*Gigantiops destructor, Beobachtung und Haltung.

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    • Re: *Gigantiops destructor, Beobachtung und Nachzucht.

      Es ist schon etwas ganz Besonderes so kompetent aus erster Hand über diese, zweifellos faszinierende , Ameisenart berichtet zu bekommen. Ich habe diese Tiere zwar noch nie mit eigenen Augen gesehen, trotzdem aber durch deine Beiträge, Frank, über die Zeit mit der Kolonie sozusagen mitgelebt und Gelegenheit gehabt Einblicke zu gewinnen die nicht alltäglich sind.
      Dafür herzlichen Dank!
      LG
      Volker
    • Ein neuer Beginn.
      Seit einiger Zeit lebt eine junge Gigantiops-Kolonie bei mir. Ich habe sie als kleine Kolonie mit einigen ersten Arbeiterinnen vor einigen Wochen von Sven übernommen. Ich spreche ungern im Zusammenhang mit lebenden Tieren von Qualität, aber ich bekam von Sven wunderbare Tiere, absolut gesund und fit.

      In den letzten Wochen lebten die Gigantiops in einem kleinen Terrarium. Ich besaß noch ein winziges, altes Nest aus jenem alten Bauschaum, den ich vor einigen Jahren als Nest für diese Ameisen verwendet hatte. Es war uralter Bauschaum, natürlich längst ausgegast und biologisch unbedenklich.
      In der letzten Zeit zermarterte ich mir den Kopf, was ich nun als ähnliches Material für diesen Zweck, für ein Beobachtungsnest für diese Ameisen verwenden könnte. Ich wollte keinen Ytong oder anderes Material verwenden, auch kein Holz. Neuer Bauschaum kam nicht in Frage, das Zeug gast sicher über Monate oder länger aus und ist ganz sicher dann gefährlich.
      Im Bauhaus fand ich jetzt endlich ein geeignetes Material. Ein poröses, dabei festes Material, das dem Zeug ähnelt, das ich damals verwendet habe. Das Material ist dabei noch etwas fester, wäre damit ganz sicher auch für andere tropische und subtropische Arten gut geeignet. Ich denke, ich werde es auch bei meinen Cataglyphis einsetzen. Die Struktur lässt mich hoffen, dass das Material auch etwas Feuchtigkeit zieht und so an den Oberflächen auch von Moosen etc. bewachsen wird mit der Zeit. Ausserdem erlaubt die poröse Oberfläche, das Material relativ stabil mit Lehm zu überziehen. Lehm lieben die Gigantiops, sie sammeln ihn gerne und tragen ihn in das Nest und basteln damit an der Innenausstattung der Wohnung. Dabei haben sie die wundervolle Eigenart, nie die Glasscheiben mit dem Lehm zu verschmutzen. Ich würde bei keiner anderen Ameisenart so großzügig Lehm anbieten. Bei den Gigantiops kann ich das aber tun.

      Um es ihnen leicht zu machen, das neue Nest zu akzeptieren, habe ich auch die Wandungen der Nestkammern mit Lehm überzogen. Es dauerte nicht lange, und die Gigantiops hatten selbstständig das neue Nest entdeckt, akzeptiert und bezogen. Das ging natürlich schnell, denn die Kolonie ist noch klein.

      Blick in eine Nestkammer des Nestes.



      Im Moment hat die Kolonie wenig Brut. Es gibt Eipakete und junge Larven.
      Zum ersten Mal benutze ich nun eine Beregnungsanlage. Es ist erstaunlich, wie schnell Moose und Pflanzen anwachsen und gedeihen, wenn es ab und zu regnet. Ich freue mich darauf, bald ein grünes Becken zu besitzen.

      Blick durch das Becken auf das Nest. Der Lehm gestattet es, kleine Moospflänzchen an die Außenwand anzubringen. Ich bin sicher, dass diese dort wachsen werden und das Nest bewachsen werden.



      Soweit erstmal.

      LG, Frank.
    • Hallo Frank,

      der Einblick in das Becken sieht schon vielversprechend aus, freue mich drauf, wie es weitergeht!
      Bei dem Material für das Nest bin ich neugierig! Ich muss noch einige Nester gestalten, eine Arbeit, die ich nicht so gern mache und viel zu oft aufschiebe...
      Ich bearbeite Ytong nicht sehr gern! Um welches Material handelt es sich und wie/womit hast du es bearbeitet?

      Könnte vielleicht etwas für mich sein! :D

      Danke dir und liebe Grüße
      Dominik
    • Hi Dominik. Ich habe dieses Material verwandt :bauhaus.info/hartschaumplatten…s-d-n-iii-pz-i/p/13892741
      Das Zeug ist gut geeignet für Beobachtungsnester für solche Arten, die nicht ständig nagen. Also, für Messor zB. würde ich es wohl nicht benutzen, ebenso nicht für Arten, die ihre Nester in hartem Holz anlegen. Wohl aber für solche Opportunisten, wie die Gigantiops es sind und sicher auch für apicalis, für Myrmecia usw. könnte ich es mir auch vorstellen.
      Das sind Hartschaumplatten, die in meinem Falle schon lange offen und unverpackt im Lager des hiesigen Bauhauses lagen. Sie sind längst ausgegast, biologisch also ungefährlich. Meine Gigantiops leben nun seit einer Woche in diesem Nest und es geht ihnen gut. Man kann das Material gut bearbeiten, ihm eine natürliche Struktur geben, es mit Lehm oder Farbe überziehen usw.. Das Nest habe ich mit dem Messer und mit Schraubenzieher herausgebrochen, wie ich es bei Ytong auch tue. Diese Platten kann man auch einzeln kaufen: Ich glaube, ich habe für meine Platte acht Euro gelöhnt. Dafür habe ich jetzt Material für Generationen von Gigantiops ua., die Platte ist 125 cm lang, 60 cm breit und 6 cm stark.
      Es gibt auch stärkere Platten. Mit ihnen könnte man gut Rückwände usw. im Terrarium errichten, wem so etwas gefällt.

      Wie gesagt, benutze ich hier eine kleine Beregnungsanlage. Ich hatte darüber nachgedacht, wie ich einen geschlossenen Wasserkreislauf im relativ kleinen Becken hinbekomme. Bohren wollte ich nicht im Glas, ausserdem wollte ich Kontrolle über das Wasser haben. Die Pumpe der Beregnungsanlage steht daher etwas höher als der Wasserstand im Becken ist.
      Am Ende meiner grandiosen Überlegungen kam ich auf einen Aquariumfilterschwamm, der den Boden komplett bedeckt und etwa 6 cm stark ist. Der grobporige Schwamm filtert das Wasser und wird sicher bald von entsprechenden nützlichen Bakterien besiedelt sein, er speichert es und trägt im Terrarium die gesamte Einrichtung. Unter dem Schwamm befindet sich das Ansaugrohr der Pumpe, sie saugt hier sauberes, gefiltertes Wasser an. Darüber eine Schicht Lava und Splitt, Walderde und Streu, etwas Lehm und weiterer Kiefernrindestreu. Einige noch junge Pflanzen und Moose runden das Ganze ab. Auf den Ästen meine geliebten Tillandsien, die übrigens gerade blühten.
      Natürlich benutze ich nur Regenwasser und destilliertes Wasser. So sieht das jetzt aus. Noch ein bisschen kahl, aber das wird sich ändern.



      Nach einer Woche läuft es gut. Die Gigantiops haben bereits hungrige Larven und die Arbeiterinnen suchen nach Proteinen.
      Es macht Spaß, diese Tiere wieder beobachten zu können. Das sind für mich die schönsten Ameisen überhaupt.
      ... aber das sieht natürlich jeder anders und das ist auch gut so.

      LG, Frank.
    • Die Arbeiterinnen jagen natürlich nur, wenn es hungrige Larven gibt.



      Von dem bereitgestellten Nest hat die Kolonie nur eine der Kammern bezogen. Noch genügt ihr diese eine Kammer, es stehen aber insgesamt vier relativ große Kammern zur Verfügung.
      Das Nest ist relativ trocken. Das ist offensichtlich gut so und scheint den Bedürfnissen der Gigantiops zu entsprechen. Zumindest sieht es so aus und dafür spricht auch, wie schnell die Ameisen selbstständig hier einzogen, nachdem sie das Nest entdeckt hatten. Es gefiel ihnen...

      Im Terrarium ist es ja sehr viel feuchter, schon aufgrund des wie eine Hydrokultur aufgebauten Bodens. Jetzt zeigt sich, dass der Kunststoffschaum des Nestes (noch) nicht sehr intensiv Wasser zieht. Jedoch ist es im Nest nicht völlig trocken, zwischen Nest und Glasscheibe entsteht eine Kapillarwirkung und etwas Feuchtigkeit zieht bis in die Nestkammern. Ebenso an der Außenwand des Nestes, der dünn aufgetragene Lehm sorgt hier dafür, dass das Nest nicht völlig trocken ist.

      Ich denke, dass es ganz gut wäre, wenn es so bleibt und der Kunststoff weiter nur wenig Wasser aufnimmt. Ein trockeneres Nest wird für Milben weniger geeignet sein als ein sehr feuchtes Nest. Auch die Gigantiops leiden schnell unter Milben, die man ja leicht mit Futterinsekten einschleppt.

      LG, Frank.
    • Hallo Frank,
      auch ich kapere einfach mal deinen Thread :)
      Unser Phil hat mir aus franz. Guyana eine schöne Gigantiops Kolonie mitgebracht.
      Als er ankam war noch kein Terrarium frei weshalb sie vorerst in eine Dose mit etwa 30*30*30cm umziehen mussten. Dies schien ihnen allerdings nicht geschadet zu haben. Am Freitag konnten sie dann in ein anderes Terrarium einziehen (80*40*40).

      Das Terrarium wurde ursprünglich von den Meranoplus bewohnt. Ihre andauernden Anstregungen dieses zu verlassen, bereiteten mir aber zunehmend Unmut und da es derzeit das Becken mit den besten Vorraussetzungen für die G. destuctor war mussten sie ausziehen. Ich denke dazu werde ich noch was in meinem alten Thread schreiben. Die Meranoplus sind immer noch die gleichen.

      Fast die gesamte Einrichtung habe ich übernommen dazu gehörten Äste und Rindenstücke und einige Pflanzen: zwei Bromelien, zwei Tillandsien, an Orchideen eine Dendrobium lamyaiae, Cattleya sp. und Phalaenopsis sp. sowie Myrmecodia spp., Hydnophytum spp. sowie eine Sansevieria und unbestimmte Knollenpflanze aus Südafrika. Dementsprechend sollten dort keine giftigen Rückstände vorhanden sein.







      Für die Pflanzen (insbesondere Orchideen und Ameisenpflanzen), verwende ich das VE Wasser aus der Uni, da das Leitungswasser hier extrem kalkig ist.


      Mittlerweile haben die G. destructor das Terrarium gut erkundet und angefangen an einer anderen Stelle hinten links zu buddeln. In ihrem alten Nest sind allerdings immer noch die meisten der Tiere. Beim Umsetzten konnte ich erkennen, dass alle Stadien an Brut vorhanden sind inkl. 10 sichtbare Puppen. Das heißt es können durchaus noch mehr Puppen dabei sein, da ich nur in das alte Nest hinein geleuchtet habe.





      Als Hauptfutter reiche ich Invertzucker und Drosophila hydei





      Das wars erstmal von meiner Seite. Falls es Neuigkeiten gibt werde ich mich entsprechend melden.
      "Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat" - Winston Churchill
    • Die Gigantiops sind ja eigentlich keine Jäger größerer Insekten. Sie sind eher scheu, beobachtend und ziehen sich zurück, verstecken sich sogar, dann manchmal hinter einem Blatt o.ä. hervor schauend, wenn ihnen das Risiko groß erscheint, beim Kampf mit größeren, potentiellen Beutetieren verletzt zu werden.
      Aber sie sind clever und lernen schnell, wie mir scheint. Und wenn im Nest viele hungrige Larven nach Fleisch, Proteinen "schreien", gehen die Arbeiterinnen auch mal größere Risiken ein.
      Aber immer bleiben sie anfangs sehr vorsichtig und taxieren die Situation ausgiebig. Bei mir haben sie nun gelernt, dass die jetzt häufig zu findenden Schnaken zwar groß sind, sogar kräftig, aber absolut harmlos und nicht wehrhaft. Nach anfänglichen vorsichtigen Angriffen, denen die ausgiebige, visuelle Untersuchung von allen Seiten vorausging, gehen meine Gigantiops nun schon recht herzhaft auf die Schnaken los, wenn sie sie sehen. Wie gesagt, die Larven sind hungrig und die Gigantiops scheinen gelernt zu haben, wie sie mit diesen großen Beutetieren umgehen können.

      Sie tun sich jedoch schwer, im kooperativen Zusammenwirken ein großes Beutetier abzutransportieren. Die Beute wird mühevoll an Ort und Stelle gemeinsam zerlegt und die Teile werden dann abtransportiert. Herankommende Artgenossen werden bereits auf Distanz bemerkt und mit taktilen Kontakt, aufeinander zulaufend begrüßt, verirrt sich eine andere Ameise in die Nähe der Beute, wird diese mit Nachdruck vertrieben.

      Eine Schnake wurde gepackt und wird jetzt zerlegt.



      LG, Frank.