Tropisches Gesellschaftsbecken (2)

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    • Tropisches Gesellschaftsbecken (2)

      Hallo,

      ich stelle hier mein zweites tropisches Gesellschaftsbecken vor. Es wird derzeit von drei baumbewohnenden Arten aus Südamerika bewohnt und entstand im Sommer 2010. Die Fotos werden momentan noch mit meiner Dropbox verlinked präsentiert. Da es sich um relativ kleine Ameisen handelt ist nicht immer alles ganz scharf.
      Nach und nach werden noch mehr Fotos, auch explizit benannte Pflanzenfotos eingestellt.

      Das Glasbecken

      Das 80cm x 70cm x 40cm große Becken habe ich beim Glaser anfertigen lassen. Wie auf den Fotos zu erkennen ist handelt es sich um einen einfachen, oben offenen Glaskasten. Mein Gedanke war einen sicheren Ausbruchsschutz erzeugen zu können wenn ich kein herkömmliches "Fronttürensystem" habe. Die Maße resultieren aus dem vorhandenen Platz und aus meiner Armlänge. Es hat knapp 200€ gekostet, der Glaser machte mich auch vorher darauf aufmerksam, er würde lediglich das Material (Glas und Silikon) zum Preis eines im Baumarkt angebotenen Terrariums bekommen... Dafür ist es halt nach Maß angefertigt.
      Fotos: dropbox.com/gallery/2953323/2/Terrarium/Glasbecken?h=670430

      Die Abdeckung

      Sie besteht aus Betoplan-Platten, ein wasserfestes Sperrholz welches zudem noch ein schönes dunkelbraunrotes Furnier hat. Die furnierten Seiten nehme ich als Blende. Der Deckel ist in drei Teile zerlegbar:
      der Rahmen in den ein Abdeckungsteil gesetzt wird, es enthält drei 5 Watt Mini-Energiesparlampen und drei Belüftungslöcher,und ein Abdeckungsteil welches zum Füttern und Sprühen abgenommen wird. An dessen Unterseite befindet sich ein 60cm Leutbalken mit zwei 20 Watt Röhren.
      Zwischen dieser und dem Rahmen habe ich einen 3mm breiten Schlitz frei gelassen, so kann noch mehr Luft zirkulieren.
      Fotos: dropbox.com/gallery/2953323/2/Terrarium/Abdeckung?h=9f1bbb

      Die Einrichtung

      Ursprünglich wollte ich nur den, auf den Fotos zu sehenden, Liguster-Ast zentral ins Becken stellen. Er ist komplett hohl und wurde in einer kleinen Gartenhecke entdeckt -ein erstaunlicher Fund. Die Fotos erklären sich eigentlich von selbst, das Lochblech wird angeschraubt und in einem Pflanzenuntersetzer zementiert, so steht der Ast von allein...
      Als dann aber Ideen für andere holzbewohnende Ameisenarten aufkamen entschloss ich mich noch zwei Korkröhren, senkrecht zu platzieren -sie eignen sich auch für Epiphyten aller Art und ließen sich mit Silikon am Beckenboden fixieren.
      So wurde auch das Xaxim an der Rückwand befestigt.
      Xaxim-Exkurs: Das aus Baumfarnstämmen gewonnene Produkt unterliegt einer Einfuhr/Ausfuhr-Kontrolle und ist zertifiziert. Früher gab es nur ein sehr dunkles, fast schwarzes Xaxim welches sehr hart war und auch im Tropenbecken jahrelang seine feuchtigkeitsspeichernde und bodenbelüftungstechnische Eigenschaft behielt. Es ist teurer als das neue, hellbraune, weiche Xaxim welches, auf Plantagen gewachsen, offensichtlich kein Zertfikat mehr braucht. Ich würde heute auf jeden Fall das alte, dunkle Xaxim nehmen, ich vermute das es für Ranken und Epiphyten weit besser geeignet und vor allem haltbarer ist. Dieses alte Xaxim brachte in einem anderen Terrarium auch 2 Farne und ein tropisches Moos hervor...
      Als Nester für diese arboricolen Ameisen eignen sich Äste mit leerem oder gefüllten Mark: Birne, Hollunder, (Sommer-)Flieder, Hortensie, Forsythie aber auch trockenes morsches Holz vom Liguster welches im besten Fall schon ein paar Käferlöcher enthält.
      Wenn diese Äste nicht an die beiden Korkröhren geschraubt wurden habe ich sie einfach in den Boden gesteckt, mit der Zeit und dem Wachstum der Kolonieen habe ich immer mehr Äste eingesetzt -inwieweit sie von unten her morsch werden wird sich über die Zeit zeigen.

      Der Boden und die Pflanzen

      In diesem Terrarium will ich den Stockwerkaufbau des tropischen Regenwaldes im Miniaturformat wiedergeben. Um die Fläche zu vergrößern und gleichzeitig einen höheren Gasaustausch im Boden zu erreichen steigt der Boden nach hinten an. An der Frontscheibe sind nur 3 cm Erde zu sehen, während an der Rüchwand 20cm liegen. In einem früheren Becken habe ich als Boden Xaxim (das alte dunkelbraune gute) verwendet, diesmal probiere ich eine selbstgemachte Mischung aus biologischem Schwarztorf und Vulkangestein (Körnung 0,5cm-5cm). Das ist zum einen billiger und außerdem können Ameisen darin graben. Ich erhoffe mir auch gute Eigenschaften für Pflanzenwachstum -das poröse Vulkangestein soll den Boden belüften.
      Der untere Teil des 70cm hohen Beckens, bis in eine Höhe von 30 cm ist insofern für Pflanzen die auch mit wenig Licht auskommen und es sehr feucht mögen bestimmt.
      Hier wächst z. B. eine Ruellia, deren charakteristische Färbung leider nur im Sommer wenn die Sonne im entsprechenden Winkel einfällt, entsteht. Im Winter, mit weniger Licht, bleibt sie grün-weiß gemustert. Obwohl es so weit unten kaum Luftzirkulation gibt wächst die Pflanze ausdauernd und stabil. Rückschnitt verträgt sie sehr gut.
      Auch kommen diverse Sellaginella spec vor, dabei bevorzuge ich zwei Arten die einen sehr niedrigen und leicht zu kontrollierenden Wuchs haben: Die erste wird bei mir ca 7 cm hoch, ist relativ dicht und schillert blaugrün. Die zweite ist mein absoluter Liebling unter den Sellaginella, sie bildet sehr feine, ca 4mm breite "Wedel" aus, die von einem tiefen Dunkelgrün mit hellgrünen Triebspitzen in ein Weinrot an den Stängeln übergehen. Außerdem bildet dieser Farn unterirdische Ausläufer, Rückschitt ist daher kein Problem.
      Moose sind wenigstens bei mir immer schwierige Kandidaten gewesen, ein Leberlappmoos gedeiht aber ganz gut. Ansonsten sind am Boden noch kleinwüchsige Pflanzen, die sich über Samen verbreiten, zu finden wie Pilea microphylla und Chirita tamiana.

      Eine sehr schöne Ranke die wie Efeu am Holz emporwächst heißt Marcgravia sintenisii, ihre frischen Blätter schimmern rötlich. Auch sie hat eher langsame, ausdauernde Wuchseigenschaften.
      Eine weitere Ranke die ebenfals langsam am Holz hinaufkriecht und winzige Blätter hat ist leider unbekannt -für Hinweise bin ich immer dankbar. Ihre Blätter haben eine ähnliche Farbe wie die des Ficus spec borneo, der auch als Ranke einzuordnen ist. Er sieht eigentlich fast genauso aus wie der Ficus pannama, hat aber noch kleineres Laub welches nicht so stark glänzt.
      Im hinteren, sehr dunklen Teil habe ich eine sehr robuste Pflanze mit Namen Saxifraga stolonifera angesiedelt. Sie hat schön gezeichnetes Laub wächst sehr schnell und verbreitet sich über oberirdische Ausläufer die zur rechten Zeit gejähtet werden wollen, andernfalls würden sie kleinere Pflanzen überschatten.

      Der ursprüngliche Plan war die Xaximrückwand von unten her zu begrünen. Leider hat es nicht funktioniert weil die Pflanzen auf halber Höhe des Beckens zu schnell wuchsen und der unteren Vegetation das Licht wegnamen. Lediglich die Begonia schulzei hat es bis oben geschafft und breitet sich nun auch zu den Seiten hin aus.
      Eine andere schnellwüchsige Gattung ist hier mit zwei Arten im mittelhohen Bereich der Anlage vertreten: Passiflora spec und Passiflora helleri. Diese beiden Nektarspender werden ständig von den Cephalotes sowie den Pseudomyrmex besucht.
      Passiflora spec hat zwei unterschiedliche Fraktionen von Nektarien, die gewöhnlichen "Stuppel" die man von einheimischen Kirschenarten kennt und die tellerförmigen an der Blattunterseite. Davon bis zu 10 pro Blatt. Die P. helleri hat letztere in zwei Reihen angeordnet, bei optimalen Wuchsbedingungen bis zu 18 Nektarien pro Blatt. Bei beiden Pflanzen sind es die Triebspitzen und die ersten 5 Blätter deren Nektarien auch tatsächlich Nektar abgeben. Diesen Umstand sollte man bei der Planung eines Terrariums berücksichtigen, wenn es mal nicht um Ästhetik geht wächst die Passiflora spec aber auch im 30x20x20cm Aufzuchtbecken. In jedem Fall ist es aber sinnvoll wenigstens zwei Exemplare im Terrarium zu halten, so kann man eine zurückschneiden während die zweite weiterwächst und Nektar produziert.

      Epiphyten

      Als Epiphyten im praktischen Sinn hab ich ein paar Fittonias auf die beiden Korkrohre gesetzt, sie sind aber farblich unnatürlich und stören daher schon fast, mal schaun was passiert... Die Neoreglia lilliputiana, eine kleinbleibende Bromelie passt mit ihrer graugrünen Farbe gut zu den Tillandsien. Zusätzlich dient sie den arboricolen Arten die einen trockenen, heißen Lebenstraum bewohnen, als Tränke -das Sprühwasser bleibt ca 36 Stunden in ihrem Trichter stehen und man kann die Cephalotes pusillus beobachten wie sie dort trinken.
      Hinzu kommen noch ein paar Tillandsien, die lateinischen Namen der meisten sollen hier vernachlässigt werden. Eine Faustregel im Umgang mit Tillandsien im Terrarium wäre z.B. dass man graue ("glauca") Exemplare möglichst weit oben, an luftiger und warmer Stelle ansiedelt, während fleischigere, grüne Arten weiter unten an feuchteren Stellen leben können. Zusätzlich sollte man nur morgens oder vormittags Sprühen, dann kann nämlich das überschüssige Wasser gut abtrocknen und die Tillandsien werden nicht schimmeln. Diese zeitlich bestimmte "Sprühtechnik" ist außerdem für die Cephalotes und Pseudomarmecinen absolut obligatorisch, die Ästchen, die sie bewohnen, müssen abtrocknen bevor es zur Schimmelbildung kommt!
      Zurück zu den Tillandsien: Aus optischen Gründen hab ich nie Damenstrümpfe verwendet um die Epiphyten aufzubinden wie es von proffessionelen Gärtnern vorgeschlagen wird. Entwerder habe ich einen natürlichen Harzkleber (extra für Tillandsien -angeblich) aufgetragen oder die Pflanzen an einer rauhen, unebenen Stelle auf Kork oder Holz aufgesetzt. Dann muss man Geduld haben, wenn die Stelle für die jeweilige Art gut geeignet ist werden schnell Wurzeln ausgebildet mit denen sich die Tillandsie festhält. Natürlich gab es im Lauf der Zeit auch immer wieder die ein oder andere Art die einfach nie ihren Platz fand und einging. Andere fühlen sich so wohl, dass sie sogar Ausläufer erzeugen.
      Auf zwei Tillandsien möchte ich noch kurz eingehen: Tillandsia caput medusae und Tillandsia bulbosa sind "Scheinzwiebeln" ausbildende Pflanze die von Ameisen wenigsten kurzfristig als Nestraum genutzt werden, Untersuchungen haben gezeigt dass die Pflanze von den Ameisen eingetragene Nährstoffe aufnehmen kann. Noch sind die Pflanzen nicht besiedelt, eine Art die dafür in Frage kommen würde wäre die Crematogaster limata parabiotica, angeblich ist die Kombination dieser Art mit T. bulbosa häufig Ausgangspunkt für Ameisengärten.

      Abschließend ist noch anzumerken das die anfängliche Bepflanzung eines Terrariums wenig mit der die man zwei Jahre später vorfindet zu tun hat. Über die Zeit kristallisieren sich farbliche Vorzüge heraus oder bestimmte Pflanzen stellen sich als zu schnellwüchsig heraus und ähnliches.

      Bewässerung

      Ich sprühe (nach Bedarf) alle zwei bis drei Tage, wichtig ist dabei die Temperatur und der Einfall der Sonnenstrahlen. Dabei verwende ich einen Drucksprüher mit einem 1:1 Gemisch aus Leitungswasser und destilliertem Wasser.


      Tierische Mitbewohner:

      Wie (fast) immer hat sich eine Springschwanzpopulation angesiedelt, für uns (Terrarianer) ein obligatorischer Arthropode der sich aller möglichen Reste annimmt: Futterreste und sogar Schimmel der sich einmal auf einem Blatt der Passiflora gebildet hat wurde von den kleinen Tierchen gefressen.
      Ein anderer Mitbewohner ist die "Aasschnecke". Ich weiß nicht woher sie ursprünglich kommt -mittlerweile halte ich sie für eine einheimische Art die durch das veränderte Klima (im Terrarium) und die (evtl unzureichende) Nahrung eine Modifikation erfährt. Sie wird 2Centstück groß, frißt Nahrungsreste und Zuckerwasser aber keine Pflanzen(!). Der einzige Wermutstropfen: Sie hat sich inzwischen so stark vermehrt dass sie manchmal schneller beim Futter ist als die Ameisen! In Abhängigkeit zur Luftfeuchtigkeit sind weiter unten immer mehr dieser Mitbewohner anzutreffen und anfangs war sie auch nur nützlich, schließlich sind häufig Fliegen, Heimchen oder Wachsmaden von den Blättern oder Ästen heruntergefallen um dann am feuchten Boden zu verschimmeln -wären nicht die Aasscnecken da gewesen um alles zu fressen.

      Die Ameisen

      Momentan leben hier drei Ameisenarten, die Pseudomyrmex cf pallidus aus Paraguay, die etwas größeren, braunroten Pseudomyrmex spec aus Guyana und die grauschwarzen Cephalotes pusillus aus Paraguay.
      Ungefähr kurz vor Weihnachten 2009 erhielt ich die 5-6mm gelbe Pseudomyrmecinen, die so empfindlich gegenüber Feuchtigkeit sein sollten, es waren die Königin, 8 Arbeiterinnen und ein paar Larven. Auf den Fotos sahen sie eher unspektakulär aus -in Natura jedoch begeistern mich diese wesepenartigen Ameisen jedesmal wenn ich wieder hinschaue, mit schnellen ruckartigen Bewegungen erkunden sie ihre Umgebung, ihren riesigen Augen entgeht nichtmal ein kleiner Springschwanz! Leider habe ich noch nicht beobachtet wie sie einen fangen...

      Nachdem sie angekommen waren bewohnten sie zunächst eine praxisorientierten Vorrichtung, auf dem Foto sind die beiden CD-Roling-Spindeln zu erkennen -eine große und eine kleine. In die Kleine habe ich ein hohles Ästchen z.B. von einer Fosythia oder vom Sommerflieder gelegt, die Große versah ich mit zwei Löchern die eine Luftzirkulation ermöglichen. Ineinander geschoben schließen die beiden Plastkteile absolut "ameisendicht" ab. Der eigentliche Trick bei der Konstruktion ist aber die Kreisrunde Form deren oberer Rand sich mit Öl einstreichen lässt und die Ameisen so am davonlaufen hindert. Das hab ich auch erst herausfinden müssen, anfangs hatte ich sie in einem 30x20x20 Becken, da konnten sie den Ölrand einfach in den Ecken überqueren, aber durch die runde Form der CD-Spindelabdeckung ist das Öl so gut verteilt gewesen das die Tiere überall abrutschen.
      Die Handhabung dieses Nestprovisoriums funktioniert folgendermaßen: Jeden Morgen wird ein feiner Wasserstoß (1:1 Leitungswasser mit destilliertem Wasser) in die untere (kleine) Spindelabdeckung, die das Nest beherbergt, gegeben. Man kann dann die Tiere beobachten wie sie winzige Wassertröpfchen trinken. Diese Wassergabe ist absolut obligatorisch. Als nächstes wird die große "Abdeckungsspindel" wieder auf die kleinere gesetzt und das ganze dann an einen warmen Platz gestellt. Ich hatte diese Apparatur auf eine Aquarienabdeckung stehen, durch die Wärme konnte das, nicht getrunkene, Wasser über die Löcher verdunsten und die Ameisen hatten es warm und luftig genug.
      Ich habe so versucht die klimatische Situation in den heiß/trockenen Wäldern Paraguays zu simulieren, morgens gibts Tau zu trinken, tagsüber ist es einfach nur heiß.
      Gefüttert habe ich die kleine Kolonie mit Heimchen, Fliegen und Zuckerwasser. Einmal gabs auch flügellose Drosophilas -absolut spannend wie die Ameisen jagen -sie können ihre Beute ja wirklich sehen und dementsprechend verfolgen!
      Als die Kolonie dann ca 30 Tiere und weitaus mehr (!) Larven und Puppen zählte durften sie ins neue große Tropenbecken. Dazu gleich mehr.
      Fotos: dropbox.com/gallery/2953323/2/…um/Nestvarianten?h=f23ccc

      Mit den Cephalotes und der anderen Pseudomyrmex bin ich ähnlich verfahren, auffällig dabei war, dass die Schildkrötenameisen nur als große Kolonie an die Heimchen gehen. Außerdem ist zu beachten das Futter (Raupen, Heimchen und Maden) auch noch vertrocknet eine wichtige Nahrungsquelle darstellt, dabei kriechen die Pseudomyrmecinen und manchmal auch die Cephalotes in die Heimchen und "nagen" das letzte Bisschen Fleisch heraus.


      Das Einsetzen der Kolonieen

      Als ich alle Kolonieen für groß genug hielt um nicht verloren zu gehen setzte ich sie ins Terrarium, zunächst die P. cf pallidus mit den (im gleichen Gebiet vorkommenden) C. pusillus. Beide in ihren ursprünglich bewohnten Ästen.
      Nachdem das neue Territorium erkundet war, begann eine Zeit ständiger Umzüge.
      Wärend die Pseudomyrmex eher nach Bedarf die am nächsten zur Beleuchtung(Temperatur) stehenden Äste bezogen, verfolgten die Cephalotes die Strategie, einfach alles was einigermaßen geeignet war zu besetzen, selbst wenn sich dann in einem besetzten Ästchen nur 2 oder 3 Arbeiterinnen aufhielten. Zusätzlich haben sie den Ligusterstamm an drei Stellen, an denen vermutlich bereits Löcher waren, besiedelt. Die bereits vorhandenen Höhlen wurden noch weiter ausgeschabt, C. pusillus kann also Holz zerkleinern.

      Ich hatte beim Einrichten des Terrariums darauf geachtet den Tieren nicht nur die senkrecht stehenden Flieder- und Forsythienäste zur Verfügung zu stellen, sondern auch ein paar waagrecht liegende. Ich musste feststellen das alle drei Arten senkrechte Nestmöglichkeiten bevorzugen (vorher wurden sie ja ausschließlich in waagrecht liegenden Ästen gehalten),
      heute, ca 7 Monate nach dem Einsetzen, sind alle horizontalen Äste unbewohnt. Einige der Äste enthielten noch Mark, z. B. Hollunderäste. Beim bewohnbar machen solcher Äste kann man die Ameisen beobachten wie sie feine Brösel des Marks heraustragen und hinunterwerfen. Und siehe da - die thermodynamische Belüftung funktioniert so gut das man den feinen "Markstaub" sekundenlang (!) in der Luft stehen sehen kann.
      Die braunrote Pseudomyrmecine bewohnt, nachdem ich sie ins Becken gegeben habe, weiterhin ihr ursprüngliches Birnenästchen und hat außerdem noch einen Hortensienast besiedelt. Meine anfängliche Sorge sie würde dem Konkurrenzdruck (Futter, Nestplätze) unterliegen blieb völlig unbegründet, sie hat sich auch ganz wunderbar entwickelt.
      Trotzdem ist es immer gut die Ameisen eine zeitlang zu beobachten und "vorzubereiten", sodass genügend Arbeiterinnen und Brut vorhanden sind, bevor man sie in ein Gesellschaftsbecken gibt.

      Das Leben im Terrarium

      Wie schon erwähnt, es gibt glücklicherweise keine handfesten Auseinandersetzungen und obwohl die Kolonieen so unterschiedlich stark sind erlangen alle ihr Futter und wachsen stetig. Dies hat verschiedene Gründe:
      Alle drei Arten können sehen, jedoch sehen manche besser als andere. Die schwarzen Cephalotes pusillus erkennen andere sich bewegende Objekte (in Abhängigkeit zu den Lichverhältnissen) einigermaßen gut, mich z.B. nehmen sie teilweise auf 50cm Entfernung wahr. Dies äußert sich unterschiedlich, mal lässt eine aufmerksam gewordene Arbeiterin von ihrer aktuellen Tätigkeit ab um mit aufgerecktem Haupt auf mich zuzulaufen oder ein anderes Mal stellt sie den Gaster wie eine Werberameise auf um ebenfalls in die Richtung des bewegten Gegenstandes zu laufen. Also man kann zwei unterschiedliche Reaktionnen erkennen -was welche von beiden genau bewirken soll ist mir unklar, zumal die Cephalotes weder einen Stachel noch ein Wehrsekret oder wirkungsvolle Kiefer hat um sich gegen größere Feinde verteidigen zu können.
      Die Pseudomyrmecinen dagegen werden von C. pusillus nur 1-2cm verfolgt wenn sie sich ans Futter heranpirschen. Werden sie dabei nicht gesehen können sie am Heimchen oder der Fliege knabbern bis sie durch das Erscheinen einer anderen Ameise erschrecken und augenblicklich davonlaufen. Die Bewegungen der Pseudomyrmecinen verlaufen zum Teil blitzschnell und trotzdem zielstrebig. Wenn man sich dem Terrarium tagsüber nähert sehen einen die Tiere schon von weitem und verschwinden hinter Bättern oder Ästen, um dann langsam wieder zu erscheinen und ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Erstaunlich ist das Vehalten der Pseudomyrmex gegenüber Nestgenossinnen, auch ihnen wird schnellstens ausgewichen.
      Die gelbe P. cf pallidus kann nicht nur besser sehen als Cephalotes pusillus, ihre helle Färbung scheint sogar einen Tarneffekt auf den beigen Hölzern zu haben, hier manövriert sie geschickt zwischen den Cephalotes umher um beispielsweise ein Fliegenbein nach Hause zu bringen -ohne gesehen zu werden!
      Die Königin unter den sehenden (im Terrarium lebenden) Ameisen ist die braunrote Pseudomyrmecine aus Guyana: Sie reagiert auf kleinste Bewegungen in weiter Entfernung, um sie beobachten zu können muss man sich nach dem vorsichtigen Annähern absolut ruhig halten, dreht man den Kopf schnellt die Ameise hinter ein Blatt oder ähnliches. Auch dies hängt natürlich von den Lichtverhältnissen ab, am Abend wenn es dämmert z. B. muss man schon winken damit man gesehen wird.
      Ein anderer Grund für das gut funktionierende Zusammenleben ist die Ernährung selbst. Während Cephalotes am liebsten frische Insekten oder Raupen frißt knabbern und nagen die Pseudomyrmex noch tagelang an längst vertrockneten Futterstücken, wie schon erwähnt kannman dabei beobachten wie diese schlanken Ameisen in die Chitinskelette der Heimchenkadaver kriechen um sie auszuhölen. Auch konnte man schon beobachten dass die Pseudomyrmecinen Abfälle die von den Cephalotes aus ihren Astnestern geworfen wurden wegtragen. Ich biete ungefähr alle zwei Tage 10 -15 Teile an, und zwar sind das dann Fliegen, Heimchen, Fliegenmaden, Wachsmaden oder im Sommer auch Raupen.
      Die Nahrung wird von Cephalotes an Ort und Stelle gegebenenfalls zerlegt und gefressen, die Pseudomyrmex dagegen tragen auch Fleischstücke oder Gliedmaßen weg.
      Die Nektarpflanzen der Gattung Passiflora werden auch gerne besucht, können den Bedarf an Kohlenhydraten aber nur kuzzeitig decken.

      Der Größenpolymorphismus der C. pusillus fällt beim Beobachten eher selten auf, die Tiere im Freien sind alle gleichgroß. Das verschließen der Eingänge mittels einer Türschließermorphe tritt nur in abgeschwächter Form auf wenn z. B. mehrere Arbeiterinen Kopf an Kopf im Eingang stehen. Die Majore, von denen bei der Ankunft der Kolonie mehrere dabei waren, halten sich meist im Nest als Futterspeicher auf.

      Fotos: dropbox.com/gallery/2953323/2/Terrarium/Ameisen?h=4bfdce

      Der Tagesverlauf

      Die Aktivität der Tiere hängt von der Tageszeit ab. Früh am Morgen ist noch nichts los, wenn es eine Stunde hell war kommen die ersten Ameisen aus ihren Ästen um zu fouragieren. Mittags, wenn die Sonne ins Becken scheint, bekommt man manchmal den Eindruck vor einer Großstadt zu stehen, überall bewegt sich etwas. So geht es bis zum Spätnachmittag und frühen Abend weiter. Wenn dann noch für die Pseudomyrmex geeignete Futterquellen vorhanden sind werden diese auch noch bis ca 22:00 frequentiert. Ab 22:30 sieht man kaum noch Pseudomyrmecinen, auch wenn das Licht noch bis 2:00 brennt. Offensichtlich habe diese Tiere eine innere Uhr. Die Cephalotes dagegen passen sich einfach den gegebenen Licht/Beleuchtungsverhältnissen an, sie fressen und verlegen Brut von einem Hölzchen zum nächsten bis man das Licht ausmacht.

      Weiteres wird bald folgen!
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      The post was edited 3 times, last by Alpha Chooby ().

    • Re: Tropisches Gesellschaftsbecken (2)

      Hallo Alpha,

      hast ein wirklich tollen Bericht mit schönen und interessanten Holzbewohnern gestartet!
      Das Becken sieht ja schon richtig gut aus. Bin mal gespannt, wie es sich weiterentwickelt und sich die Pflegearbeiten dort gestalten. Wird auch interessant werden, wie sich die Ameisen untereinander arrangieren.
      Also immer schön berichten, was es Neues gibt und natürlich viele neue Bilder!

      LG, Heiko
    • Re: Tropisches Gesellschaftsbecken (2)

      Hallo,

      die Ernährung der Cephalotes habe ich bereits beschrieben, seit über einem Jahr bekommen sie Fliegen, Heimchen, Raupen, Maden und Zuckerwasser.

      Vor ein paar Wochen bin ich im "Superorganismus" (Hölldobler/Wilson) auf eine weitere Futterquelle gestoßen: Im Dach des Waldes fressen die baumbewohnenden Ameisen auch gerne Vogelkot.

      Hier also ein paar Fotos von der heutigen Vogelkot-Fütterung:
      dropbox.com/gallery/2953323/2/…20mit%20Vogelkot?h=30f500

      Zu erkennen sind die C. pusillus und eine Pseudomyrmecine (aus Guyana), die aber nur mal kurz vorbeischaut, ich konnte sie nicht dabei erwischen nennenswerte Mengen der Exkremente aufzunehmen.
      Das Ausscheidungsprodukt (eines Kanarienvogels) ist nur frisch für die Ameisen interessant, wenn es trocknet wird es nachts von den Schnecken geholt.

      Grüße
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    • Re: Tropisches Gesellschaftsbecken (2)

      Hallo,

      sehr tolles Becken! Sowas will ich mir irgendwann auch einrichten.
      Vogelkot nehmen sehr viele arboricole Ameisenarten gerne auf. Hier in Deutschland besonders Dolichoderus quadripunctatus, die nehmen den auch im trocknen Zustand :)

      Wahrscheinlich sind sie hinter Mineralien her. Nährstoffe werden sie sicherlich nicht aus dem Kot beziehen können. In dem Dokumentarfilm von Maschwitz wurden Dolichoderus auch mit Urin geködert.

      Grüße, Phil
    • Re: Tropisches Gesellschaftsbecken (2)

      Hi,

      hier ein (tatsächlich) kurzer Text über Darmbakterien der C. atratus und C. pusillus:

      rparticle.web-p.cisti.nrc.ca/r…2001&issue=6&msno=z01-079


      Die C. pusillus Kolonie bei mir wurde ungefähr ein Jahr ohne die Gabe tierischer Exkremente gehalten und vermehrten sich dennoch wunderbar, ich meine also Vogelkot sei nicht obligatorisch in der Ernährung von C. pusillus.


      Hier noch eine Seite die sich anscheinend nur mit Cephalotes und Procryptocerus beschäftigt:

      academic.evergreen.edu/project…ephalotes/cephalotes.html

      Grüße
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