Zucht von Ameisen

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    • Zucht von Ameisen

      Hi Leute,

      Volker hat folgendes in einem anderen Thread geschrieben:
      antic hat geschrieben:
      Da bedauert man (nicht zum ersten Mal) , dass unser Hobby sich doch im Wesentlichen auf die Haltung von Arten beschränken muß und die Zucht (noch ?) in weiter Ferne liegt. Aber schön, dass du berichtest .
      LG
      Volker



      Warum ist das eigentlich so?
      Warum ist man aktuell noch so weit weg von der Zucht?
      Im Grunde dürfte es doch kein Problem sein, oder?
      Einfach zwei Kolonien der selben Art halten und jeweils die Männchen & Weibchen zusammenbringen.
      Kann man die Bedingungen nur schwer nachstellen? Was genau?


      LG
      Denjo
      Liebe Grüße
      Denjo

      Myrmicaria sp. (abgegeben)
      Camponotus atriceps (abgegeben)
      Camponotus ligniperda (ausgesetz)
      Messor barbarus (abgegeben)
      Camponotus fulvopilosus
    • Re: Zucht von Ameisen

      Hallo Denjo,

      leider ist es doch nicht so einfach. Das hat mehrere Gründe.
      Die meisten Arten benötigen einen richtigen Schwarmflug. Es reicht nicht, die Kolonien Geschlechtstiere aufziehen zu lassen, diese müssen auch "in Stimmung" kommen. In der Natur gibt es bestimmte Auslöser, die noch nicht einmal so genau bekannt, welche dafür sorgen, dass synchron in mehreren Nestern die Tiere ausschwärmen und sich verpaaren wollen. Ein Ausschwärmen kommt zwar auch immer wieder in der Haltung zustande, aber eine Verpaarung findet dann meistens doch nicht statt - womöglich brauchen die Tiere einen langen Flug als Schlüsselreiz. Immerhin dient in der Natur der Schwarmflug für viele Arten auch zur Ausbreitung. Es ist für viele Spezies nicht möglich, das nachzustellen.

      Nichtsdestotrotz ist die Zucht schon ein paar Mal gelungen, allerdings funktioniert es eben nur mit wenigen Arten. Es ist aber relativ aufwendig, und die Königinnen im Freiland zu sammeln ist da idR erheblich einfacher. Nachzüchtbare Arten haben meistens kleine Völker, und machen keine Typen großen Schwarmflüge. Zum Beispiel gelingt das bei kleineren Myrmicinen (z.B. Cardiocondyla), vor allem auch bei Sozialparasiten (z.B. Harpagoxenus).

      Neben diesen kleineren Arten ist die Zucht schon bei Gigantiops destructor und Cataglyphis gelungen, aber es funktioniert nicht immer und nicht sonderlich zuverlässig.
      Dann gibt es noch Arten, die man problemlos züchten kann, weil sie polygyn sind und intranidale Begattung aufweisen. Das ist bei vielen invasiven Arten der Fall, selten auch bei einheimischen wie Myrmica rubra. Man kann dann theoretisch einfach die Nester teilen.
      Und dann funktioniert es auch noch bei einigen etwas "besonderen" Arten, die eine eher ungewöhnliche Fortpflanzung haben, zum Beispiel bei Harpegnathos saltator.

      Sehr wahrscheinlich gibt es noch eine ganze Reihe mehr Arten, die als züchtbar einstufbar sind, es aber noch nie jemand so wirklich versucht hat. Das liegt daran, dass viele Kolonien nicht bis zu der Größe gehalten werden, zu der sie Geschlechtstiere aufziehen, und selbst wenn oft ohnehin keine zweite Kolonie vorhanden ist (falls die Art Inzucht vermeidet).
      Im Groben und Ganzen haben wir in der Hinsicht aber auch Fortschritte in den letzten paar Jahren gemacht und vielleicht sind in ein paar Jahren mehr ein paar Nachzuchten vorhanden. Gerade hier in der IG gibt es eine ganze Reihe an kleineren Nachzuchtversuchen, die aber bisher nur von mäßigen bis keinem Erfolg gekrönt war. Anders als in anderen Bereichen der Terraristik ist in der Ameisenhaltung die Nachzucht eher unnötig, denn es gibt eigentlich so gut wie keine direkt bedrohten Ameisenarten weltweit gesehen (von ganz wenigen Ausnahmen mal abgesehen - und wenn sind sie für die Haltung ohnehin eher uninteressant), sodass Wildfänge bislang kein Problem darstellen. Zum anderen ist die Lebenserwartung der meisten Arten relativ hoch, was eine Zucht auch uninteressant macht. Und zuletzt kann man mit Nachzuchten kaum theoretischen Gewinn erwirtschaften, denn die Aufwand ist bislang eher hoch und mit niedrigen Ertrag. Dennoch sind Nachzuchten aus meiner Sicht natürlich als erstrebenswert zu erachten, und ich hoffe die Bemühungen gehen weiter wie bisher.

      Grüße, Phil
    • Re: Zucht von Ameisen

      Hi Phil,

      das ist aber schade!
      Da benötigt es dann wohl noch etwas Forschungsarbeit.
      Ich denke wenn man alle wissenswerten Bedingungen für eine bestimmte Art herausgefunden hat, dann kann es sich schon lohnen in eine Zucht zu investieren.
      Denn wenn ich mir die ein oder andere Art in den Shops anschaue und die Preise dazu sehe, dann sträuben sich mir die Haare.
      Wie du schon sagtest, muss es ja ein auslösendes Ereignis sein, damit die Kolonie schwärmt. Ich gehe davon aus, dass es bei vielen Arten mit der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit zusammen hängt.
      Wenn jetzt noch ein Schwarmflug erforderlich ist, scheint das schon schwieriger zu lösen, aber doch nicht unrealistisch.
      Du magst zwar Recht haben, damit das viele Arten nicht geschützt sind, weil es sie sehr oft gibt, aber trotzdem bin ich immer ein Freund von Nachzuchten.
      Ich stecke nicht so tief in der Materie, aber ich weiß nicht ob irgendwelche Arten in z.B. Südamerika nicht doch bedroht sind.
      Und der Natur Dinge zu entnehmen, kann auf Dauer nicht gut sein. Aktuell ist die Ameisenhaltung noch nicht soo verbreitet, aber wenn sich das so entwickelt wie in der Terraristik, dann ist man irgendwann auf Nachzuchten angewiesen.

      Ich glaube das jeder Forschungsarbeit auf dem Gebiet vielleicht mal Gold wert sein kann!

      Ich hab keine Ahnung, aber ich stell mir das folgendermaßen vor:
      Eine Art aus zwei verschieden Gynen hoch gezogen. Man kann die Werte, bezüglich Temp/LF in beiden Formikarien sicher annähernd gleich halten. Wenn dann Nachkommen aufgezogen werden, dann wird z.b. ein Regentag an einem heißen Sommer simuliert, in der Hoffnung, dass beide Kolonien darauf reagieren und schwärmen.
      Danach werden die Tiere entnommen und irgendwie ein Flug simuliert in einem großeren Terrarium oder sowas.
      Danach Männchen & Weibchen der beiden Kolonien in einem extra Behältnis zusammen führen.
      Das wird sicher schon jemand probiert haben, aber es soll ja auch nur als Beispiel dienen.
      Sicher ist noch einiges mehr zu beachten, aber darum geht es ja genau. So hat in der Terraristik ja auch alles begonnen.


      LG
      Denjo
      Liebe Grüße
      Denjo

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    • Re: Zucht von Ameisen

      Hallo Denjo, der Phil hat eigentlich alle Fragen ausreichend beantwortet. Und auch wenn sich dir die Haare sträuben bei den Preisen in den Shops, wie du sagst, trotzdem ist eine Zucht bei den allermeisten Ameisenarten nicht darstellbar. Und das, obwohl man viel weiss und die Biologie vieler Arten gut kennt.
      Es ist nun einmal unmöglich, Geschlechtstiere von Arten zu verpaaren, die als Initiation einen ausgedehnten Schwarmflug brauchen. So etwas gelingt, wenn überhaupt, nur zufällig.
      Bei anderen Arten geht einiges, Beispiele sind die Cataglyphis oder die Gigantiops. Bie diesen Arten sind eben keine ausgedehnten Schwarmflüge nötig und Voraussetzung.
      Trotzdem sind Ameisen keine Automaten. Es ist sicher wichtig, Parameter wie die LF, Luftdruck, Licht und Temperatur zu kennen und einzustellen, aber selbst das Bereitstellen der "richtigen" Werte garantiert nicht, dass die Tiere sich verpaaren und, wenn sie es tun, dass sie dies erfolgreich tun.

      Wir haben schon einiges versucht und auch gemacht. Jedoch wird auf absehbare Zeit kein kommerzieller Erfolg eintreten und daher gibt es wohl auch keinen professionellen Züchter, der sich darum kümmern möchte und kann. Die Zucht ist nunmal immer zu unergiebig und auch zu aufwendig.
      An den Preisen würde sie also nichts ändern, das kann ich dir garantieren. Denn selbst die erfolgreiche Begattung allein genügt ja noch lange nicht. Nun muss eine Königin zur Gründung bewegt werden, eigene Arbeiterinnen aufziehen. Erst dann kann man sie sicher verkaufen (...ich muss das wissen, denn ich habe Erfahrung auf diesem Gebiet...:(..).
      Und Königinnen mancher Arten brauchen einige Monate, erste eigene Arbeiterinnen aufzuziehen und sind dabei auf ständige Pflege und Versorgung angeweisen, besonders die semiclaustral gründenden Ameisen wie zB. die Gigantiops. Das heisst, täglich nachsehen und pflegen, alle zwei Tage füttern, mit Proteinen und Kohlehydraten, sauberhalten usw..
      Eine solche Ameisenkolonie aus Nachzucht wird also teuer, wenn der "Produzent" seinen Aufwand angemessen honoriert haben möchte bzw. diesen allein deswegen betreibt. Die Zucht bleibt also eine interessante Herausforderung, jedoch eher für Hobbyforscher.

      LG, Frank.
    • Re: Zucht von Ameisen

      Hallo Frank,

      dank dir für deine Rückmeldung.
      Ich habs nur gut gemeint und gedacht es würde vielleicht eine vielversprechende Diskussion daraus entstehen, aber leider scheint das Thema zu klar zu sein, oder auf zu wenig Interesse zu stoßen...
      Naja ein Versuch war es wert. ;)
      Ich selber kann dazu leider auch nicht sooo viel wissenswertes beisteuern.


      LG
      Denjo
      Liebe Grüße
      Denjo

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    • Re: Zucht von Ameisen

      Hallo Denjo.
      Sehr gern. Und klar kann man darüber reden und sich austauschen. Und einige von uns haben ja Erfahrungen gesammelt und könnten etwas dazu sagen. Deswegen hast du sicher nicht unrecht, ich wundere mich auch manchmal, wie wenige Leute sich bei solchen Fragen melden.

      Es wird vorerst bei Versuchen der Zucht von Ameisen weiterhin eher hobbymässig zugehen. Nichtdestotrotz ist das Thema interessant und es gibt neben einigen Haltern auch Wissenschaftler, die Ameisen in der Haltung unter Laborbedingungen gezüchtet haben. Infos findest du hier im Forum und auch im Ameisenforum.

      Aber wie gesagt, die Zucht ist relativ unergiebig und schwierig. Gerade Ameisenarten mit einen gewissen materiellen "Wert" sind meist nicht zu züchten oder eben nur mit extremen Aufwand und so ist das Thema für Profis kaum wirklich interessant.

      Für uns Halter dafür um so mehr. Zieht eine Kolonie nicht nur Arbeiterinnen, sondern sogar Geschlechtstiere auf, zeigt das, dass der Halter seine Ameisen sehr gut hält und versorgt. Ein gutes Beispiel sind die Cataglyphis von Ramon (camaross).
      Gelingt dann sogar die Verpaarung der Geschlechtstiere, das ist bei manchen Arten im Terrarium ja möglich, ist das natürlich ein schöner Erfolg und man kann als Halter sogar die eine oder andere Jungkönigin oder junge Kolonie verkaufen oder verschenken.

      LG, Frank.
    • Re: Zucht von Ameisen

      @ Denjo

      Ich finde das Thema Ameisenzucht auch ein spannendes Thema. Selber möchte ich auch einiges versuchen, um gewisse Arten evtl. züchten zu können. Schon alleine das Versuchen macht mir Spass. Ob es überhaupt mal bei mir klappt, bleibt abzuwarten. Die Gründe dazu haben Phil und Frank schon gut beschrieben. Dazu denke ich, wurde das Wichtigste gesagt. Darum melden sich evtl. nicht mehr und nicht, weil es nicht ein spannendes Thema wäre.
      In meinem Cataglyphis-Thread kannst du evtl. auch etwas nachlesen. In den letzen paar Beiträgen geht es auch um Geschlechtstiere/Zucht/Paarungsversuche.
      eusozial.de/viewtopic.php?f=44&t=2105&start=30
      Grüsse Cama