*Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Haltung

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    • *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Haltung

      Hallo,
      vor 12 Tagen bekam ich eine gemischte Kolonie von C.desertorum mit C.viaticus ca. 200 Tiere stark mit einer Menge Brut (80+ Puppen und 50+ Larven aller Entwicklungsstadien) für mein neu eingerichtetes Wüstenformicarium ( einen Bildbericht dazu gibt es schon).Herzlichen Dank an Frank!

      Das Öffnen der Packung und die ersten 2 Stunden gestalteten sich einigermaßen dramatisch. Die Tiere brachen wie brodelnde Lava aus ihrer Transportbox (gerade daß ich noch meine Finger zurückziehen konnte!) und rannten sofort wie von der Tarantel gestochen in der ganzen Arena herum. Nach einigen Minuten hatten die ersten Arbeiterinnen den erhöhten Nesteingang entdeckt und nach einer Viertelstunde begann ein geregelter Zug im neuen Nest zu verschwinden. Nach 2 Stunden war der Einzug beendet und bis auf einige vom Transport Mitgenommene hatten alle Tiere die Transportbox verlassen und waren im Nest.

      In den nächsten Tagen wurde das Terrain intensiv erkundet, der Appetit wuchs von Tag zu Tag und im Nest etablierte sich eine Aufteilung von Brut und adulten Tieren je nach Temperatur und Feuchtigkeitsbedürfnis.
      Langsam begann ich mich in das Verhalten der Tiere "einzusehen" , Art und Verhalten waren ja völlig neu (in der Praxis!) für mich. In allen Berichten wird das aufmerksame und wache Agieren der Tiere hervorgehoben , ihr Erkundungsverhalten ist wirklich höchst spannend. Mit einer Art vorsichtigen Entschlossenheit gehen sie die Dinge an obwohl ihre überschießende Agilität sie manchmal in Schwierigkeiten bringt, so mußte ich die Zuckerwasserfutterstelle erhöhen, da Tiere immer wieder einmal einfach in vollem Lauf darin landeten. So lernten beide ,Halter und Ameisen. Auch den Wasserbehälter mußte ich aus dem Sand auf nackten Felsboden stellen, da einige Tiere emsig daran arbeiteten eine" Kapillarwasserleitung" mit Sand aus der Tränke auf den Boden zu legen. Ihr Appetit ist gewaltig (Heimchen, Grillen, Spinnen, Käfer , Wespen alles verschwindet im Nest) Kleine Tiere werden solo behandelt, bei größeren arbeiten bis zu vier zusammen.
      Sorgen machte mir in der ersten Woche meine Unfähigkeit die Königin aus dem ganzen Gewimmel optisch zu isolieren, erst eine Nachfrage bei Frank brachte Klärung, die Königin ist praktisch nicht größer als die größten Arbeiterinnen , nur ihr Thorax ist wuchtiger. Nach einer Woche entdeckte ich auch die ersten Arbeiterinnen wie sie von der Decke einer Nestkammer hingen mit kleinen Eipaketen in ihren Mandibeln .
      Mittlerweile schlüpfen regelmäßig neue Arbeiterinnen aller Größen.
      In den letzten Tagen begannen einige Arbeiterinnen Material um den Nesteingang zu häufen, er verschwindet schon fast unter einem Haufen von kleinen Steinchen.
      Die Temperaturen bei denen ich sie halte:

      Am Morgen geht um 7h die erste 50W Neodymsonne auf , eine Stunde später die 50W UV Metalldampflampe (Desert Sun) unter der es im unmittelbaren Lichtkegel 35° hat. Im Rest der Arena gibt es Temperaturen von 20 bis 28° Schatten und volles Licht. Um 17h geht die starke Lampe aus, eine Stunde später die zweite.
      Nachts wärmt eine 15W Heizmatte die Arena gerade auf 21°(im Sommer werde ich dann darauf verzichten können).

      Das Nest :

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/bvkbon5r8q0j.jpg]

      50x25 x7 cm Ytong mit an der Rückseite verlegtem 15 W Heizkabel. Der am Bild markierte Teil wird erwärmt. Der Temperaturfühler rechts oben zeigt 28°, links unten hat es 21°. Im nicht beheizten Teil links oben sind 2 Bohrungen für die Bewässerung (momentan alle 3 Tage 5ml).
      Interessant ist die Verteilung der Tiere. Die Hauptmasse sitzt im nicht beheizten aber temperierten Teil bei ca. 23°. Die Puppen werden im Warmen gelagert und die Larven im gemäßigt warmen und feuchten Teil (gerade ein zartes Beschlagen der Scheibe in 2 Kammern).
      Ob das so paßt wird die Zukunft zeigen. Aber diese Anordnung ist jetzt seit 10 Tagen unverändert.

      Und jetzt noch ein paar Bilder zum Abrunden. Danke für Eure Geduld!

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/dzgxybtxcqfz.jpg][IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/k1kpcnts1ad6.jpg][IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/e9v9au0r972d.jpg]
      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/z2y8kefgr6tx.jpg]

      LG
      Volker
    • Re: Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Ha

      Nachreichen möchte ich einmal ein Bild der Königin, wenn man weiß worauf man schauen muß (den viel wuchtigeren Thorax) dann ist sie auch leicht zu finden (hat aber einige Zeit gedauert bei mir!).

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/s6puh3sr9k9r.jpg]

      Bei unveränderten Haltungsbedingungen gedeiht das Volk. Erstaunlich immer wieder wie selbstverständlich die 2 Arten zusammenleben.
      Bei Nestbetrachtungen ist Ruhe erforderlich , schon Husten löst hektisches Gerenne aus, sie beruhigen sich aber schnell wieder.
      Nachts ist bis auf ein oder 2 Tiere alles im Stall, nur Wache wird gehalten.

      Heute habe ich 92 Puppen gezählt und ca.40 Larven. Täglich wird jungen Arbeiterinnen aus der Puppenhaut geholfen, ganze Trauben von Tieren sitzen dann um die neue Nestgenossin und belecken sie am ganzen Körper.

      Fotos zu machen ist immer wieder eine Herausforderung, da die Tiere so schnell sind. Eines gibt's noch:

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/ecrc4e8ydmjs.jpg]

      LG
      Volker
    • Re: Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Ha

      Hallo Volker, tolle Bilder und ja, das ist die Königin. Eine wahre Schönheit, finde ich. Tatsächlich ist sie nicht so leicht zu finden, sie ist bei den bicolor-Arten kaum grösser als die grössten Arbeiterinnen. Am leichtesten erkennt man sie bei Naturlicht von oben am etwas leuchtender gefärbten und grösseren Thorax.
      Alle Cataglyphis sind wie viele andere bodenlebende Ameisen sehr nervös und alarmbereit bei geringsten Erschütterungen im Nestbereich. Sicher eine Anpassung an Fressfeinde, die Ameisennester angraben und Brut rauben. Da ist es sinnvoll, schon bei kleinen Erschütterungen zu alarmieren und in Teamarbeit sofort den wertvollen Nachwuchs in Sicherheit zu bringen.
      Leider gewöhnen sich die Cataglyphis auch überhaupt nicht an kleine Erschütterungen. Dagegen kann man sie an schwaches Licht im Nest ganz gut gewöhnen, vorausgesetzt immer, alles bleibt ruhig im Nestumfeld. Man sollte eben sehr vorsichtig und sanft am Terrarium hantieren. Wobei ab und zu etwas Hektik den Cataglyphis aber nicht wirklich schadet, sie beruhigen sich ja sehr schnell.
      Erstaunlich fand ich immer bei den Cataglyphis, wie schnell Ruhe nach Eingriffen am Nest oder Volk einkehrt und wie konzentriert dann ein Umzug oder anderes angegangen wird. Das ist eine Beobachtung, die ich auch im Freiland an diesen Ameisen immer wieder machte. Sie können bei Störung wütend und temperamentvoll wie Furien sein, beissen auch durchaus spürbar zu, beruhigen sich aber sehr schnell und erledigen dann die Arbeiten, die anstehen, wie Brut und Kolonieangehörige in Sicherheit bringen, Nest reparieren usw..

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Ha

      Hallo,
      vor zwei Tagen bot ich den Cataglyphis eine tote Wespe an (Diskussionsthread zum Bild des Tages von heute), die zuerst von den C. viaticus entdeckt wurde. Da sie das Tier nicht bewegen konnten, begannen sie wie Hunde mit dem vordersten Beinpaar die Wespe zu unterminieren um sie in eine andere Lage zu bringen, was ihnen auch gelang. Letztlich schafften dann aber die größeren und stärkeren C.desertorum die Wespe ins Nest (siehe das Bild des Tages von heute). Es war sehr spannend da zuzuschauen und zu fotografieren . Aber seht selbst............

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/z3yp2uiz08jb.jpg]

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/4dh02aznc7yl.jpg]

      Größere Bröckchen wurden mit den Mandibeln weggeschafft

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/q2liknyzqnx2.jpg]

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/j362oufyc3f8.jpg]

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/1z2v3ys35prf.jpg]


      LG
      Volker
    • Re: Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Ha

      Hallo,
      mit einem kleinen update . Seit ca. 10 Tagen ist Ruhe eingekehrt. Von den anfänglich 90 Puppen sind bis auf 8 keine mehr übrig. Larven werden ca. 20 Stück verschiedener Größe gepflegt und Eier gibt es ungefähr ebenso viele.
      Die Außenaktivität ist fast eingeschlafen, der Großteil der Tiere hängt mit gefüllter Gaster in den kühlsten Kammern (22°) an der Decke. Es scheint sie halten eine Ruhepause .
      Neulich habe ich eine Nacktpuppe entdeckt, seltsam, sie haben genug Sand in ihren Kammern, andere Puppen werden damit versorgt.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/0zyucb5eibn2.jpg]

      Wie lange dauern solche Ruhephasen im Sommer? Sollte ich an den Haltungsbedingungen etwas verändern?

      LG
      Volker
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Nachdem seit ca. Mitte Mai Aktivität und Brutgeschehen auf Sparflamme liefen, ist seit einigen Tagen sowohl die Außenaktivität als auch die Anzahl an Brut stark angestiegen. Ein kurzer Abriß des Geschehens:

      18.5.
      8 Puppen
      20 Larven und ebensoviele Eier

      26.5.
      11 Puppen
      9 Larven
      einige Eier

      11.6.
      12 Puppen
      2 große Larven
      keine Eier oder kleine Larven zu sehen
      Fast keine Außenaktivität, spärliche Futteraufnahme bei unveränderten Haltungsbedingungen

      30.6.
      Keine Puppen
      keine großen Larven
      Einige Arbeiterinnen halten Eier und/oder kleinste Larven in ihren Mandibeln
      Ich installiere ein 40W Keramikheizelement über dem (externen) Ytongnest .Abstand 7cm. Direkt darunter im Gang kann ich die Temperatur nicht messen, ich schätze aber es hat so um die 30°. In den untersten Nestkammern hat es um die 21°.

      2.7.
      5 mittelgroße Larven in den obersten Kammern.

      6.7.
      8 große Larven
      mindestens 20 Eier und kleinste Larven, die von den Arbeiterinnen im Gang direkt unter dem Heizer gehalten werden.

      15.7.
      4 Puppen
      9 große Larven
      mindestens 60 Eier und kleinste Larven
      Ich wässere 1xpro Woche mit 15ml.

      18.7.
      4 Puppen
      30 große Larven
      11 mittelgroße Larven
      gut 60 Eier/kleinste Larven
      Der Appetit ist dementsprechend, 2 Grillen , 5 große Fliegen , kleine Heuschrecken, Mehlwurmstücke verschwinden in Minutenschnelle im Nest.

      War das jetzt eine Pause , die einem endogenen Rhythmus folgte oder ein Haltungsfehler ( allgemein zu warmes Nest ohne starkes Temperaturgefälle) oder etwas anderes, wie sehen die erfahrenen Halter dieser Art das?
      Jedenfalls bin ich froh, daß die Tiere diese Phase ohne Verluste übertaucht haben und kann einmal mit dem Grübeln aufhören.

      LG
      Volker
      Zum Schluß noch ein Bildchen auf dem man die Eier/Lärvchen zwischen den Mandibeln der Arbeiterinnen sieht.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/vpon428pa7vo.jpg]
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Hallo Volker,
      es gibt wohl einige wüsten- oder steppenbewohnende Arten, die im heissen Sommer eine Brutpause machen. Das gibt es wohl bei Proformica und zB. auch bei den Rossomyrmex. Ob aber die Cataglyphis bicolor-Arten immer eine Brutpause machen im Sommer, halte ich für zweifelhaft. Ich war im Juli in Tunesien, der wohl heissesten und trockensten Zeit des Jahres und fand in bicolor-Kolonien reichlich Brut aller Stadien. Allerdings recht tief im Nest im tief durchwärmten Boden. Auch in den Nestern anderer Cataglyphis-Arten fand ich Brut.
      Ich denke, die bicolor-Arten sind auch in dieser Frage recht flexibel und legen bei nicht ganz optimalen Bedingungen schonmal eine Brutpause ein. Sie tun es aber nach meinen Beobachtungen nicht regelhaft oder in jedem Jahr im Hochsommer. Es kann in der Haltung zu kalt, zu warm, zu trocken oder auch zu feucht sein. Eben nicht optimal. Das kann auch im Freiland geschehen, dann ist es vorstellbar, dass die Cataglyphis eine Brutpause einlegen. Die Cataglyphis-Arten können sich das ja auch leisten, sie ziehen in ganz kurzer Zeit bei guten Bedingungen wieder jede Menge Brut schnell auf.
      Wichtigstes Kriterium ist sicher eine ausreichende Versorgung mit gutem Futter. Wildgefangene Insekten jetzt im Sommer sind eine gute Stimulanz.

      Meine Jungkolonien, die ich hier habe, ziehen im Moment alle reichlich (für ihre Verhältnisse) Nachkommen auf. Die Bedingungen lassen sich jedoch nicht leicht vergleichen, die kleinen Kolonien bewohnen noch Reagenzgläser mit Wassertank. Ich füttere mit wildgefangenen Insekten, also Fliegen etc. und ab und zu reichlich mit Ameisenbrut. Puppen von Lasius niger oder anderen freilebenden Arten sind eine wahre Eiweissbombe und werden gierig zusammengerafft.

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Ach Volker, sehr gerne und es macht ja keine Umstände... Und ich muss ja betonen, dass ich Genaueres zu einer eventuellen Sommerpause bei diesen Arten ja auch nicht weiss. Ich kann nur meine Beobachtungen schildern, die ich zu verschiedenen Jahreszeiten bei diesen Ameisen in Nordafrika gemacht habe.
      Aber auch bei mir legen solche Kolonien schonmal Brutpausen ein. Nur stellt man in der kritischen Retrospektive dann oft fest, dass man die Kolonien geringfügig vernachlässigt hat. Das geschieht sehr leicht und ich würde es nicht als "Haltungsfehler" definieren. Man muss sich vorstellen, welche Mengen an verschiedener Nahrung diese umtriebigen und gut an ihrem Lebensraum angepassten Arten an einem Sommertag eintragen. Sie sind ungeheuer fleissig , dabei schnell und findig und suchen alles ab. Ich glaube nicht, dass irgendein Halter grösserer Kolonien diesen Ameisen die Mengen an Futter anbietet, die sie im Freiland erbeuten und einsammeln. Allein deswegen, weil man sich nicht vorstellen kann, wie erfolgreich diese Ameisen im Freiland sind. Wie scheinbar leicht es diesen Arten fällt, auch bei extremen Bedingungen im Feiland zu jagen und zu sammeln. Ich habe bicolor-Arbeiterinnen auf heissen Asphalt gesehen, er mag Temperaturen um die 60 Grad an der sonnenbeschienenen Oberfläche gehabt haben, die sich ruhig putzten und dabei an einer Stelle sitzenblieben und innehielten. Kein anderes Insekt war weit und breit zu sehen, jedenfalls kein lebendes. Es ist erstaunlich und fast widernatürlich, wie hitzeresistent und -verträglich oder besser gesagt hitzeliebend diese Cataglyphis sind. Wie diese an sich ja kleinen Ameisen dieser Wärme wiederstehen, ist ein Rätsel, auch ihre Körpereiweisse werden bei über 42 Grad beginnen, zu gerinnen. Naja, sie haben halt verschiedene Anpassungen, die sie einzigartig machen und damit absolut konkurrenzlos in ihrem Lebensraum.
      Was ich eigentlich sagen will, ich glaube nicht, das im Freiland hohe Temperaturen automatisch zu einer Brutpause bei diesen Arten führen. Eher im Gegenteil. Diese Arten unterscheiden sich in vielem auch von den verwandten Proformica, sie sind relativ gross und sehr mobil, durchstreifen viel grössere Territorien und haben so ganz andere Möglichkeiten, Nahrung zu finden und einzutragen.

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Ein kurzes update zu meinem gemischten Volk :

      gut 40 Larven in allen Größen
      wenigstens soviele Eier (in Paketen zu 5 bis 10 Stück von Arbeiterinnen getragen)
      13 Puppen

      Aufgrund der herrschenden hohen Außentemperaturen hat es jetzt im Nestblock oben gut 34° unten 25°. Alle vier Tage bewässere ich einen Teil des Nestblockes. Der Proteinbedarf ist hoch, 5 große ,frischtote Heuschrecken und dazu noch Fliegen sind heute blitzschnell verschwunden (ich füttere über den Tag verteilt), Insekten aus der Natur werden eindeutig bevorzugt, Heimchen bleiben liegen bis sie vertrocknet sind( ich füttere momentan gar keine mehr). Ich glaube, sie genießen die Hitze.


      LG
      Volker
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Kurz ein paar Worte und ein Bild zu meinem Völkchen.
      Die Zahl der Larven hat sich verdoppelt , es sind jetzt ungefähr 80 verteilt auf 3 Kammern (davon 2 leicht feucht gehalten). Auch Eier sind zahlreich vorhanden, interessant (für mich jedenfalls) ,daß die Eier praktisch ausnahmslos paketweise von Arbeiterinnen in den Mandibeln gehalten werden . Vor einer Woche habe ich auch Regen mit der Sprühflasche simuliert, große Aufregung!
      Sie fressen jetzt fast ausschließlich frischgefangene Heuschrecken in Massen . Auch die Tränke ist momentan vermehrt belagert.
      Nach der langen Pause von Mai bis Mitte Juli ist es eine Freude ihnen beim Wachsen zuzuschauen.

      Hier ein kleiner Ausschnitt:

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/akmskltud36w.jpg]

      LG
      Volker
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Wieder Zeit für eine kurze Bestandsaufnahme.

      Anfang Dezember erlahmte die Außenaktivität und der Nahrungsbedarf sank dramatisch. Die Tiere gingen einfach nicht mehr an Futter .
      In Trauben saßen sie träge in den Kammern , auch Tote gab es vermehrt. Daraufhin senkte ich die Temperatur im Nestblock auf ca 20 °. Wasser und Zuckerwasser wurden aber weiterhin regelmäßig besucht. Temperatur im Außenbereich 22-24° , von den Spotlampen hielt ich nur eine in Betrieb.

      Anfang Februar begann sich der Haufen zu rühren. Ich fuhr mit der Temperatur im Außenbereich wieder auf (stellenweise) über 30°, im Nestblock auf durchschnittlich 25°,unter einem Keramikheizelement noch wärmer. Zusätzlich hielt ich 3 Kammern durch Bewässern etwas feuchter. Die Tiere begannen gierig Schaben ,Heimchen, Fliegenlarven und Fliegen einzutragen und heute zählte ich an die 40 Larven in allen Größen, etliche Arbeiterinnen halten große Eipakete in den Mandibeln und 4 Puppen liegen auch schon in einer Kammer.

      Der nordafrikanische Winter ist also zu Ende, wäre es nur unserer auch schon!

      LG
      Volker (der schon heftig mit einer weiteren nordafrikanischen Art liebäugelt !)
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      He Volker,

      toller Bericht und ich freu mich sehr, dass es den Kleinen bei dir so gut geht.

      wenn du wirklich noch was (völlig) anderes ;) aus der Region halten möchtest, wie wäre es mit den Cataglyphis fortis? Sie sind was Besonderes und eine völlig anders aussehende, ebenfalls grosse und schwarzglänzende Art aus der Gattung.
      Sie bräuchten ebenfalls viel Licht, etwas Auslauf und vor allem salzigen Boden. Auch das Ytongnest sollte salzig sein, mit Salzwasser befeuchtet. Natürlich brauchen sie dann noch eine Süsswassertränke. Ansonsten Wärme usw., das übliche, was Catas eben so mögen. Der Auslauf kann von Zeit zu Zeit richtig feucht bis nass sein bei dieser Art.
      Der Name fortis steht für mutig, draufgängerisch und das sind sie. Es sind kleine Killer, die mutig auf Fliegen oder im Sommer, auf Lasius-Könginnen losgehen und sie kurzerhand köpfen.

      Diese Ameise ist besonders flink, kann hervorragend sehen und lebt an den ruhigen und brandungslosen Lagunen des Mittelmeeres in Nordafrika und in den dortigen Salzseen. Merkwürdigerweise finden sich hier Nester grosser Kolonien sogar in den zwischenzeitlich überschwemmten Gebieten der Lagunen. Ein Rätsel, wie sie das überstehen...

      Diese Kolonie würde ich dir gerne schenken. Als kleine Anerkennung für deine schönen und anhaltenden Berichte zu deinen Catas und auch zu den vagus.

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Hallo Frank,

      leider kann ich , bedingt durch einen Totalausfall der Kommunikationsleitungen in unserer Gegend , erst jetzt auf deine Nachricht und dein so großzügiges Angebot antworten. Ja, ich liebäugle schon sehr lange mit einer Kolonie Messor arenarius, die praktisch schon vor der Tür steht, und ihr Habitat bei mir zuhause ist auch schon sehr weit gediehen. Jedenfalls danke ich dir sehr herzlich für dein Vertrauen . Aber viel mehr Platz hab ich jetzt nicht mehr !
      In den nächsten Tagen stelle ich einen Bericht über das neue Messor Habitat ein.
      Meinen Cataglyphis scheint's momentan zu gefallen, und die Camponotus vagus beginnen sich auch schon schön langsam träge zu rühren. Sie sind jetzt 4 Monate in Winterruhe und Anfang März werde ich sie langsam zu "erwecken" versuchen. Aber da kommt noch extra ein Beitrag.

      LG
      Volker
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Ja, die arenarius sind tolle Ameisen. Kann ich nur empfehlen, das sind sehr schöne und grosse Messor. Die Majore sind wahre Wuchtbrummen...:)
      Das "Platzproblem" habe ich leider auch hier bei mir, Volker. Grad jetzt im zeitigen Frühjahr, wo ja alle Tiere einen warmen und hellen Platz brauchen. Auch daher kam mein Angebot an dich..;)
      Aber passt schon, irgendwie werde ich die fortis schon noch bei mir einsortieren.

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Sind schöne Bilder, die Du hier postest, dazu noch ein prima Bericht.

      Bin der Meinung, dass Du ruhig die rote Folie schon mal entfernen kannst, um Bilder zu machen.
      Ist auch meine Beobachtung, das diese Art bei einem noch kleineren Volk, überaus in Hektik kommt,
      wenn ihr Halter mit Licht nach ihnen schaut.
      Allerdings schadet es ihnen nicht und schon nach kurzer Zeit machen sie das was sie auch schon vorher gemacht haben.

      Grüße Wolfgang
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Ein Jahr inaktiv (beim Updaten des Haltungsberichtes ) war nur ich , die Kolonie war es nicht.
      Kurz im Zeitraffer:
      Im Februar 2013 stieg, nach einer fast 70 Tage dauernden Ruhephase wieder die Aktivität und erreichte gegen Ende März ein Hoch mit ca.70 Larven und 30 Puppen auch eine Menge Eier waren da. Eine Volkszählung ergab 350 Arbeiterinnen (+ - 20).
      Leider entwickelten sich nicht alle Larven zu Puppen , eine mögliche Ursache kein feiner Sand im Nest. Nach Sandbefüllung einiger Kammern besserte sich die Situation, aber der meiste Sand wurde wieder nach draußen geschafft.
      Im Mai und Juni ging es nicht recht vorwärts, trotz abwechslungsreicher Fütterung, Rotlicht an der Nestfront und hohen Temperaturen in der Arena.
      Anfang August wieder ein Hoch mit 80 bis 100 Puppen (Temp. in den Brutkammern 28 - 32 °) . Aber auch die Sterberate war recht hoch , in einer Woche von 5 bis 10 Tiere, hauptsächlich die C.viaticus , die ja als Helferinnen im Volk lebten.
      Eine kurze Bemerkung zu den C.viaticus : am 2.2.2014 ,das ist 22 Monate nachdem ich die Kolonie von Frank bekommen hatte habe ich zum bisher letzten Mal eine Arbeiterin dieser Art gesehen.
      Anfang November erlahmte das Treiben wieder und nachdem sie bei herabgesetzten Temperaturen fast inaktiv, bis auf Wasser- und Zuckerwasserträgerinnen, in ihren Kammern verharrten begannen sie sich erst Anfang Februar 2014 wieder zu rühren.
      Sie zogen aus ihrem externen Nest aus und begannen energisch mit der Anlage eines Erdnestes in der Arena.
      Ganz unschuldig bin ich nicht daran, da ich im Zuge einer Generalreinigung einen Großteil des alten Bodengrundes entfernte und mit einer ca.15cm hohen Schicht Terrarienerde für Wüstenreptilien aufgefüllt habe. Der Bodengrund war leicht feucht und relativ komprimiert.
      Innerhalb weniger Tage war die ganze Kolonie umgezogen und nach anfänglich 4 Löchern haben sie sich jetzt auf eines geeinigt, alle anderen zugeschüttet und der Auswurfhügel wächst täglich.
      Gleichzeitig stieg auch ihr Appetit , sie schleppen alles was ich ihnen anbiete durch das enge Loch in ihre unterirdischen Kammern.
      Natürlich habe ich jetzt keinen Überblick mehr über Werden oder Vergehen (Vergehen eher, da die Toten heraußen abgelegt werden) aber, nach ihrem Appetit zu schließen geht es ihnen halbwegs gut.
      Ich werde sie einstweilen gewähren lassen und abwarten .
      Jetzt habe ich die Kolonie nicht ganz 2 Jahre , die große Bevölkerungsexplosion ist ausgeblieben aber ich habe auch nicht den Eindruck daß sie kümmern. Es sind agile, lebendige Tiere, tolle Fotoobjekte die mir viel Freude machen.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/q74wepy1mwsz.jpg]

      An der Gasterspitze der rechten Arbeiterin sieht man das etwa bleistiftdicke Eingangsloch.
      Auf die weitere Entwicklung dieser Kolonie bin ich schon gespannt.

      LG
      Volker
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Hi Volker,

      möchte jetzt da keine Panik verbreiten aber ich würde schon schauen, dass sie wieder in ein Nest einziehen in dem du Einsicht hast.
      Meine viaticus haben sich ja auch selber ein Nest in der Erde gebaut und hatten alles was sie an Futter bekommen konnten gierig eingetragen.
      Wie sich dann aber später rausstellte, hatten sie seit längerem keine Brut mehr.
      Ich merkte erst etwas, als die Außenaktivität immer mehr nachlies.
      Futter wurde trotzdem direkt eingetragen.

      LG
      Holger
      Die Erinnerung ist ein Fenster durch das ich Dich sehen kann, wann immer ich will.
    • Re: *Cataglyphis cf. desertorum gemischt mit C. viaticus Hal

      Das ist natürlich ein Argument, Holger. Es wäre mir ja auch lieber ich könnte sehen was los ist. Die Wärmelampe über dem Nest läuft noch, darunter hat es 28° und mehr. Bis jetzt habe ich kaum je befeuchten müssen, vielleicht sollte ich das tun. Dann werde ich ,schweren Herzens, die Kolonie halt vorsichtig ihres Sandbodens berauben, den Weg zum alten Nest kennen sie ja. Sonst wüßte ich nicht mehr was ich noch tun könnte. In der Arena habe ich Wärmeinseln von 24 bis 35°. Futter ist abwechslungsreich.
      LG
      Volker