Pheidole pieli - Haltungsbericht

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    • Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Hallo,

      Vorweg: Dies ist ein Haltungsbericht, alle Kommentare, Kritik (ich bitte drum!), Tipps und Ratschläge bitte ausschließlich in meinen Diskussionssammelthread!

      Wieso jetzt Pheidole pieli?!

      Vor ein paar Tagen war ich im Chat und dort fragte User Leviathan ganz unverblümt, ob nicht jemand Interesse an einer Kolonie Pheidole pieli hätte.
      Interessiert war ich schon, aber leider fehlte mir der Platz. Leviathan erklärte mir dann, wie klein und platzsparend diese Pheidole-Art ist und nach kurzem hin und her entschied ich mich dann:
      Die Pheidole pieli sollten demnächst bei mir wohnen.

      Über die Art findet man im Netz- außer einem schönen, aber beendeten Haltungsbericht - leider sehr wenig. Die Arbeiterinnen sind winzig (etwa 1mm "groß"), die Soldaten sind aber auch nicht gerade groß (etwa 3mm). Temperatur soll so zwischen 20 und 30°C liegen und sie mögen es relativ feucht.

      Für diese Kolonie habe ich eins meiner freien 20x10x10-Formicarien zu einem "Nestbecken" verwandelt, in dem zwei Ytongplatten mit vielen Kammern für ausreichend Nestplatz für die ersten Jahre sorgen sollten. Bewässert wird das ganze über einen mit Seramis und feinem Aquarienkies gefüllten Graben.
      Als Ausbruchsschutz legte mir Leviathan Talkum ans Herz, was er netterweise auch der Sendung beigelegt hatte.

      Heute morgen klingelte dann der Postbote.
      Dabei hatte er Seramis (das Nest war noch nicht fertig) und das Paket mit den Ameisen.

      Ankunft
      Im Paket lagen neben mehreren Sukkulenten (danke dafür!) und dem bereits erwähnten Talkum auch die Ameisen in einem Reagenzglas.
      Schnell habe ich das Nest fertiggestellt, die zweite Arena angeschlossen, das Talkum (trocken) aufgetragen und dann das Reagenzglasnest hineingelegt und vorsichtig die Watte entfernt.
      Wie Leviathan bereits angekündigt hatte, sind die kleinen Ameisen wahre Ausbruchsexperten. Obwohl die Watte wirklich fest in dem RG steckte, war eine Ameise relativ weit durch den Propfen gekommen, was aber ihren Tod bedeutete. Der Großteil der restlichen Ameisen (habe sie nicht gezählt, laut Leviathan 100-200, was wohl hinkommt) war aber wohlauf. Gynen konnte ich keine entdecken, allerdings versperrte ein Papier im Reagenzglas auch etwas die Sicht. Es war zudem wirklich sehr, sehr viel Brut vorhanden.

      Umzug
      Es dauerte keine fünf Minuten, da fingen die Pheidole bereits an, aus dem Reagenzglas raus und in das YTONG-Nest zu ziehen. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen. Die Soldaten sehen mit ihren riesigen Köpfen wirklich spannend aus und auch die Arbeiterinnen sind sehr schön gefärbt.
      An Futter habe ich gerade Honig und eine Grille angeboten. Der Zucker wurde von ein paar Arbeiterinnen angenommen, die Grille wurde bisher ignoriert.

      Etwa 20 Arbeiterinnen und eine noch nicht ausgehärtete Soldatin haben die Reise leider nicht überlebt, aber bei der Koloniegröße ist das wohl zu verschmerzen.

      Ich bin insgesamt sehr gespannt auf die Haltung, gerade die Größe stellt ja eine Herausforderung für sich dar.

      PS:
      Da mein Computer gestern den Geist aufgab und ich jetzt auf einem elendig langsamen Netbook unterwegs bin, gibt es Fotos leider erst, sobald der Computer wieder funktioniert.
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Die Pheidole pieli haben sich mittlerweile bei eingelebt, obwohl ihre Heizmatte durch eine Verwechselung des Shops noch nicht angekommen ist.

      Hier ein Bild bei der Ankunft. Da mehrere Arbeiterinnen schon versucht hatten, durch den wirklich festen Stopfen im RG zu kommen, habe ich nur schnell dieses Foto geschossen und sie dann ins Becken gesetzt.


      Es gibt eigentlich immer Honig-Zucker-Gemisch, an dem man auch fast immer mehrere Arbeiterinnen sehen kann. Allerdings fängt die wahre Aktivität erst an, wenn Proteine gefüttert werden. Es ist ein Wahnsinn, wieviel Hunger diese Ameisen haben.






      Alle Bilder stammen von nur einer Fütterung von Grillen, obwohl ich eigentlich sehr regelmäßig Proteine anbiete. Da bin ich mal gespannt, wieviel eine große Kolonie so verschlingt.

      Ausbruchsversuche konnte ich übrigens noch keine vermerken.
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Zu einem ehrlichen Haltungsbericht gehören immer zwei Dinge:
      Die positiven Seiten der Haltung und natürlich auch die negativen Seiten, inklusive der Fehler des Halters.

      Zunächst das Positive:
      Die Ameisen sind wirklich fantastisch. Auch wenn ich keinen Überblick habe, wieviele es eigentlich sind, ist ihre Aktivität fantastisch. Kaum gibt man Futter in das Becken, schwärmen sofort viele Arbeiterinnen und auch Soldaten zur Nahrung und tragen sie wenn möglich ein.
      Da ich derzeit ein kleines Fruchfliegenproblem in meiner Wohnung habe (im Sommer sollte man keine Saftreste stehen lassen...) habe ich viele mit dem Exhaustor gefangen und abgebrüht ins Becken gelegt.
      Nach weniger als fünf Minuten waren alle eingetragen. Dabei sehen die Ameisen noch unglaublich schön aus, obwohl sie natürlich echt winzig sind.

      Aber auch Stücke von (oder ganze) Grillen werden gerne angenommen. Mittlerweile nutze ich aber gerne Stücke, damit ich nicht versehentlich Ameisen, die in den ausgehöhlten Grillen herumkrabbeln, mit aus dem Formicarium werfe.

      Das Bild entstand, nachdem ich das Bein ins Formicarium gelegt habe, den Rest meinen Messor gegeben habe und meine Camera geholt habe. Vielleicht mache ich -falls gewünscht - auch mal ein Video davon, wie schnell diese Ameisen sind!



      Hier tragen sie gerade eine Fruchfliege in ihr Nest.


      Jetzt das negative:
      Man kann es nicht leugnen, die Ameisen sind winzig.

      Oben rechts seht ihr eine Fruchtfliege und daneben die Arbeiterinnen. Man braucht also schon gute Augen und etwas Geduld, um diese schönen Ameisen richtig genießen zu können.

      Leider kam es bei mir auch mittlerweile schon zum Ausbruch, den ich aber völlig selbst verschuldet habe. Da die Ameisen es gerne ein wenig wärmer mögen, habe ich eine kleine Heizmatte gekauft, die mittags das Formicarium auf bis zu 30°C erwärmt. Die Luftfeuchtigkeit ist derzeit sehr hoch, da ich etwas übermütig bewässert habe (90°C) und als Ausbruchsschutz verwendete ich Talkum. Jeder, der etwas nachdenkt, kann sich denken, was passiert, wenn man das Formicarium jetzt beheizt:
      Es entstand eine Menge Kondenswasser, was natürlich meinen Talkumausbruchsschutz völlig außer Gefecht gesetzt hat und die kleinen Ameisen passen durch das Metallgitter im Deckel.
      Ich habe dann das Talkum entfernt und einen dicken Streifen Paraffin aufgetragen. In dem könnten die Ameisen zwar eventuell festkleben und verenden, das ist aber noch nicht passiert. Bisher sind die Arbeiterinnen immer nur am Rand des Paraffins umhergelaufen.

      Ich bin mir daher noch nicht sicher, ob ich später wieder zu Talkum zurückkehre, oder Paraffinöl beibehalte.

      Heute oder morgen bekomme ich neue Bretter an die Wand und die Pheidole werden dann einen schöneren Platz erhalten, derzeit sind sie ganz am Rand meiner Formicarien, aber sie machen einfach zu viel Spaß.
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Da möchte man mal ein Video machen und was passiert? Die Ameisen verhalten sich viel vorsichtiger als sonst und es werden keine Soldaten rekrutiert.

      Egal, für den ersten Versuch ist es ganz passabel geworden und man sieht, was ich mit dem fantastischen Rekrutierungsverhalten meine.

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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Heute gibt es zwar weder Fotos noch ein Video, dafür aber ein paar Neuigkeiten/Ideen.

      Zunächst habe ich gelesen, dass manche Pheidole-Arten auch Körner fressen, Leviathan konnte das bei seinen Pheidole pieli aber noch nicht beobachten. Trotzdem habe ich ihnen heute fünf kleine Körner aus einer Körnermischung angeboten. Bisher ist das Interesse aber eher gering. Ich werde es aber mal mit Löwenzahnsamen probieren, diese lieben meine Messor über alles.

      Das geringe Interesse könnte aber mit etwas anderem zu tun haben:
      Sie scheinen umzuziehen. Und zwar in das zweite Becken, in das ich vor ein paar Tagen eine dünne Schicht (noch feuchtes) Kokoshumus gegeben habe, damit etwaige Springschwänze (die ich mir auch noch besorgen muss) einen Rückzugsraum haben.
      Ich vermute mal, dass das alte Nest viel zu feucht ist, obwohl ich seit Ankunft nicht mehr gewässert habe, sind im Formicarium tagsüber, wenn die Heizmatte läuft, meistens so um die 95% Luftfeuchtigkeit, dazu dicke Tropfen an den Scheiben. Das wird den Ameisen wohl kaum gefallen und darunter ist wohl kaum die Aussage „sie mögen es schon etwas feuchter“ zu verstehen.
      Mangels Erfahrung mit internen Nestern habe ich es hier wohl schlichtweg absolut übertrieben. Ich hoffe, die Kolonie übersteht das ohne größere Schäden und hoffentlich trocknet das Nest bald ausreichend.
      In der etwa 1,5cm dicken Humusschicht werden sie wohl kaum bleiben können.

      Ansonsten sind sie weiterhin sehr aktiv, Futter (Honig-Zuckergemisch und Grillenbeine) werden immer voller Elan angenommen. Daher mache ich mir auch keine allzu großen Sorgen.


      Edit:
      SO wirklich entscheiden können sie sich aber nicht. Die einen Ameisen bringen Brut zum Humus, die anderen bringen sie wieder zum YTONG.

      Falls jemand übrigens gute Entwässerungsideen hat, bitte hier unterbringen!
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Mittlerweile gibt es zwei Neuigkeiten:
      Das Kondenswasserproblem habe ich erfolgreich bekämpft, indem ich ein leeres Teelicht mit (Meer)Salz gefüllt habe und in das Becken gestellt habe. Nach 1-2 Tagen war das Salz sehr nass und ich habe es getrocknet und wieder reingestellt. Ich hoffe mal, dass ich das mit dem Befeuchten irgendwie besser hinbekomme. Austrocknen wäre ja noch schlimmer!

      Außerdem sind die Ameisen aus ihrem Zweignest wieder zurückgezogen, weil der Humus - wie geplant - getrocknet ist und das Nest daher zum Einsturz gebracht hat. Ich glaube ohnehin nicht, dass die Ameisen auf Dauer glücklich in dem kleinen Zweignest gewesen wären.


      Heute gabs eine Fliege, die sich dreister Weise auf mein Lehrbuch gesetzt hatte. Ich habe die verletzte Fliege einfach ins Becken geworfen und nach zwanzig Minuten mal nachgeschaut.



      Auffällig viele Soldaten und viele Arbeiterinnen hatten die Fliege erlegt und sie in einen Spalt neben dem Nest gezogen, wo sie jetzt zerlegt wird.
      Proteine werden von denen einfach in rauen Mengen angenommen.
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Da nicht viel passiert war, sollte mein heutiger Eintrag eigentlich nur ein kurzer sein mit einem Bild von der Fliegenfütterung.
      Danach war ich kurz essen, komme wieder und stelle fest, dass diesmal die Ameisen gut zu sehen an der Scheibe sind.




      Unter den vielen Ameisen waren auch zwei der Gynen, eine dritte konnte ich kurz sehen, aber zog sich schnell zurück.



      Auffällig ist, dass unter den Ameisen auch einige geflügelte Tiere sind. Ich denke, es dürften Junggynen sein, aber dagegen spricht, dass sie viel kleinere Köpfe als meine Gynen haben.Edit: Könnten natürlich auch Männchen sein, wie wirken auch irgendwie kleiner, als die Gynen! Auch scheinen sie noch recht hell zu sein, sie sind wohl noch nicht ausgehärtet.
      Mit einer starken Lupe gelangen mir dann noch ein paar für meine Verhältnisse tolle Fotos von diesen winzigen Ameisen.

      Der Blick durch die Lupe:


      DIe zwei Gynen. Unten rechts sieht man sehr gut eins der geflügelten Tiere.




      Zwei Ameisen fressen an einem Stück Insekt, eine trägt eine Larve und über ihnen thront ein Soldat.




      Wenn jemanden Ideen zu den geflügelten Ameisen hat, bitte hier melden! Die Köpfe irritieren mich echt.
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Ich experimentiere immer wieder mit neuen Futterquellen für meine Pheidole pieli.

      Ein kleines Stück Putenfilet, was beim Kochen an meinem Messer hängengeblieben ist, wurde sehr gerne angenommen.



      Auch der Dragon Food Traubenjelly sorgte anfangs für etwas Andrang, wurde dann aber recht bald langweilig.


      Girlitzsamen (extra im Wasser aufgeweicht) hingegen wurden vollkommen ignoriert. Diese Pheidole-Art scheint also nicht granivor zu sein. Trotzdem probiere ich es demnächst mal mit aufgeschnittenen Körnern etc.
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Pheidole pieli- meine Sorgenkinder?

      Ich muss es an dieser Stelle einfach sagen: Ich werde aus meinen Pheidole pieli einfach nicht schlau. Wenn mich jemand fragt, ob es ihnen gut geht oder gar wissen will, wie groß meine Kolonie ist, dann muss ich wahrheitsgemäß mit "Ich habe keine Ahnung" antworten.
      Das liegt zum einen daran, dass ich durch die Nestbeschaffenheit so gut wie keine Einsicht habe und zum anderen, dass sich die Pheidolen von Tag zu Tag anders benehmen.

      An manchen Tagen "lebt" der Boden förmlich und man kann an allen Stellen Ameisen entdecken. An anderen Tagen haben sie ihren Nesteingang mit kleinen Steinchen zugebaut und nur ganz wenige Ameisen furagieren. Nach meinen Beobachtungen scheint das auch mit der Luftfeuchtigkeit zusammenzuhängen. Wenn ich frisch "gieße", dann ist die Aktivität meistens (nicht immer) sehr hoch, wenn ich länger kein Wasser dazu gebe, dann nimmt zwar die Aktivität an der Tränke etwas zu, aber ansonsten ist weniger los.

      Gestern habe ich die Ameisen mit einer Grille gefüttert - eigentlich ist eine Fütterung immer Startschuss für viel Aktivität, aber die Grille (scheint) recht unbeliebt gewesen zu sein. Das hat mir dann zunächst echt Sorgen gemacht und ich habe wieder ein wenig gegossen. Heute habe ich eine Fliege (im Oktober?!) in meiner Wohnung gefunden und verfüttert.
      Das Bild war ein ganz anderes.

      Mehrere Soldatinnen (eine kann man hier auf dem Foto gut sehen) bewachten den Eingang, es furagierten soviele Arbeiterinnen, dass sich kleine Straßen ins Nachbarformicarium bildeten (das Substrat scheint ihnen zu gefallen, was sie da aber genau tun, weiß ich leider nicht)



      Die Fliege fand auch genügend Abnehmer. Nach etwa zwanzig Minuten war sie verschwunden, ich vermute, dass sie in das Nest geschleppt wurde.




      Wirklich mysteriöse, aber sehr spannende Ameisen. Würden sie Winterruhe halten, würde ich ihnen aber ein anderes Nest bauen, um mehr Einsicht zu erhalten, so bleibt mir aber wenig übrig, als mich mit dem zufrieden zu geben, was ich sehen kann. Aber nach Leviathans Aussagen zeigt eine große Kolonie von P. pieli ja einiges an Aktivität.

      Zum Thema Winterruhe:
      Sobald meine Messor ihr neues Becken erhalten haben, werde ich die Heizmatte immer kürzer anstellen und dann ab etwa Dezember für ein oder zwei Monate ganz auf sie verzichten und sie dann langsam wieder "aufdrehen". Dadurch sollte wenigstens das kleinste Gefühl eines Jahresrhythmus enstehen.
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Festmahl

      Vorgestern habe ich kurz vor dem Schlafen gehen an meinem Badezimmerfenster eine "Heuschrecke" gefunden, die ich nach kurzer Recherche am ehesten als weibliche gemeine Eichenschrecke (Meconema thalassinum) identifizieren würde. Da das Tier sehr weich war, stellte es in meinen Augen ein ideales Futter für meine Pheidole dar.
      Ich habe dann - wie üblich - den Kopfbereich mit einer Pinzette zerquetscht, um das Tier möglichst schnell zu töten, da ich Lebendfütterungen irgendwie unnötig finde ( und Eichenschrecken für Pheidole sicherlich auch nicht völlig ungefährlich sind). Trotzdem zuckten die Beine noch ab und an, als die Fütterung begann.
      Die Ameisen wurden davon fast schon magisch angezogen. In Sekundenschnelle waren viele Arbeiterinnen und auch ein paar Soldaten zur Stelle, um das Futter "ruhigzustellen". (Achtung: die folgenden Fotos wurden von mir in einem sehr, sehr müden und bettreifem Zustand gemacht)

      Auf dem Bild kann man bei einer Soldatin gut sehen, wofür diese da sind. Die Mandibeln sind sicherlich dazu geeignet, andere kleine Ameisen zu zerteilen. Ich schätze, dass auf dem Bild ca. 100 Arbeiterinnen mit der Eichenschrecke zugange sind.


      Die Ameisen entschieden sich dazu, die zuckenden Beine einfach vom Körper zu trennen.



      ich hätte die Ameisen wirklich gerne mehrere Stunden bei der Verwertung beobachtet, aber leider musste ich am nächsten Morgen früh raus. Etwa vier Stunden später bin ich aufgewacht und habe noch ein schnelles Foto gemacht.

      Die Extremitäten waren mittlerweile alle abgetragen und die Ameisen machten sich daran, die Schrecke auszuhöhlen.

      Morgens (weitere 4h später) habe ich dann bei einer Tasse Tee noch ein Foto gemacht. Mittlerweile war die Schrecke fast ganz ausgehöhlt, was man aber schlecht erkennen kann.


      Mittlerweile ist nurnoch ein kleiner Rest vorhanden.
      Sehr interessant fand ich bei der Fütterung, dass die Pheidole pieli mit einer großen Menge von Arbeiterinnen und Soldaten auf die zuckende Beute reagiert haben. Bei "normalen" Fütterungen mit "mausetoten" Insekten sind deutlich weniger Ameisen dabei und diese werden sehr viel langsamer rekrutiert.
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Ein kleines "Zwischenupdate":

      Meine Pheidole haben mittlerweile ein neues Becken bekommen, in dem sie ein Erdnest bauen können.
      Unten ist eine Schicht aus Seramis, in die zwei Schläuche füllen. Darüber ist eine 4:1 Mischung aus weißem Terrariensand (4) und weißem Lehmpulver (1). Auf ein Vlies um die Schichten zu trennen, habe ich verzichtet, da es in meinen Augen fast ein Ding der Unmöglichkeit darstellen würde, die Winzlinge am Durchkommen zu hindern.



      Bisher graben nur wenige Ameisen, das Verhalten lässt sich dabei in zwei Gruppen teilen:
      Die eine Gruppe hat in den beiden vorderen Ecken geradeaus bis ins Seramis gegraben und baut von da aus Gänge nach oben.

      Die andere Gruppe hat eine kleine Kammer gebaut.

      Das tolle ist: Alles findet direkt an der Scheibe statt und durch eine Lupe habe ich beste Sicht auf die "Bergbauaktivitäten". Ameisenhalter, was willst du mehr?
      Leider ist meine Kamera nicht so gut für extreme Makroaufnahmen geeignet, daher sind die Bilder nur mittelmäßig geworden.





      Von der Kammer ist mir kein gutes Bild gelungen, da sich meine Kamera weigerte, das Loch zu fokussieren.


      Der Rest der Ameisen scheint eine Art Winterruhe zu halten, da sie das alte Eingangsloch im YTONG verschlossen haben und wenig zu sehen sind. Um sicherzugehen, dass es den Ameisen aber nicht schlecht geht, habe ich eine Mücke gefüttert. Das folgende Bild entstand sehr kurze Zeit später und muss wohl kaum kommentiert werden.



      Den Ameisen geht es also gut und ich bin gespannt, wann sie umziehen.
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Heute nur ein ganz kleines Update.
      Die Ameisen bauen noch weiter an ihrem Erdnest, umgezogen sind sie noch nicht. Das alte Nest ist (noch) recht feucht, daher haben sie wohl noch keine Lust.

      Zu fressen gab es gerade einen Grillenkopf, um den die Ameisen einen Wall errichten und ihn regelrecht bewachen. Ich bin gespannt, was sie im Verlaufe der Nacht damit anstellen.
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    • Re: Pheidole pieli - Haltungsbericht

      Die Ameisen haben den erwähnten Grillenkopf übrigens eingebuddelt (und ich habe ihn daraufhin wieder ausgebuddelt), seitdem füttere ich größere, härtere Futtertiere nurnoch auf Kronkorken o.ä., ich will ein Ameisenbecken und keinen Grillenfriedhof.

      Ansonsten haben sich die Ameisen super in dem neuen Becken eingelebt, ich habe die alten Becken beide entfernt. Ich denke, dass das Becken erstmal eine Weile reichen wird, da die Ameisen ja wirklich winzig sind.

      Seitdem ich Inverzucker statt einem Honig-Zuckergemisch füttere, wird viel mehr Futter angenommen. Außerdem habe ich mittlerweile wieder eine Heizmatte angebracht, die aktuell nur zwei Stunden am Tag läuft, in der Zeit kann man dann aber ein hohes Maß an Aktivitätszuwachs erkennen. Die Ameisen merken also, dass der Winter langsam vorbei ist.

      Aber auch außerhalb der Stoßzeiten ist viel los, wenn man füttert.



      Interessant ist, dass manche Soldaten gar nicht beim Zerteilen der Beute helfen, sondern scheinbar aufpassen. Außerhalb des Nestes haben die Soldaten meistens recht kleine Gaster, während innerhalb des Nestes die Soldaten durchweg größere Gaster haben. Sie scheinen also auch eine Art "Speichertier"-Funktion zu haben. Leider ist es bei der Größe schwer, die Soldaten zu markieren. Wäre sonst sicher spannend zu sehen, ob immer die gleichen Soldaten zum Fressen kommen.



      Obwohl ich ein Erdnest nutze, habe ich durchaus Nesteinsicht. Die Ameisen scheinen gerne an der Scheibe entlangzubuddeln, das Licht stört sie dabei nicht. Darüber hinaus haben sie regelrechte Hallen an der Seite mit der Heizmatte angelegt. So kann ich Einblicke in ein "echtes" Pheidolenest erlangen. Mich überrascht die Größe der Kammern.



      Hier sieht man übrigens auch gut, warum sie so zahlreich über die angebotenen Proteine herfallen.
      Eine große Menge an Larven und Puppen wird direkt an der Scheibe gelagert, im Hintergrund sieht man eine der Königinnen und auch ein paar Soldaten mit den beschriebenen großen Gastern neben einem Soldaten mit normaler Gaster.




      Im Becken leben mittlerweile auch ein paar tropische Springschwänze. Als ich sie dazu setze, sorgte das für eine große Unruhe im Becken, da die Pheidole sofort Jagd auf die Tierchen machten, dabei aber relativ unerfolgreich waren. Mittlerweile scheinen sie sich mit ihren neuen Mitbewohnern abgefunden zu haben und es kommt nicht mehr zu Hetzjagden. Inzwischen habe ich ein paar mal versucht, die Ameisen mit lebenden Tieren zu füttern. Lebende Silberfischchen stellen genau wie kleine, lebende Schaben kein Problem für die wuseligen Jäger dar. Gerade bei den flinken Silberfischchen kann man gut nachverfolgen, wo der Fluchtweg langführte. Vermutlich durch eine Pheremonspur geführt, führt eine kleine Ameisenstraße kreuz und quer durchs Becken bis zu der Stelle, an der das Silberfischen gestellt wurde.

      Insgesamt gefällt mir die Kolonie im Erdnest jetzt deutlich besser und ich bin gespannt, wie sich die Kolonie entwickelt, wenn die Heizmatte den halben Tag läuft...
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