Messor minor hesperius - Haltungsbericht

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Vorabbemerkung:
      Diskussionen, Fragen, Kritik und Anmerkungen (alles erwünscht!) bitte in meinem Diskussionsthread

      Hallo,


      mit meinen Messor minor hesperius habe ich mir meinen Wunsch eine Art ohne Winterruhe zu halten, Anfang dieses Jahres erfüllt.



      Wohlbehalten kamen dann bei mir - trotz des relativ kühlem Wetters- um die vierzig Arbeiterinnen aller Formen und Größen an.
      Anfänglich habe ich die Messor bei einer Temperatur von etwa 20°C (nachts) bis 25°C (tags) gehalten, da dies in vielen Shops als Temperatur angegeben wird.
      Leider fand ich in den ersten Wochen immer wieder tote Arbeiterinnen und die Brut entwickelte sich nicht weiter, wodurch meine Kolonie auf etwa zwanzig Tiere schrumpfte.


      Aus lauter Ratlosigkeit habe ich eine große Heizmatte unter der Arena installiert (keine Sorge, die Arena befindet sich auf kleinen Füßchen, die heiße Luft kann also abziehen), welche zum einen die Luftfeuchtigkeit von etwa 50-70% auf 20-30% senkte und dabei die Temperatur auf 25°C (nachts) bis 35°C (tags) steigerte.
      Die Folgen waren immens: Die Brut entwickelte sich schlagartig, jeden Tag kamen neue Tiere dazu, während im Gegenzug nur noch sehr vereinzelt Arbeiterinnen starben.
      Heute ( also auf den Tag genau drei Monate nach Erhalt der Kolonie) konnte ich das erste mal sicher mehr als 100 Arbeiterinnen zählen und dazu ist eine wirklich schöne Majorarbeiterin geschlüpft.
      Zur Feier gibt es jetzt hier den Haltungsbericht.

      Auch wenn die Qualität der Fotos nicht wirklich überzeugt, kann man gut sehen, wie groß die Majore im Vergleich zu den anderen Arbeiterinnen ist.



      Vier Tage später ist sie immer noch nicht ganz ausgehärtet, aber man kann den Fortschritt gut erkennenn.


      Die Königin und ein Großteil der Larven befinden sich meistens in der obersten Kammer des Ytong-Nestes, also da, wo es am feuchtesten ist. (rechts übrigens auch wieder die Majore zu erkennen)

      Die Puppen und ein Großteil der Eier hingegen sind am Boden des Ytongs, wo es durch eine kleine Heizmatte am wärmsten ist.
      Hier kann man auch schön sehen, wie sich die Arbeiterinnen im Laufe der Zeit verfärben. Die frisch geschlüpften sind weißlich, werden dann irgendwann gelb, dann rötlich und schließlich schwarz.

      Der Kornspeicher ist stets gefüllt, in der Arena befinden sich zwei Tränken und ich biete neben Proteinen (Heimchen und Grillen) auch immer etwas Honig an, der aber eigentlich nie genutzt wird.

      Zur Haltung:
      Dank der Heizmatten ist es in der Arena immer schön warm,
      Die niedrigste Temperatur lag bei 22°C (wohl beim Lüften) und die höchste Temperatur bei 40°C. Aktuell liegt die Temperatur bei 39°C. Die Ameisen fouragieren dann eher abends, wenn sich das Formicarium abkühlt, aber ein paar Arbeiterinnen sind immer in der Arena unterwegs.

      Beim Futter hat sich herausgestellt, dass die Ameisen Löwenzahnsamen über alles lieben. Ansonsten sind kleine Körner aus einer Körnermischung aus dem Antstore auch sehr beliebt.

      Aufgetaute Zophobas-Larven werden eigentlich so gut wie nicht angenommen, Grillen (aus der Konservendose ) und Heimchen hingegen schon.

      Ich bin gespannt, wie sich die Kolonie über das Jahr weiter entwickelt. Brut und Futter sind ja genug vorhanden.

      Grüße,
      Holger
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      In den letzten Wochen ist die Kolonie weiterhin gewachsen. Leider finde ich hin und mal wieder einzelne, tote Arbeiterinnen, aber die enorme Geburtsrate und die viele Brut gleichen diese Verluste um Längen aus.

      Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man ohnehin den Ameisen nie die perfekte Umgebung schaffen könnte, daher gebe ich mich mit dem Status quo mal zufrieden. In der Natur sterben in so einer Kolonie mit Sicherheit sehr viel mehr Ameisen.

      Zunächst gibt es ein paar Verschönerungen im Formicarium in Form von einem Kaktus und anderen Sukkulenten, die ich netterweise von Leviathan zu den Pheidole pieli bekam. Da ich mich mit Pflanzen nicht auskenne, kann ich euch auch nicht sagen, was ich da habe, aber sie gefallen mir so weit ganz gut, auch wenn sie natürlich nach dem Transport ein wenig mitgenommen aussehen.



      Die Blumentöpfe werden gerne als Schutz genutzt, um die Brut (vornehmlich Puppen) zu sonnen. Das machen meine Messor meistens dann, wenn die Temperatur im Formicarium an den 40°C kratzt. Ich versuche sie dann nicht zu stören, da sie bei Störung mit wahren Massenpaniken reagieren und teilweise mit der Brut völlig ziellos durch das Formicarium rennen. Ein Foto habe ich trotzdem mal gewagt.



      Im Nest konnte ich dann mal eine "Geburt" live miterleben. Es sieht wirklich sehr grob aus, wie die Ameisen an der neuen Arbeiterin rumzerren, wenn man es nicht besser wüsste, würde man denken, dass die ihre neue Mitarbeiterin direkt umbringen.



      Neue Arbeiterinnen kann ich eigentlich jeden Tag entdecken.



      Ich bin außerdem immer wieder von der Stärke der Arbeiterinnen überrascht und beeindruckt.
      Auch große Körner werden eingetragen.


      Und auch Seramis stellt keine Hürde dar.


      Was mich leider zu einem "unschönen" Punkt führt: Meine Ameisen haben sich vorgenommen, alles was ich ihnen gebe, irgendwie zu sabotieren.
      Aus den Blumentöpfen wurde der Seramis teilweise einfach hinausgeschmissen und kleine Löcher gebuddelt.



      Auch habe ich mir überlegt, wie ich die Ameisen im etwaigen Urlaub versorgen könnte. Zwar sind die Speicher wirklich gut gefüllt, aber sicher ist sicher.
      Daher habe ich eine Vogeltränke mit Körnern gefüllt, sodass sie zum "Körnerspender" umfunktioniert wurde. Die Ameisen fanden die Idee offenbar nicht so gut und haben einfach wahllos die Körner um die Tränke verteilt. Habe die Konstruktion mittlerweile wieder entfernt.


      Um mich weiter zu ärgern, machen sie noch etwas sehr Messor-typisches:
      Sie schmieren die Wände voll. Ob im Formicarium oder wie hier sehr konzentriert im Nest, Schlieren gibt es überall. Zwar tragen sie ihren Müll immer raus, aber ein Klo haben sie wohl noch nicht erfunden.


      Als neue "Features" gibt es jetzt - seitdem ich die Pflanzen habe - alle paar Tage mal einen Regenschauer in Form einer Sprühflasche. Die Ameisen kommen dann in großen Mengen aus dem Nest und saugen die Regentropfen an den Blumentöpfen auf. Das sieht immer sehr schön aus und man kann danach richtig sehen, wie die Gaster prall gefüllt sind. Ein Foto gibts aber davon leider nicht.

      Ich hoffe, ich kann noch lange Spaß mit der Kolonie haben, wenn sie weiter so wachsen muss ich mir allerdings früher als mir lieb ist Gedanken um ein neues Nest und ein weiteres Becken machen.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Der Kolonie geht es weiterhin sehr gut und sie wächst stetig.

      Proteine werden sehr gerne angenommen und von den verfütterten Grillen bleiben meistens nurnoch kleine Reste übrig.


      Neben vielen Larven und Puppen sind auch wirkliche Eierberge vorhanden. Mit hochgestelltem Kontrast kann man sie hier ganz gut erkennen.


      Ansonsten sind die Kornspeicher gut gefüllt und auch die oberen Kammern des YTONGs stoßen bald an ihre Grenzen. Ich bin gespannt, wielange ich noch ohne neues Nest auskomme. Man sieht an manchen Stellen auch schon leichte Fraßspuren, die aber noch nicht weiter schlimm sind.



      Derzeit überlege ich, ob ich ein weiteres externes Nest nutzen will, oder lieber ein Becken mit großem internen Nest baue. Beides hat Vor- und Nachteile, allerdings wäre ein externes Nest natürlich günstiger, weil ich dafür (noch) kein neues Becken benötigen würde.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Frage: Woran erkennt man, dass in einer Tränke bei den Messor minor hesperius kein Wasser mehr ist?

      Antwort: Sie ist voller Ameisen.

      Ich weiß nicht wieso, aber sobald eine der Vogeltränken leer ist, scheint sie eine magische Anziehungskraft zu bekommen und es zwängen sich immer mehr Ameisen durch einen Schlitz in der Watte. Diesmal haben sie sogar Brut mitgenommen.







      Naja, ich habe sie rausgekippt und neues Wasser bereitgestellt. Zum Glück können Messor sich kaum an glatten Wänden festhalten.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Heute habe ich mal wieder gefüttert (Grillen aus der Dose), nach kurzer Zeit habe ich einen Blick ins Formicarium geworfen.
      Auch wenn Messor ja eigentlich hochspezialisierte Granivore sind, einen schönen Happen Proteine lassen sie sich nicht entgehen. Die ganze Grille war voller Ameisen. Ich vermute, dass morgen nicht mehr viel übrig sein wird.

      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Den Ameisen geht es wirklich prächtig, das schnelle Wachstum setzt sich fort. Daher habe ich gestern zwei große YTONG-Steine besorgt und mal bei mehreren Glasern in der Umgegend angefragt, ob sie mir eine Bohrung in eins meiner alten Aquarien bzw. Terrarien machen können. Das Becken vom Antstore mit dem Preis von über 60€ (60x30x30 cm) ist mir da doch entschieden zu teuer.

      Wenn ich alles habe, will ich mir ein Becken im Stil von Phillips Messor-Becken einrichten. Die Kombination vom vertikalen und horizontalen Becken finde ich schlichtweg genial. Beheizt werden soll das Becken "nur" mit einer 14 W-Matte. Allerdings werden die Ameisen weiterhin die Möglichkeit haben, im jetzigen Becken ihre Brut zu sonnen.

      Da meine Messor immernoch große Freunde von Proteinen sind, habe ich letztens einen Fisch vom Angeln mitgenommen.

      Ein kleiner Exkurs für Interessierte (wer keine Fische mag einfach bis zum Ende des Exkurses scrollen)

      Exkurs-Anfang
      Ich bin selbst seit Jahren ein begeisterter Angler. Da ich ein begrenztes Budget habe, mache ich mir immer wieder Gedanken darüber, wie ich meine Ameisen langfristig kostengünstig mit Proteinen versorgen kann. Daher habe ich überlegt, ob man nicht einfach frischen Fisch als Futter nutzen könnte.
      In fast allen Gewässern, in denen es Fische gibt, also vom größeren Bach über Talsperren bis zu Strömen wie dem Rhein, gibt es immer eine große Anzahl von sog. Karpfenfischen (Cyprinidae), zu denen auch die Weißfische (Leuciscinae) gehören. Darunter fallen dann bekannte Fische wie der Brassen ( Abramis brama), das Rotauge (Leuciscus rutilus), oder die Rotfeder ( Scardinius erythrophthalmus). Zwischen den Weißfischen ist eine Hybridisierung möglich und kommt auch regelmäßig vor, eine Bestimmung nach optischen Gesichtpunkten ist dabei dann oft unmöglich.
      Diese Schwarmfische kommen meist in großen Mengen vor. Auch wenn die Rotfeder generell eher selten geworden ist, tritt sie in manchen Gewässern in gigantischen Schwärmen auf.

      Der Fang der genannten Schwarmfische zur Verwendung als Futterfisch ist relativ einfach. Da die genannten Arten in den mir bekannten Gewässern kein sog. Mindestmaß ( das Maß, was ein Fisch erreichen muss, damit man ihn entnehmen darf) haben, kann in den großen Schwärmen der unvorsichtigen Jungfische innerhalb weniger Minuten mehrere Fische fangen - und das unabhängig von der Jahreszeit.

      Als Köder bietet sich fast alles an, was klein genug für die Fische ist. Fleischmaden, Pinkies, kleine Würmer, eine Brotflocke, Dosenmais sind die klassischen Köder, aber man kann sie auch mit Erbsen, Reis oder erschlagenen Fliegen fangen. Manche Experten nutzen im Winter zum Fang von großen, vorsichtigen Weißfischen sogar rote Zuckmückenlarven, die an winzigen Haken angeboten werden.

      Im vorliegenden Fall habe ich ein Rotauge (Leuciscus rutilus) entnommen. In dem Gewässer (einer Gräfte) wimmelt es von diesen Fischen, während Rotfedern selten und Brassen so gut wie gar nicht vorkommen. Man erkennt sie neben ihren roten Augen vor allem am endständigen Maul. Das bedeutet, dass die Kiefer gleich lang sind. Dadurch ist das Rotauge darauf spezialisiert, Nahrung, die frei im Wasser schwebt, aufzunehmen. Rotfedern ( Scardinius erythrophthalmus) (die übrigens auch oft rötliche Augen haben) hingegen haben ein oberständiges Maul, bei ihnen ist also der Unterkiefer länger als der Oberkiefer. Dadurch können sie sehr einfach Insekten o.ä. von der Oberfläche des Gewässern schlürfen. Bei einem bodenständigen Maul (z.B. beim Brassen (Abramis brama ) ist der Oberkiefer länger als der Unterkiefer und das Maul lässt sich oft wie eine Art Rüssel ausstülpen. Damit können die Fische dann den Boden nach Futter durchwühlen.

      Den Weißfischen gemein ist, dass sie eher weiches Fleisch haben und als sehr grätenreich gelten. Die meisten Angler schätzen Weißfische nicht als Speisefische, obwohl einige auf Weißfischfrikadellen schwören. Unter Osteuropäern ist generell der Brassen relativ beliebt. Er soll oft als Stockfisch getrocknet werden.
      Mir selbst hat mal mein Vater aus ein paar kleinen Weißfischen nach einem eiskalten Angeltag im Winter eine Fischsuppe mit viel Gemüse zubereitet. Die dünnen Gräten ließen sich gut zerkauen und mir hat es gut geschmeckt.
      Exkurs Ende

      Meine Messor haben sich gleich auf das Fischstück gestürzt.


      Etwas später konnte man schon Fortschritte erkennen.


      Die Messor, die mit ihren kräftigen Mandibeln auch größere Körner knacken können, säbeln kleine Stücke aus dem Fisch und tragen sie dann ins Nest. Dabei wird fast alles Fleisch verwertet. Am Ende bestand der Fisch wirklich nur noch aus Haut und Knochen (oder eher: Gräten).


      Eine Familienfreundin sammelt gerne Knochen toter kleiner Tiere. Sie legte die dann immer auf einen Ameisenhügel, um am nächsten Tag das gesäuberte Skelett mitnehmen zu können. Wenn meine Messor weiter so wachsen, probiere ich das mal mit einem (gehäuteten) Fisch. Ein ganzes, erhaltenes Fischskelett würde sicher eine schöne Deko abgeben.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Ich hatte ja bereits im letzen Beitrag angedeutet, dass ich zur Zeit ein Nest baue. Das Nest ist mittlerweile fertig, allerdings fehlt das Becken bzw. jemand, der mir ein entsprechendes Loch in das vorhandene alte Hamsterbecken bohrt. Leider hat bisher keiner der Glaser hier in MS auf meine E-Mail-Anfragen auch nur geantwortet. Bilder gibt es dann, wenn es fertig ist.

      Es gibt aber trotzdem genug zu berichten.
      Zunächst habe ich meinen Ameisen etwas Jelly Food von "Dragon Terraristik" gegeben. Das Zeug riecht fürchterlich künstlich (soll wohl Traube sein) und ist etwas fester als Gelee-Brotaufstrich.
      Meine Messor mochten es scheinbar trotzdem.



      Interessant war, dass sich die Ameisen nicht so ganz entscheiden konnten, ob sie das Gelee trinken können oder erst zerkauen müssen. Gerade die größeren Arbeiterinnen haben das Jelly zunächst vor allem mit ihren kräftigen Mandibeln bearbeitet. Nach ein paar Stunden war aber alles restlos weg.

      Das YTONG-Nest platzte aus allen Nähten, daher sind ein Großteil der Ameisen in den Verbindungsschlauch zum Nest gezogen (und haben dort alle Kletterhilfen (Watte und Kordel) zerstört und entfernt).


      Ein paar hatten den (nach dem Wässern der Pflanzen) etwas feuchten Sand zum leichten graben genutzt. Man sieht auch die durchgekauten Enden der Kordel.



      Ich war dann über das Wochenende weg und hatte nochmal gut das Becken besprüht. Heute kam ich wieder und sah mit Schrecken, dass keine Ameise mehr im YTONG zu finden war. Da Messor auch YTONG zerbeißen können, habe ich sofort nach freien Ameisen gesucht, aber keine gefunden. Dafür ließ mich der Blick in die Arena echt staunen. Der feine Sand, der normalerweise etwa fingerbreit den Boden bedeckt, wurde aufgetürmt und mit der Hilfe einzelner Seramissteinchen, haben die Ameisen sich ein eigenes Sandnest gebaut.







      Es sieht wirklich beeindruckend aus und zeigt mir, dass die Ameisen ihre Wege finden, wenn ich ihnen nicht das biete, was sie wollen. Sobald das neue YTONG-Nest irgendwann mal voll ist, werde ich den Messor dann wohl ein Erdnest spendieren. Aber bis dahin sollen sie erstmal im (riesigen) YTONG-Nest leben, das ich ihnen hoffentlich bald anbieten kann.
      Ich vermute, dass die Gebilde wieder einstürzen, wenn die Arena trocken ist. Dann werden die Ameisen hoffentlich unbeschadet wieder zurücksiedeln.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Mal wieder ein kleines Update:

      Meine Freundin hatte abends eine Nussmischung mitgebracht und ich habe ein paar davon abgezweigt und meinen Messor gegeben. Obwohl die Nüsse natürlich recht groß sind und von den Ameisen nicht getragen werden können, wurden sie mit voller Begeisterung bearbeitet. Die Ameisen haben vor allem die Ränder systematisch abgeknabbert und kleine Splitter in ihr Nest (oder eher aktuell: ihre Nester) gebracht.




      Leider habe ich von Glasern auf die Frage, ob sie mir ein Loch in mein altes Terrarium bohren können, nur gehört, das ginge nicht. Nobodys Anleitung ist zwar wirklich sehr schön, aber das selbst zu schneiden traue ich mir nicht zu und auf meine Anzeige hat sich niemand gemeldet. Daher musste ich in den sehr sauren Apfel beißen und für knapp 80€ beim Antstore ein Becken mit entsprechenden Bohrungen bestellen. Dazu wird dann noch min. eine Heizmatte kommen - viel Geld auf einmal.
      Allerdings ist es auch wirklich nötig. Die Ameisen zeigen mittlerweile einige Verhaltensauffälligkeiten. Sie leben teils in offenen „Nestern“ an der Scheibe, ziehen die ganze Zeit herum (weiß gar nicht, wo die Königin ist) und zeigten die letzten Tage auch vermehrt Aktivität an den Scheiben in Richtung Deckel - für diese schlechten Kletterer eine wirklich sehr ungewöhnliche Angewohnheit. Heute sah ich, wie eine Minor eine lebende (und zappelnde) Majore an einem Bein durchs Becken trug.

      Ich hoffe, dass sich jetzt keine größeren Verluste einstellen, während ich auf das Becken warte. Dem Nest fehlen noch oben zwei Scheiben, da meine Silikon-Kartusche irgendwie eingetrocknet war und dabei die Kartuschenpistole geschrottet hat. Werde mir demnächst einfach eine kleinere Menge Silikon kaufen, so eine ganze Kartusche hält dann doch zu lange. Vielleicht werde ich ja beim Baumarkt fündig, dort werde ich dann noch irgendein Verbindungsstück für ein Rohr und den Schlauch suchen, um den Ameisen einen ca. 1,5m langen Weg zwischen den Becken zu bauen. In der Natur furagieren Messor ja meines Wissens auch recht weitläufig und so ist es wenigstens nicht ganz so eng.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Gestern konnte ich endlich die neue Anlage aufbauen, wobei ein paar Sachen anders liefen, als ich es geplant hatte. Handwerk und ich sind irgendwie noch nicht so ganz warmgelaufen.
      Zunächst ist das Becken vom Antstore minimal größer als das eigentlich angedachte Becken, daher ist links ein recht großer Spalt zwischen YTONG-Stein und Nest entstanden. Nicht schlimm, aber auch nicht schön.
      Hinter dem YTONG habe ich eine etwa fingerbreite Schicht Sand-Lehmgemisch feucht aufgetragen, damit die Ameisen dort nicht über Glas laufen müssen. Das haben sie natürlich sofort genutzt, um dort zu graben. Das YTONG-Nest steht daher zur Zeit also fast leer, jediglich Kornkammern wurden dort errichtet.

      Die gesamte Anlage ist viel größer geworden, als ich es geplant hatte. Ich schätze es sind so 3-4m Schlauch/Rohr, die den Ameisen zur Verfügung stehen und auch genutzt werden. Es macht viel Spaß, die Ameisen im glasklaren Rohr zu beobachten, ich hoffe, dass sie mit dem Einsauen etwas Zeit lassen.


      Im Rohr war noch ein Wassertropfen vom Aufstecken des Schlauches. Leider gab meine Kamera nicht mehr her, sonst hätte man sicher wirklich brilliante Fotos schießen können.




      Frage an die Erfahrenen:
      Wie sieht es mit der Belüftung aus? Muss ich mir da Sorgen machen aufgrund der Schlauchlänge? Falls ja: würde es reichen ein paar kleine Schlitze mit einem Cutter in den Schlauch zu machen? Antworten bitte hier!


      Edit:
      In dem kleinen Glaskasten hausen übrigens meine Plagiolepis spec.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Mittlerweile hat sich die Kolonie einigermaßen in dem neuen Nest eingelebt, obwohl sie sich noch nicht sicher zu sein scheinen, wo sie es am liebsten mögen.

      Anfangs haben sie sich vor allem im rechten horizontalen Teil und teilweise in der angrenzenden vertikalen Teil zusammengefunden, dieser Teil wird zusätzlich von einer Heizmatte erwärmt.


      Mittlerweile ist die Heizmatte aber nur noch ein paar Stündchen pro Tag an, ich will den Ameisen im Winter eine beinahe "heizungsfreie" Zeit gönnen. Seitdem sind sie gut sicherbar an die Frontscheibe gezogen.



      Dort kann man auch gut Ihre Majestät beobachten. Sie scheint wohlauf zu sein, da der Umzug sehr turbulent war, bin ich darüber doch sehr erfreut. Ich hatte sie immerhin über einen Monat überhaupt nicht gesehen.



      Die Ameisen scheinen aber auch den hinteren Teil mit dem Sand-Lehm-Gemisch zu nutzen. Zumindest vermute ich das, weil zum einen nur sehr wenig Brut in den Kammern ist. Da hatten sie anfangs definitiv mehr. Außerdem sind die Kornkammern sehr leer, obwohl sie definitiv genug Körner bekommen haben.


      Man kann gut erkennen, dass dort definitiv gegraben wurde, wegen des Standorts des Formicariums kann ich meine Vermutungen aber nicht überprüfen.

      Ein weiterer Teil der Kolonie scheint die Spalte zwischen YTONG und Glasscheibe zu mögen.

      Eine Erklärung dafür habe ich aber nicht.

      Nun zum wichtigeren Teil:
      Die Ameisen machen mir derzeit unglaublich viel Spaß. Durch den Schlauch und vor allem durch das Rohr kann man sie wunderbar beobachten. Wenn Gäste auf der Couch schlafen (oder ich in meinem Bett) kann man den Schlauch auch wunderbar beobachten. Das macht sogar meiner Freundin viel Spaß, wobei sie festgestellt hat, dass große Körner (in dem Fall war es ein Stück einer Walnuss) oft nur wenige Zentimeter weit gebracht, liegengelassen und dann später von anderen Ameisen wieder ein Stück weitergebracht. Ich vermute mal, dass das eine Eigenart in der Haltung ist. In der Natur wäre das wohl kaum effizient.
      Die Kraft der Ameisen ist aber wirklich beeindruckend.


      Dazu konnte ich beobachten, dass die Ameisen sehr nachtaktiv sind. Dabei hängt "Nacht" bei ihnen nicht mit dem Licht zusammen. Gegen 22 Uhr nimmt die Aktivität regelmäßig extrem zu, unabhängig davon ob ich gerade nach Hause komme (es also dunkel ist) oder ich die ganze Zeit das Licht anhatte. Dann kann man sehr viele Ameisen beim furagieren beobachten, leider kann man "Wuselfaktor" schlecht in Fotos darstellen, aber die meisten von euch hatten ja auch schon mal größere Kolonien.
      Es ist ein regelrechtes Massengetapse.



      Körner werden gerne zu Ameisenbrot weiterverarbeitet.


      Für die Ameisen ist der Weg ins "Futterbecken" aber nicht ganz ungefährlich. Eine gefährliche Bestie lauert auf dem Weg, der sie erstmal entkommen müssen.

      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Die Messor leben sich immer mehr in der Anlage ein. Zu meinen Glück scheinen sie eine Kammer an der Frontseite am liebsten zu mögen, was dafür sorgt, dass ich perfekte Nesteinsicht habe. Allerdings befindet sich nach meinen Mutmaßungen noch ein nicht unerheblicher Teil der Ameisen mit Brut im Sand in der Nähe der Heizmatte, denn in dem sichtbaren Bereich befinden sich zwar ein paar wenige Eier und Larven, aber so gut wie keine Puppen. Abends kann ich manchmal beobachten, wie Arbeiterinnen frische (komplett weiße) Puppen herumtransportieren. Leider steht das Formicarium so hoch, dass ich nicht sehen kann, wohin die Reise denn geht.

      Es müssen aber viele Puppen vorhanden sein, denn mittlerweile kann ich wieder sehr viele frisch geschlüpfte und nicht ausgehärtete Ameisen entdecken.
      Hier sieht man Ameisen in verschiedenen "Altersstufen" (je dunkler, desto älter) an einem kleinen Körnerhaufen. Die Körner werden in dem großen Nest übrigens nicht mehr zentral gelagert, sondern auf viele verschiedene kleine Kornlager verteilt. In der Natur sicherlich ein sehr sinnvolles System, denn sonst könnten durch zufällig Ereignisse alle Kornvorräte auf einmal vernichtet werden.



      Auf den (Blitz)fotos erscheinen die Ameisen immer leicht rötlich, ich selbst würde sie aber eigentlich als schwarz bezeichnen. Ich muss mal ein paar Leute fragen, ob sie die Ameisen als rötlich beschreiben würden, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich das wegen meiner Rot-Grün-Schwäche (dunkles Rot ist gar nicht gut ;) ) einfach nicht wahrnehme oder ob es nur bei Blitzbeleuchtung sichtbar wird.

      Die Ameisen haben, gut sichtbar in der "Hauptkammer", mittlerweile ein paar aberwitzig dicke Larven. Ich bin echt gespannt, ob mich da Geschlechtstiere erwartet oder ob die Ameisen, die ich bisher für die Majore gehalten habe, „nur“ sehr große Media (oder kleine Majore) waren.

      Das rechts ist übrigens keine Larve, sondern ein Korn.


      Hier sieht man eine der größten Ameisen der Kolonie auf einer der Larven.



      Ich bin gespannt und werde natürlich berichten.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Heute nur ein winziges Update mit einem schlechten Bild:



      Ich konnte nach nicht mal einem Jahr der Haltung das erste Geschlechtstier entdecken. Ob es eine Gyne oder ein Männchen ist, kann ich nicht beurteilen, dafür war das Tier zu sehr zusammengekrümmt.
      Ich nehme aber an, dass es sich bei den "Riesenlarven" wohl um Geschlechtstiere handelte. Ich denke mal, dass es sich um ein gutes Zeichen handelt und freue mich entsprechend. Die Arbeiterinnen haben übrigens an den Flügeln "gearbeitet", ich vermute mal, um dem Tier zu helfen. Die Flügel wirkten noch nicht einsatzfähig.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Heute mal ein etwas anderes Update:

      Mich interessiert es sehr, was meine Messor eigentlich alles gerne fressen. Im Seifert steht irgendwo,dass Messor hochspezialisierte Körnerfresser seien. (Da ich keinen Seifert habe, kann ich die Seite auch gerade nicht nennen, war aber in einem Kapitel über Messor). Ich nehme mal an, dass sich das darauf bezieht, dass die Herstellung von Ameisenbrot schon ein sehr spezieller Vorgang ist, der den Ameisen das Anlegen von Futterlagern ermöglicht.

      Denn neben Körnern fressen meine Messor von so gut wie jeder Proteinquelle, solange sie nicht wegläuft.

      Bisher habe ich erfolgreich verfüttert:

      - frischen Fisch
      - gebratenes Hühnchen
      - rosa Jelly, weißes Jelly
      - diverse Insekten (frisch, überbrüht oder einfach nur aufgetaut)
      - gebackenes Schweinefleisch
      - Hackfleisch

      Lange hat mich daher schon die Frage beschäftigt, ob die Ameisen auch (menschliches) Blut fressen. Da ich gerne koche und ein großer Freund wirklich scharfer Messer bin, kommt es zwar selten vor, dass ich mich schneide, aber wenn es dann so weit ist, blutet es auch ordentlich. Gestern war dann „endlich“ die Gelegenheit gekommen und während ich mir ein Pilz-Risotto schmecken lassen konnte, gab es dank meines Gemüsemessers Blut für die Messor.

      Das "Abschöpfen" des Blutes mit dem Kronkorken war gar nicht so einfach, aber im Ergebnis habe ich ein paar Tropfen sammeln können.

      Das Interesse war durchaus vorhanden, dabei möchte ich Flüssigkeitsmangel eher ausschließen, da ich am gleichen Tag vorher auch ordentlich gewässert habe.



      Allerdings war das Interesse - gemessen an anderen Proteinquellen und der Größe der Kolonie - eher bescheiden. Dennoch wurde einiges aufgefressen.




      Ansonsten wächst die Kolonie fröhlich vor sich hin und macht jede Menge Spaß.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Re: Messor minor hesperius - Haltungsbericht

      Mal ein kleines "Alltagsupdate".

      Dadurch, dass Messor ihren Müll immer sortieren und auslagern, ist das zweite Becken die Müllhalde der Kolonie und muss beizeiten gereinigt werden.

      Zunächst wird der Verbindungsschlauch entfernt und mit Watte verstopft.



      Dann wird die Deko vorsichtig entfernt, wobei mit dem Exhaustor die Ameisen, die sich noch in der Arena befinden, entfernt werden. Da die Ameisen sehr dämmerungs- und nachtaktiv sind, sind es meistens sehr wenige.



      Danach wird alles durch ein feines Sieb gekippt, so bleibt nur der Dreck hängen. Ich habe das ganze mal aus Interesse gewogen, es waren immerhin ganze 16 Gramm 'Müll', der sich hauptsächlich aus Körnerhülsen und toten Arbeiterinnen zusammensetzte. Wenn man seine Hände zu einer Schale formt, kann man in etwa das Volumen vorstellen.



      Danach habe ich das Becken schnell mit kaltem Wasser ausgespült, getrocknet und dann wieder mit Sand befüllt. Das Ganze dauert ca. 10 Minuten und das Ergebnis kann sich sehen lassen.





      Das wars für heute, von den im Bild des Tages geposteten Gynenlarven haben sich viele verpuppt und die ersten sind geschlüpft!


      Beste Grüße,
      Holger
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Das Wuseln geht weiter... Und wie!

      Mittlerweile krabbeln in dem Nest viele geflügelte Gynen herum und ein paar haben ihre Flügel abgeworfen und helfen oft bei der täglichen Arbeit.
      Ich hatte gerade das unverhoffte Glück, eine Arbeiterin beim Transport einer Gynenpuppe zu erwischen und die Gyne mit dem Exhaustor für eine kleine Fotosession zu entführen.

      Meine Kamera ist zwar keine wirkliche Makrokamera, aber dennoch sind die Fotos gar nicht so uninteressant. Scheinbar sind die Flügel bei der Puppe eingeklappt und müssten erst nach dem Schlupf aufgerichtet werden, was erklären würde, warum ich oft Arbeiterinnen bei der Pflege der Flügel im Nest sehen kann.








      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Mal ein kurzes Update:

      Die Kolonie gibt es noch, allerdings habe ich den Eindruck, dass sie stark geschrumpft ist und eine nicht-geflügelte Gyne mit größerer Gaster konnte ich bisher auch nicht ausmachen. Allerdings gibt es ja auch einen nicht-einsehbaren Bereich. Trotzdem glaube ich, dass die Ameisen entweder eine lange Pause einlegen oder dass die Gyne nicht mehr lebt. Ich werde die Kolonie auf jeden Fall weiter beobachten und Pflegen, um zu schauen wie sich das am Ende entwickelt.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot