Odontoponera spec. - Gründungsbericht

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    • Odontoponera spec. - Gründungsbericht

      Odontoponera spec. - Gründungsbericht



      Die zur Unterfamilie der Ponerinae gehörige Gattung Odontoponera umfasst die beiden Arten O. denticulata und O. transversa. Beide sind in Südostasien beheimatet. Die Kolonien dieser Ameisen werden nur wenige hundert Individuen stark und leben in Erdnestern. Die Gründung erfolgt semiclaustral. Wie bei Urameisen üblich sind die weiblichen Tiere mit einem Wehrstachel ausgestattet. Arbeiterinnen erreichen eine Größe von 9-12 mm. Die Königinnen gleichen vom Aussehen her den Arbeiterinnen, sind aber mit 11-13 mm etwas größer. Sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtstiere sind geflügelt. Markant ist weiterhin der relativ große Kopf dieser Tiere.

      Diese Ameisen erjagen aktiv Beute, aber auch Aas wird nicht verschmäht. Weiterhin sind sie sehr wehrhaft. So verteidigen sie ihre Nester nicht nur erfolgreich gegen Treiberameisen der Gattung Dorylus, sie machen sogar selbst Jagd auf diese. Sowieso besteht gut die Hälfte der Beute aus anderen Ameisen und Termiten.

      Erhalten habe ich eine Königin mit Brut (ca. 8 Eier) in einer kleinen Dose. Ich bot ihr direkt ein RG an, in welches sie auch innerhalb weniger Minuten umzog. Dieses liegt in einer kleinen Plastik-Box mit einem Bodengrund bestehend aus einer Sand-Lehm-Mischung:



      Da die Ameisen dieser Gattung nicht auf glatten Flächen laufen können (selbst ebene machen ihnen schon Probleme), habe ich extra ein Stück Pappe in das RG gelegt. Was den Ausbruchsschutz angeht, ist diese Tatsache natürlich sehr vorteilhaft.

      Momentan steht die Box an einem dunklen und ruhigen Ort. Bei aktuellen Temperaturen von 25-27°C in meiner Wohnung verzichte ich auf eine zusätzliche Wärmequelle. Als Futter steht Invertzucker-Sirup bereit. Mit dem Auftreten der ersten Larven biete ich natürlich auch Proteine an.

      Soviel erst einmal für den Moment. Ich hoffe hier in Kürze dann weiterhin über eine erfolgreiche Gründung berichten zu können.

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    • Re: Odontoponera spec. - Gründungsbericht

      Leider gab es bei der Gründung einen Rückschlag: Aus den Eiern hatten sich drei Larven entwickelt, die dann aber alle plötzlich starben. Über den Grund kann ich nur rätseln; da es aber gerade zu der Zeit war, als die extrem hohen Temperaturen herrschten, könnte es vielleicht mit diesen zusammenhängen.

      Mittlerweile hat die Königin aber wieder einen Haufen neuer Eier gelegt:



      Daher bin ich guter Hoffnung, dass die Gründung vielleicht doch noch gelingt.

      Momentan füttere ich die Königin 1-2 Mal die Woche mit einer Goldfliege, die dann auch immer sehr gut angenommen wird. Zur Zeit als die Larven vorhanden waren, hatte ich alle 2-3 Tage gefüttert. Ich habe auch schon andere Futtertiere wie kleine Heimchen angeboten, doch wenn die Königin die Wahl hatte, wurde immer die Goldfliege bevorzugt.

      Ab und an biete ich zwar auch Invertzucker-Sirup an, konnte aber noch nie beobachten, ob dieser auch angenommen wird. Die vorwiegende Nahrung scheint also aus Proteinen zu bestehen.

      Da es sich momentan ja merklich abgekühlt hat, halte ich die Temperatur mit einer kleinen Heizfolie auf ca. 25°C.

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    • Re: Odontoponera spec. - Gründungsbericht

      Bei dieser Gründung ist wirklich Geduld gefragt. Heute, knapp vier Monate nach Beginn dieses Berichtes, ist endlich die erste Arbeiterin geschlüpft. Hierbei betrug alleine der Zeitraum Puppe --> Imago fast fünf Wochen. Diese Arbeiterin war auch die einzige, die von der Königin großgezogen wurde. Zwar legte sie immer wieder Eier, diese wurden dann aber jedes Mal alsbald wieder gefressen. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Da aber seit einiger Zeit keine Eier mehr gefressen wurden, vermute ich, dass sie einfach als Nahrung für die Larve dienten.

      An den Haltungsbedingungen habe ich nichts verändert. Auch verfüttere ich weiterhin ungefähr alle drei Tage eine Goldfliege oder ein kleines Heimchen. Da die Königin nun nicht mehr alleine ist, hoffe ich einfach mal, dass es jetzt etwas besser vorangeht.

      Hier noch Bilder von der ersten Arbeiterin:



      Und abschließend ein kurzes Video:



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    • Re: Odontoponera spec. - Gründungsbericht

      Das letzte Update für diesen Haltungsbericht in nun schon einige Monate her. Leider ist die Kolonie seitdem nicht wirklich vorangekommen. Es waren zwar immer wieder Eier und Larven vorhanden, doch diese verschwanden jedesmal, wurden also wohl gefressen. Eine wirkliche Ursache konnte ich nicht feststellen, vor allem da die Haltungsbedingungen meiner Ansicht nach eigentlich passen sollten. Allerdings fiel mir auf, dass an angebotenen Futtertieren zwar immer Fraßspuren zu sehen waren, sie aber nur in den seltensten Fällen ins Nest eingetragen wurden, was für das Füttern der Larven natürlich notwendig wäre, da diese Art keine Trophallaxis betreibt.

      Also entschloss ich mich dazu Futtertiere nur noch direkt im Nest (also dem Reagenzglas) anzubieten. Von da an stieg der Proteinbedarf rasant an und ich konnte bei jeder Kontrolle Larven beim Fressen beobachten.



      (Dieses Video gab es auch schon im Video-der-Woche-Thread zu sehen.)

      Der aktuelle Stand der Kolonie: 1 Königin, 1 Arbeiterin sowie 5-6 Larven und eine Puppe.



      Ich hoffe nun einfach, dass es jetzt wirklich vorangeht. Auch wenn ich gerne wüsste, warum außerhalb des Nestes angebotene Proteine nicht bzw. kaum eingetragen werden? Dieses merkwürdige Verhalten konnte ich auch schon bei anderen Gründungskolonien (z. B. Camponotus cruentatus und Messor aciculatus) beobachten. Sobald dann aber die Proteine direkt im Nest angeboten wurden, nahmen die Ameisen sie sofort an. Manchmal sind es eben rätselhafte kleine Krabbeltierchen...

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    • Re: Odontoponera spec. - Gründungsbericht

      Auch wenn die Entwicklung bei dieser Kolonie weiterhin im Schneckentempo vonstattengeht, gibt es nun wenigstens sichtbare Erfolge: Mittlerweile ist die Zahl der Arbeiterinnen auf 3 gestiegen. Weiterhin ist noch eine Puppe vorhanden, aus der in den nächsten Tagen die vierte Arbeiterin schlüpfen sollte, dazu kommen noch etliche Eier/kleine Larven und komische Objekte (dazu später mehr):



      Bei nahezu konstanten 23-25 °C beträgt alleine das Puppenstadium gut 5 Wochen. Für die Dauer vom Ei bis zur Puppe habe ich leider keine Daten, aber insgesamt dürften vom Ei bis zur Imago wohl locker 2-3 Monate vergehen.

      Futtertiere biete ich weiterhin direkt im Nest an, wo sie auch immer gut angenommen werden. Nach dem letzten Beitrag hatte Phil mir den Tipp gegeben, das lebendes Futter vermutlich besser angenommen werden würde. Dies werde ich bei nächster Gelegenheit auch testen. Mein eingefrorener Vorrat neigt sich sowieso langsam dem Ende entgegen.

      Auch kann kann ich bei dieser Kolonie immer wieder "komische Brut" entdecken. In den bisherigen Beiträgen hatte ich dies bislang immer vergessen anzusprechen:



      Diese bernsteinfarbenen Objekte habe die Größe von gewöhnlichen Eiern, weshalb ich Anfangs an frisch geschlüpfte Larven dachte. Allerdings scheint sich aus diesen Objekten nichts zu entwickeln. Eine weitere Vermutung wären Trophische Eier. Vielleicht weiß hier jemand, worum es sich genau handelt.

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    • Nach der erfolgreichen Gründung hat Diffeomorphismus mir die Ameisen zur weiteren Pflege gesandt. Sie leben jetzt nicht mehr in einer kleinen Box, sondern in einem 30x20x20 Becken, welches ich mit Seramis und einem großen Lavastein mit vielen Löchern ausgestattet habe. So möchte ich - neben einer hohen Temperatur durch die Abwärme meines Cataglyphisbeckens - für eine stetige hohe Luftfeuchtigkeit ohne Schimmelrisiko sorgen. Eventuell werde ich auch noch Springschwänze hinzusetzen.

      Die Ameisen sind umgehend aus ihrem Reagenzglas in und unter den Lavastein gezogen, sodass ich natürlich keine Einsicht habe, sie aber bessere Wahlmöglichkeiten hinsichtlich der Bedingungen haben. Ich hoffe, dass ich an Diffeos erfolgreiche Gründung anknüpfen kann und bald eine florierende Kolonie dieser wirklich schönen Ameise haben werde!

      Fotos folgen bei Gelegenheit, im Moment muss ich noch die Feuchtigkeit in dem Becken einpendeln und ein wenig herumexperimentieren. Eine neue Arbeiterin (noch unausgehärtet) konnte ich aber schon entdecken!
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot