*Cataglyphis spec., Ägypten.

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    • *Cataglyphis spec., Ägypten.

      Hallo, liebe Ameisenfreunde.

      Vor einigen Wochen waren wir ja in Ägypten, wir trieben uns da in der Nähe der Stadt Hurghada herum. Der Ausflug war insgesamt aus der Sicht eines Ameisenfreundes recht enttäuschend. Zum Glück aber fiel uns bereits am zweiten Tag eine sehr lebhafte und mittelgrosse Cataglyphis-Art auf. Dies in einer Umgebung, die alles andere als anheimelnd war und nicht zu längeren Aufenthalt einlud, ich habe den Fundort und die Umstände ja in meiner kurzen "Reisereportage" beschrieben.

      Wir hatten also gehofft, die Art oder andere Arten an anderen Stellen ebenfalls zu finden und sind in den Tagen dort viele Kilometer gelaufen, dabei den Blick immer gesenkt und hoffend, weiteres Ameisenleben zu finden. Aber, wir fanden fast nichts, kaum mal Ameisennester und nur wenige Arten.
      Es blieb uns nichts übrig, als an den Fundort der Cataglyphis zurückzukehren und dort diese Ameise zu beobachten und die Nester zu untersuchen.
      Die Umstände machten uns dies nicht leicht, es war heiss, kein Schatten und nebenan eine gutbefahrene Ausfallstrasse der Stadt. Viele Ägypter nahmen von unseren Treiben am Strassenrand Notiz und die Reaktionen der Einheimischen reichten von verwunderten und mitleidigen Blicken über arabische Kommentare, von denen wir gar nicht wissen wollen, was sie bedeuteten bis zu ungezählten Einladungen in die Taxen der Stadt. Naja, irgendwann ist einen das alles egal und man macht sich keine grösseren Gedanken mehr um das Treiben ringsumher.
      Wir hatte ja das Glück des Tüchtigen, immerhin entrissen wir den harten und kaum grabbaren Boden eine kleine Kolonie der Cataglyphis. Die Königin sass plötzlich, nach einigen Mühen vor uns. Dabei erkannte ich sie erst gar nicht, nahm sie gar nicht wahr. Mein Freund, der mich immer begleitet, sah sie zuerst. Typisches Verhalten zeigte sie dabei, wie alle Cataglyphis-Königinnen, deren Nester geöffnet wurden und die plötzlich sozusagen im freien sassen, sass sie still, geduckt und regungslos am Boden. Sie wartete darauf, von einer ihrer Arbeiterinnen in Sicherheit gebracht zu werden.

      Das aber übernahmen wir.
      Wir sammelten die Königin ein und mit ihr den grössten Teil des kleinen Volkes. Nach etwa zwei Stunden hatten wir fast alle Tiere eingesammelt, auch die mit Beute beladenen Heimkehrerinnen. Es ist erstaunlich, wieviele Arbeiterinnen so eine kleine Kolonie dort aussendet und wieviel Nahrung diese Aussendienstlerinnen in der kargen und fast insektenleeren Gegend eintragen. Beinahe im Minuntentakt kehrte über einige Zeit eine solche Arbeiterin heim. Es war dann sehr schwierig, die aufgeheizten und extrem flinken Tiere auf dem warmen, stark besonnten Boden einzufangen.

      Die Art ist mir bisher unbekannt. Grösse und Morphologie erinnert bei flüchtigen Hinsehen an die Cataglyphis fortis. Dabei sind die Tiere dieser Art aber doch etwas schlanker, nicht alle Teile des Körpers so stark glänzend. Kopf und Thorax sind eher matt gefärbt mit etwas bräunlichen Schimmer, Ebenso sind die Gaster nicht so stark glänzend. Die schlechten Fotos täuschen da etwas.
      Hier einige Arbeiterinnen, im Reagenzglas-Nest fotografiert.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/nspug959so07.jpg]

      Anders als bei fortis und bei den mir bekannten Art der albicans-Gruppe ist die Königin dieser Art relativ klein und wird in der Körpergrösse sogar von den grössten Arbeiterinnen übertroffen. Dies erinnert an die Arten aus der bicolor-Gruppe, aber hierhin gehört diese Art wahrscheinlich nicht.
      Es eilt nun nicht und die Art muss nicht sofort zweifelsfrei bestimmt werden. Das ist bei den Cataglyphis ohnehin schwierig und sicher sein können wir nur bei wenigen Arten in unserer Haltung aus der Gattung. Und da diese Art hier ja nicht gehandelt werden wird, muss sie nicht für irgendwelche Einfuhrlisten bestimmt werden...;)

      Jedenfalls waren dies die einzigen Ameisen, die uns wirklich imponierten in dieser Region Ägyptens. Es ist immer wieder ein Erlebnis, solche Tiere zu sehen, man steht vor einem Wunder der Evolution. Es gab tatsächlich kaum andere Insekten, nur wenige andere Ameisen, eigentlich nicht einmal Spinnen und trotzdem gelang diesen Cataglyphis ein bescheidenes Dasein an dieser Strasse in dieser vegetations- und schattenlosen Umgebung. Mag sein, dass sie hier von totgefahrenen Fluginsekten u.ä. profitierten und daher auch nur hier zu finden waren.

      Die Königin im Reagenzglas-Nest.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/3n83460ly30i.jpg]

      Ich bin froh, wieder solche Tiere hier zu haben und dabei auch eine Art, die ich noch gar nicht kenne. Natürlich werde ich ab und zu über die Kolonie berichten.
      Und noch froher bin ich, dass wir diese Cataglyphis fanden, ohne sie wäre der Ägyptenausflug ein reiner Badeurlaub gewesen.
      Anmerkungen und Diskussionen, wie immer, gleich hier im Thread...:)

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis spec., Ägypten.

      Hallo Ramon, danke für die netten Worte.
      Ein solcher Fan bin ich auch, ich bin einfach immer wieder begeistert von diesen Ameisen, egal eigentlich, welchen Cataglyphis. Toll sind die alle...;)
      Und ziemlich verfressen.
      Naja, weniger die erwachsenen Tiere, mehr die Larven. Und so sind fast alle der älteren Arbeiterinnen einer Kolonie im Freiland damit beschäftigt, Nahrung für die Kolonie, vor allem für die hungrige Brut heranzuschleppen. Diese Gewohnheit behalten sie auch in Gefangenschaft, wie jeder Halter weiss. Ist Brut vorhanden, wird fast alles angenommen, was verwertbar ist.
      Hier einige Arbeiterinnen, die sich mit einer Grille abmühen.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/m7l579qu57ig.jpg]
      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/vwv1r3g4huma.jpg]

      Auf den leider verrauschten Bilder ist erahnbar ;), dass diese Art nicht so glänzend schwarz ist, sondern eher matt gefärbt ist. Die grösseren Arbeiterinnen haben durchaus kräftige Körper, vergrösserte Köpfe und starke Mandibeln, dabei aber ausserst filigrane Gliedmassen. Eben flinke Tiere mit der Fähigkeit, schnell grosse Strecken zurückzulegen.

      Ich muss was ändern, die Fotos wurden durch die Plastikscheibe des Kleinterrariums aufgenommen. Ich werde die kleine Kolonie demnächst in ein Glasbecken umsetzen, dann ist das Fotografieren etwas ergiebiger.

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis spec., Ägypten.

      Wenn man sich schon einige Jahre mit verschiedenen Ameisen dieser Gattung beschäftgigt hat, glaubt man, man hat eigentlich alles gesehen. Aber nichts da. Die Ägypter sind einfach in allem besonders schnell.
      Sei einigen Tagen bewohnen sie ein kleines Ytongnest. Das hat den Vorteil, dass ich besser beheizen kann und natürlich weitaus besseren und nun ständigen Nesteinblick habe. Das wiederrum hat für die Ameisen den Vorteil, dass ich nun viel öfter und diszplinierter füttere, weil ich ja sehe, wenn alles an tierischen Nahrungsvorräten verbraucht ist. Die üppigere Fütterung wiederum hat zur Folge, dass das Volk Ägyptens wächst.

      Ein Blick über den grössten Teil des Nestes.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/x9mrpz7exfxg.jpg]

      Es gibt nun einiges an Nachwuchs und es wird Zeit, über ein wirklich grösseres Terrarium nachzudenken. Es sind sogar die ersten jungen Arbeiterinnen geschlüpft.
      Die Kolonie zog einige wenige Geschlechtstiere auf, die ich als Puppen von anderen Kolonien der Art sammelte und dieser Kolonie zugab. Alle Männchen sind längst verstorben, die leider einzige Jungkönigin, die schlüpfte, lebt jedoch und befindet sich in einer seperaten Box. Sie war nach einigen Tagen entflügelt im Becken unterwegs gewesen. Ihr habe ich beim Umsetzen der Kolonie einige Puppen gegeben. Mal sehen, was sie später aufziehen, ich bin gespannt und werde berichten.

      Hier nun noch weitere Fotos der Kolonie im Ytongnest. Noch lebt diese selbst noch kleine Kolonie in einem Plastikbecken, daher die Schlieren auf den Bildern.
      Die Königinnen der Art sind sehr klein und fast grazil, im Verhältnis zu den grösseren Arbeiterinnen.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/4uqw5jh0mlhm.jpg]

      Trotzdem sind sie wahre "Eierlegemaschinchen" und so gibt es nach kurzer Zeit der Haltung bereits eine ziemliche Menge an aufwachsender Brut.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/x8t8igyavns9.jpg]

      Nach Cataglyphis-Art wird ein grosser Teil des Nestmülls in den teilweise noch ungenutzten Kammern verstaut. Auch im Freiland findet man solche unterirdischen Müllhalden bei den Nestern, oft sind die die heissesten und daher unbrauchbaren Kammern und Gänge des Nestes. Ändern sich irgendwann Temperaturen und Feuchtigkeit im Nest, wird leergeräumt und der Müll hinausbefördert.
      Hier der "komprimierte" Nestmüll in der wärmsten und obersten Kammer des Nestes, dicht daneben einige Puppen an nicht ganz so heisser Stelle. Arbeiterinnen sortieren den Müll....:)

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/vaifqsqg5hsr.jpg]

      Eine sehr interessante Art. Lebhafte und wirklich amüsante Tiere.
      Ich bin gespannt, was mich erwartet, im Freiland waren die Kolonie relativ klein, wohl eine Folge des kargen Nahrungsangebotes.

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis spec., Ägypten.

      Im ägyptischen Freiland waren die Nesteingänge dieser Art sehr unauffällig und wir sahen nur ein ooder zweimal kraterähnlichen Nestaushub an den Nesteingängen.

      Fast immer, wenn wir mit Beute beladene Arbeiterinnen auf ihrem Heimweg zum Nest verfolgten, verschwanden diese nach manchmal langer Zeit und weiter Wegstrecke, in der wir ihnen gefolgt waren, in völlig unscheinbare, absolut unauffällige Löcher im harten, von der ägyptischen Sonne verbrannten Lehmboden. Selbst grössere Völkchen dieser Art bewohnten Nester mit derart unauffälligen Nesteingängen. Arbeiterinnen, die Nestaushub von ihrer Grabetätigkeit tief unten im Nest nun im Freien entsorgten, liefen immer mit ihren Erdbröckchen ein ganzes Stück vom Nesteingang weg und entsorgten so den Nestaushub weit und verteilt vom Nesteingang entfernt.
      Warum diese Art ihre Nesteingänge so unauffällig tarnte, war uns nicht klar. Es schien im Umfeld keine anderen Ameisen zu geben, die die relativ grossen und wehrhaften Cataglyphis bedrohen konnten. Auch andere Fressfeinde waren eigentlich nicht sichtbar. Weder sahen wir ameisenjagende, spezialisierte Spinnen an den Nesteingängen noch irgendwelche anderen Bedrohungen.
      Für eine derartige Bedrohung waren wohl die Cataglyphis wie auch andere Ameisenarten einfach viel zu selten in der Region, die wir untersucht hatten, Parasiten und Fressfeinde hatten keine Chance für ein erquickliches Auskommen. Trotzdem waren die Nesteingänge meist unauffällig und waren manchmal winzige Löcher im Boden.

      In der Haltung legen die Cataglyphis ihre versteckte Lebenweise schnell ab. Es geht natürlich auch nicht anders, denn man kann ihnen nicht den Raum bieten und das Umfeld, den die Art im Freiland hat.

      Die Kolonie bewohnt nun ein 60er Becken, das mit Sand gefüllt ist und in dem ein grösseres Ytongnest bereitsteht. Natürlich hat die Kolonie das Ytongnest sofort bezogen und sämtlichen Sand und Erde aus ihm herausbefördert. Der Aushub liegt nun kraterartig vor dem Nesteingang, wie gesagt, eigentlich nicht typisch für die Art und das, was wir von ihr im Freiland sahen.
      Eine Arbeiterin schaut misstrauisch zum Nesteingang heraus.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/vdtlar94rbfu.jpg]

      Die Kolonie soll nun noch etwas wachsen und wird dann ein grösseres Terrarium bekommen. Ich denke, ich werde dann eine Gips- oder Lehmlandschaft hineinmodellieren, um so das natürliche Umfeld etwas besser nachzuahmen. Die Art scheint nicht unbedingt in sandigen Wüsten zu leben und ein fester Grund ist sowieso günstiger für die Arbeiterinnen und gibt mehr Halt, wenn sie schwere Nahrungsbrocken zum Nest transportieren müssen.
      Es ist jedoch nicht lebenswichtig, denn es geht den Cataglyphis auch unter diesen Bedingungen sehr gut und die Kolonie legt ein stabiles Wachstum hin.
      Drei Bilder aus dem Nestbereich.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/7zkr7bwhpy89.jpg] [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/g0jzgk1v7dhe.jpg] [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/yquq4rtf85zh.jpg]

      Deutlich zu sehen, es geht vorran. Die Art, die an die kargen Verhältnisse ihrer ägyptischen Heimat angepasst ist, zieht unter den Bedingungen der Haltung viel Brut auf.

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis spec., Ägypten.

      Hallo Ameisenfreunde.
      Waren die Nesteingänge im Freiland bei der Art unauffällig und fast versteckt wie oben beschrieben, zeigt diese Ameise in der Haltung eine gewisse Selbstsicherheit und verzichtet bei der grösseren Kolonie fast völlig auf eine "versteckte" Lebensweise. Das erlebt man ja oft bei Ameisen, in der Haltung verhalten sich die Tiere oft etwas anders als im Freiland.
      Im Freiland verzichteten die Ameisen auf jede Herausstaffierung ihrer Nesteingänge, Erdbröckchen und Nestaushub wurde sogar weit fort getragen und weit vom Nesteingang abgelegt. Selten sahen wir an den Nesteingängen im festen und trockenen Lehmboden frischen Nestaushub.
      Hier in der Haltung im Terrarium schleppen die Arbeiterinnen alles heran, um den Nesteingang mit einen Wall von Steinchen und anderen Substrat zu umgeben. Insofern sicher auch ein versuch, den Nesteingang unauffällig zu halten, auch wenn das im hinterher von allen Steinchen freigeräumten Auslauf natürlich völlig nach hinten losgeht.
      Der Nesteingang ist nun von einen schönen, kleinen und fast gleichmässigen Wall aus Steinchen und Pflanzenteilchen umgeben, der Auslauf des Terrariums wurde abgesammelt und hier liegen nun kaum noch solche Steinchen mittlerer Grösse.

      Sieht nett aus und bewohnt...:)

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/4moyagir4p8f.jpg]

      Man sieht, ein einfaches, stehendes Ytongnest. Darin halte ich die Kolonie bei absoluter Trockenheit, es scheint ihnen zu gefallen. Wasser steht ausreichend in einer Reagenzglastränke zur Verfügung.
      Das Nest ist ohne Zwischenscheibe oder ähnlichen Schnickschnack an die Glasscheibe des Beckens gestellt, es wird gehalten und verkeilt von einen einfachen, dünnen Bambusstab. So mach ich das immer bei Ameisen der Gattung, jedoch, einige Arten auch der Cataglyphis scheine eine gewisse Feuchte im tieferen Nest für eine optimale Brutentwicklung zu benötigen. Diese aber offenbar nicht, denn alles läuft hervorragend, es gibt keine Fehlentwicklungen bei den Jungtieren, Verkrüppelungen bei frischgeschlüpften Ameisen o.ä., was manchmal bei den Arten der bicolor in völlig trockener Haltung zu beobachten war.

      Ein solches einfaches stehendes Nest kann bei Umzug der Kolonie ohne grosse Probleme von der Scheibe abgezogen werden. Dann verschliesse ich den Nesteingang, entferne den Sand des Auslaufes zum grossen Teil und ziehe am Ende das Nest von der Scheibe vorsichtig weg. Die dann "obdachlosen" Ameisen sind eine kurze Zeit alarmiert und erregt, werden aber nach kurzer Zeit einen Unterschlupf für die Kolonie suchen. Meist biete ich als Zwischenlösung eine kleine Schachtel o.ä. an, in der die Kolonie dann die Neueinrichtung abwartet.
      Das funktioniert mit den absolut fixen und cleveren Cataglyphis immer wunderbar, es gibt kaum eine Ameise, die ihre Umzüge so schnell organisiert wie die Cataglyphis, und das alles ohne zu spuren und ohne markierte Strassen.

      Aber noch hat diese Kolonie etwas Zeit, es ist noch genug Platz im Nest und im Becken.
      Aber, die Kolonie wächst und entwickelt einen gewaltigen Hunger. Heute war ich im Wald und hab ein paar Käferlarven gesammelt. Die wurden mit Begeisterung angenommen.

      ...mit vereinten Kräften...

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/k7tol6zfutfv.jpg]

      Ich kann aber dazu sagen, dass diese Ameisen absolut unkompliziert sind und sich auch mit schnöden Mehlwürmern und Grillen begnügen. Sie fressen einfach alles. Das macht es für den Halter leicht und angenehm.
      Eine schöne, grosse und muntere Ameise, die dabei absolut leicht und ohne grossen Aufwand zu halten ist.

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis spec., Ägypten.

      Hallo Ameisenfreunde.
      Diese Art erstaunt mich immer wieder, besonders, wenn ich füttere. Ihr Verhalten errinnert mich teilweise eher an europäische Formicinen als an andere Cataglyphis-Arten, die ich bisher hielt.
      Europäische Formicinen, Serviformica, Raptiformica und Formica haben ein ausgeprägtes Alarmierungsverhalten, erregte und beunruhigte Ameisen kehren in das Nest zurück und alarmieren hier die anderen Nestgenossen mit Pheromonen. Das tun natürlich viele Ameisen mit entwickelten, differenzierten Sozialverhalten, auch alle Cataglyphis-Arten, allerdings schien mir das bei den Cataglyphis-Arten immer ruhiger und abgestimmter abzulaufen. Bei Neststörungen, Umsetzungen einer Kolonie oder anderen Eingriffen reagierten die Ameisen natürlich immer aufgeregt und alarmiert, jedoch waren die Phasen der Erregtheit nie besonders lang und die Ameisen kehrten schnell und fast bedächtig zum Geschäft zurück, brachten dann ruhig zB. die Kolonie und die Brut in Sicherheit.

      Wer sich mal mit den genannten europäischen Formicinen eingehender beschäftigte, weiss, dass diese sehr lange erregt und abwehrbereit sein können, dass noch lange nach einem Eingriff einzelne Arbeiterinnen alarmieren und eine Kolonie so lange nicht zur Ruhe kommt. Das ist natürlich sinnvoll, in den von Ameisen dichtbesiedelten Gebieten in Europa sind Feinde allgegenwärtig, die eine schwache Phase einer Kolonie ausnutzen könnten, so empfiehlt es sich, abwehrbereit zu bleiben, solange die Kolonie infolge ungewöhnlicher Umstände verletzlich und angreifbar ist.

      Ausserdem kooperieren diese europäischen Formicinen oft stärker und ausgeprägter bei Eintragen grosser Beutetiere. Kundschafterinnen, die eine Nahrungsquelle entdeckt haben, kehren in das Nest zurück, alarmieren die Nestgenossen, zeigen Aufforderungsverhalten und verteilen unter Umständen mundgerechte, hervorgewürgte "Kostproben" per kurzer, schnell abgebrochener Trophallaxis an die Kolleginnen, um diese so über die Art und Attraktivität einer Nahrungsquelle zu informieren. Manchmal, bei besonders attraktiven Nahrungsquellen, werden Wege mit Spurpheromonen angelegt.

      All das zeigten bei meine Beobachtungen auch stets die Cataglyphis-Arten, aber in anderer oder in weniger ausgeprägter Form. Allerdings, gespurt wird nie, bestenfalls wird die Umgebung des Nesteingangs mit Pheromonen markiert. Alle Cataglyphis-Arten gelten zu Recht als Einzeljäger und -sammler, ihre Arbeiterinnen durchstreifen das Revier auf weiten Wanderungen allein und tragen Beutestücke und andere Nahrung allein ein. Rekrutierung zum Beuteerwerb kommt selten vor und eigentlich haben die Cataglyphis-Arten hier keine Fähigkeiten, sie legen weder Spuren zu Nahrungsquellen noch können sie sich gegenseitig gezielt mitteilen, wo sich eine lohnende Nahrungsquelle befindet, wie das etwa die Honigbienen können.
      Kommunikation, zB. bei Nestumzug findet bei den Cataglyphis m.E. auch über Lernen statt, Arbeiterinnen erlernen den Weg in das neue Territorium, während sie dorthin getragen werden. Immer gibt es, wie bei vielen Ameisen, vorher ein differenziertes Aufforderungsverhalten, Rückkehrerinnen, die ein neues Nest erschlossen haben, kehren zur Kolonie zurück, schubsen und boxen andere Ameisen, ziehen sie zu sich heran, laufen erregt zwischen den anderen herum. Dieses verhalten, gemeinsam mit der Abgabe von Pheromonen bereitet die Daheimgebliebenen auf eine Aktion vor, macht sie bereit, erregt sie macht sie neugierig.

      In der Haltung ist der Raum begrenzt. So kommt es vor, dass Cataglyphis bei der Fütterung im relativ kleinen Terrarium ähnlich kommunizieren und alarmieren wie andere Formicinen. Allerdings beim Beuteerwerb eben nie so gezielt und selten sind die Cataglyphis in der Lage, besonders koordiniert und kooperativ zu agieren. Kooperation entsteht so eher zufällig und kann trotzdem sehr effektiv sein. Sie sind eben hochspezialisierte Einzeljäger und eher an die weiten und relativ leeren Räume der Heimat angepasst.

      Bei meinen ägyptischen Cataglyphis aber staune ich jedesmal, wie rasch und effektiv sie alarmieren und dann auch kooperieren. Wie gesagt, die Haltung im Terrarium verfälscht die Beobachtungen und macht sie eigentlich eher ungeeignet, das Freilandverhalten einer Art zu beschreiben. Das will ich hier auch nicht tun. Man muss also bedenken, dass der Lebensraum untypisch ist und viel zu kleinräumig. Und trotzdem staune ich, wie schnell die Ameisen sich Mitteilung machen können, wie agressiv und informiert wirkend die alarmierten Ameisen aus dem Nest strömen, wenn sie von einer Kundschafterin informiert wurden. Wären es nicht grosse Cataglyphis und würden sie nicht so völlig anders aussehen, könnte man bei flüchtigen Hinschauen beinahe denken, man hätte es mit einer grossen, schwarzen Pheidole zu tun.
      Natürlich spuren auch diese Cataglyphis nicht. Aber offenbar verstehen es die Kundschafterinnen, den im Nest verbliebenen Arbeiterinnen mitzuteilen, dass die Nahrungsquelle in unmittelbarer Nähe des Nestes ist. Die herauströmenden Arbeiterinnen finden dann schnell und ohne langes Suchen das Beutetier, an dem sich ja weitere Arbeiterinnen abarbeiten und dabei Pheromone abgeben, die die alarmierten Arbeiterinnen zum Ziel führen.
      Erstaunlich ist dann auch die Wucht und Vehemenz, mit der die Arbeiterinnen zu werke gehen. Geradezu wütend und hastig wird das Beutetier malträtiert, getötet, manchmal zerteilt oder im Ganzen gemeinsam abtransportiert. Kleinere Beutetiere werden von den grösseren Arbeiterinnen getragen, grosse Beutetiere werden gemeinsam geschleppt.

      Arbeiterinnen mit einer Mehlwurmpuppe.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/yp1hckwxdz5d.jpg]

      Dieses Verhalten steht scheinbar im Gegensatz zu dem Verhalten, dass diese Art zeigt, wenn ich in das Nestleben eingreife. Dann waren die Ameisen ähnlich ruhig wie andere Cataglyphis-Arten, mit denen ich bisher zu tun hatte. Es gab dann die für die Cataglyphis typische nur kurze Erregungsphase, danach ging man gezielt und relativ ruhig daran, die Kolonie in Sicherheit zu bringen.

      Wir wissen ja nur wenig über die Kommunikation, die Sprache der Ameisen. Sie scheint aber differenziert und zweckmässig zu sein, es gibt offenbar bei allen entwickelten Arten unendlich viele Abstufungen. Möglicherweise werden die Buchstaben der "Ameisensprache", die Pheromone in unterschiedlichen Anteilen zueinander freigesetzt, abgestuft und angepasst an die Situation und an die Lageeinschätzung der agierenden Tiere und vielleicht sind so relativ genaue Mitteilungen untereinander möglich. Eine Alarmierung einer Kolonie kann schliesslich unterschiedlich verlaufen, abhängig vom Anlass und von der Bedrohungsituation. Selbst grössere Bedrohungen wie Eingriffe in das Nest müssen nicht bei allen Arten chaotisch wirkendes, konfuses und langandauerndes Abwehrverhalten auslösen. Die Lebensweise einer Art spielt eine Rolle, der mögliche Feinddruck in der heimatlichen Region bei Neststörungen z.B., aber auch die Situation und womöglich sogar die Einschätzung der Situation durch die Ameisen.

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis spec., Ägypten.

      Die Kolonie wächst weiter, einzige Grenze scheint das Angebot an Proteinen zu sein. Es mögen jetzt etwas 500 Arbeiterinnen sein, ausserdem gibt es grossen Mengen an Brut. Es sterben nur ganz wenige Arbeiterinnen, offenbar nur die wirklich alten Tiere, die die Königin seit ihrer Ankunft begleiteten.
      Es geht der Kolonie gut genug, dass sie untypischerweise einige Jungköniginnen aufgezogen hat. Die Jungköniginnen schwärmen an jedem Morgen, wenn die Sonne in das Becken scheint. Leider gibt es keine Männchen.

      Jungköniginnen und Männchen gab es ja bereits am Anfang der Haltung dieser Kolonie, ich brachte mit der Kolonie einige Geschlechtstierpuppen aus verschiedenen Kolonien der Art aus dem Freiland mit, aus denen dann in der Haltung die Geschlechstiere, Männchen und Weibchen, schlüpften. Eine der Jungköniginnen wurde bei den späteren, allmorgendlichen Schwärmversuchen der Geschlechtstiere offenbar begattet, zumindest fand ich eines Morgens eine entflügelt im Terrarium. Diese setzte ich mit wenigen Arbeiterinnen der Kolonie zusammen und sie begann tatsächlich bald mit der Eiablage. Die kleine Kolonie befindet sich nun bei Phillip und sie wächst bereits.

      Hier ein Foto das alten Königin dieser hier gehaltenen älteren Kolonie, inmitten ihrer Arbeiterinnenschar, in der tiefsten und kühlsten Kammer des Ytongnestes.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/rfwtjwamx364.jpg]

      Eine junge Arbeiterin hilft einer anderen, gerade schlüpfenden Arbeiterin aus der Kokonhülle.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/59tvzuts7ip4.jpg]

      In dieser Kammer liegen die Larven, die sich hier verpuppen. Arbeiterinnen bedecken diese Larven teilweise und vorsichtig mit Sand und Steinchen. An diesen Sand und an den Steinchen finden die Larven Anknüpfungspunkte, um ihren Kokon zu weben. Später werden die fertigen Kokons beiseite geräumt, von den anhaftenden Steinchen und dem Sand befreit und peinlich sauber geputzt.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/o3xl69brkvia.jpg]

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis spec., Ägypten.

      "Frank Mattheis" schrieb:

      Eine der Jungköniginnen wurde bei den späteren, allmorgendlichen Schwärmversuchen der Geschlechtstiere offenbar begattet, zumindest fand ich eines Morgens eine entflügelt im Terrarium. Diese setzte ich mit wenigen Arbeiterinnen der Kolonie zusammen und sie begann tatsächlich bald mit der Eiablage. Die kleine Kolonie befindet sich nun bei Phillip und sie wächst bereits.

      Ich war wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort, dies ist meine erste Cataglyphis Kolonie. Um so begeisterter bin ich von diesen Ameisen, die im Verhalten wirklich etwas ganz Besonderes sind. Bisher war ich nur vor dem Platz- und Wärmebedarf von Cataglyphis zurückgeschreckt, denn ich finde es sehr wichtig, jeder Art auch die passenden Bedingungen zu bieten. Daher habe ich mir ein Becken für die Fensterbank überlegt, dort ist die Licht- und Wärmeausbeute am Höchsten. Hinter das Becken habe ich eine passend zugeschnittene Glasscheibe geklebt, an die ich den 50W Halogenstrahler anbringen konnte, ohne die Lichtausbeute von draußen zu verringern:


      Das Ytongnest ist mit Abtönfarben angemalt, mein erster Versuch mit künstlicher Farbe, mir gefällt es aber richtig gut. Der Kolonie scheinbar auch, hier ein Bild direkt nach dem Einzug in das neue Nest:


      Die kleine Kolonie macht sich richtig gut, es sind schon fast 60 Arbeiterinnen. Von den vorhandenen Puppen sind schon einige geschlüpft, eine noch nicht ganz ausgehärtete Arbeiterin:


      Die Larven werden von den Arbeiterinnen gut umsorgt, zum Zeitpunkt der Verpuppung werden sie mit Sand bedeckt. Seit die kleine Kolonie in ihrem neuen Becken ist, geht die Brutentwicklung rasant voran. Im Nest gibt es einen Temperaturbereich von bis zu 34°C in der wärmsten und ca. 26°C in der kühlsten Kammer, wobei aufällt, dass die Larven in einer Kammer mit knapp 30°C gelagert werden, während die Puppen an die wärmsten Stellen des Nestes getragen werden. Inzwischen gibt es erfreulicherweise ein dickes Bündel aus Eiern und kleinen Larven:


      Wie von Frank beschrieben ist die Königin bei dieser Art erstaunlich klein, einige Arbeiterinnen sind deutlich größer, sehr interessant:


      Ich werde ab jetzt diesen Thread mitnutzen, um immer mal wieder über meine Kolonie zu berichten.

      LG, Phillip :wave:
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Re: Cataglyphis spec., Ägypten.

      Schon erstaunlich, wie schnell diese Ameisen Nachkommenschaft aufziehen. Hätte ich jetzt gar nicht gedacht, dass das schon wieder 60 Arbeiterinnen sind.
      Finde ich gut, dass du deine Berichte hier mit reinstellst...:)

      Die Cataglyphis haben es gut getroffen bei dir, Phillip. Schönes Terrarium und schönes Nest, da ist auch noch etwas Platz für den weiterhin zu erwartenden Zuwachs.

      War doch eine einfache Sache, das Nest mal in dieser Art zu verschönern, oder? Ich finde, es sieht einfach besser aus als diese triste, weisse und rohe Ytong. Zudem sind diese Abtönfarben auch wasserfest, sie halten also auch bei erdfeuchten Nestern zuverlässig. Lediglich die nagenden Mandibeln der Ameisen werden der Farbe gefährlich. Aber auch das ist kein Problem, die Ameisen fressen sie ja nicht und diese Farben sind ungiftig und die Farbgebung eines Ytongnestes kann beim nächsten Umsetzen der Kolonie leicht ausgebessert werden.

      LG, Frank.
    • Re: Cataglyphis spec., Ägypten.

      Bei den Cataglyphis verläuft alles planmässig.
      Jedoch hat die Kolonie jetzt weniger Brut. Offenbar wird sie eine Sommerpause einlegen. Das wird diese Art auch im Freiland machen, dort, wo ich diese Tiere fand, wird in der heissen und trockenen Sommerzeit gar nichts gehen.
      Zumindest gibt es momentan wenige junge Larven und keine auffallenden Eipakete. Das soll mir recht sein, die lieben Cataglyphis dürfen ruhig mal etwas langsamer machen.

      Hier mal ein Bild des Auslaufs. Es handelt sich um ein kleines 60er Becken. Der Auslauf besteht eigentlich nur aus Sand, der ständig umsortiert wird, einen Zweig und ein paar Steinchen. Auf den Zweig, und nur dafür ist er da, habe ich die Zuckerstelle etwas erhöht drapiert und das Reagenzglas, das als Wassertränke dient. Man sieht es im Hintergrund.
      Daneben ein Bild des Nesteingangs, von innen betrachtet, hier ist immer etwas los.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/aqc82le1whgo.jpg] [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/i87rjwe89x48.jpg]

      Weniger Nachwuchs heisst nicht, gar keiner...:) In der letzten Zeit zogen die Ameisen recht grosse Larven auf, relativ grosse Puppen stapeln sich in en Puppenkammern. Mir schwant, dass das Geschlechtstiere werden sollen. Ich hoffe aber, dass es nicht so ist und grosse Arbeiterinnen schlüpfen werden.
      Blicke in die Puppenkammer an der wärmsten Stelle des Nestes und in eine Larvenkammer. Als letztes Bild dann ein Blick in die "Königinkammer". Sie befindet sich an der tiefsten und kühlsten Stelle des aber insgesamt völlig trockenen Nestes. Hier halten sich die Königin und ein grosser Teil der Kolonie, wahrscheinlich die jüngeren Ameisen, auf.

      [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/2g4kpjka78vb.jpg] [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/wb3qj3j9uo3f.jpg] [IMG:http://upload.eusozial.de/i/t/1qiz76gwpru9.jpg]

      LG, Frank.