Formica cinerea jagt koordiniert?

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    • Formica cinerea jagt koordiniert?

      Hallo Leute,

      ich habe eine Art gefunden die als einheimische Art und auch zu halten wohl ziemlich unterschätzt wird. Die Informationen die ich über diese Art fand faszinieren mich echt sehr. Es handelt sich hierbei um Formica cinerea.

      Im Buch: Ameisen Beobachten,Bestimmen von Seifert steht, dass Formica cinerea aggressiv sein soll und Überwältigt und transportiert im Unterschied zu den Arten der fusca-, rufibarbis Gruppe mit mehreren Arbeiterinnen auch größere Beutetiere in kooperierenden Gruppen von mehreren Arbeiterinnen.

      Das klingt ja mal interessant, da ich selbst schon Formica cunicularia und Formica fusca gehalten habe und diese eher scheu waren und kaum auf Lebendfutter losgingen, wundert mich diese Aussage sehr. Hat jemand von euch schonmal eine größere Kolonie dieser Art gehalten?

      Laut antstore.de sollen die Kolonien bis zu 10.000 Arbeiterinnen groß werden was ich bei einer Serviformica Art kaum glauben kann aber da steht es wirklich.

      Falls jemand von euch schon einmal Kolonien in der Natur beobachten konnte oder selbst mal eine gehalten hat könnte er mir gerne seine Erfahrungen mitteilen. Ich sah in Österreich 3 Kolonien von denen und die schienen flink und sehr Verteidigungsfreudig am Nesteingang zu sein aber mehr als ein paar hundert hätte ich die Kolonien nicht geschätzt, beim jagen sah ich die auch nie. Das einzige was ich mal sah waren tote Manica rubida Arbeiterinnen die sie rumgetragen haben, dass heißt eine gewisse Aggression sollte schon bei ihnen vorhanden sein. :cool:


      Gruß,

      Marcel
    • Re: Formica cinerea jagt koordiniert?

      Hallo Marcel,

      ich selber halte eine kleine Kolonie mit 10-15 Arb. Allerdings, so wie ich die Kolonien in der Natur beobachten konnte, sind es zumindest im Gegensatz zu anderen Serviformica Arten richtige Kampfmaschinen. 2 Kolonien beobachte ich schon Jahre. Eine die Nähe meines Wohnortes lebt in einem Erdhügel (vom Menschen errichtet), lebt in unmittelbarer Konkurenz mit Lasius flavus, Lasius niger, Myrmica sp., Formica fusca, sanguinea und hat dabei absolut die Oberhand. Sie töten GEFÜHLT alle Geschlechtstiere der anderen Kolonien und sind noch Meterweit ihres Mutternestes zu finden. Ich schätze die Koloniegrösse auf 2000-3000 Arbeiterinnen. Die andere Kolonie lebt in Südpolen. Über sie weiß ich nicht so viel, ebenfalls ist mir ihr Neststandort unbekannt. Jedenfalls findet man sie im ganzen Park. Sie gehen mit einer unglaublichen Aggressivität vor und ich konnte sogar ein Tauzieh Duell mit einer Arbeiterin vollführen.

      Ebenfalls unterhielt ich mich mit einem Entomologen der mir sagte das Formica cinerea sehr aggressiv und territorial lebt. Sie sind wohl recht selten sagte er.

      An Formica halte ich 2x fusca, sanguinea, cinerea, cunicularia, lemani. Leider ist meine Kolonie noch zu klein um wirklich was über die Haltung zu schreiben, aber ich gehe davon aus, das cinerea mit sanguinea zusammen wohl die aggressivsten einheimischen Formica Arten sind.
    • Re: Formica cinerea jagt koordiniert?

      Formica cinerea ist die eine Art die ich schon seit dem Anfang meiner Ameisenhaltung beobachte. Ich habe in meiner Nähe mehrere große bis riesige Kolonien. Laut Seifert (Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas S. 302)bilden sie riesige, bis zu 10 ha große polydome und hochpolygyne Koloniesysteme. So eine Kolonie habe ich hier am ehemaligen Mauerstreifen am Rande von Berlin. Sie ist vlt nicht 10 ha groß, aber dennoch die größte Kolonie die ich je gesehen habe. Es gibt überall Nesteingänge und der Boden wimmelt nur so von Ameisen. Da bleibt nicht lange was liegen, was als Nahrung verwertet werden kann.
      In Berlin/Brandenburg gibt es diese Art jedenfalls genug. Liegt vermutlich auch an den Böden. Grade der ehemalige Mauerstreifen mit den großflächigen Sandgebieten bietet ideale Bedingungen für diese Art.

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    • Re: Formica cinerea jagt koordiniert?

      Ich hab zwar keine cinera aber ein Völkchen F cunicularia. Die F cinera kenn ich bisher nur aus Freilandbeobachtungen. Ich war mir anfangs auch nicht so sicher, ob es sich nicht doch um F cinera handelt. Sie gehen nämlich auch gleich sehr auf Angriff, wenn man ihnen mal lebendes Futter reicht. Da machen sie nicht mal vor Spinnen halt.
      Die Beute wird meist sofort fixiert und anschleißend dann gleich in Richtung eines der Nesteingänge abtransportiert. Man kan neigentlich sagen, sobald sie erst mal erkannt ist, ist es eigentlich gelaufen.
      Wer nicht kann was er will, muss wollen was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. :crazy:
      Leonardo da Vinci
    • Re: Formica cinerea jagt koordiniert?

      Ich kann unter folgendem Link etwas zu Freilandbeobachtungen (Terretorial- und Kampfverhalten) beitragen.

      Die Art bildet in der Natur wirklich riesige Kolonien. Unter Steinen in diesen Gebieten lassen sich bei grossen Kolonien im Frühjahr leicht Königinnen und Arbeiterinnen einsammeln, ohne dass das Volk vor Ort sichtbar geschwächt würde. Die Art ist stark polygyn.

      In der Haltung sind kleine Kolonien aber recht scheu und reagieren ängstlich. Sie jagen keine grösseren Tiere. Sogar Fruchtfliegen werden nur zögernd gejagt. Eine grosse Kolonie habe ich noch nie gehalten, da wird sich dieses Verhalten aber sicher ändern!

      LG Reber

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Reber ()

    • Re: Formica cinerea jagt koordiniert?

      Hi,
      da ich diesen Therad erst jetzt gesehen habe, antworte ich auch jetzt erst ^^

      Ich halte auch eine Formica cinerea Kolonie. Seit ich diese vor 3 jahren mit einer Gyne und 4 Arbeiterinnen bekommen habe, haben sie sich rasant entwickelt.
      Schon damals, mit einer Koloniegröße von gerade einmal 10 Tieren waren sie extreme aktiv und alles andere als scheu.
      Heute, mehrere hundert Tiere groß und in 4 Becken lebend, sind sie extreme aggressive, aktiv und kennen keine Angst.
      Mittlerweilen füttere ich auch sie mit lebenden Heimchen. Größen von klein bis groß warden problemlos "erjagt".
      Hierbei konnte ich ähnliche Vorgehensweisen wie bei Oec. erkennen.
      Es beginnt eigentlich jedes mal gleich:

      Ich setzte das Heimchen (manchmal auch mehrere auf einmal) in eine der 30x20x20 Arenen. Logischerweise beginnt das Heimchen gleich umher zu rennen und davon zu springen. Sobald es jedoch an eine Arbeiterinn vorbei rennt oder nach einem Sprung in einer Gruppe landet herrscht helle Aufregung im Becken. Die Arbeiterinne attackieren das um einiges größere "Futter" und hängen sich an die Beine, Fühler und andere Stellen des Körpers an denen sie Halt finden. Meistens schaffen es nur ein oder zwei Arbeiterinnen sich festzuhalten, doch diese lassen nicht los. Das Heimchen rennt und springt durch das Becken und immer mehr Ameisen hängen sich an die Beine des Tieres um dann von diesem hinter her geschliefen zu werden.
      Sobald das Heimchen "müde" (?) wird oder das Gewicht der cinerea an den Beinen zu groß ist, beginnen sie fsat 1 zu 1 wie bei den Weberameisen an allen Gliedmaßen des Heimchens zu ziehen. Ob dieses Verhalten nur "ausversehen" geschiet weis ich nicht, ich könnte mir nämlich vorstellen, dass das Strecken der Beute weniger als Tötungsakt vorgesehen ist, sondern eher ein uneiniger Abtransport ist. Ich konnte nämlich schon oft beobachten, dass Gruppen von 8-10 sich ein bereits totes Heimchen geschnappt haben um dieses ab zu transportieren. Sie waren sich jedoch uneinig ob sie zb links oder rechts an dem Stein vorbei wollten, über den Ast, oder lieber nicht...derartiges geschieht sehr oft und endet manchmal in einem Seilziehen. Das ganze klingt jetzt vielleicht total chaotisch, aber generell sind diese Tiere extreme gut organisiert und vorallem in Sachen Rekrutierung bei Futter oder Gefahr ware Meister.

      Hoffe es war noch interessant :servus: