*Cataglyphis fortis.

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • *Cataglyphis fortis.

      Hallo Ameisenfreunde.

      Es wird nun endlich Zeit, dass ich beginne, über meine kleine fortis-Kolonie zu berichten und sie hier mal vorzustellen. Die junge Königin hatte ich im Mai aus Tunesien mitgebracht, zusammen mit einigen Arbeiterinnen aus einem etablierten Nest. Die Arbeiterinnen schlossen sich der Königin sofort problemlos und ohne jede Spur von Agressionen an und zusammen zogen die Tiere bald erste junge Arbeiterinnen auf. Leider starben die grossen, alten und zugesetzten Arbeiterinnen aus der freien Natur binnen kurzer Zeit weg, doch genügte die Zeit wie gesagt, um erste eigene Arbeiterinnen der Jungkönigin mit ihr zusammen aufzuziehen.
      Nun gibt es etwa ein Dutzend junge, teilweise sehr winzige Arbeiterinnen im Nest. Alles läuft gut, wenn auch viel langsamer als bei den verwandten bicolor-Arten. Wie diese sind auch diese Cataglyphis ziemliche Schmutzfinken, es ist schwer, durch die verdreckte Scheibe halbwegs erkennbare Fotos zuwege zu bringen.
      Hier ein Link erstmal zu einem Foto der jungen Königin: upload.eusozial.de/i/0y4mg5yh0i1r.jpg

      Nun aktuelle Fotos der Arbeiterinnen, die mit der Nachkommenschaft im Nest beschäftigt sind.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/y5ud5v92iwo7.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/meb1medfc3f7.jpg]

      Cataglyphis fortis ist eine recht grosse, dabei sehr filigrane Art. Die grossen Arbeiterinnen sind durchaus kräftig gebaut, dabei aber wendiger, flinker und "leichtfüssiger" als andere grosse Cataglyphis-Arten. Das Sehvermögen der Tiere ist wie immer bei den Arten der Gattung beeindruckend, die fortis scheinen dabei irgendwo zwischen den bicolor und den bombycinus zu stehen.
      Diese Ameisen legen wohl die grössten Strecken in kurzer Zeit zurück unter allen Ameisen. Das ist bei dieser Art besonders leicht zu beobachten und nachvollziehbar, denn wenn man Arbeiterinnen mitten in einer trockengefallenen Salzlagune findet, wo über hunderte Meter kein Nest existiert, dann ist das besonders beeindruckend.

      Einige Beobachtungen und Fotos aus dem Freiland finden sich hier: eusozial.de/viewtopic.php?f=26&t=1842

      Zu dieser noch kleinen Kolonie dieser wundervollen Ameisen werde ich nun ab und zu berichten.

      LG, Frank.

      EDIT: Diskussionen und Anmerkungen wie immer direkt hier im Thread. Danke.
    • Re: Cataglyphis fortis.

      Hallo Frank!

      Na das wird aber auch Zeit! Ich habe mich schon gefragt wann dein Bericht den nun kommen mag.

      Das es für die Kolonie gut läuft freut mich und ich bin mal gespannt was du uns noch alles zu berichten hast in der nächsten Zeit.
      Was mich jetzt schon interessiert, wie hältst du sie jetzt und wie bekommen sie von dir diesen salzhaltigen Bodengrund. Eventuell probierst du es auch noch einmal ohne diese Bedürfnisse?

      LG, Mathias
      "Wer an sich denkt, hat Schwierigkeiten. Wer an andere denkt, hat Aufgaben."
      (Lama Ole Nydahl)
    • Re: Cataglyphis fortis.

      Hallo Mathias,
      doch, auch die leben hier in einem kleinen Terrarium mit salzig-feuchten Auslauf. Sehr warm, am sonnigen Fenster und zusätzlich mit einer Leuchtstofflampe, die das Terrarium beheizt. So kommt es vor, dass der Auslauf völlig austrocknet. Aber das geschieht ja auch im Freiland. Dann lass ich es ab und zu mal "regnen"... Es genügt ja dann etwas Süsswasser, das Salz verbleibt ja im Boden und dessen Salzgehalt bleibt so konstant.

      Die Ameisen bewohnen ein Ytongnest, das im salzigen Substrat steht und so ebenfalls mit Salzwasser befeuchtet wird. Der Salzgehalt ist dabei nicht sehr hoch, etwa der von Brackwasser. Das Nest wird beheizt mit einer Rotlichtlampe. Das hat zur Folge, dass etwas Salz ausfällt und sich dann auch an der Glasscheibe innen findet. Macht aber nichts, ich werde die eh bald wieder umsiedeln in ein etwas grösseres Terrarium.
      Ich vermute, dass diese Ameisen ein salziges Umfeld brauchen. Ich fand sie im Freiland nur in solchen salzigen Biotopen, die mal trocken, mal feucht waren und eine Königin, die ich vor einigen Jahren mitbrachte und auf herkömmliche Weise hielt und unterbrachte, starb nach kurzer Zeit mitsamt ihrer Arbeiterinnenschaft. Besonders die Königin litt in ihren letzten Tagen, sie putzte sich unentwegt und hektisch, rannte panisch und erregt im Nest umher, an den allerletzten Tagen sogar ausserhalb desselben und starb dann eben. Damals konnte ich mir nicht erklären, woran sie verstorben war. Milben und andere Parasiten waren nicht erkennbar. Erst später ging mir ein Licht auf und eine spätere Kolonie, die ich vor wenigen Jahren hielt, entwickelte sich in Gefangenschaft sehr gut mit salzhaltigen Nest und Auslauf.
      Natürlich brauchen die Ameisen aber eine Tränke mit Süsswasser. Im Freiland werden sie den Morgentau nutzen, der sich an niedrigen Pflanzen etc. niederschlägt. Im Boden finden sie dort kein Süsswasser.

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis fortis.

      Hallo Frank,
      schön etwas von dieser zweifellos interessanten und ausgiebig studierten Ameisenart zu hören. Weißt du vielleicht woher dieser intensiv silbrige Schimmer auf dem Thorax der Tiere kommt, ich kann etwas ähnliches , allerdings in sehr abgeschwächter Form bei meinen C. beobachten ?
      Hier zB.:

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/5pgtrjfzk8do.jpg]

      LG
      Volker
    • Re: Cataglyphis fortis.

      Hallo Volker,

      die silbrige Färbung scheint mir bei den meisten Arten, auch bei Cataglyphis bombycinus, von einer sehr feinen Behaarung zu kommen. Der Zweck ist die möglichst starke Reflexion des Sonnenlichts und die damit verbundene, geringere Aufheizung des Körpers in diesen sehr heißen Regionen. Ähnliche Färbungen und Teilfärbungen sind u.a. auch bei verschiedenen, grazilen afrikanischen Camponotusarten zu finden.

      Frank kann dazu bestimmt genaueres sagen, und mich ggfs. korrigieren, wenn die Färbung bei den Cataglyphis doch direkt von Pigmenten im Chitinpanzer kommt.

      Edit: Hier, auf den Bildern im Link, sieht man es nochmal gut mit den Haaren:
      formicidae.org/node/3200

      LG
      Marcel
    • Re: Cataglyphis fortis.

      Hallo Frank!

      Na dann bin ich ja auf dem neusten Stand. Ich denke dieser Bodengrund hat also eine Art "anti bakterielle" Wirkung auf die Ameisen. Zumindest würde ich diesen Rückschluss aus deinem Bericht entnehmen. Im Prinzip so wie bei unseren Waldameisen, die ihr Nest ja auch mit Harz, belegen. Ist nicht das selbe aber die Grundidee die dahinter steckt ist wohl die selbe.

      Ich denke diesmal wird es besser laufen.

      Der silbrige Schimmer an den Cataglyphis Arten wird genau diesen Zweck erfüllen. Das reflektieren der Sonnenstrahlung und natürlich die schnelle Fortbewegung sind denke ich entscheidend um in diesem Lebensraum auch Tagsüber auf Jagd gehen zu können. Zu sehen auch auf diesen Bildern eines Männchens.

      LG, Mathias
      "Wer an sich denkt, hat Schwierigkeiten. Wer an andere denkt, hat Aufgaben."
      (Lama Ole Nydahl)
    • Re: Cataglyphis fortis.

      Hallo Marcel,Frank,
      vielen Dank für Antwort und vor allem den Link (hab ich vorher leider nicht gefunden). Ich habe heute gleich meine Schachtel mit den Leichen inspiziert und eine Kandidatin gefunden , die ich unters Mikroskop und die 10fach Lupe legen konnte (das ist immer ein Hängen und Würgen weil ich kein Auflicht sondern ein Durchlichtmikroskop habe). Da sieht man schön die sehr feine Behaarung ,vor allem auf Propodeum, Metapleuron und Mesopleuron auch zum Teil auf den Hüften. Komisch , das mit dem Silberschimmer hat mich immer interessiert ( anfangs habe ich mir sogar Sorgen gemacht, sie könnten Schimmelbefall haben) aber erst jetzt hat sich eins zum anderen gefunden. Und die Erklärung mit der Licht und Hitzereflexion ist einleuchtend , sehr schön bei C.bombycinus zu sehen (zwei Exemplare davon habe ich ja in Südmarokko gesehen).
      LG
      Volker
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Bei meiner fortis-Kolonie geht es weiter ganz gut. Ihr Terrarium steht ja auf einem Fensterbrett, oberhalb eines Heizkörpers. Das scheint ihnen zu gefallen, mit sinkenden Temperaturen draussen wird es so bei ihnen wärmer und sie ziehen ordentlich Nachkommenschaft auf. Ihr Nest wird nun also nicht nur von der Rotlichtlampe beheizt, zusätzlich wird es nebenher vom Heizkörper erwärmt.
      Langsam gibt es nun auch einige grössere Puppen, bald schon werden erste grössere Arbeiterinnen schlüpfen. Ein Blick in die wärmste Kammer, dicht an der Rotlichtbirne und direkt von dieser beheizt.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/b6rlhdkazvtc.jpg]

      Die Königin hält sich meist in einer tieferliegenden Kammer auf. Dabei ist sie meist umringt von einigen Arbeiterinnen.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/x9adm5iu61ak.jpg]

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Die Kolonie wächst nun stetig weiter. Immer mehr Puppen liegen in der obersten warmen Kammer, in den anderen Kammern werden Larven je nach Entwicklungstadium getrennt gepflegt. Noch einmal ein Blick in die Puppenkammer.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/j8vamhka25zk.jpg]

      Erfreulicherweise gibt es erste grössere Arbeiterinnen. Wie alle Ameisen der Kolonie, die sich vorrangig im Nest aufhalten, mit prall gefüllten Kröpfen. Hier eine der ersten etwas stattlicheren Arbeiterinnen dieser Kolonie.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/z6hglgtkevo2.jpg]

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Die Kolonie befindet sich seit etwa vier Wochen in einer Winterruhe. Ich habe die Kolonie in ein kleines Terrarium umgesetzt und das Terrarium an einen kühleren Standort gestellt. Schon vorher hatte ich die Wärmezufuhr im Nest Schritt für Schritt herabgesetzt, so dass die Ameisen ihre Brutpause allmählich einleiten konnten und die Brutaufzucht langsam einstellten.
      Das hat wunderbar geklappt, als die Tiere in ihr jetziges "Winterquartier" kamen, hatten sie nur noch zwei Puppen im Nest.
      Fast alle Arbeiterinnen fungieren as Speichertiere, das ist bei dieser Art offenbar besonders ausgeprägt und auf den Bildern gut zu sehen.
      Die Art lebt ja in besonders kargen Gegenden. Anders als zB. die bicolor-Arten, die auch in der kühlen Jahreszeit Nahrung sammeln und eintragen, wenn auch mit verminderter Aktivität, finden die Arbeiterinnen der fortis-Kolonien in der kühlen Jahreszeit wohl kaum Nahrung in der Umgebung ihrer Nester. Man sieht auch selten Arbeiterinnen der fortis in der Zeit von Dezember bis Februar/März im Freiland. Möglicherweise ist die Art auch wärmeliebender bzw. weniger resistent gegen kühle Temperaturen als die verwandten Arten der bicolor-Gruppe.

      Auch in der brutlosen Zeit ist die Königin der Mittelpunkt der Kolonie und wird ständig umsorgt und geputzt.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/u0eg0ujfn4ps.jpg]

      Ein Teil der schon gut gewachsenen Kolonie in einer Nestkammer.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/ezfv8qb4nhqn.jpg]

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Hallo Cataglyphis-Freunde.

      Das neue Jahr hat begonnen und die fortis-Kolonie hat heute ein neues und auch recht grosses Terrarium bekommen. In einem Meterbecken haben die Tiere nun etwas mehr Auslauf, es ist warm und drei T5-Röhren sorgen für ordentliche Lichtverhältnisse.
      Vorhin habe ich die Kolonie aus ihrem Winternest genommen und auf den Sand im Auslauf des neuen Becken ausgesetzt. Etwas verdutzt und noch unterkühlt sassen die Tiere erstmal einige Minuten hier und so hatte ich erneut Gelegenheit, die Königin und die sie umringenden Arbeiterinnen zu fotografieren.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/anjabw9ikqm0.jpg]

      Mittlerweile haben sich die Ameisen orientiert und beginnen, den Umzug zu organisieren. Alles dauert heute aber tatsächlich etwas länger als in der warmen Jahreszeit, denn natürlich wurden die Tiere in ihrer Winterruhe gestört und sind etwas "verpennt". Wie dem auch sei, der Winter ist nun für sie vorbei und es beginnt eine neue Saison.

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Hallo Frank,

      deinen Beobachtungen bei den fortis folge ich mit besonders großem Interesse. Einfach wahnsinnig tolle Ameisen, Cataglyphis halt ;) ;)
      Das sie sich so gut entwickeln und jetzt in ein größeres Becken dürfen freut mich sehr, daher meine Frage,
      würde es dir etwas ausmachen mehr von dem Becken zu zeigen? Möchte ihr neues Heim gern sehen! :)
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Ich hab mal schnell drei Fotos gemacht. Wie gesagt, alles sehr spartanisch und kahl, aber erstmal für die Cataglyphis völlig ausreichend. Ihr natürlicher Lebensraum ist ja noch viel sparsamer "eingerichtet"...
      Auf dem ersten Foto sieht man im Hintergrund das einfache Ytong-Nest mit Eingang, dahinter, ausserhalb des Beckens, die Nestbeheizung in Form einer kleinen Rotlichtlampe.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/n6hd6zj5pnrd.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/qdp6vjdjsaix.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/kbzcgnusiwp7.jpg]

      Heute, am zweiten Tag des inszenierten "Frühlings", foragieren die Ameisen bereits heftig und so wurde eine Grille gern angenommen.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/u4l84rxlju5z.jpg]

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Hallo!

      Schöner Einblick!

      Das ist das Leid des Cataglyphis Halters. Der Lebensraum dieser Arten gibt da nicht viel Gestaltungsmöglichkeiten. Es ist nun mal meist ein karge Landschaft mit viel Sand, Kies und mal einem Ast. Natürlich könnte man da noch die eine oder andere Sukkulente einbringen, nur dann hat man den Buddeltrieb der Cataglyphis wieder vor Augen. Also sehen die Becken meist "unspektakulär" aus, auch wenn man es lieber "bunter" hätte wie eben in einem Tropenbecken. Letztens erfüllt es sein Zweck und die Tiere fühlen sich ja wohl. Also alles bestens :)

      LG, Mathias
      "Wer an sich denkt, hat Schwierigkeiten. Wer an andere denkt, hat Aufgaben."
      (Lama Ole Nydahl)
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Danke für den Zuspruch, Mathias. Ich denke, ich werde irgendwann auch bei den fortis noch an eine gewissen Bepflanzung denken, möglicherweise in einer Art Hydrokultur in einer seperaten Plastikschale. Das werde ich so tun müssen, denn der Boden im gesamten Auslauf ist zu salzig, um hier übliche Pflanzen wachsen zu lassen. Mich würde dabei mal interessieren, ob auch diese Ameisen beginnen, die Nektarien von Pflanzen abzusammeln, wenn sie gelernt haben, dass dort was zu holen ist. Von den bicolor-Arten weiss ich das ja und habe es auch im Freiland mehrfach fotografisch dokumentiert, dass die auf Pflanzen klettern, um Blüten und süsse Früchte zu finden. Die Kletterkünste der Cataglyphis-Arten sind zwar bescheiden, aber diese Ameisen machen das wett mit Hartnäckigkeit und neugierigem Erkunden von allem, was sie interessiert.

      Heute gab es am Nachmittag bei meinen fortis einen "heftigen Regenschauer"..:). Ihre kleine Lagune steht für einige Zeit zum Teil unter Wasser.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/v4r05wtk03mk.jpg]

      Ich befeuchte auf diese Weise auch indirekt das Nest der fortis. Steht etwas Wasser im Terrarium, kriecht es durch den Sand und Split bis zum Ytong-Nest und befeuchtet hier auf fast natürliche Weise den unteren Nestteil. Sofort, wenn das Nest etwas feuchter wird und so der Sand darin besser zu transportieren ist, regt das den Bau- und Grabeinstinkt der Arbeiterinnen an und es setzt rege Tätigkeit ein.

      Arbeiterinnen mit Grabaushub am Nesteingang.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/70sb4sapkq1v.jpg]

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Schon seit einiger Zeit ist es für die Cataglyphis fortis Frühling und die neue Brutsaison hat begonnen.
      Für die Ernährung genügt bei den genügsamen Ameisen etwas Zuckerwasser und ab und zu eine tote Grille oder Teile toter Schaben.
      Anders als bei den meisten anderen Cataglyphis-Arten kann man bei diesen Cataglyphis fortis bereits von Repleten reden, viele Tiere der Kolonie, vor allem grössere fungieren als Speichertiere und verlassen das Nest nie. Sie sitzen etwas abseits in bestimmten Nestkammern und ruhen hier mit mächtig aufgetriebenen, vollgefressenen Hinterleibern. Im Winter waren fast alle Arbeiterinnen der Kolonie in dieser Funktion und speicherten so Nahrung und Energie für die Kolonie, nun im Frühjahr sind es immer noch etliche, die auf diese Weise als Speichertiere fungieren.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/n27jh3x835p3.jpg]

      Es gibt einiges an Brut, Larven, Eier und Puppen.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/lcmrpt0aehnk.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/73e5i1y9cpb7.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/3wdcw6vnlcy6.jpg]

      LG, Frank.
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Die fortis bewohnen ja schon lange nicht mehr das grosse, oben gezeigte Meterbecken. Dieses Becken habe ich "abgerüstet", es war einfach zu aufwendig, das grosse Becken zu beleuchten und zu beheizen. Seither bewohnen die fortis ein mittleres 60er Becken und das scheint auch vorerst zu genügen. Man denkt ja immer, Ameisen, besonders so mobile Arten wie die Cataglyphis bräuchten riesige Becken, weil sie doch im Freiland grosse Flächen auf der Nahrungssuche durchstreifen. Das ist jedoch ein Trugschluss. Ameisen sind auch nur Menschen und entsprechend faul; haben sie Nahrung und Wasser im ausreichendem Maß, bleiben sie gern daheim und im warmen Nest.
      Natürlich brauchen die Ameisen aber etwas Platz, doch kann ein Terrarium wirklich dem genügen. Sie brauchen etwas Platz, um ihre Toten, Abfälle usw. entsorgen zu können, wobei die Cataglyphis ihren Müll leider oft im Nest entsorgen und etwas Platz ist günstig, um verschiedene Nahrungsquellen räumlich getrennt anbieten zu können.

      Die hier vorgestellte Kolonie entwickelt sich wirklich sehr gut und die Bedingungen scheinen gut zu passen. Eigentlich steht ihr Becken dabei an einen kühlen Standort in meiner Küche am Fenster. Ihr grosses Ytongnest wird aber natürlich beheizt mit einer 40 Watt-Rotlichtlampe. Das erfolgt wie immer schräg von oben, so dass das Nest in den oberen Stockwerken gut erwärmt wird und hier Temperaturen um die 30 Grad herrschen mögen in den Brut- und cataglyphistypischen Abfallkammern. Die unteren Etagen sind abgedeckt und hier ist es wesentlich kühler, was den Bedingungen, die im Freiland herrschen, natürlich sehr nahe kommt. Während in den oberen Kammern Puppen und ältere Larven gepflegt werden und Nahrungsreste und -vorräte deponiert sind, werden in den tieferen und kühleren Kammern die jungen Larven und die Eier gepflegt. Hier hält sich auch meist die Königin auf, manchmal jedoch ist sie im Nest unterwegs und inspiziert auch die wärmeren Bereiche desselben.
      Wie gewohnt einige Nesteinblicke. Die Königin beim Besuch der älteren Larven, Puppen in einer warmen Kammer und Arbeiterinnen, die verpuppungsbereite Larven mit Sand bedecken, so dass diese an den Sandkörnchen Anknüpfungspunkte für das Seidengespinst ihrer Kokons finden.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/346nfi4v02ve.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/y96x13gxba9r.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/9h6x2szms5u6.jpg]

      Immer wieder erstaunlich, wie unkompliziert und fast dankbar Ameisen dieser Gattung sind, wenn die Kolonien in Brutstimmung ist. Alles Verwertbare wird angenommen und eingetragen, sowohl tote Asseln, natürlich Heimchen wie überhaupt alle Insekten, aber auch mal ein winziges Stückchen Wurst oder gehacktes Schweinefleisch. Selbst süsse Kuchenkrümchen werden vernascht.
      Es gab im vergangenem Jahr im Spätsommer und Herbst eine Zeit, da wollte die Kolonie überhaupt nicht. Ursache war damals sicher eine zu kühle Phase in der Haltung, die eine Brutunterbrechung und -abschwächung zur Folge hatte und eine frühzeitige Brutpause hervorrief. Ein Haltungsfehler von mir.
      Angenehm und völlig unkompliziert ist immer der Umgang mit diesen Arten, das Becken ist eigentlich fast offen und nur mit einem Talkumrand gesichert. Auf dem Becken liegt eine Aqariumabdeckung mit Beleuchtung, die aber keineswegs ameisensicher abschliesst. Das muss sie auch nicht, diese Cataglyphis fortis versuchen nie, die Scheiben zu erklimmen.

      Cataglyphis sind ja bekanntlich auch Formicinen wie zB. unsere Formica-Arten und mit diesen verwandt, aber in ihrem Temperament nicht mit den heimischen Arten zu vergleichen. Zwar verteidigen sie bei Eingriffen wie Umsetzungen ihre Kolonie wütend und energisch, doch sind sie dabei nie so aufgeregt und "kopflos" wie heimische Formica-Arten und beruhigen sich binnen Minuten. Offenbar werden auch Alarmpheromone dosierter und gezielter eingesetzt und weniger verschwenderisch, sondern nur bei wirklicher Berdrohung und wirklichen Feindkontakt. Schon nach ganz kurzer Zeit legt sich so bei den Cataglyphis dann die Aufregung der Kolonie und die Tiere beginnen konzentriert und ruhig mit der Erkundung der angebotenen Nistmöglichkeiten und organsieren die Evakuierung der Kolonie. Diese "Abgeklärtheit" der Cataglyphis ist sicher kein Nachteil, denn das Chaos wütend durcheinanderlaufender, abwehrbereiter Ameisen wird auf kurze Zeit begrenzt und die Arbeiterinnen können früher und unaufgeregter mit der Organisation des Umzuges oder der Sicherung des alten Nestes der Kolonie beginnen. Bei den Ameisenarten, mit denen ich mich bisher beschäftigte, hatte ich immer wieder mal den Eindruck, dass die Tiere mit Bedrohungen und Veränderungen dann besonders souverän umgingen, wenn die visuellen Möglichkeiten einer Art gut ausgeprägt waren. Das ist sicher kein objektiver Befund und keine Regel, er drängt sich aber immer wieder auf, wenn man zB. diesen Cataglyphis bei der Bewältigung ihrer Aufgaben und zB. Nestumzüge zusieht.

      LG, Frank.

      Fragen und Bemerkungen bitte hier im Thread.
    • Re: *Cataglyphis fortis.

      Es ist erstaunlich, wie gut sich die Kolonie entwickelt. Obwohl ich mich im Moment wenig um die Kolonie kümmern kann, wächst die Kolonie rasant. Jeden Tag einige Mehlwürmer und ab und zu Zuckerwasser, das genügt. So zierlich, wie die fortis wirken, wenn es darum geht, die hartgepanzerten Mehlwürmer zu "knacken", gehen diese Ameisen sehr robust zu Werke.
      Gerade die meisten Cataglyphis-Arten sind als Bewohner von Wüsten und Halbwüsten natürlich extrem genügsam und auch mit einseitiger Ernährung über lange Zeiten zufrieden, trotz diesen Wissens ist jeder Blick in das Nest immer wieder eine Überraschung, zumal, wenn einige Tage vergangen sind.
      Es ist im Moment sehr leicht für mich, bei dieser Kolonie alles richtig zu machen und mich beschleicht das Gefühl, dass es diesen Ameisen nur gut tut, wenn der Halter wenig Zeit hat und sich wenig um sie "kümmert"...:)

      Nun mal ein Blick in das kleine Terrarium. In einer kleinen Schale wächst neben Farn ein Fleissiges Lieschen. Mich interessierte, ob die Cataglyphis fortis die Pflanze erklettern und die Nektarien absammeln. Nun, sie taten es bisher nicht. Das mag daran liegen, dass gerade für diese Art das Erklettern von Pflanzen im Freiland nicht unbedingt zum Verhaltensspektrum beim Sammeln von Nahrung gehört. Wo diese Ameisen leben, in den Salzwüsten und trockenen Salzwasserlagunen, wächst einfach kaum etwas.
      Andere Arten der Gattung, besonders die bicolor-Arten erklettern durchaus Pflanzen, sowohl Blütenpflanzen, um deren Pollen oder Blütennektar abzusammeln wie auch zB. Kakteen, ich beobachtete sie zB. an überreifen Kakteenfeigen.
      Trotzdem hat die bepflanzte Schale hier bei den fortis einen Nutzen, denn die Ameisen finden hier Süsswasser. Und, es sieht einfach netter aus...;)

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/z01eyt1bzc5p.jpg]

      Nochmal Blicke in das Brutnest. Leider nicht ganz scharf, die Scheiben des alten Beckens sind recht zerkratzt. Jedoch ist zu sehen, dass die Kolonie noch einiges vorhat. Das erste Foto zeigt eine Larvenkammer, das zweite Bild die Hälfte des Nestes.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/xwqege9a2wb1.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/bjft7werx3e8.jpg]

      LG, Frank.