Ansiedlung von Wespen

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    • Ansiedlung von Wespen

      Hallo,
      Ich würde gerne ein Wespennest bei mir ansiedeln, speziell Polistes dominula, da diese ja weniger aggressiv sind.
      Ich hab auch schon einen geeigneten Platz, wo die Wespen ungestört wären. Garten und Wald sind vorhanden, sodass sie sich auch gut selbst versorgen können. Ich habe mir das folgendermaßen vorgestellt: Außen am Fenster befestige ich einen stabilen Pappkarton (ist vor Regen geschützt) mit Ein- und Ausfluglöchern. Durch die Scheibe könnte ich die Wespen beobachten. Die Wespen sind also nicht eingesperrt, sondern können nach belieben rausfliegen (also eine Freilandhaltung). Meine Frage wäre: Wenn ich ein Anfangsnest mit Königin gefunden habe, wie siedel ich das Nest um,ohne es zu beschädigen? Freue mich über Tipps und Anregungen. Bin um jede Hilfe froh ;)
      LG Tobias
    • Re: Ansiedlung von Wespen

      Ok, danke für die Antwort.
      Erstmal muss ich natürlich ein Nest finden. Vorsichtig werd ich natürlich sein, will die Tiere so wenig wie möglich unter Stress setzten. Polistes sind zwar friedfertig, aber am Nest muss man schon auf Nummer sicher gehen. Wer hat Erfahrung im Ansiedeln von Wespen? Hab auch überlegt so einen Pappkarton zu befestigen und zu warten bis was kommt, dann wär aber natürlich die Warscheinlichkeit relativ groß, dass auch aufdringliche Arten wie die gemeine oder die deutsche Wespe sich einnisten. Der Standort ist zwar so, dass ein gewisser Abstand gewährt ist, aber mir sind friedliche Arten lieber. Hab auch schon an einen Hornissenkasten gedacht (Hornissen darf man natürlich nicht selbst umsiedeln), nur dabei lassen die Hornissen sich nicht gut beim Nestbau beobachten. Habe übrigens auch eine Nisthilfe für Grabwespen im Garten, die gut angenommen wird, sind jetzt zwar nicht mit sozialen Wespen zu vergleichen, aber die solitären Arten faszinieren mich genauso.
      Liebe Grüße Tobias
    • Re: Ansiedlung von Wespen

      Hallo Hornissenkopf,
      und :welcome: im eusozial!

      Ich bin leider kein Wespenexperte, sondern nur einer, der seinen Senf dazugeben will.
      Eigentlich eine tolle Idee, was du da vorhast, aber, solltest du das nicht schon geplant haben,
      müsstest du das Fenster mit einem Papier von innen abdunkeln, damit es
      die Wespen dunkel haben. Das Papier könntest du dann zum hineinschauen abnehmen.
      Das bezieht sich aber nur auf die Ameisen, ich weiß nicht, ob das bei Wespen auch so ist (ich vermute es aber stark).
      Liebe Grüße,
      Moudebouhou


      P.S.:Es kann gut sein, dass diese Antwort falsch ist.
      Ich übernehme dafür keine Haftung ;) .
      Aber für Verbesserungen bin ich offen.
      Ich weiß, dass gleich ein Besserwisser kommt und mich richtigstellt.
      Vielen Dank dafür!
    • Re: Ansiedlung von Wespen

      Feldwespen sind fast so etwas wie Freinister.
      Einige Arten befestigen ihre Nestwaben frei an Pflanzenstengeln, in der prallen Sonne. Polistes dominulus bevorzugt eher den Halbschatten bis Schatten. Die nisten oft unter Dachvorsprüngen, Dachziegeln, manchmal irgendwelchen Blechen an Dächern und Schuppen etc.. Nie aber nisten diese Arten in kleinen Höhlen und nie erweitern sie solche Höhlen, etwa Erdhöhlen wie die Kurzkopfwespen.
      Sie "wollen" es also luftig, sogar hell und sonnig haben und bevorzugen gute freie Anflugmöglichkeiten und nur kurze "Fußwege" zum ja manchmal etwas versteckten Nest. Es darf auch sehr warm werden, wie gesagt, manchmal nisten die unter voll besonnten Blechen oder Dachziegeln. Die Polistes, also die Feldwespen verstehen es, Wasser in großen Mengen zum Nest zu transportieren und das Nest damit und mit dem Flügelfächeln (Verdunstungskälte) zu kühlen. Feldwespen kommen, dank dieser Geschicklichkeit mit hohen Temps sehr gut zurecht, schlechter jedoch mit zu niedrigen Temperaturen, weil die Nesthülle fehlt, weil es immer nur wenige Imagines sind auf dem Nest, die das Nest nur wenig mit Körperwärme beheizen können.
      Das heisst also, der Standort sollte sonnig sein, möglichst mit Morgensonne, Feldwespen richten ihre Nester zB. an Pflanzenhalmen fast immer in unseren gemäßigten Breiten gen Osten, zur Morgensonne aus und nutzen so die frühe Wärme eines Sommertages.

      Feldwespen künstlich ansiedeln ist zugleich einfach und schwer.
      Die Tiere sind friedlich, gut zu händeln, stechen nur im Notfall und ihr Stich ist wenig schmerzhaft.
      Aber leider verfliegt sich eine Jungkönigin oft nach dem Umsetzen im neuen Revier. Am besten am Abend umsetzen, so spät, dass die Wespe erst am nächsten Morgen ausfliegt, dann wird sie gewissenhafte Orientierungsflüge machen, ohne die sie sich unweigerlich verfliegen wird. Fliegt sie am Tage aus, an einem gleichen Tage also an dem sie noch im Heimatrevier unterwegs war, kann es geschehen, dass die Wespe es nicht bemerkt, dass sie in einer neuen Umgebung ist und den Orientierungsflug "vergisst". Sie "weiß" ja beim Abflug noch nicht, dass sie sich in einer neuen Umgebung befindet.

      Dieser "Tipp" hilft übrigens bei jeder Nestumsetzung fliegender sozialer Hymenopteren. Auch wenn bereits Arbeiterinnen vorhanden sind und mit umgesetzt werden, kann erstes Ausfliegen am Morgen dabei helfen, die Verluste durch sich verfliegende Arbeiterinnen zu minimieren. Am Morgen machen die jungen Königinnen oder die Arbeiterinnen einfach eher einen Orientierungsflug, wenn sie das Nest verlassen und bemerken dann, dass sie sich in einer neuen Umgebung, die noch unbekannt ist, befinden, was wiederum dazu führt, dass sie sich die neue Umgebung noch gewissenhafter ansehen.

      Aber man sollte nun nicht auf die Idee kommen, die Wespen bis zum nächsten Morgen einzusperren. Das geht nach hinten los, ich habe in früherer Zeit schon leidvoll miterlebt, wie Hornissen im Drang, das Nest zu verlassen, es zerstörten.
      Will man ein Nest umsetzen, ist es am besten, am späten Abend, wenn auch alle Tiere daheim sind, die Kolonie einzusammeln und sie an den vorbereiteten Ort zu bringen.
      Das kann sehr schwierig und heikel sein, je nach Art der Wespen...:D

      Noch etwas. Wespen haben einen Flugradius von zwei bis fünf Kilometern. Das heißt, sie kennen die Umgebung ihres Nestes in etwa dieser Ausdehnung. Damit die Tiere nicht immer wieder an den alten Standort fliegen und um sicher zu gehen, dass das vermieden wird und die Tiere so verloren gehen, sollte man eine Kolonie möglichst über noch größere Entfernung in eine für sie völlig neue Umgebung umsetzen.

      Sorry für das langatmige Getexte...

      LG, Frank.
    • Re: Ansiedlung von Wespen

      Diese beiden Arten zählen nicht unbedingt zu den häufigsten Arten unter den heimischen Faltenwespen. Schon daher dürfte es schwierig sein, Anfangsnester zu finden. Vespula rufa nistet ausschließlich in Erdhöhlen, die Art ist bei der Nistplatzwahl weit weniger variabel als die anderen heimischen Kurzkopfwespen, V. germanica und V. vulgaris.
      Dolichvespula media ist stellenweise sehr selten und gehört eigentlich streng geschützt. Ich würde davon abraten, Nester dieser Wespe zu entnehmen und umzusiedeln, wenn man wenig Erfahrung hat. Jeder Verlust eines potentiellen Volkes durch missglücktes Umsiedeln eines Anfangsnestes ist ein großer und unnötiger Verlust für die Population.

      Wenn es denn Echte Wespen sein müssen, würde ich versuchen, nach Anfangsnestern der Deutschen Wespe (V. germanica) oder der Gemeinen Wespe (V. vulgaris) zu suchen. Die findet man in Erdhöhlen, manchmal in Schuppen etc., an dunklen Stellen. Aber die Kolonien werden groß und volkstark, man sollte also wissen, was man tut und was einem im Sommer erwartet.

      LG, Frank.
    • Re: Ansiedlung von Wespen

      Ok, danke Frank,
      dann versuch ich doch lieber ein Anfangsnest von Polistes zu finden ;) . Wollte mich halt einfach nur mal erkundigen, ob es da auch bei anderen Arten Erfahrungen gibt. Ich möchte da nichts Riskieren und eine Population gefährden, das will ich auf keinen Fall.
      Liebe Grüße
    • Re: Ansiedlung von Wespen

      "Markamur" wrote:

      Ich schreibs mal hier.
      Heute auf unserem Balkon...
      Leider hat meine Frau die Koenigin rausgeschmissen und die Nestanfaenge zerstoert.


      Na dann ist sie jetzt wohl wieder Deine einzige im Haus ;)

      Wir haben anscheindend immer wieder welche unterm Dach. Hab zwar bis jetzt noch keine gesehen, kann aber noch werden.
      Etliche leere Nester zeugen davon.
      LG Franz