Temnothorax cf. nylanderi - Haltungsbericht

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  • Temnothorax cf. nylanderi - Haltungsbericht

    Hallo Forum,

    Bevor der Haltungsbericht anfängt, Diskussionen bitte in den Diskussionsthread
    Temnothorax nylanderi war schon immer eine Art, die mich fasziniert hatte. Ursprünglich sollte sie sogar meine Einstiegsart werden, allerdings habe ich mich dann - zum Glück - anders entschieden. Zwar finde ich ihre Lebensweise, ihr passives, friedliches Verhalten und ihre wunderschöne Färbung faszinierend, viel zu sehen bekommt man aber aufgrund ihrer wirklich kleinen Kolonie- wie Körpergröße nicht. Ich wäre wohl ein wenig enttäuscht gewesen.
    Jetzt habe ich aber mit meinen anderen Ameisen genug an Aktivität zu beobachten und wollte mal den Versuch starten mit möglichst günstigen Mitteln eine Arena und ein Nest zu bauen und die Kolonie selbst zu fangen.

    Die Arena habe ich mir aus einer Rocherbox gebaut und da ich keinen Bohrer habe, musste ich den Anschluss für das Nest mit einem Schraubenzieher "bohren", indem ich diesen immer wieder über einem Teelicht erhitzt habe und unter leichtem Druck gedreht habe. Nach etwa einer Dreiviertelstunde war ich durch und hatte - trotz leichter Splitterung - ein angemessenes Loch für einen Strohhalm geschaffen.
    Ursprünglich wollte ich die Ameisen in einem kleinen Ytong-Nest leben lassen, aber das erschien mir am Ende doch irgendwie unpassend, daher habe ich noch aus einer (kleinen) Walnusshälfte ein externes Walnussnest gebaut. Leider ist mir beim Bau das Nest etwas verrutscht, sieht daher nicht wirklich toll aus, sollte aber reichen.


    Die Suche nach der Kolonie gestaltete sich schon schwieriger. Ich hatte gelesen, dass man Temnothorax spec. gut in Mischwäldern finden kann und dabei einfach das Laub nach Eicheln durchsuchen soll, dann sollte man schnell welche finden. Einen kleinen Wald habe ich in der Nähe und dort begann dann die lange Suche. Ich vermute mal, dass ich die meiste Zeit in zu nassen Bereichen gesucht habe, die meisten Eicheln, die ich fand waren sehr nass und von irgendwelchen Tieren bewohnt - aber nicht von Temnothorax spec.. Völlig Mückenzerstochen und besiegt machte ich mich dann nach gut 1 1/2 Stunden Suche auf den Rückweg, aber machte noch bei einer Eiche halt, die an einer eher weniger bewachsenen Stelle stand, der Boden war hier sehr viel trockener. Die erste Eichel war eine „Niete“, aber als ich die Zweite vorsichtig knackte kamen mir direkt einige Arbeiterinnen entgegen.

    Schnell steckt ich die Eichel in ein Reagenzglas, sammelte ein wenig Laub (für die Arena) ein und fuhr nach Hause. Dort brach ich die Eichel vorsichtig weiter auseinander, da ich oft gelesen habe, dass manche EIcheln nur Zweignester ohne Gyne darstellen. Zum Glück konnte ich aber sehr schnell die Gyne ausmachen, kaum größer als eine Lasius niger-Arbeiterin aber durch ihren hohen Thorax und ihre relativ große Gaster gut zu erkennen. Ich habe die Ameisen dann, samt zerbröselter Eichel, in die Arena gelegt. Da sie bisher nicht in die Walnuss gezogen sind, habe ich vorgestern vorsichtig in der Arena nach den Ameisen gesucht - sie haben sich in einer Art "Blättertasche" eingenistet. Mal sehen, ob sie da bleiben, oder in die Walnuss ziehen.
    Ein kleiner Blick in die Arena, das Nest befindet sich übrigens etwa auf der Höhe des Wattestopfens im RG auf der anderen Seite der Arena.


    Bestimmt wurden die Ameisen übrigens hier.
    Damit der erste Post des Berichts nicht ganz ohne Ameisenfoto auskommen muss, hier nochmal eins der Fotos, die für die Bestimmung benutzt habe. Wie schon am Anfang gesagt: Wirklich schöne Tiere!




    Viele Grüße,
    Holger
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  • Re: Temnothorax cf. nylanderi - Haltungsbericht

    Tja, was soll ich in diesem Update schreiben?

    Den Temnothorax scheint das angebotenen externe Nest nicht zu gefallen, sie leben (vermutlich) in einer Kuhle, die mit einem Blatt bedeckt ist. Zumindest hoffe ich das, ich bekomme die Ameisen extrem selten zu sehen, nur hin und mal wieder sehe ich eine Arbeiterin am Honig. Proteine biete ich auch gelegentlich an, allerdings habe ich dort noch keine Arbeiterin entdecken können.

    Insgesamt muss ich sagen, dass Temnothorax cf. nylanderi die langweiligsten Ameisen sind, die ich je besessen habe. In einem etwas natürlichen Formicarium (wie bei mir mit Laub) sieht man einfach gar nichts von denen. In einem "unnatürlichen" Formicarium mag das anders aussehen, aber so ist es einfach so gut wie unmöglich, die Ameisen gescheit zu beobachten.

    Ich bin sehr froh, dass ich beim Beginn der Ameisenhaltung nicht zu Temnothorax nylanderi gegriffen habe, sonst wäre ich wohl kaum vom Ameisenfieber gepackt worden.

    Ich bin mir derzeit unsicher, ob ich entweder das Formicarium ausräume und sie unter "Laborbedingungen" halte (was ich aber nicht so schön finde) oder ob ich sie lieber später mit meinen Camponotus herculeanus vergesellschaften will. Dann brauche ich aber ein geeigneteres Nest. Vermutlich schaue ich einfach mal im Wald nach kleinen Eicheln, die noch nicht bewohnt sind. Oder bastel eins aus Objektträgern o.ä.

    Davon wird dann hier natürlich berichtet.
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  • Re: Temnothorax cf. nylanderi - Haltungsbericht

    Obwohl meine Camponotus noch im RG-Nest leben (und dort "erst" Larven haben), habe ich heute die Temnothorax in ihr neues Heim geführt, damit diese sich erstmal einrichten können.

    In der alten Mini-Arena hatten sich die Temnothorax zwischen ein paar kleinen Steinen eingerichtet, ich habe sie aber dann möglichst schnell mit dem Exhaustor eingesammelt. Dabei war auf jeden Fall die Gyne.

    Dies ist ihr neues Nest, gebaut aus einem kleinen RG, recht viel Watte und einem original Mensa-Ministrohhalm, durch den hoffentlich keine Camponotus herculeanus passen.

    Auf dem Bild waren allerdings noch nicht alle Ameisen im Nest, den Rest habe ich dann später eingesammelt und vor dem Nest abgesetzt.

    Hier ist jetzt ihr neues Heim:


    Ich hoffe inständig, dass sie in dem RG bleiben, da ich es a) durch das Rausziehen der Watte vergrößern und b) sehr einfach im Winter einquartieren kann. Falls sie sich jedoch irgendwo im Humusboden verkriechen, weiß ich auch nicht, wie ich sie im Winter einquartieren soll.

    Weitere generelle Infos gibt es dann im Bericht zu meinen Camponotus herculeanus, größere koloniespezifische Neuigkeiten aber trotzdem weiterhin hier.
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  • Re: Temnothorax cf. nylanderi - Haltungsbericht

    Die Temnothorax scheinen sich gut in dem Becken eingelebt zu haben. Hin und mal wieder sehe ich einzelne Arbeiterinnen beim furagieren und seitdem die Camponotus im Schlauch leben, kommen sich die Ameisen auch eher selten nahe.

    Etwas Sorge macht mir der Umstand, dass die Camponotus derzeit wenig vom Futter übrig lassen, ich hatte letztens extra Mücken (für die Camponotus) und Fruchtfliegen (für die Temnothorax) gefüttert, allerdings haben sich die Camponotus alles unter den Nagel gerissen.

    Die Kolonie bewohnt das Reagenzglas, aber vor allem auch den sehr engen Strohhalm. Ihr Nest mögen sie also offenbar wirklich winzig. Gestern beim Kontrollblick - hatte lange keine Arbeiterinnen mehr gesehen - konnte ich mehrere Larven im Reagenzglasteil erkennen, ich vermute, dass die Eier im Strohhalm liegen.

    Das Proteinproblem möchte ich dadurch lösen, dass ich in das Becken Springschwänze setze. Diese dürften sich im leicht feuchten Substrat wohlfühlen und von den Temnothorax auch bejagbar sein.
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  • Re: Temnothorax cf. nylanderi - Haltungsbericht

    Auch bei den Temnothorax hat die Gyne die Winterruhe nicht überstanden. Die Arbeiterinnen leben jetzt im Substrat meines C. substitutus Becken weiter, der Bericht endet damit aber auch hier. Ich werde aber in Zukunft weitere Becken mit Temnothorax-Kolonien bestücken, da die kleinen Arbeiterinnen immer wieder schön zu sehen sind.
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