Crematogaster scutellaris und Camponotus lateralis

    • Crematogaster scutellaris und Camponotus lateralis

      Hi,

      seit Spätsommer letzten Jahres bewohnt zusätzlich zu meiner Camponotus lateralis Kolonie auch noch eine kleine Crematogaster scutellaris Kolonie das Becken.

      Da sie auch in der freien Natur öfters recht dicht zusammenleben (aber in getrennten Nestern) und die Camponotus lateralis dabei die Nahrungsquellen der Crematogaster ausbeuten und sogar deren Duftspuren folgen, hat es mich gereizt das ganze im Formikarium umzusetzen.

      Heute kam es dann zu dem ersten Kontakt an der Futterstelle.

      Zunächst will ich ein kleines Video zeigen, das ich etwas früher aufgenommen habe, leider haben die Camponotus die Schabe recht schnell weggeschleppt, daher ist es auch nur recht kurz.



      Wie man sieht, läuft das ganze recht friedlich ab.

      Folgendes ist mir bis jetzt aufgefallen (leider sieht man in dem kurzen Video dieses Verhalten nicht bzw. nur kurz):

      • Camponotus lateralis Arbeiterinnen zucken schnell zurück, wenn sie eine Crematogaster scutellaris Arbeiterin bemerken, sind aber wieder recht schnell an der Futterquelle
      • Crematogaster scutellaris Arbeiterinnen reagieren viel entspannter, sie bewegen sich kaum, wenn sie Kontakt mit einer Camponotus Arbeiterin hatten, aber ihre Gaster wippt leicht und die Mandibeln werden etwas geöffnet
      • Vor allem die Camponotus lateralis Arbeiterinnen sind sich sehr der Präsenz der anderen Ameisenart bewusst
      • Die Camponotus lateralis Kolonie weicht der Crematogaster scutellaris Kolonie aus, so zogen sie aus dem Nestblock aus, als die Crematogaster scutellaris Kolonie auf der anderen Seite eine kleine Kammer bezog.


      Von einer späteren Fütterung habe ich dann noch ein paar Bilder gemacht.

      An der Schaben fanden sich recht schnell zwei Crematogaster scutellaris und zwei Camponotus lateralis Arbeiterinnen ein:



      Nahaufnahmen einer Crematogaster scutellaris Arbeiterin:



      Zwei Camponotus lateralis Arbeiterinnen machen sich an der Schabe zu schaffen:

    • Re: Crematogaster scutellaris und Camponotus lateralis

      Mittlerweile leben die Camponotus lateralis in einem kleinen Gipsnest.



      Der transparente Kunststoff, der als Scheibe dient, ist der Boden einer Obstschale. Ich dachte mir, dass diese doch ganz nett zum Gipsnestbauen wäre, weil man so direkt einen passgenauen, völlig transparenten und lebensmittelechten Deckel hat.

      Also habe ich einfach mit Knetmasse die Gänge und Kammer vorgegeben und ein Stück Schlauch auch noch mit befestigt. Nachdem ich dann den Gips reingegossen hatte und dieser ausgehärtet war, habe ich einfach den Rest der Schale mit einem Teppichmesser abgeschnitten, so dass nur noch so viel von der Schale überig war, dass das Gipsnest schön abgedeckt ist.

      Wie man auch sieht, war ursprünglich noch geplant ein paar kleine Vertiefungen anzulegen, wo man dann Wasser reingeben kann. Aber ich habe mich dann doch für die Befeuchtung von unten über eine Schale entschieden. Wobei letztlich diese ganzen Überlegungen eh hinfällig waren, da sie erst in das Gipsnest zogen, als es völlig ausgetrocknet war... Die Ameisen mögen es wirklich schön trocken und warm.

      Aber genug von den Bauerfolgen eines Menschen mit zwei linken Händen ;)

      Derzeit werden etwa fünf der Kammer genutzt:



      Die folgenden Bilder zeigen die einzelnen Kammern vergrößert:



      In der Kammer, in der sich auch die Gyne meistens aufhält, werden hauptäschlich Puppen gelagert:



      Wie man an den Bildern sieht, ist wirklich recht viel Brut vorhanden und ich denke, dass sie dieses Jahr ein ordentliches Wachstum hinlegen werden ;).
    • Re: Crematogaster scutellaris und Camponotus lateralis

      Mittlerweile sind die Larven, die man oben sieht, größtenteils zu Puppen geworden und aus einigen schlüpften bereits neue Arbeiterinnen.



      Auch sind wieder einige Larven vorhanden:



      Zum Thema Konkurrenzkampf kann ich sagen, dass die Camponotus lateralis so gut wie immer jede Schokoschabe sichern, die ich anbiete.

      Selbst die, welche ich direkt neben dem Nesteingang der Crematogaster scutellaris gelegt habe, werden kurze Zeit später von den Camponotus lateralis Arbeiterinnen "erobert".

      Der Grund, warum die Camponotus lateralis so erfolgreich zu sein scheinen, liegt sicher derzeit größtenteils an der Koloniegröße, die immer noch um ein vielfaches die der Crematogaster betragen dürfte.

      Weiterhin liegt es aber auch vermutlich an der unterschiedlichen "Verwertungsstrategie" der beiden Arten. Während die Crematogaster scutellaris Futterinsekten an Ort und Stelle zerlegen und wirklich nur sehr kleine Stückchen immer ins Nest transportieren, scheuen die Camponotus lateralis nicht davor zurück die Futterinsekten im ganzen Stück in Richtung Nest zu transportieren.

      Gerade, wenn viele Futterinsekten angeboten werden, konnte ich allerdings auch beobachten, dass sie diese zwar nicht in das Nest trugen, aber vom Nesteingang der Crematogaster scutellaris entfernen. Dadurch haben es die Crematogaster scutellaris derzeit sehr schwer gut an Proteine zu kommen. Ich muss ihnen sehr kleine Nymphen anbieten, damit sie diese in das Nest zerren und in Ruhe zerlegen können.

      Ein typisches Bild: Die einzelne Crematogaster Arbeiterin (rechts oben) hat das Nachsehen und die Camponotus lateralis Arbeiterinnen besetzen das Futterinsekt und zerren es weg.


      An den anderen Schaben konnte ich auch nur noch Camponotus lateralis Arbeiterinnen sehen:



      Es kommt allerdings auch weiterhin zu keinen ernsthaften Angriffen. Ab und an wird mal etwas "geschnappt" oder die Crematogaster strecken ihre Gaster in Richtung der Camponotus lateralis, aber dass eine Ameise festgehalten und gezerrt wurde, konnte ich bis jetzt noch nicht beobachten.

      Ich werde aber wohl erst einmal die Crematogaster scutellaris Kolonie wieder aus dem Becken nehmen und erst einmal getrennt halten, damit diese eine gewisse Größe erreichen kann. Ich befürchte nämlich, dass die Kolonie sonst mangels Proteinen nur sehr langsam wachsen wird.
    • Re: Crematogaster scutellaris und Camponotus lateralis

      Das letzte Update ist ja jetzt auch schon einige Zeit her, daher werde ich heute mal wieder ein bisschen was über die zwei Kolonien schreiben. Wobei eigentlich nur über die Camponotus lateralis, denn von den Crematogaster sehe ich immer noch so gut wie nichts und es ist auch schwer sie vor die Linse zu bekommen.

      Das Gipsnest wird von den Camponotus mittlerweile nahezu vollständig bewohnt:



      Es dürften wohl mittlerweile ein paar hundert Arbeiterinnen vorhanden sein. In so gut wie jeder Kammer befindet sich Brut. Vor allem Larven sind viele vorhanden, aber auch Eier und einige Puppen:



      Auch der Gyne geht es gut, leider hat sie sich einen ziemlich verdreckten Teil der Scheibe ausgesucht:



      Major-Arbeiterinnen sind auch einige vorhanden, aber es ist nicht so leicht sie bei den vielen Arbeiterinnen auszumachen:



      Ähnlich wie MrCamponotus konnte ich auch schon einige tote Arbeiterinnen im Becken liegen sehen. Teilweise werden diese auch längere Zeit umhergetragen. Aber solange so viel Brut aufgezogen wird, ist das denke ich eher normal.

      Ich bin ja gespannt, wie groß die Kolonie noch werden wird. Die Art soll ja recht kleine Kolonien bilden (nur einige hundert Arbeiterinnen maximal), also dürften wohl nicht mehr all zu viele Arbeiterinnen dazu kommen.

      Evtl. noch eine Bemerkung zum verwendeten Kunststoffglas: Das ganze ist ja wie bereits gesagt der Boden einer Obstschale. Ich bin immer noch recht begeistert, wie schnell man so ein schönes Gipsnest bauen kann. Allerdings zerkratzt das Glas sehr sehr schnell (aber das kenne ich auch so vom Bastelglas), daher werde ich wohl in Zukunft nur noch echtes Glas verwenden.
    • Re: Crematogaster scutellaris und Camponotus lateralis

      Wie ich ja bereits geschrieben habe, sind die Camponotus lateralis einfach zu gut darin den Crematogaster die Futterinsekten wegzuschnappen und in Sicherheit zu bringen. Da die Crematogaster Kolonie noch recht klein ist, haben sie einfach nicht genügend Arbeiterinnen, um ein Futterinsekt dauerhaft zu besetzen und zu verteidigen.

      Die zwei Ameisenarten haben ja unterschiedliche Strategien, was das Eintragen von Proteinen angeht. Während Crematogaster alles an Ort und Stelle zerlegt (selbst Fliegen, die sie normalerweise zum Nest tragen könnten), schleppen die Camponotus auch gerne die Insekten in ihr Nest. Vermutlich ist das auch die Schwachstelle der Crematogaster, die die flinken Camponotus in der freien Natur ausnutzen, um Futterinsekten zu stehlen.

      Daher lebt die Crematogaster scutellaris Kolonie erst einmal seit heute getrennt von den Camponotus lateralis, bis die Kolonie größer geworden ist. Das Stück Holz in dem sie derzeit nisten, habe ich in eine Plastikbox getan:



      Auch teste ich dort einmal Talkum als Ausbruchsschutz. Normalerweise verwende ich ja Öle, aber die halten bei diesen Kunststoffboxen nicht lange.

      An einer kleinen Fliege, die ich ihnen anbot, befand sich schon nach kurzer Zeit eine Arbeiterin, die damit begann die Fliege zu zerlegen. Wären die Camponotus lateralis noch in dem Becken, hätten sie die Fliege nach kurzer Zeit wohl in ihr Nest eingetragen und die Crematogaster hätten nur kurze Freude an der Fliege gehabt.

    • Re: Crematogaster scutellaris und Camponotus lateralis

      Die letzten Tage waren die Crematogaster scutellaris unentwegt damit beschäftigt ihr Nest zu erweitern. Da dachte ich mir,dass ich doch ein paar Fotos vom Nestbau machen könnte.

      Beim Umstellen der Box rollte der morsche Ast, den die Ameisen bewohnen, leider etwas umher, daher flüchteten die meisten Ameisen sofort in das Nestinnere. Nur eine Arbeiterin hat es nicht mehr schnell genug ins Nest geschafft, daher presste sie sich stattdessen eng an das Holz und rührte sich schicksalsergeben nicht vom Fleck. Anstatt ihr etwas zu tun nutzte ich aber lediglich die Gelegenheit eine schöne Nahaufnahme der Arbeiterin zu machen:



      Kurze Zeit später schienen sich die Arbeiterinnen wieder etwas beruhigt zu haben und die erste klärte die Lage, indem sie vorsichtig aus dem neu angelegten Nestausgang spähte:



      Als die Luft rein war, machten sich so gleich mehrere Arbeiterinnen wieder an die Arbeit und trugen feine Holzspäne aus dem Nestinneren in Richtung Rand des Astes:



      Am Rand angekommen entledigten sie sich schnell der Last:



      Das Ergebnis der letzten Tage ist wirklich beachtlich:



      Da ist es auch nicht verwunderlich, dass so mancher Ameise die Arbeit zu Kopf steigt: