*Cataglyphis bicolor.

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    • *Cataglyphis bicolor.

      Hallo liebe Leute.

      Natürlich konnte ich in diesem Januar auf Djerba nicht widerstehen, als ich eine bicolor-Kolonie fand, die bereits kräftig in früher Brutstimmung war. Die relativ kleine Kolonie nistete in einen sand- und erdegefüllten, rostigen Blecheimer, hatte dessen Innenraum zum Nest ausgebaut und profitierte hier direkt von der täglichen Sonneneinstrahlung auf das alte, braunrostige Blech des Eimers. Die gesamte Kolonie befand sich in diesem Eimer, der mit der Öffnung nach unten auf dem Erdboden stand.
      Als ich den Eimer etwas anhob, rieselten schon die Arbeiterinnen heraus, einige bereits mit ersten kleinen Eipaketen und auch die Königin fiel mir vor die Füsse. Ich hatte nun natürlich wenig Zeit, nachzudenken und zu entscheiden: Nimmst du sie mit oder nicht?, aber die brauchte ich auch nicht. Natürlich nahm ich diese Kolonie mit ;).

      Nun bewohnen die Ameisen ein 60er Glasbecken und füllen mit ihrer Kolonie ein grosses Ytongnest. Wunderschöne, grosse Ameisen, wehrhaft und aufmerksam. Als wir die Arbeiterinnen im Freiland eingesammelt hatten, bluteten und brannten unsere Handrücken, die grossen Arbeiterinnen hatten mit ihren kräftigen Mandibeln und ihren Giftdrüsen heftige Gegenwehr geleistet. Aber das war natürlich geschenkt, es war grosses Glück, so zeitig im Jahr eine solche, bereits so aktive Kolonie zu finden.

      Der Kolonie, die bei ihrem Einzug in das Ytongnest natürlich noch immer nur Eier hatte, habe ich etwas Brut von Cataglyphis viaticus zugegeben. Die jungen Arbeiterinnen werden nach ihrem Schlupf sofort akzeptiert, owohl sie viel kleiner sind als die meisten ihrer Ammen. Ein sicheres Indiz dafür, wie nahe sich die Arten trotz des Grössenunterschiedes stehen. Beide Arten gehören dem bicolor-Komplex an, die grössere Art von Djerba ist wahrscheinlich Cataglyphis desertorum.
      Zwei aktuelle Bilder aus den Kinderstuben der Kolonie. Niedliche, noch nicht ausgefärbte und ganz junge viaticus zwischen den bicolor.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/2lyv7y41zcn6.jpg]
      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/hvcsfyo5golt.jpg]

      Fragen und Bemerkungen wie immer bei mir gleich hier bitte.

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis bicolor.

      Bei den Cataglyphis sind die gut ausgeprägt, Serroth. Nicht nur bei ihnen, auch bei der ebenfalls recht gutsehenden näheren Verwandschaft von Formica usw.., soweit ich weiss. Bei kleineren Arbeiterinnen mancher ebenfalls polymorpher Arten dann fehlen sie wohl, so ist es glaube ich zB. bei den Waldameisen (Formica str.). Das Vorhandensein funktionstüchtiger Ocellen ist bei den Formicinen aber allgemein nicht ungewöhnlich.

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis bicolor.

      Hallo Frank!

      Mensch verrückt wie mich diese Gattung in letzter Zeit reizt. Alle Cataglyphis aus der bicolor Gruppe lassen mich nicht mehr in Ruhe. Schön das Du jetzt noch einen Haltungsbericht beginnst.

      Ich denke die Zugabe einiger Puppen war auch nicht verkehrt, so bekommt die Kolonie etwas Schwung.

      Ich bin gespannt wie es weitergeht.

      Wie groß werden eigentlich die Kolonien dieser Art in privater Haltung?
      Ähnlich wie im Freiland?

      Mich würde das interessieren da sie ja in der Natur auch weit ab vom Nest furagieren und weite Strecken zurücklegen.

      LG Stevie
      Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
    • Re: Cataglyphis bicolor.

      Hallo Stevie, die Kolonien der bicolor-Arten werden im Freiland relativ gross, bei einigen Arten nach einigen Jahren mit sicher bis zu 5000 Individuen. Das ist aber für Ameisenstaaten noch moderat. Natürlich kann eine Kolonie in Gefangenschaft diese Grösse ebenfalls erreichen.
      Das ist nicht nur eine Eigenheit der Cataglyphis, dass im Freiland grosse Gebiete bei der Nahrungssuche durchstreift werden. Das gilt auch für andere Ameisenarten.
      Aber Ameisen sind auch nur Menschen und sind faul. Grosse Strecken werden von gesunden Tieren nur gelaufen, wenn es nötig ist. Ist die Kolonie satt und zufrieden, bleibt man natürlich lieber zu Hause oder im Umfeld des Nestes und kümmert sich um die Innenarchitektur und um die Nachkommenschaft.
      Wobei natürlich für diese grossen, mobilen Ameisen das Umfeld des Nestes ein anderes, grösseres ist als für kleine, langsamere Arten.

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis bicolor.

      Hallo Frank!

      Vielen Dank für die Auskunft.

      Ja ich habe oft schon überlegt, mir selbst eine Cataglyphis Art zu zulegen. Dann war ich mir nicht ganz sicher wieviel Auslauf die nun wirklich bei wachsender Koloniegröße benötigen. Wie Du schreibst, verhält es sich also nicht wirklich anders als bei anderen Arten auch, was mich natürlich freut!

      Ich denke ich bin der Gattung einen gewaltigen Schritt näher gekommen ;)

      Viele Grüße
      Stevie
      Ein weiser Mann vertraut einem Menschen nicht nur aufgrund seiner Worte. Genausowenig verwirft er Worte nur aufgrund des Menschen, der sie gesprochen hat.
    • Re: Cataglyphis bicolor.

      Zwar sind gerade die Cataglyphis im Freiland am beeindruckendsten, aber auch in der Haltung wie hier bei der Fütterung zeigen sie, wozu sie fähig sind, wenn sie motiviert sind. Dann sind sie wahre Höllenhunde, sie stellen gnadenlos die Futtertiere. Die Kolonie hat ja bereits einiges an Brut, sowohl eigene wie zugegebene, sie ist also hungrig und so füttere ich jeden Tag 4 bis 5 Grillen. Wenn die Kolonie hungrig ist, werfen die Aussendienstarbeiterinnen ihre typische Vorsicht über Bord, verzichten auf längere vorsichtige Erkundung und gehen mit vollem Risiko die Beutetiere an.

      Der Eingang wird tagsüber ständig bewacht. Das funktioniert bei diesen Cataglyphis ganz ähnlich wie bei anderen sozialen Hautflüglern, wie zB. bei den Hornissen. Tiere, die das Nest zum Nahrungserwerb verlassen wollen, verharren am Nesteingang und wachen eine Zeitlang, wenn dieser gerade unbesetzt ist. Heimkehrende Arbeiterinnen werden gecheckt, ebenso wie andere, die das Nest verlassen und sich am Wachwechsel nicht beteiligen. Kommt eine andere Aussendienstarbeiterin aus dem Nest nach, die bereit ist, die Wache zu übernehmen, erfolgt die Wach-Übergabe an diese und die bis jetzt Wachende kann den Eingang verlassen.
      Die rechte, grössere Arbeiterin hat die Kamera bemerkt und äugt misstrauisch und hellwach mit den Fühlern trillernd.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/4zif2s7u0v71.jpg]

      Mit grossen Elan wird die Grille getötet und für den Abtransport vorbereitet.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/tjdrjmu4e9wo.jpg]

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis bicolor.

      Heute gab es für die Bande mal Terflys.
      Leider schlüpfen die ja fast immer zeitgleich und die Gigantiops können dann nicht so schnell so viele verdrücken. Lässt man die Fliegen lange im Terrarium leben, kacken sie einen die Scheiben zu :denken: , also entliess ich nur einige Fliegen in das Waldbecken und gab die anderen den immer hungrigen Cataglyphis.
      Es war eine Freude, anzusehen, mit welcher Hingabe und Begeisterung die Fliegen erjagt wurden. Immer wieder erstaulich ist, zu sehen, wie schnell die Ameisen lernen. Hatten alle jagenden Cataglyphis anfangs ziemliche Schwierigkeiten, die Fliegen schnell zu töten, lernten sie dies in kurzer Zeit und schon bei der dritten oder vierten Fliege wurde schnell durch routinierten Biss in den Kopf oder in den "Hals" getötet.
      Danach ungeheuer geschwind und zielgerichtet ins Nest mit der Beute. Anfangs jagte nur eine Arbeiterin. Als sie erfogreich war, verstand sie es, andere zu rekrutieren, immer mehr beteiligten sich bald an der Jagd im Terrarium. Jede der Arbeiterinnen hatte anfangs die beschriebenen Probleme, jede aber löste sie für sich im Verlauf der Jagd durch Lernen und Anpassen des Verhaltens an die Beute.

      Einblicke in das Nest und in die "Vorratskammern", wo die Nahrung aufbereitet und verwertet wird. Alle jungen, unausgefärbten Arbeiterinnen sind viaticus-Arbeiterinnen, die als Brutstadien der Kolonie zugegeben wurden.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/yfkvlwvlsvp5.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/bmagwidbv4w5.jpg]
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      Die Königin. Langbeinig und hochelegant.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/yoq9udrxt7wo.jpg]

      Wie bei anderen Catglyphis und vielen anderen Ameisen steht die Königin scheinbar immer etwas allein und abseits, dabei aber trotzdem mit etwas Abstand umringt von hilfsbereiten Arbeiterinnen, ohne also irgendwie vernachlässigt zu werden. Die Arbeiterinnen begegnen ihr mit Respekt und drücken sich zur Seite, wenn sie das Nest durchwandert. Sie ducken sich oder weichen zurück, machen immer bereitwillig Platz.

      Insgesamt ist diese Art sicher eine der grössten aus der Artengruppe. Leider ist das ja immer sehr subjektiv aufgrund fehlender Vergleichsmöglichkeiten. Begegnet man anderen Vertretern wie den oasium in Nordtunesien oder den nodus in der Türkei, ist man jedesmal überrascht von der Grösse und Wucht der grossen Arbeiterinnen der Kolonien.
      Nun aber hatte ich eine oasium-Kolonie bis vor kurzem noch hier, eine viaticus-Kolonie habe ich ebenfalls noch hier. Diese Cataglyphis übertreffen die anderen Arten, wohl auch mit den Beinlängen. Die grössten Arbeiterinnen erreichen Körperlängen von der Gasterspitze bis zu den Mandibeln von 16 bis 17 mm. Diese Ameisen gehören damit sicher zu den grössten Arten Nordafrikas.
      Allgemein erscheint diese Art etwas anders als die beiden anderen. Sie ist dunkler gefärbt als viaticus, heller jedoch als die oasium. Dabei weniger glänzend, auch am matt glänzenden dunkel gefärbten Gaster und matten, punktierten Schimmer an Kopf und Thorax. Die Beine und Fühler sind dunkel gefärbt, dabei etwas gänzender. Die Beine erscheinen länger, die Ameisen stolzieren geradezu auf ihnen.
      Das alles ist nicht sonderlich wichtig, aber schön ist es doch bei allen bicolor-Arten. Denn für den Beobachter ist es natürlich vorteilhaft, es mit grossen Tieren zu tun zu haben.
      Und dazu noch mit so schönen... :love:

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis bicolor.

      Es ist schon beeindruckend, wie flott sich diese grossen Ameisen vermehren und wie schnell die Kolonie wächst.
      Eigentlich wird mein grösstes Ytongnest bereits zu klein für diese Kolonie. Ebenso das Terrarium, aber das kann trotzdem gut noch ein Weilchen funktionieren mit dem kleinen 60er Becken.
      Denn an sich sind diese Cataglyphis recht ruhige Tiere. Ist die Kolonie nicht hungrig und leidet keinen Nahrungsmangel, ist es im Becken und rund um das Nest auch meist ruhig. Alle Arbeiten ausserhalb des Nestes werden mit grosser Ruhe erledigt. Die älteren Arbeiterinnen patoullieren ab und zu durch das Becken, halten sich am Eingang auf und lungern herum, an der Zuckertränke oder an der Wassertränke. Diese Ameisen können natürlich auch ganz anders, wenn es sein muss. Wenn aber kein Mangel besteht, schieben sie ganz gern eine "ruhige Kugel"...:)

      Im Nest herscht aber stets rege Betriebsamkeit. Ständig wird Brut hin und her getragen, Manchmal sogar ausserhalb des Nestes gelagert, wohl ein Zeichen, dass sich die Tiere sicher fühlen. Allein in der Nähe der Königin bleibt es immer etwas ruhiger, aber wenn man die Arbeiterinnen beobachtet, scheint es ihnen manchmal schwer zu fallen, sich hier in der Nähe der Königin ruhig zu bewegen.

      Jetzt mal zwei Gesamtansichten des Nestes. Es platzt bald aus allen Nähten... Wer genau hinschaut, sieht links unten, in der zweiten Kammer die Königin.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/v8n30ahx4foq.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/xyv6r1ul7tl0.jpg]

      Hier nochmal die hochelegante Königin mit ihren schwarzen, schlanken Beinen, etwas näher betrachtet.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/l5fplelb10g1.jpg]

      LG, Frank.