ist also wohlauf. An einer Stelle hat man aber auch von der Seite einen kleinen Einblick in das Nest:

    Die nächste Erweiterung wird dann irgendwann ein separates Nest mit besserem Einblick sein, da es aber absolut ausbruchssicher und gleichzeitig optisch ansprechend sein soll, bin ich derzeit noch am Abwägen verschiedener Ideen.

    LG, Phillip
  • Zunehmende Grabaktivitäten und großer Hunger
    Stück für Stück erweitern die Arbeiterinnen ihre unterirdischen Kammern, um Platz für die Brut und wachsende Kolonie zu schaffen. Der Hunger ist groß und einige Lasius niger Königinnen, die sich ins Treppenhaus und den Innenhof verirrt hatten, versetzen die Arbeiterinnen in helle Aufregung. Inzwischen lässt sich schön die schnelle Rekrutierung dieser Art beobachten, kurz nachdem die Beute entdeckt wurde, strömen sofort zahlreiche Arbeiterinnen aus den Nesteingängen und folgen der Duftspur.

    Der Nestaushub und sich stetig vergrößernde Nestkammern:



    Auch wenn eigentlich eine Arbeiterin die Beute alleine tragen könnte, wird gleich eine kleine Mannschaft rekrutiert:




    Es macht immer wieder Freude, dieser flinken Art bei ihrem Treiben zuzuschauen.

    Ich beginne langsam, mir über den Anschluss eines ersten Schlauches und zweiten Beckens Gedanken zu machen.

    LG, Phillip
  • Solide Kolonieentwicklung
    Seit ich eine kleine Heizmatte unter dem Becken installiert habe, hat sich die Kolonie in die angebotene Sand-Lehm-Mischung eingegraben. Zu meiner großen Freude haben sie die Nestkammern feinsäuberlich direkt an der Glasscheibe angelegt, sodass ich zumindest im nicht von der Heizmatte verdeckten Teil einen guten Einblick habe.

    Wie man sehen kann, gibt es deutlich mehr Brut als es derzeit Arbeiterinnen sind (ca 60 - 70 große Larven und Puppen):


    Ich füttere jeden Tag 2-3 kleinere Heimchen und ab und an diverse andere Insekten, die sich in meine Wohnung verirren. Es wird nichts liegengelassen.

    LG, Phillip
  • Nach dieser übersichtlichen Einführung von Phillip möchte ich hier seinen Haltungsbericht zu einem gemeinsamen Haltungsbericht erweitern.

    Erhalten habe ich meine Königin im Mai 2017 und bereits zu diesem Zeitpunkt erhielt ich Sie mit einem kleinen Eipaket. Da ich nicht sagen kann aus welchem Schwarmflug Sie stammt, kann ich nicht bestätigen das diese Art zunächst erst einmal überwintert, bevor Sie mit der Brutaufzucht beginnt. Ich habe meine Königin ab diesem Zeitpunkt bei Raumtemperatur gehalten, was der Jahreszeit entsprechend allerdings bereits nach kurzer Zeit deutlich mehr als 20 °C entsprach.

    Ich habe ab diesem Zeitpunkt die Entwicklung nicht dokumentiert, allerdings kann ich sagen das diese doch sehr einfach verlief. Wie bereits erwähnt mögen Sie Zucker-, Honig- und Invertzucker. Zusätzlich verschmähen Sie keinerlei Insekten, Heimchen als auch Schokoschaben werden angenommen. Dabei gehen die Damen in keinster Weise verschwenderisch mit der Nahrung um. Auch wenn frischere Nahrung zur Verfügung steht, wird an Schaben noch weiter geknabbert, auch wenn diese bereits offensichtlich vertrocknet sind.

    Zunächst erst einmal eine Übersicht zum aktuellen Set-up. Sie leben aktuell in zwei Reagenzgläsern die in einem 20x20 cm Würfel untergebracht sind. Ausgestattet ist das Becken mit einer dünnen Sand-Lehm-Schicht, Steinen und Ästen.
    Beheizt wird über einen 50W-Halogenspot der oberhalb des Beckens hängt. Die Temperatur kann ich aktuell nicht nennen, da ich diese nicht messen, allerdings würde ich zur Vervollständigung das in nächster Zeit nachholen.

    Ob den Kleinen die Temperatur gefällt lässt sich allerdings auch über deren Verhalten ermitteln bzw. wo Sie Ihre Brut lagern. Zu Beginn des Tages lagert die Brut gleichmäßig verteilt im kompletten Reagenzglas, sobald allerdings die Lampe eine Weile brennt, so werden immer mehr Puppen in Nähe der Öffnung des Reagenzglases gebracht.

    Zunächst eine Übersicht über das Becken.


    Um Phillips Erwartungen über die Entwicklung ein Bild zu geben, ist hier zusätzlich ein Bild der Kolonie am 21. März.


    Somit hat die Kolonie in knapp einem Monat auch ein zweites Reagenzglas gefüllt. Mit der zusätzlichen Info, dass das zweite Reagenzglas keine Standard-Maße besitzt sondern einen Durchmesser von 2,5 cm besitzt. Und trotzdem wird inzwischen Brut im angeschlossenen Schlauch gelagert.

    Entsprechend der Entwicklung ist ein neues Becken mit Gipsnest in Planung. Sobald dies etwas mehr Form annimmt, werde ich mich wieder melden, was nicht lange dauern kann, da das Becken doch sehr eng wird aktuell.

    Bis dahin schöne Grüße,
    Vitruv




  • Für den Anfang habe ich ihnen ein 30x20cm Becken eingerichtet, relativ schlicht mit etwas Sand-Lehm-Mischung, Kieseln und im hinteren Bereich etwas Lavasplit, wo ich gut bewässern kann. Erst einmal ist das Becken aber sowieso noch zu feucht, sie brauchen es ja eher trocken. Beheizt wird es derzeit behelfsmäßig mit einer kleinen 8W Heizmatte an der Unterseite, auf längere Sicht werde ich aber auf einen Halogenstrahler von oben umstellen, das ist einfach natürlicher und es gibt weniger Probleme mit Kondenswasserbildung.

    Bislang bleiben sie im Reagenzglas, sie dürfen sich aber gerne einbuddeln, so ist es gedacht. Ich habe extra ein Becken mit Bohrungen auf beiden Seiten gekauft, das Ganze soll bewusst erweiterbar sein, um der wachsenden Kolonie gerecht werden zu können.

    Zuckerwasser wird gerne genommen und der Hunger ist aktuell für so eine kleine Kolonie bereits unbändig, ich kann jeden Tag ein kleines Heimchen verfüttern und es wird angenommen.

    Ich bin sehr gespannt, was da noch kommt.
  • Iridomyrmex purpureus - Gemeinsame Haltungserfahrungen

    Phillip Alexander


    Australische "meat ants" - Fleischameisen: Iridomyrmex purpureus
    Ihren englischen Trivialnamen tragen diese Ameisen nicht von ungefähr; in der Natur bilden sie riesige Kolonien mit sich mehrere Quadratmeter ausdehnenden Nesthügeln aus und sind aufgrund ihrer Volksstärke in der Lage, verendete Weidetiere komplett zu skelettieren, ähnlich wie unsere einheimischen Waldameisen dies mit kleineren Säugetieren, Vögeln und Echsen tun.

    Südlich von Perth in Western Australia konnte ich sie 2015 ausgiebig beobachten und war schwer beeindruckt von ihren stark belaufenen, langen Straßen, die sich als kleine Schneisen deutlich sichtbar durch das Gras zogen. Sie führten häufig zu größeren Bäumen, die stark belaufen wurden und wahrscheinlich decken sie hier mit Pflanzensäften, Honigtau und kleineren Insekten trotz ihres Namens den größten Teil des Energiebedarfs der großen Kolonien ab.

    Die Nesthügel sind meistens recht flach, mit zahlreichen Steinchen und Kieseln bedeckt und sehr auffällig, weil die Ameisen akribisch jeglichen Pflanzenbewuchs im Bereich des Nestes verhindern. Dementsprechend erreichen die in sonnenexponierten Lagen gebauten Nester in der australischen Sonne hohe Temperaturen und bei geringster Störung strömen unzählige nervöse Arbeiterinnen aus den zahlreichen Nesteingängen. Dieses Video hier gibt einem ein gutes Gefühl für die Ausdehnung und Struktur eines größeren Nestes, man sieht deutlich, dass die Kammern schätzungsweise bis knapp einen Meter tief reichen:

    Iridomyrmex purpureus schwärmen zweimal im Jahr, einmal in den ersten warmen Tagen des Frühlings (August bis Anfang September) und ein zweites Mal am Ende des Sommers im März. Der Volksgröße entsprechend bringen die Kolonien eine große Zahl an Geschlechtstieren hervor und der Schwarmflug lässt sich mengenmäßig mit dem von Lasius niger vergleichen, nach einem Tag waren jedoch alle Königinnen verschwunden.

    Meine jetzige Kolonie stammt vom Schwarmflug im März 2017, ich habe die Königin im August ohne Brut erhalten; sie überwintern vermutlich zunächst und beginnen dann erst mit der Brutaufzucht. Es wurden relativ schnell einige Eier gelegt, die Entwicklung ging anders als erwartet allerdings zunächst relativ langsam voran. Derzeit sind es etwa 10 Arbeiterinnen und jetzt wollen sie scheinbar wirklich loslegen - in den letzten Wochen ist einiges an Brut dazu gekommen, sodass sich die Kolonie in kurzer Zeit verdoppelt bis verdreifacht haben wird. Deshalb habe ich sie jetzt aus ihrer Plastikbox in ein schöneres Becken umgesiedelt und werde ab jetzt in lockeren Zeitabständen ein wenig über diese Art berichten, mit der ich einiges vorhabe.

    Hier zwei (leider beendete) Haltungsberichte von Iridomyrmex purpureus aus dem Forum:
    -Iridomyrmex purpureus - Haltungsbericht
    -Iridomyrmex purpureus

    Das hier darf und soll gerne ein gemeinsamer Haltungsbericht werden, wer also eigene Erfahrungen beisteuern möchte, kann gerne direkt hier mit rein schreiben! Ich werde den Titel dann entsprechend anpassen.

    LG, Phillip