*Gigantiops destructor, Beobachtung und Haltung.

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    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Es wird wohl nicht mehr allzu lange dauern, dass die junge Kolonie ihre Mutterkolonie überholt hat, was die Koloniestärke angeht. Spätestens dann muss ich neu nachdenken, ob ich beide Kolonien erneut umsetzen muss, die jüngere in das grössere Becken, die ältere in das kleinere.
      Das Wachstum der jungen Kolonie ist weiterhin sehr gut. Einige junge Arbeiterinnen sind geschlüpft, es gibt weitere Puppen und Larven. Ich bin jedes Mal aufs neue erstaunt, wie gut es bei der Kolonie läuft, wenn ich an die vielen Probleme denke, die es früher manchmal bei dieser Art gab. Diese Kolonie ist fast ein "Selbstläufer". Ein neuer Blick in die Nestkammer.

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      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Aber auch die ältere Kolonie beginnt nun zu wachsen und zuzulegen. Mir fiel in den letzten Tagen auf, dass die Arbeiterinnen vermehrt nach Taufliegen und Springschwänzen jagen. Vor einigen Tagen gab es Fotos von Eipaketen, nun gibt es recht viele Larven und weitere Eipakete. Daneben natürlich auch einige Puppen.

      Ein Blick in die wichtigste Brutkammer, es sieht wieder recht gut aus, wie ich finde.

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      Leider werden kaum mal Männchen aufgezogen. Allerdings schlüpfen immer wieder Arbeiterinnen und natürlich auch einige junge Weibchen, das zeigt, dass die Kolonie noch immer vital ist. Mal sehen, was die neuen Bedingungen im neuem Jahr bringen, der Jahresausklang ist vielversprechend und es scheint, als ob mich diese Ameisen noch ein Weilchen begleiten werden.
      Ich bin kein Freund von Formulierungen, die vor allem auf die Attraktivität und den Unterhaltungswert einer Ameisenart in der Haltung abzielen, aber diese Ameisen sind eine Freude für mich. Diese Ameisen sind weder besonders gross, besonders bunt und auch sonst nicht übermässig spektakulär. Sie sind nur anders. Das allerdings dann doch besonders.

      Neben interessanten Beobachtungen erlebt man mit ihnen auch immer wieder Überraschendes und Erstaunliches. Im Moment ist Zucker oder Honig zB. wenig attraktiv, ständig werden die Fleissigen Lieschen abgesucht und deren Nektarien abgesammelt. Dann sieht man fast schwerfällige Arbeiterinnen mit angeschwollenen Gastern und vollen Kröpfen recht ungelenk im Geäst herumturnen. Nichts bleibt von der Eleganz und Leichtfüssigkeit, mit der sie sonst im Laubwerk turnen und herumhüpfen. Ihre Übersicht und Wachsamkeit jedoch behalten sie. Und so bin ich jedesmal selbst überrascht, wenn ich dann bemerke, dass die Tiere bald auch mich beobachten und fixieren, wenn ich in das Terrarium schaue.

      Noch zwei Einblicke in die Brutkammer.

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      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Es ist eigentlich eine nicht enden wollende Lovestory, die ich hier mit meinen Gigantiops destructor erlebe. Beide Kolonien machen sich weiter sehr gut, das neue Jahr wird für sie und für mich ein Gutes...:)

      Die Versorgung der Kolonien ist denkbar einfach und unproblematisch. Wenn sich die Ameisen sicher und wohl fühlen, kann ich ihnen fast alles anbieten. Die jüngere Kolonie erhielt heute einen halben Mehlwurm. Das erinnert mich schon fast an die Stammkolonie, aus deren Nachzucht diese Kolonien stammen und die ich ab 2007 hielt und die in 2008 auf etwa 1000 bis 2000 Individuen angewachsen war. Zu ihren Glanzzeiten verspeiste die Kolonie ganze frischtote, ausgewachsene Heimchen, eine absolut untypische Beute und Ernährung für diese Ameisen, die eigentlich vor allem Kleinstinsekten, Termiten und andere Bodentierchen erbeuten.
      Trotzdem bin ich auf der Suche nach Termiten, um den Gigantiops artgemässeres und gehaltvolleres Futter anzubieten. Vermutlich wird eine solche Ernährung das Wachstum der Kolonien beschleunigen.

      Neue Fotos aus der Brutkammer der jüngeren Kolonie. Weitere Arbeiterinnen sind geschlüpft, es gibt dazu alle Brutstadien im Nest. Zucker oder Honig biete ich übrigens nur noch gelegentlich an, die Gigantiops sammeln tagsüber die Nektarien der Pflanzen ab und versorgen sich hier weitgehend selbst und ausreichend mit Kohehydraten.

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      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      So ein kleiner Lebensraum kann sehr vielfältig und nischenreich werden, wenn man etwas Geduld hat und ein glückliches Händchen. Soviel Zeit braucht es dabei gar nicht, das Becken steht ja erst wenige Wochen.
      Gutes Licht (SMD Led-Lampen, insgesamt nur 70 Watt), regelmässiger Nebel, dazu vllt. etwas Tageslicht vom Fenster, und die Planzen wachsen. Regenwasser tut ein übriges. Für Sauberkeit und Verwerten von allen Abfällen und toten Tieren und Pflanzen sorgen unzählige Springschwänze verschiedener Arten und Grössen.
      Hier einige "Suchbilder", Momentaufnahmen aus dem Terrarium der älteren Kolonie. Auf einigen Blättern der Orchideen und anderen Pflanzen sieht man hässliche Kleckse, Fliegenschisse der Stummelfliegen...:) Naja, das regnet ab in den nä. Tagen. Die Gigantiops jagen wie bekloppt und verkonsumieren etliche Fliegen jeden Tag.

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      Es wachsen im Terarium mindestens sechs verschiedene Arten von Moosen. Wundert mich im Moment selbst, dass selbst die heimischen Arten gut gedeihen und zum Teil jetzt sogar Fruchtkörper ausbilden. Moose sind hervorragende Bodendecker und bieten den Kleinsttieren des Bodens einen guten Lebensraum.

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Sie machen mir einfach Spass, diese Gigantiops. Und viel anderes gibt es ja im Moment auch nicht zu berichten.

      Die Arbeiterinnen haben dutzende Fliegen erjagt und im Nest "eingelagert". Da enststehen dann Dreckecken in manchen Nestkammern, in denen sich die teilweise bereits verwesenden Fliegenkadaver stapeln und in denen sich Springschwänze tummeln und die dort entsorgten Kadaver verwerten und regelrecht abbauen. Die Gigantiops können das Jagen nicht lassen, obwohl sie bereits mehr als genug Proteine eingetragen haben. In ihrer Gier, alles haben und ausbeuten zu wollen, erinnern diese Ameisen mich etwas an meine Artgenossen. Nur sieht es bei den kleinen Ameisen eher drollig aus und sie werden den Planeten wohl nicht verwüsten mit ihrer Gier, die ihnen scheinbar innewohnt trotz des relativen "Wohlstandes", in dem sie leben.
      Seit einigen Wochen geht es besser voran und es gibt viele jungen Ameisen und einiges an Brut. Die Umstellung und neue Haltung zeigt gute Ergebnisse. Die Altkönigin sieht gut aus und guckt recht munter...:) Sie ist auf dem ersten der kommenden Bilder zu sehen.

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      Es gibt, wie fast immer, etliche Jungköniginnen. Ich denke, es wird in diesem Jahr auch wieder Männchen geben und dann sehen wir weiter...:)

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Hallo zusammen,

      der Frank war ja so lieb und hat mir seine junge Gigantiops Kolonie überlassen.
      Sie stehen zurzeit auf der Fensterbank und bekommen ihre notwendige Wärme von der Heizung.
      Zusätzlich zum Tageslicht gönne ich ihnen noch Licht von einer LED-Leiste mit 8 LEDS,diese macht ein schönes helles Licht und die Ameisen bleiben auch nach Sonnenuntergang außerhalb des Nestes auf Futtersuche.
      Leider bekam ich keine Fliegen im Moment um sie damit zufüttern und versuchte ob sie an Heimchen gehen.An diese gingen sie aber nicht ran,da blieb mir nur eins über, es mit Schaben zuversuchen und siehe da an diese gingen sie dran.Das war aber nur eine Notlösung,der tuffi hat mir letztes Wocheende Erbsenläuse mitgebracht.Er füttert sein Gigantiops Kolonie auch mit den Läusen und ich muss sagen das ist ein perfektes Futter und leicht zuzüchten.
      Über die Zucht muss Marcel umbedingt mal einen Thread schreiben.

      Die Kolonie wächst schnell ,fast jeden Tag schlüpft eine neue Arbeiterin.Sie haben sehr viel Brut und ca. 20 Puppen.

      Hier noch ein Video aus dem Nest der Kolonie.



      lg

      rog
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Seit meinem und Rogers letzten Beitrag ist viel geschehen.
      So ist es nun so, dass die ältere Kolonie leider das Zeitliche segnet. Die Kolonie hat seit längerem keine weitere Entwicklung gehabt, die Koloniestärke stagnierte und schrumpfte schliesslich sogar. Nun ist es soweit, die letzten Arbeiterinnen dieser Kolonie sterben gerade in meiner Haltung. Sehr schade. Immerhin entstammte die Königin dieser Kolonie meinen Zuchtversuchen aus den Jahren 2008/09 mit der ersten Kolonie, die ich damals hielt. Sie dürfte damit zu den ganz wenigen Kolonien gehören, die es aus dieser Generation noch gibt.
      Während damals aus diesen Zuchtversuchen etliche Jungköniginnen hervorgingen, die in der Haltung im Terrarium von Männchen begattet wurden und in meiner Haltung eigene Kolonien gründeten, ging aus den nachfolgenden Versuchen mit dieser nun dahinscheidenden Kolonie nur eine Jungkönigin hervor, die auch im Terrarium begattet wurde und in der Folge dann völlig problemlos in seperater Haltung eine eigene Kolonie gründete. Die so entstandene Kolonie landete dann letztlich bei Roger.

      Nun aber befiel mich angesichts des Dahinscheidens meiner zweiten Gigantiopskolonie natürlich die Panik, weil ich mir ein Leben ohne meine Gigantiops schwer vorstellen kann. Um es etwas abgeschmackt mit den grossartigen Loriot zu sagen, in leichter Abwandlung: Ein Leben ohne Gigantiops ist zwar möglich, aber sinnlos.
      Roger ist der Letzte, der jemanden lange leiden lässt und so war es gar nicht nötig, ihn zu bitten. Er bot mir an, die Kolonie, die ich ihn vorher gegeben hatte, wieder zu mir zu holen.
      Nun hätte ich mir sicher auch eine andere Kolonie der Art beschaffen können, es sind einige wenige Kolonien dieser Art ins Land gekommen und bei verschiedenen Haltern vorhanden. Ich wollte aber sehr gern eine Kolonie halten, die aus den Zuchten meiner Haltung stammt, um diese Zuchtlinie möglichst weiter betreiben zu können mit den Tieren, die aus ihr stammen. Es ist ja interessant, zu beobachten, ob und wie sich die Zucht, die ja nun einmal eine Inzucht ist, auf die Tiere in den folgenden Generationen auswirkt.

      Nun sind diese Ameisen seit längerer Zeit bereits wieder hier bei mir und die Kolonie entwickelt sich gut. Es ist erstaunlich, im Moment sieht es so aus, als ob nun diese Kolonie sich wieder zu einer grossen Kolonie entwickeln kann mit vielen hundert und mehr Tieren. Dieses Potential war bei der Vorgängerkolonie nie so recht vorhanden. Allerdings war es bei der ersten Kolonie vorhanden, der sozusagen "grossmütterlichen" Kolonie, die noch ein Wildfang war, gesammelt in Franz. Guayana. Diese Kolonie hier zieht fleissig Nachkommenschaft auf und es wird Zeit, dass ich ihr ein grösseres Terrarium spendiere. Das geschieht auch bald, nach meinem Umzug im Sommer diesen Jahres.

      Hier mal ein Bild in die Brutkammer der Kolonie.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/csbsrsmder0z.jpg]

      Natürlich weiss man nicht, wie sich diese Kolonie in der Zukunft entwickelt. Jedoch sind die Zeichen im Moment gut und ich bin optimistisch und sehr zufrieden. Und heilfroh, solche Ameisen dieser besonderen Art, besonders solche aus der Nachkommenschaft meiner ersten Gigantiopskolonie weiter bei mir beherbergen zu können, sie sind nach wie vor die für mich erstaunlichsten und interessantesten Ameisen überhaupt.

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Nach langer Pause mal wieder Neues von den Gigantiops.
      Nun bin ich endlich dazu gekommen, meinen geliebten Gigantiops ein neues, grösseres Terrarium einzurichten und ein neues, natürlich einsehbares Nest zu spendieren. Hier handelt es sich nun um die junge Kolonie, die ältere Mutterkolonie aus der zweiten Zuchtgeneration ist nun leider weggestorben.

      Das Terrarium ist noch spartanisch eingerichtet und bepflanzt, mit einigen Tillandsien, Orchideen und einem grossen Fleissigen Lieschen. Ausserdem Moose etc.. Alles muss erstmal wachsen, Aufnahmen lohnen sich noch nicht..;)

      Die Kolonie ist heute eingezogen. Ich war erstaunt, wie schnell die Arbeiterinnen das neue Nest entdeckten und akzeptierten, der Einzug ging, für Gigantiops eigentlich untypisch, sehr schnell und zielstrebig voran. Nach etwa zwei Stunden waren alle Tiere im neuen Nest. Irgendwie erscheinen die Tiere dieser Kolonie etwas cleverer und konzentrierter, aber das kann natürlich täuschen. Ein bewundernder Liebhaber solcher Tiere wird solche Eigenschaften wohl immer bereitwillig "entdecken".

      Aus der winzigen Kolonie mit wenigen Arbeitern ist eine mittlere Gigantiops-Kolonie geworden. Mich freut besonders, dass alle Kasten aufgezogen werden, momentan im gesunden Zahlenverhältnis. Es schlüpfen verhältnismässig viele Arbeiterinnen, aber auch Weibchen und auch Männchen. Ich erwarte, dass es in der nächsten Zeit wieder Schwarmflüge und Kopulationen gibt. Mit etwas Glück kann ich dann die vierte Generation in direkter Folge und mit einer genetischen Herkunft aus der ursprünglichen Wildfangkolonie in meiner Haltung aufziehen.

      Eine Aufnahme aus dem Nest. Noch etwas unaufgeräumt und dichtgedrängt, alle Nestkammern werden noch nicht genutzt. Es ist zu sehen, dass die Tiere reichlich Nachwuchs aufziehen.
      Eine tolle Truppe.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/30rtubiv4c6i.jpg]

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Nun bewohnt die Kolonie das Terrarium schon wieder einige Zeit.
      Das Terrarium hat sich gut entwickelt, die Pflanzen wachsen, Springschwänze bilden grosse Populationen. ich füttere im Moment kaum zu, nur einige Drosophila, die Gigantiops leben weitgehend von den Springschwänzen, die sie überall finden und von Zuckerwasser. Auserdem suchen sie ständig die Nektarien des Fleissigen Lieschen ab. Hier finden sie tagsüber immer süsse Nahrung.
      Überhaupt ist diese Pflanze einzigartig. Mich wundert, dass sie sich nicht auch schon längst in vielen anderen Tropenterrarien findet. Die Pflanze ist robust, lässt sich leich vermehren, wuchert nicht so stark wie etwa die auch viel lichthungrigere Pasiflora und ist meines Erachtens weit produktiver mit einer viel grösseren Zahl an ständig produzierende Nektarien an Blättern und Blattstielchen. Zudem blüht sie auch noch regelmässig im Terrarium, das ist ja auch ganz nett...;)

      Hier Fotos der Landschaft im kleinen Terrarium. Es dominiert das Fleissige Lieschen, jedoch blühen auch kleine Orchideen und es wachsen überall verschiedenartige Moose.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/1rekbynxumvl.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/moyah9yfejfk.jpg]

      Das Terrarium wurde damals kurz nach meinem Umzug auf die Schnelle hergerichtet, ohne viel Schnickschnack. Trotzdem sieht es jetzt ganz gut aus, gutes Licht sorgt für Pflanzenwachstum, gutes Pflanzenwachstum sorgt für ein gesundes Mikroklima.

      Den Gigantiops geht es gut. Sie ziehen weiter Jungtiere aller Fraktionen auf, Arbeiterinnen, Jungköniginnen und Männchen. Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich mich in der letzten Zeit wenig um sie kümmern konnte.
      Weil es ihnen an nichts wesentlichen fehlt, hat ihnen das nicht geschadet. Die fetten Zeiten, in denen ich ihnen am Tage fünf bis zehn frischerschlagene Stubenfliegen am Nesteingang reichen konnte, sind lange vorbei. Es macht ihnen nichts, sie jagen nun vermehrt nach Springschwänzen und nach den Drosophila.
      Sie haben einiges an Brut.
      Wie immer bei den Gigantiops sind die Sichtscheiben des Nestes beschlagen, was richtig scharfe Fotos aus dem Nestinneren fast unmöglich macht. Macht nichts, es ist ja was zu erkennen...:D

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/rglbxj18mkc9.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/iuncjufwbqas.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/vcedpc8jl84c.jpg]

      Einfach tolle Ameisen, die eigentlich gut und ohne viel Aufwand zu halten sind, wenn die Kolonien einmal einigermassen stabil sind.

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Hey Frank,

      echt schön zu sehen wie deine Kolonie wächst :)

      Ich habe mich schon vor ner weile nach dem Fleissige Lieschen umgeschaut habe aber nur welche im Baumarkt und Gartencenter gesehn die sicher net gerade ungedüngt ungespritzt waren.

      Wo hast du den deine Pflänzchen her?

      liebe grüße Matthias
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Hallo Mathias. Meine Pflanzen habe ich schon seit Jahren. ich ziehe mir eben immer wieder neue Ableger von ihnen, so kann man die Lieschen eigentlich unbegrenzt vermehren. Einfach einen kleinen Seitentrieb abbrechen, in feuchte Erde damit und anfangs bei so jungen Pflanzen mit wenig Wurzeln auf eine hohe LF achten. Dann wachsen die immer an.
      Ich denke, Lieschen kann man schon im Baumarkt kaufen. Wer sicher gehen will, hält so ein gekauftes Pflänzchen für eine Zeitlang in Quarantäne, die Pflanze ist schnellwachsend und wenn man regelmässig mit Wasser sprüht, dürften eventuelle Pestizide sich bald verflüchtigen.
      Ich weiss, das Pflanzen in Baumärkten und in Gärtnereien wohl oft mit Mitteln behandelt sind. Aber ich selbst habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, obwohl ich auch nicht immer der Geduldigste bin und Orchideen oder Tillandsien sehr schnell in meine Terrarien verfrachte.
      Man sollte vllt. bei guten Pflanzenmärkten, bspw. Dehner einkaufen und die Verkäufer befragen. Und ein bischen Gottvertrauen wird auch nicht gleich schaden...;)

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Hallo Ameisenfreunde.

      Meine Gigantiops-Kolonie lebte nun fast ein Jahr in einem kleineren Becken. Es ging ihr gut dabei, sie ist etwas gewachsen und es wurden Arbeiterinnen und Geschlechtstiere aufgezogen.
      Die Zeiten in diesem kleinen Becken waren anfangs turbulent, nachdem das Becken sich sehr gut entwickelte, hatte ich mir leider irgendwie Xaximwürmer eingeschleppt, die sich schnell und unkontrollierbar massenhaft vermehrt hatten und die ich dann mit einem Mittelchen bekämpfte, was zur Folge hatte, dass viele der Würmer verendeten und sich das Becken in eine Kloake verwandelte. Vorher hatten die Würmer so gut wie alle Springschwänze und sonstige Bodenorganismen vertilgt, sogar Drosophila und Terflys erbeuteten die Würmer irgendwie.
      Na gut, das Wurmproblem bekam ich mit einer Neueinrichtung in den Griff. Seither lief das Leben der Gigantiops, die übrigens selbst nie unter den fiesen Würmern direkt litten, normal und ruhig.

      Nun hatte ich letzten Freitag frei, ebenso natürlich das Wochenende und dann kam dieser laaange Feiertag in dieser Woche. Zeit zum Nachdenken, aber nicht zum Müssiggang. Meine Blicke wanderten immer unruhiger werdend zwischen den recht grossen, aber auch irgendwie recht leeren Cataglyphis-Becken und dem kleinen, gutbepflanzten Gigantiops-Becken hin und her.
      ...und ja, ich war ein böser Junge und hab kurzerhand alles geändert.

      Die Catas gehen sowieso bald in eine kurze Winterruhe, da sollte dann doch erstmal ein kleineres Terrarium genügen. Die Gigantiops aber können etwas mehr Platz gut brauchen, ebenso mehr Licht, Wärme und Nahrung.

      Also bekamen nun die Gigantiops ein Meterbecken und dazu insgesamt satte 200 Watt Licht. Das Becken wurde in der bei mir üblichen Weise hergerichtet, eine Lavasplit-Schicht dient als Boden, darauf etwas Streu aus dem Wald. Das Ganze reichlich mit trop. und heimischen Springschwänzen geimpft, ebenso tropische Weisse Asseln. Bepflanzt wurde mit Moos, Tillandsien, Orchideen, Fleissigen Lieschen natürlich und einer Begonville, die als schöne tropische Pflanze auch etwas hermacht und jetzt, nach einen Sommer auf dem Balkon, einen schönen neuen Platz gefunden hat. Eigentlich alles grosse Pflanzen, aber im neuen Becken haben sie noch viel Platz und sehen noch fast kümmerlich aus.

      Die Gigantiops fanden sich gut und schnell zurecht. Ich bin immer wieder etwas überrascht, wie gut sie in der Haltung zurecht kommen. Mit ihrem manchmal nervösen Wesen gelten sie bei vielen als ängstlich und neigen angeblich zu panischen Reaktionen bei Eingriffen des Halters, aber wenn man ruhig und besonnen mit ihnen umgeht, gucken sie drollig und lassen sich so einiges gefallen. Sie lassen sich sogar helfen und sich mit kleinen Tricks den Weg weisen...:) Jedenfalls haben meine lieben Gigantiops sehr schnell, binnen weniger Stunden den Einzug in das neue Nest hinbekommen und alles geschah mit ziemlicher Ruhe.
      Sie sind sehr clever. Arbeiterinnen, die von anderen bereits ortskundigen Arbeiterinnen in das neue Nest getragen wurden, wussten schnell, was zu machen war, waren sofort im Bilde über die Örtlichkeiten und beteiligten sich umgehend am Transport der verbliebenen Kolonieangehörigen und der Brut.
      Erstaunlich ist dabei immer wieder die visuelle und taktile Kommunikation. Während jene Arbeiterinnen, die das Nest bereits kannten, natürlich bald ohne Hemmung in dieses ein und aus gingen, blieben andere, die das Nest noch nicht kannten, extrem vorsichtig und betraten das Nest nur dann, wenn sie diese anderen Arbeiterinnen am Nesteingang sahen oder taktil bemerkten. Eine Arbeiterin, die das neue Nest nicht kennt, wird es nicht betreten, sie tut es erst dann, wenn sie von anderen Arbeiterinnen davon überzeugt wird, dass dies ungefährlich ist. Eben dann, wenn sie diese andere Arbeiterin sieht oder sie taktil bemerkt oder aber von ihr durch Aufforderungsverhalten animiert wird, hineingetragen wird oder unter Fühlertrillern und Schubsen ein kleines Stück in die Richtung des Nesteingangs gezogen wird.
      Es scheint, als ob es bei den Gigantiops überhaupt keinerlei chemische Kommunikation in Nesteingangsnähe gibt, anders als bei vielen anderen Formicinen. Cataglyphis zB. markieren den Nesteingang chemisch in dessen unmittelbarer Nähe. So finden andere Arbeiterinnen der Kolonie den Nesteingag, wenn sie ihn noch nicht kennen. Die Gigantiops scheinen sich bei der Orientierung in Nestnähe wie überhaupt bei ihrer Orientierung und Navigation allein auf ihre visuellen Fähigkeiten zu verlassen und auf ihre Möglichkeiten der Kommunikation und des individuellen Lernens.
      Natürlich ist es müssig, diese Arten zu vergleichen, aber es handelt sich um hochentwickelte, extrem spezialisierte Formicinen mit guten visuellen Fähigkeiten, die jedoch in jeweils völlig unterschiedlichen Lebensräumen leben.

      Jedenfalls läuft diese Terrarium nun ganz gut an. Die Moose beginnen bereits zu wachsen, ebenso das Lieschen. Im hellen Licht scheinen sich alle Pflanzen zu recken und zu strecken. Ich freue mich auf neue Eindrücke und freue mich darauf, was meine Gigantiops aus dieser neuen Situation machen werden.

      Am Wochenende werde ich ein paar Bilder einstellen :pardon: .

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Hier mal ein Bild des Terrariums, eine Aufnahme vom letzten Wochenende.
      Ich habe auf eine reichliche Bepflanzung mit grossen Pflanzen verzichtet, das tue ich eigentlich immer mehr. Lieber weniger grosse Pflanzen, dafür mehr Licht am Boden und in allen Bereichen des Beckens. So bleibt auch immer noch ein Plätzchen frei für die eine oder andere interessante junge Pflanze, wenn man etwas findet.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/g7sv1jeqgs4i.jpg]

      Links die Begonville, die allerdings wirklich riesiges Potenzial hat und die sicher sehr bald beginnen wird, recht ordentlich zu wachsen. Ich werde sie dann im Auge behalten müssen und rigoros zurückschneiden müssen. Rechts das Fleissige Lieschen, das nun mehr Licht und Platz bekommen hat, so ebenfalls reichlich Platz zum Wachsen hat und das für mich der zuverlässigste Lieferant von natürlichen Zuckern ist und diesen an hunderten kleinen Nektarien ameisengerecht anbietet.
      Die Gigantiops besuchen das Lieschen am Tage, ebenso andere Ameisen wie etwa einige Temnothorax, die ebenfalls hier leben.

      Der Boden besteht aus Lavasplit, über den ich unregelmässig und dünn eine Schicht Streu, etwas Sand und Lehm verteilt habe. Nicht überall ist der Split völlig abgedeckt. Einige Moospolster aus dem alten Becken wurden ebenfalls eingebettet und werden sich hoffentlich bald weiter ausbreiten, das Ganze sieht auf diesem Foto noch unfertig aus und wenig perfekt, aber das wird sich binnen weniger Wochen mit dem Einwachsen ändern.
      Den Waldstreu habe ich an Wegrändern im Wald gesammelt, auch er ist "infiziert" mit winzigen Moospflanzen und Flechten und auch aus ihm wird einiges wachsen. Angenehmer Nebeneffekt ist beim Sammeln im Freiland immer, dass winzige Bodentierchen wie Springschwänze versch. Arten und auch Milben oder Hunderfüsser und andere Bodentierchen mit eingesetzt werden. Jene Tiere dieser Fauna, die mit den Bedingungen im Terrarium für längere Zeit zurechtkommen und eine passende Nische finden, werden sich etablieren und gerade Springschwänze jeder Art sind in einem Waldterrarium sehr willkommen. Aber nicht alle Tiere des Waldbodens sind gleich willkommen, Asseln werden von mir aussortiert, obwohl man es nie vollkommen vermeiden kann, dass man sich welche als winzige Jungtiere einschleppt und sie dann früher oder später problematisch werden können.

      Soweit erstmal.

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Niemand weiss genau, warum diese Art den Namen destructor erhielt.
      Besonders gewalttätig oder gar zerstörerisch benehmen sich diese Ameisen eigentlich nie und es fehlt ihnen dazu auch an der schieren Kraft und Agressivität. Ihre Stärke ist ihre visuelle Überlegenheit über die meisten anderen Tiere in ihrem Lebensraum, dazu ihre Geschicklichkeit in den Bewegungen und ihre Behendigkeit. So machen sie Beute und so weichen sie stärkeren Kontrahenten aus. Oft, ohne von diesen überhaupt bemerkt zu werden.
      Bei der Jagd können die Gigantiops aber durchaus draufgängerisch und zupackend werden. Wenn sie sich "überzeugt" haben, dass die potenzielle Beute ungefährlich ist und zu überwältigen ist, gehen sie beharrlich und knallhart zu Werke. So jagen sie zB. Fliegen, die fast gleichgross mit ihnen sind und auch andere Insekten.
      Dabei habe ich den Eindruck, dass eine neue Beute erst kennengelernt werden muss, sie wird beobachtet, fixiert, es werden wenig entschlossene erste Angriffe gewagt, immer dabei auf Rückzugsmöglichkeiten bedacht und wenn die Ameise sicher ist, dass der Angriff lohnt und erfolgversprechend ist sowie einigermassen ungefährlich, wird zugepackt. Manchmal wird die Beute sogar gehetzt.
      Hier hat eine Arbeiterin ein junges, mittelgrosses Heimchen gegriffen.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/t3konbo4wsft.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/6jx2ec0fbu4g.jpg]

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      "Frank Mattheis" schrieb:

      Niemand weiss genau, warum diese Art den Namen destructor erhielt.

      Den Namen bekamen sie von dem frühen Forscher Johann C. Fabricius (1745-1808), der sogar eine zeitlang mit dem Erfinder der heute noch gültigen binären Nomenklatur zusammen gearbeitet hat, Carl von Linné. Er hat die Gigantiops destructor im Jahre 1804 beschrieben, damals als Formica destructor.
      Der berühmte [url=http://gap.entclub.org/taxonomists/Wheeler,%20W.M/index.html]William M. Wheeler[/url] schreibt darüber:
      Fabricius, when he first described the insect in 1804 as Formica destructor, certainly knew nothing of it's behavior and probably gave it what seems to him an approprioate specific name for any ant measuring a centimeter in length.

      Also nur wegen der Größe der Ameise wurde sie "Zerstörer" genannt. Interessant ist des weiteren (das geht auch aus dem hochinteressanten Text von Wheeler hervor), dass die Ameise ein weiteres Mal beschrieben wurde, diesmal von [url=http://gap.entclub.org/taxonomists/Smith,%20F/index.html]Frederick Smith[/url] im Jahr 1858. Auch dieser hat die Art nicht selbst gesammelt, sondern von dem berühmten Henry W. Bates zugeschickt bekommen. Bates ist ein großes Idol für mich, und war damals mit dem Mitentdecker der Evolutionstheorie und Begründer der Biogeographie, Alfred R. Wallace, über mehrere Jahre am Amazonas und dessen Seitenflüssen unterwegs um vorwiegend Insekten zu sammeln.
      Da er dazu diesmal sehr passende Freilandbeobachtungen schilderte, wurde die Art als Formica solitaria beschrieben. F. solitaria deshalb, weil er die Tiere vorwiegend einzeln ("solitär") hat beobachten können, und nie ein Nest fand.
      Den Gattungnamen Gigantiops erhielt sie schließlich, als der deutsche Julius Roger (1819-1865) 1863 erkannte, dass F. solitaria und F. destructor synonym waren. Nach den Regeln der Nomenclatur ist der Name des Erstbeschreibers gültig, also der von Fabricius, auch wenn solitaria der passendere Name gewesen wäre.
      Die hochinteressante wissenschaftliche Arbeit von Wheeler über die Gigantiops "Observations on Gigantiops and other leaping ants" ist sehr lesenswert und frei zugänglich: gap.entclub.org/taxonomists/Wheeler,%20W.M/1922c.pdf

      Grüße, Phil
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Hoffe darf mich mich hier auch ein wenig beteiligen? :) Für einen Haltungsbericht sind meine Kolonien hier ungeeignet. Die Nester sind nicht einsehbar :D. Die Tiere leben entweder unter der Baumrinde oder aber auch eine andere Kolonie direkt im Holz. Von meinen Ytong Steinen hielten sie nicht viel :sick:
      Heute gefüttert mit zerschnittenen Schokoschaben.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/aiz9b0t0anef.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/1jgy85gpedbi.jpg]


      Da hat sie wohl ein wenig Respekt vor den Fruchtfliegen :)
      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/t1il1hfpgka5.jpg]

      Hier meint jemand sein Opfer noch töter als Tot zu machen :finger:
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      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/4tqolwujzx8v.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/1jgy85gpedbi.jpg]
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Hallo Rene, klar kannste dich hier beteiligen.
      Interessant und erstaunlich sind ja manchmal die etwas "missratenen" oder missgestalteten Tiere, die in einer Kolonie von Zeit zu Zeit aufwachsen. Oft sieht man verkrüppelte Beinchen oder fehlende Gliedmaßen.
      Heute sah mich eine leicht schielende Gigantiops-Arbeiterin aus ihrem Terrarium an :shock: . Die Arbeiterin scheint ansonsten gesund zu sein, ein Fühler ist zwar etwas verkrüppelt und verkürzt, was sie aber ebenso wie ihr leicht irrer Blick scheinbar wenig beeinträchtigt. Die Arbeiterin muss jung sein, ich sah sie heute zum ersten Male im Terrarium. Sie jagte Fliegen, die sie ins Nest eintrug und trank Zucker. Minutenlang putzte sie sich auf einem Blatt einer Orchidee, sie scheint sich wohl zu fühlen.

      Hier einige Fotos. Vergleicht man das "Gesicht" dieser Arbeiterin mit dem anderer, normaler Arbeiterinnen zB. auf den besseren Bildern oben von Rene, dann fällt auf, dass der Kopf bei ihr eigenartig schmal ist, die Augen dagegen scheinbar vergrössert und oben, auf der Stirn untypisch zusammen laufend.
      Das Ganze ist nichts Besonderes, aber schon interessant und es wert, erwähnt zu werden.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/3qpev3083pij.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/jc8smg8tvsix.jpg]
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      Mal sehen, wie lange ich dieses Tier mit einem wirklich individuellen Gesicht erleben und beobachten werde. Meist werden Ameisen mit kleinen Beeinträchtigungen, die sie aber nicht an einen scheinbar halbwegs normalen Leben hindern, ja nicht besonders alt.
      Aber bei den Gigantiops ist ja so vieles etwas anders...

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Hallo Ameisenfreunde.

      Wieder mal ist die Kolonie heute umgezogen. Das alte Terrarium gefiel mir nicht mehr und so hab ich heute ein neues und grösseres vorbereitet und die Gigantiops am Nachmittag umgesetzt. Alles hat gut geklappt. Die Gigantiops machen überhaupt keine Probleme und bleiben bei Eingriffen erstaunlich ruhig. Naja, sie sind ja einiges gewohnt bei mir.
      Aber auch Freilandkolonien werden wohl von Zeit zu Zeit umziehen und so ist das für die Ameisen nicht ungewöhnlich und sie können damit gut umgehen.

      Bei ihren Einzug in das neue Nest habe ich die Ameisen heute lange Zeit beobachtet. Immer wieder begeistert mich ihre absolut präzise Kommunikation, die scheinbar völlig ohne Duftspuren oder ähnlichem funktioniert. Die Ameisen verlassen sich völlig auf ihr gutes Sehen und kommunizieren miteinander bereits auf "Sichtweite".
      Als die ersten Arbeiterinnen das neue Nest entdeckt und auskundschaftet hatten und wohl für geeignet befunden hatten, begannen sie, die Kolleginnen und die Brut der Kolonie einzusammeln. Ich habe es schon mehrmals versucht zu beschreiben, bin aber immer wieder selbst begeistert, wenn ich den Tieren bei ihrem emsigen Tun zusehe.

      Begegnen sich zwei Arbeiterinnen, beginnen sie auf bereits Sichtweite, manchmal über Distanzen von bis zu 20 Zentimetern, einander zugewandt zu tänzeln und mit hochgereckten, goldglänzenden Fühlergeisseln zu vibrieren. Dabei machen die Arbeiterinnen manchmal einige Schritte seitwärts hin und her, recken den Hinterleib schlangenartig zur Seite und starren die Partnerin an. Langsam schreiten beide Arbeiterinnen aufeinander zu, dabei das tänzelnde Ritual fortsetzend und mit den Fühlern flimmernd. Ich denke, dass die Gigantiops einander so genau erkennen und so schon auf Distanz den Gegenüber als artzugehörig indentifizeren können. Erwidert also das andere Insekt die Gestik und die tänzelnden Bewegungen, kann die Ameise sicher sein, es mit einer Artzugehörgen zu tun zu haben. Ob die andere Ameise auch der eigenen Kolonie angehört, kann eine Arbeiterin natürlich erst mit dem Fühlerkontakt eindeutig feststellen. Nun erst wird der Kolonieduft geprüft, so wie auch bei anderen Ameisen. Aber das gegenseitige, visuelle Erkennen auf grösserer Distanz mithilfe ritualsierter Tanzbewegungen ist wohl einzigartig bei den Ameisen.
      Bei meinen Ameisen konnte ich heute eine weitere Beobachtung machen. Es scheint so zu sein, als ob sich die Arbeiterinen konkret Mitteilung machen können über ihren "Wissensstand" in Bezug auf den Standort des neuen Nestes. Zumindest konnte ich beobachten, dass Ameisen, die noch nicht den neuen Neststandort kannten, nach der Begrüssung, die immer nach dem oben geschilderten Schema ablief, sich gegenüber einer anderen, bereits ortskundigen Arbeiterin duckten und niederkauerten. Die Trägerinnen schienen so erkennen zu können, welche der anderen Arbeiterinnen in das neue Nest zu tragen waren. Begegneten sich zwei Trägerinnen, die das neue Nest beide kannten, blieb es bei einer Begrüssung mit kurzen, symbolhaften Futteraustausch und keine der Arbeiterin zeigte die kauernde Geste. Versuchte nun doch eine der beiden, die andere zu packen und zu tragen, liess dies die andere nicht zu und wandte sich brüsk ab.
      Interessant ist, dass das tänzelnde Ritual, mit dem sich zwei Arbeiterinnen einander nähern, jedesmal vollzogen wird, wenn sich zwei Arbeiterinnen abseits einer Gruppe treffen. Noch interessanter aber ist, dass es nur kurz und flüchtig wiederholt wird, wenn sich die selben Arbeiterinnen ganz kurze Zeit später wieder im Terrain treffen. Aber eben nur sehr kurz und flüchtig, so als ob sich beide aneinander erinnern, vllt. sogar an das Gesicht der anderen Arbeiterin und sich ja ohnenhin kennen. Nun wird bei einer zweiten oder dritten Begegnung nicht mehr der ganz grosse Aufwand betrieben und man verzichtet auch meist auf das kurze gegenseitige Füttern.

      Die Gigantiops verlassen sich bei ihrer Kommunikation völlig auf ihr gutes Sehen und ihre physischen Besonderheiten. So, wie diese Ameisen den Kopf drehen können, um nach etwas zu schauen oder einer Kollegin nachzuschauen, kann das keine andere mir bekannte Ameise. Dies zusammen mit ihren Springen von Ästchen zu Ästchen oder mit der Art, wie sie kleine Insekten erjagen lässt mich immer wieder schmunzeln, wenn ich ihnen zusehe.
      Auch wenn ich mich da immer wieder wiederhole, für mich sind dies die erstaunlichsten Ameisen überhaupt.

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Die Kolonie hat sich eingelebt und begonnen, ihr neues Nest anzupassen. Mit Lehm und anderen Substrat, sogar mit den Teilen der verzehrten Fliegen werden Ritzen und Spalten abgedichtet und vermauert. Den grossen Nesteingang haben die Gigantiops ordentlich verengt und mit Lehm vermauert.
      Es ist ein Auf und Ab mit der Kolonie. Dabei wurde auch sie bisher nie wirklich gross, kein Vergleich zur "grossmütterlichen" Kolonie, von der diese Kolonie und ihre Vorgängerin, die Mutterkolonie dieser Kolonie hier abstammt. Es mögen jetzt etwa dreissig Arbeiterinnen sein, einige Jungköniginnen und im Moment keine Männchen. Diese waren vor einigen Tagen ausgeschwärmt und hatten das Nest verlassen.
      Die Kolonie ist klein. Aber, muss ich mir Sorgen machen? Mach ich nicht, denn die Kolonie macht einen fidelen Eindruck.
      Ich habe mit dem neuen Nest etwas Neues ausprobiert. Zum ersten Mal habe ich einer so kleinen Kolonie ein eigentlich viel zu grosses Nest angeboten mit sehr grossen Nestkammern. Die Gigantiops sind bei der Nestwahl absolute Opportunisten und beziehen so ziemlich jedes geeignete Domizil, wie mir Gerhard Kalytta mehrfach berichtete, der ja umfangreiche Freilanderfahrungen mit südamerikanischen Ameisen hat. So beziehen sie im Freiland auch schonmal leere Bierdosen und alle möglichen Unterschlüpfe.
      Der Gedanke war, vllt. motiviert die Kolonie ein so grosses Nest auch mal dazu, wirklich viel Brut aufzuziehen. Immerhin können die Kolonien der Art manchmal recht gross werden, die erste Kolonie, die ich hielt, eben die grossmütterliche Kolonie dieser Kolonie, bewohnte zu ihren Glanzzeiten ein etwa 40 Zentimeter hohes Beobachtungsnest und hatte sicher über 1000 Individuen.

      Zwei Blicke in das Nest.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/qdms3726u2n5.jpg] [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/nt21h1oph374.jpg]

      Auch wenn die Kolonie klein ist, sieht es gut aus. Die Königin lebt und ist vital, die Arbeiterinnen jagen fleissig und es gibt für so wenige Ameisen eine ganze Menge an Brut.
      Mal sehen, wie es weitergeht...

      LG, Frank.
    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Hallo Ameisenfreunde.

      Naja, ich musste mir wohl doch Sorgen machen. Aber so ist das nun einmal, auch Ameisen leben nicht ewig.
      Nun halte ich meine Gigantiopskolonien seit dem Jahre 2007, in dieser Zeit gab es Nachzuchten aus der ersten Kolonie, die von einer im Freiland gefangenen Jungkönigin in der Haltung gegründet wurde und diese Kolonie, von der hier berichtet wurde, ist die dritte Koloniegeneration dieser Gigantiops in meiner Haltung seit dieser Zeit.
      Nun scheint diese letzte Kolonie der kleinen Dynastie jedoch leider an ihrem Ende angelangt zu sein. Die Zahl der Arbeiterinnen nimmt nun mehr und mehr ab. Jungköniginnen, die sich ohne Begattung entflügelt haben, versuchen die Lücken zu füllen und übernehmen Arbeiterinnenaufgaben und Brutpflegearbeiten in der geschrumpften Kolonie. Das wird die Kolonie nicht retten, denn ich vermute, dass die Altkönigin dieser Kolonie bereits gestorben ist und damit kein Arbeiterinnennachwuchs mehr zu erwarten ist. Die Hoffnung ist also gering, trotzdem werde ich diese Kolonie natürlich weiterpflegen, immerhin gibt es eine geringe Chance, dass eine der Jungköniginnen doch begattet ist, denn vor einigen Wochen gab es noch Männchen in der Kolonie.

      Die Kolonie befindet sich seit einiger Zeit in einer Art Quarantänehaltung, ich habe sie zur Beobachtung in einem kleinen Terrarium einquartiert. In der Hoffnung, sie durch gezielteres Füttern und unter möglichst optimalen Bedingungen retten zu können. Allein, die Hoffnung war gering, denn als ich die Kolonie umsetzte, gab es zwei entflügelte Königinnen und mir schwante bereits, dass keine der beiden die Altkönigin war.
      Die letzten Arbeiterinnenpuppen, die es noch gab, entnahm ich zu diesem Zeitpunkt der Kolonie und gab sie einer gründenden Jungkönigin, die ich von einen Freund hier hatte. Aber auch das war zwecklos, wie sich herausstellte, diese Jungkönigin verstarb leider kurze Zeit später. Das kommt vor, ist sehr schade, aber niemand weiss, ob diese Jungkönigin gesund war. Sie wurde von einen Sammler aus Südamerika mitgebracht.
      Nach fast neun Jahren ununterbrochener Gigantiopshaltung wird es nun Zeit, ein zwischenzeitliches Fazit zu ziehen. Eines vorweg, ich werde die Haltung dieser Ameisen natürlich nicht aufgeben und mich um andere Tiere der Art bemühen, diese Ameisen sind einfach zu interessant und ihre Beobachtung macht zuviel Freude, als dass ich auf ihre Haltung langfristig verzichten möchte.
      Bei meiner Haltung dieser Art habe ich die Beobachtung gemacht, dass eigentlich nur die Gabe von Termiten als Futtertiere es einer Gigantiopskolonie ermöglicht hat, wirklich zahlreiche Nachkommenschaft aufzuziehen und zu einer wirklich stattlichen Kolonie heranzuwachsen. Nur meine erste Kolonie erreichte eine beträchtliche Koloniegrösse, die Kolonie lebte im Terrarium gemeinsam mit einer Termitenkolonie und hatte so ständigen Nachschub an Proteinen. Die Gigantiops ernährten sich dabei nicht ausschliesslich von den kleinen Termiten, sie nahmen auch Fliegen, sogar getötete Grillen, aber sie bejagten ständig die kleinen Termiten, lauerten ihnen auf an den Nestausgängen des Termitennestes und hatten hier immer wieder Jagderfolg. Es gab so eine beständige und zuverlässige Zufuhr an geeigneten Proteinen für die Gigantiopskolonie. Diese erste Kolonie erreichte eine beachtliche Grösse, auf dem Gipfelpunkt der Kolonienentwicklung gab es sicher um die zweitausend Tiere im Nest. Es wurden hunderte von Geschlechtstieren aufgezogen und die Zucht war dann eher eine zwangsläufige Entwicklung, zu der ich selbst kaum beitragen musste. Ich musste nur die jungen, begatteten Königinnen entnehmen und ihnen geignete Nestgründungsmöglichkeiten anbieten. Es entstanden damals einige junge Kolonien aus diesen Koloniegründungen begatteter Jungköniginnen, unter anderem auch meine zweite eigene Kolonie aus dieser Zucht, die dann die Vorläuferin dieser Kolonie war, über die ich hier in diesem Thread berichtet habe.

      Diese zweite Kolonie wie auch die Kolonie, die von einer Jungkönigin gegründet wurde, die später von dieser zweiten Kolonie aufgezogen wurde und ebenfalls in Gefangenschaft begattet wurde und dann eine eigene, dritte Kolonie gründete, über die ich dann hier berichtet habe, nun, diese zweite und auch die dritte Koloniegeneration erreichte nie das Grössenwachstum, dass die erste Kolonie vorlegen konnte. Trotz guter Fütterung mit allen möglichen scheinbar geeigneten Futtertieren gab es nie diese Mengen an aufgezogenen Nachkommen. Mir bleibt nur die Vermutung, dass die erste Kolonie nur deshalb so gross werden konnte, weil ihr mit den Termiten eine geeignete und für ein gutes Gedeihen vielleicht notwendige Nahrung zur Verfügung stand. Diese Kolonien, die der zweiten und dritten Generation erreichten nur Individuenzahlen von etwa maximal 100 bis vielleicht 150 Tieren. Dies schien dabei nicht einmal nur der Fruchtbarkeit der Königin geschuldet gewesen zu sein, denn Brut gab es ja oft reichlich in den Nestern, vielmehr schien es so, als ob die Arbeiterinnen einfach nicht das Alter erreichten, das notwendig gewesen wäre, dass die Zahl der Arbeiterinnen wirklich stark ansteigt. Das kann geschehen, wenn Arbeiterinnen eben ihr maximal mögliches Alter erreichen können, wie es gerade in der Haltung in Gefangenschaft ja oft erreicht wird. Aber irgend etwas, vielleicht Essentielles schien immer zu fehlen. Auch bei den kleinen Kolonie gab es immer wieder kranke und sterbende Arbeiterinnen, die sich langsam und untypisch zeitlupenhaft durchs Terrarium schleppten, of mit aufgetriebenen Gastern. Die Arbeiterinnen wurden einfach zu früh alt.
      Verluste und sterbende Ameisen sind nicht ungewöhnlich. Schwierig aber wird es, wenn die Verluste fast ebenso hoch oder höher sind wie die Zahl der Nachwachsenden. Dann tritt Stagnation ein.
      Ich habe immer wieder an den Haltungsbedingungen geschraubt und versucht, diese zu ändern. Natürlich hatte ich auch immer Parasitenbefall erwogen. Den gab es auch ab und zu, deutlich bemerkbar. Milbenbefall war keine Seltenheit, manchmal trugen die Gigantiops Milben, vermehrt traten diese Milben in der Gesichtsregion auf und fielen hier natürlich besonders auf. Dieser Milbenbefall ging immer wieder zurück und war nie anhaltend. Er schien die Gigantiops auch nicht sehr zu beeinträchtigen, denn er war, wie bereits gesagt, war nie anhaltend und verschwand immer wieder völlig. Offenbar waren die Gigantiops als Wirtstiere oder die Bedingungen im Lebensraum nicht optimal für diese parasitischen Milben.
      So hielt ich die Gigantiops mal in trockenen Nestern, mal in sehr feuchten. Die wechselnden Bedingungen hatten aber keinen bemerkbaren Einfluss und trugen in keinem Fall dazu bei, dass eine spürbare Verbesserung eintrat. So war die Haltung der zweiten und dritten Koloniegeneration eigentlich immer etwas unbefriedigend, denn natürlich hatte ich immer die erfolgreiche Haltung der ersten Kolonie vor Augen mit deren Koloniegrösse und deren Nachzuchtergebnissen.
      Heute muss ich annehmen, dass es nicht genügt, diese Ameisen ausreichend oder reichlich mit Futter, vor allem mit Proteinen zu versorgen, ich denke, es kommt auch auf die Zusammensetzung an. Termiten scheinen eine wichtige Rolle in der Ernährung der Gigantiops zu spielen, neben vielen anderen Kleininsekten. Die Gigantiops können leben und überleben ohne diese Nahrungsquelle, ein wirklich gutes Koloniewachstum scheint aber leichter möglich zu sein, wenn Termiten zur Verfügung stehen. Vielleicht sind es nicht einmal die Termiten im Besonderen, die als Nahrung diesen Einfluss haben, vielleicht ist es vielmehr eben die Beständigkeit und Verlässlichkeit, die eine solche Futterquelle bietet und die für die Gigantiops wichtig ist. Diese Zuverlässigkeit bei der Proteinernährung kann ich als Halter in einem Terrarium mit keinen anderen Futterinsekt, bestenfalls noch mit kleinen Springschwänzen, die sich permanent fortpflanzen und so immer verfügbar sind, gewährleisten. Hinzu kommt, dass andere Futtertiere, Terflys oder Drosophila, manchmal nach einiger Zeit nicht mehr angenommen werden, weil die Gigantiops sie einfach "satt" haben. Termiten wurden immer begeistert erjagt und oft kauerten und lauerten die Jägerinnen stundenlang angespannt wartend an den Nestausgängen der Termiten, warteten hier hochkonzentriert auf eine vorwitzige Termite, die unvorsichtigerweise den Kopf herausstreckte.
      Termiten als Beutetiere, gleich welcher Art, sind nach meinen Beobachtungen eine wichtige Proteinquelle für diese Ameisen. Natürlich kleine, nicht zu wehrhafte Termiten in einer geeigneten Grösse. In Frage kommen so auch die kleineren südeuropäischen Termitenarten. Eine kleine Gruppe solcher Termiten, die ich vor Jahren aus der Türkei mitgebracht hatte und die ich im Terrarium aussetzte, wurden schnell von den Gigantiops erbeutet und waren bald restlos verschwunden.

      Die Haltung solcher tropischen Ameisen stellt einen ja immer wieder vor neue Fragen und Probleme. Anders als Ameisen der gemässigten und subtropischen Breiten suchen viele tropische Arten zB. nicht gezielt nach warmen Nistmöglichkeiten. Sie meiden oft sogar die seperate Erwärmung ihres Nestes, verlassen es sogar unter Umständen dann, Rotlichtlampen und ander Wärmequellen kommen nur bedingt in Frage.
      Warum ist das so? Ich erkläre es mir so, dass tropische Ameisen es im Gegensatz zu Arten aus anderen Breiten mit jahreszeitlichen Temperaturschwankungen eben in aller Regel einfach nicht nötig haben, gezielt warme, zB. sonnenbeschienene Plätze zu suchen, in ihrer Heimat ist es fast überall und zu allen Zeiten des Jahres warm und so sind andere Bedingungen, passende Feuchtigkeit des Nestplatzes, Abwesenheit von potentiellen Feinden, Erreichbarkeit von Futterplätzen und Wasser usw. viel wichtiger. Und natürlich leben die Arten in ihrer tropischen Heimat genau in den Regionen, die ihnen die passenden Verhältnisse bieten, die Gigantiops leben im äquatorialen, tropischen Tiefland des Amazonasbeckens. Für Halter tropischer Ameisen besteht die Gefahr, dass sie das Verhalten ihrer tropischen Arten dann missverstehen und auf eine Erwärmung auf wirklich tropische Temperaturen verzichten. Wärme ist aber wichtig und bei vielen tropischen Arten wie den Gigantiops muss eben der gesamte Lebensraum die geeigneten, von der Art bevorzugten Bedingungen aufweisen.
      Die Gigantiops scheinen dabei ein erdfeuchtes bis sogar nasses Nestsubstrat zu bevorzugen. Das bedeutet, dass man das Nest eben nicht seperat und gezielt beheizen kann, es würde dabei abtrocknen. Das darf sicher kurz- oder mittelfristig mal geschehen, wäre langfristig aber für die Brutentwicklung ungünstig. Die Wärme sollte also mehr oder weniger indirekt zugeführt werden. Glücklicherweise sind die Gigantiops sehr dankbare Ameisen für die Haltung in Beobachtungsnestern und verschmieren die Sichtscheiben ihrer Nester nicht Erde und Lehm, auch wenn diese mit Kondenswasser beschlagen.

      Meine Gigantiopshaltung war eigentlich nur anfangs einigermassen erfolgreich. Nur die gemeinsame Haltung mit den Termiten, die merkwürdigerweise nicht litten unter den Jagderfolgen der Gigantiops und immer zahlreich blieben, nur bei dieser gemeinsame Haltung erlebte ich eine wirklich grosse Kolonie dieser Ameisen in meiner Haltung und nur zu dieser Zeit gab es eine wirklich nachhaltige Zucht. Die Entwicklung der beiden späteren Kolonie war im Vergleich eher kläglich, die Kolonien blieben immer relativ klein. Für eine wirklich gute Haltung, und das schliesst die Nachzucht in dem Falle mit ein, scheinen Termiten als Proteinnahrung wichtig zu sein. Zucht ist daher nötig, weil nach meinen Beobachtungen und Haltungserfahrungen die Königinnen kaum älter als fünf Jahre werden dürften, eher dürfte ihre mögliche Lebensspanne noch kürzer sein. Will man dies faszinierende Ameise also langfristig halten und beobachten, muss man versuchen, zu züchten.
      Die Zucht ist dabei keine Zauberei. Das machen diese Ameisen ganz allein, wenn die Bedingungen halbwegs stimmen. Sie ziehen sehr bald in noch kleinen Kolonien Geschlechststiere auf. Jedoch scheinen es sich nur grosse und gutgenährte Kolonien leisten zu wollen, unnütze Männchen in grosser Zahl aufzuziehen. Und in grosser Zahl braucht man die Männchen, denn die Königinnen werden von etlichen Männchen nacheinander begattet.
      Hochzeitsflüge fanden bei mir immer im Terrarium der Kolonie statt. Meist in den späten Morgenstunden, meist war die Aktivität gegen 11 Uhr am grössten. Zu den besten Zeiten, bei meiner ersten Kolonie schwärmten dann hunderte Männchen und dutzende Weibchen und es fanden überall Kopulationen statt. Begattete Weibchen entflügelten sich und kehrten in das Nest zurück. Später, nach Stunden oder manchmal Tagen, verliessen sie das Mutternest und ich konnte die ungeflügelten Weibchen im Terrarium einsammeln, ich konnte dann sicher sein, dass diese Jungköniginnen begattet waren. Etliche der Jungköniginnen (nicht alle waren erfolgreich) gründeten später in seperaten Boxen eigene, kleine Kolonien. Dies dauerte einige Zeit, die ständigen Fütterungen der semiclaustral gründenen Königinnen machte einigen Aufwand, aber einige immerhin schafften die Koloniegründung.

      Soweit einige vorerst abschliessende Betrachtungen von mir. Es scheint so, als ob es für diese Kolonie dem Ende zugeht, aber, man soll niemals nie sagen.
      Natürlich kann ich nicht auf alles eingehen, was ich in den letzten Jahren mit dieser schönen Ameise erlebt habe. Oft haben mich diese Ameisen erstaunt, mehrmals gab es Wendungen und Begebenheiten, die ich nicht erwartet hatte oder die mich, auch wenn ich das Verhalten bereits kannte, immer wieder überrascht und beeindruckt haben. Immer haben mich diese Ameisen begeistert, insbesondere dann, wenn sie mich mindestens ebenso konzentriert beobachteten wie ich sie. Oder, wenn sie einander im Habitat begegneten, sich tänzelnd einander näherten, dann, nach langem Hin und Her die Köpfe zusammenführten und sich scheinbar wie zum Grusse küssten. Natürlich tauschten sie jetzt Nahrung aus, ebenso Pheromone und damit Informationen. Auch, wenn sie Hindernisse oder Abgründe taxieren, dabei hin und her wippend, um die nötige Sprungweite genau berechnen zu können. Und nicht immer springen sie, auch, wenn es ihnen möglich wäre, sie sind durchaus vorsichtig. Wenn sie am Boden umher springend und doch konzentriert Springschwänze jagten und man ihnen den Missmut und die Enttäuschung förmlich ansah, wenn sie, was vorkam, erfolglos waren...
      Das sind schon einzigartige Ameisen, die Arbeiterinnen haben sich in jeder Beziehung einen Grad an Selbstständigkeit und Unabhängigkeit bewahrt, wie er selten ist bei den Ameisen. Dabei ist es aber nicht so, wie manchmal behauptet wird, dass sie zu Kooperation nicht fähig sind. Es ist bei diesen Ameisen nur nicht so offensichtlich, denn sie laufen nicht auf Duftstrassen hintereinander her. Sie jagen nicht in Gruppen, sondern jede Arbeiterin jagt allein (...und doch sind sie natürlich in der Lage, gemeinsam eine schwere Beute zum Nest zu transportieren oder zu zerteilen, mit grossen toten Grillen taten sie das oft bei mir.). Dabei will ich meinen, dass die Beutejagd durch einzelne, alleinjagende Arbeiterinnen nicht bedeutet, dass wir es mit einer Art zu tun haben, die ein "primitiveres" Gruppen- oder Sozialleben hat. Einzeljäger stehen vor anderen, schwierigeren Aufgaben als Gruppenjäger und müssen diese allein lösen, angefangen bei der Orientierung im Feld, weiter bei der Beutewahl und des Erlernens der richtigen, erfolgversprechenden Taktik. Wenn man Arten anhand des Nahrungserwerbs, Jagdverhaltens oder der Rekrutierung nach solchen Kriterien ordnen möchte, müsste man gleichzeitig den Grad der Spezialisierung und der Fertigkeiten der Art wie der Individuen betrachten.
      Die Kommunikation und auch die Kooperation der Gigantiops findet auf anderen Ebenen statt, sie ist möglich, weil diese Ameisen andere, vorwiegend visuelle Möglichkeiten haben. Ich habe weiter oben versucht zu beschreiben, wie die Ameisen bei Nestumzügen vorgehen und offenbar voneinander lernen. Und schliesslich, bei aller Selbstständigkeit, dienen sie ihren Kolonien bis in den Tod und sind ihnen stark verbunden wie es alle Ameisen sind mit ihren Kolonien, kehren immer zum Nest zurück, tragen Nahrung ein, pflegen den Nachwuchs und die Schwestern hingebungsvoll.
      Mit Neugierde begegnen sie allen Änderungen, besonders aufmerksam werden andere Ameisen untersucht. Dies vorsichtig und gerne aus der Distanz, das erlaubt ihnen ihr gutes Sehen.
      Ich verkneif mir jede weitere Schwärmerei, auch wenn das schwerfällt. Hier noch einmal ein Blick in die Brutkammer dieser Kolonie in ihrer wahrscheinlich letzten Lebensphase. Arbeiterinnen und Jungköniginnen, teilweise entflügelt, mit Brutstadien.

      [IMG:http://www.upload.eusozial.de/i/t/2en4iqd74cu4.jpg]

      Wenn Ihr Fragen, Bemerkungen oder Beobachtungen habt, die meinen entsprechen oder ihnen widersprechen, immer her damit. Hier können wir über diese Ameise plaudern.

      LG, Frank.