Ameisen Portugals - Die Algarve

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    • Ameisen Portugals - Die Algarve

      Hallo liebe Forengemeinde,

      der Frühling kommt und es wird wieder Zeit einen neuen Reisebericht zu verfassen. Diesmal habe ich willkürlich ein Ziel auf meinem guten alten Pip-Boy geklickt und mich per Schnellreise zum erst besten Ziel aufgemacht. So kommt es, dass ich meinem normalen Reiseziel Kroatien untreu geworden bin und in den warmen südlichsten Süden Portugals aufgemacht; Die Algarve.



      Die Algarve ist ein sehr abwechslungsreiches Gebiet, welches häufig von Waldbränden heimgesucht wird und unter einigen invasiven Arten leidet, welche das Erscheinungsbild sehr stark prägen. Das Gebiet ist sehr stark hügelig und der Bodengrund stets stark hüglich mit nur sehr geringen Erdschichten.

      Die größte Fläche des nicht wirtschaftlich genutzten Landes ist von Wiesen bedeckt, sofern genügend Erde vorhanden ist. Diese können teilweise sehr feucht sein, da die Region von zahlreichen Flüssen durchzogen ist, weswegen ein steppenartiges Erscheinungsbild seltener ist.



      Die dominantesten Ameisen auf diesen Wiesen sind mit großem Abstand Tapinoma nigerrimum. Diese teilen sich mit einigen anderen Ameisenarten die Ökologischeniesche, welche in kühleren Regionen Pheidole pallidula einnimmt. Es sind kleine schwarze Ameisen mit einem flinken Rekrutierungsverhalten und einer sehr guten chemischen Abwehr. Die Nester werden gigantisch und können zahlreich und mühelos im Feld gefunden werden.
      Teilweise kann man Nester finden, welche einen 30cm hohen überirdischen Teil haben. Der unterirdische Teil der Nester fällt dabei allerdings häufig eher klein aus. Die Nester sind den in Deutschland einheimischen Tapinoma Arten sehr ähnlich aufgebaut und die Entstehung ist auch sehr ähnlich.

      Nachdem die Königin claustral flach unter der Erdoberfläche gegründet hat und die ersten paar dutzend Arbeiterinnen vorhanden sind, fangen die Ameisen an, einen kleinen überirdischen Bau aufzutragen.



      Dieser wird meist aus biologischem Material und weniger aus Erde aufgehäuft.
      So werden die Nester ausgebaut, bis einige hundert Arbeiterinnen vorhanden sind, allerdings steigt der Erdanteil im Laufe der Zeit deutlich, da die Ameisen vermehrt anfangen zu graben und mit dem Aushub das Nest zu erweitern.



      Die ausgewachsenen Nester sind schließlich nur noch aus Aushub vom Graben zusammengesetzt.
      Häufig kann man diese an Pflanzen oder Steinen finden aber freistehende Nester kommen ebenfalls vor.





      Tapinoma nigerrimum Nesthügel werden übrigens selbst nach starken Regenfällen repariert und bestehen längerfristig, nicht wie etwa bei Tapinoma erraticum die sich nach fast jedem Regen einen neuen kleinen Hügel bauen müssen.

      So wie andere Ameisenarten mit großen Kolonien legen Tapinoma nigerrimum dauerhafte Straßen zu langfristigen Futterquellen an. Häufig kann man die Ameisen an den Blüten von Wüstenrosen, Obstbäumen und anderen Pflanzen beobachten.



      Tapinoma nigerrimum bevorzugen allerdings für Portugal eher feuchte Habitate. Besonders häufig kann man die Ameisen an Flussufern finden, beackerten Feldern und Gärten. Diese Tatsache und die Überlegenheit im Kampf mit anderen Ameisen macht Tapinoma nigerrimum zum häufigsten Kulturfolger in der Algarve.
      Die Schwarmflüge laufen überraschend unauffällig ab, vereinzelt kann man Königinnen herumlaufen sehen. Es scheint, dass die Königinnen nach der Begattung noch weite Strecken zu Fuß zurücklegen oder sogar schon am oder im Nest begattet werden (wie es etwa bei Tapinoma erraticum der Regelfall sein soll).

      Andere Arten mit ähnlicher Futterbeschaffungsstrategie werden von den riesigen Tapinoma Nestern in einigen Habitaten komplett verdrängt. Etwa konnte ich nur ein einziges mal in einem eher kühlen Wald einige Pheidole pallidula Nester entdecken. Die Art fehlt in den meisten Habitaten gänzlich, im krassen Gegenteil zu Kroatien, wo diese eine der häufigsten Arten darstellt.
      Ähnlich ergeht es Crematogaster scutellaris, unserer lieben hasserfüllten Ameise mit dem herzförmigen Hintern oder Crematobastards, wie manch Feldforscher diese nennt (ich glaube Mark Moffet hat den Begriff geprägt?). Ich kann nicht gerade sagen, dass ich diese Art besonders vermisst hätte. Wer schon mal eine walnussgroße Eichengalle aufgebrochen hat und von eintausend recht entrüsteten und gerade obdachlos gemachten Crematogaster scutellaris Arbeiterinnen überrannt wurde, kann meine fehlende Sentimentalität zu der Art glaube ich verstehen.



      Aus welchem Grund die Art nur marginal vorkommt ist schwer zu sagen. Sicherlich ist die Konkurrenz von anderen Ameisen mit ähnlicher Jagdstrategie recht hoch, allerdings ist dies auch in Kroatien der Fall, wo diese Ameisen überall zu finden sind. Das Fehlen von Eichengallen (eine Gallwespe die Korkeichen befällt scheint es nicht zu geben), dem bevorzugten Gründungsort von Crematogaster scutellaris, kann mitbeteiligt sein, allerdings können Crematogaster scutellaris fast überall gründen, solange es Holz ist.



      In der Rinde von Korkeichen waren deutlich weniger Nester zu finden, als ich vermutet hatte.
      Die andere Crematogaster Art in Portugal allerdings war häufig zu finden und in fast jedem Habitat, nur in dichten Wäldern fehlten diese. Crematogaster auberti, erinnern von Wesen etwas an Lasius fuliginosus und haben auch einen leichten Eigengeruch. Die Ameisen sind im Nest sehr ruhig und bleiben teilweise regungslos sitzen, wenn man das Nest öffnet (die Nester sind meist unter Steinen). Ruhig begeben die Arbeiterinnen sich in ein tiefergelegenen Tiel des Nestes oder in ein anderes Zweignest. Zweignester hat Crematogaster auberti übrigens meist sehr viele.
      Lange Straßen, wie ihre baumbewohnenden Verwandten, legt Crematogaster auberti auch an, allerdings furagiert diese Art eher am Boden.



      Eine im Freien eher unauffällige Art, zwar bildet Crematogaster auberti sehr große Nester, aber zumindest im Frühling kann man sie selten beobachten.
      Crematogaster auberti kommen selten als Kulturfolger vor und bevorzugen vollsonnige Habitate, Lehmboden. Dichte hohe Vegetation und Wälder werden gemieden.

      Neben den ausladenden Wiesen und Feldflächen kann man in Portugal auch Mischwälder antreffen, welche allerdings durch die häufigen Waldbrände und die dünne Bodenschicht sehr selten sind, allerdings was die Ameisenvielfalt und Koloniedichte angeht sehr interessant. Eine Vielfalt von Camponotus Arten bewohnt diese Wälder aus Korkeichen und Fichten. Camponotus ruber, Camponotus pilicornis, Camponotus barbaricus und vor allem die eindrucksvollen Camponotus cruentatus.



      Zwar waren Camponotus cruentatus selten zu finden, eher an schattigen und wasserreichen Standorten, allerdings war die Koloniedichte sehr hoch, wenn die Ameisen schon vorkamen. Einige Male konnte ich wegen den dichten Populationen dieser Art auch ritualartige Kämpfe beobachten.



      Diese konnten teilweise lange Zeit andauern, teilweise über 15 Minuten.
      Bei diesen Kämpfen verbeißen sich zwei kräftige Arbeiterinnen von unterschiedlichen Kolonien in den Mandibeln und es kommt zu einer Art Ziehwettkampf, der nicht von anderen umgebenden Arbeiterinnen gestört wird.

      Andere Camponotus Populationen waren bei weitem nicht so dicht, eher fand man diese nur selten durch Zufall. Etwa die entzückende Camponotus ruber, die moppeligste Camponotus Art, die ich je gesehen habe. Diese Ameisen legen kleine Nester unter Steinen an und sind hauptsächlich in Wäldern oder zumindest an Bäumen zu finden.



      Teilweise in Kammern von Termitennestern. Dies liegt wahrscheinlich eher an ähnlichen Ansprüchen an den Nistplatz und nicht daran, dass Camponotus ruber besonders intensiv Termiten jagen.



      Eine eher zurückhaltende Art und scheint nachtaktiv zu sein.
      Deutlich häufiger waren Camponotus barbaricus zu finden. Die dunklen Ameisen bilden Kolonien mit sehr zahlreichen Zweignestern, in denen teilweise nur wenige Arbeiterinnen und Brut zu finden sind. Leben in jedem Habitat, bevorzugen allerdings lichte Wälder.



      Die schönste der Camponotus Arten war allerdings Camponotus pilicornis, welche mich sehr an die australische Camponotus nigriceps erinnert hat. Eine schlanke honiggelbe Art. Die Arbeiterinnen sind sehr flink und furagieren eher alleine.
      Obwohl mir diese Art optisch am besten gefallen hat, habe ich leider keine brauchbaren Fotos machen können, da man diese nur selten zu Gesicht bekommen hat.

      Gruß,
      Kaj.
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    • Re: Ameisen Portugals - Die Algarve

      Neben anderen Camponotus Kolonien, haben diese Arten zwar wenige wirklich penetranten Fressfeinde. Allerdings haben Aphaenogaster senilis selten Rücksicht auf die Wehrhaftigkeit von Camponotus gemacht. Tatsächlich konnte man in den Nestern von Aphaenogaster sogar Camponotus barbaricus und Camponotus cruentatus Arbeiterinnen als Beute finden.



      Das ist allerdings auch eine Eigenart von Aphaenogaster senilis, ein großer teil der Diät von Aphaenogaster senilis stellen nämlich andere Ameisen dar. Bevorzugt werden zwar Messor barbarus gejagt, aber auch auf andere Ameisen wird Jagd gemacht. Auch andere Aphaenogaster senilis Arbeiterinnen werden erbeutet.





      Kleinere Ameisenarten werden nicht erbeutet und werden generell eher gemieden. Cataglyphis werden ebenfalls nicht erbeutet, die sind sogar Aphaenogaster etwas zu wehrhaft.
      Generell ist die Diät von Aphaenogaster senilis sehr merkwürdig und kaum mit der von anderen Ameisen vergleichbar. Am besten ist das Fressverhalten hier wohl als "komplett anspruchslos" beschrieben.
      Ein häufiger Nestinhalt sind z.B. Blütenblätter von Wüstenrosen, Pflanzenteile, Raupen, andere Ameisen etc. Meine Lieblingsfunde in Aphaenogaster senilis Nestern sind allerdings ein Stück altes Leder und die abgestreiften Hautreste einer Kreuzotter, welche an die Larven verfüttert wurden.





      Komischerweise wurden Asseln teils erbeutet und teils im Nest als Gäste gedulded. Ich vermute, dass die Asseln nur bei Ausbleiben anderer Beute gefressen wurden.
      Zum Füttern legen Aphaenogaster senilis das Futter einfach unzerkleinert an oder auf die Larven, welche sich dann reinfressen. Dies wird auch mit großen Beutetieren gemacht.



      Die Nester von Aphaenogaster senilis sind denkbar einfach aufgebaut. Die Hauptkammer mit der meisten Brut und Ameisen liegt meist unter einem Stein oder flach unter der Erde. Darunter nur kleinere Kammern und einige Gänge. Teilweise bestehen die Nester auch nur aus einer Kammer.
      Den Ausgang bildet meist eine einzige große Öffnung, welche teilweise einen beachtlichen Auswurf an vertrockneten Blütenblättern aufzuweisen hat.





      Die Ameisen furagieren meist einzeln und sehr aktiv. Sogar große Beutetiere werden von einzelnen Arbeiterinnen erlegt und transportiert.



      Zu dauerhaften Futterquellen werden allerdings teilweise licht belaufene Straßen angelegt. Etwa kann man Aphaenogaster senilis teilweise an Blüten trinken sehen oder Blütenteile abschneiden sehen.



      Nestumzüge sind sehr häufig, tatsächlich habe ich im Freien noch nie eine Ameise so häufig umziehen sehen.
      Dabei wird zunächst die komplette Brut ins neue Nest getragen und mit den letzten Arbeiterinnen kommt dann auch die Königin ins neue Nest.



      Umzüge einer ausgewachsenen Aphaenogaster senilis Kolonie dauern meist weniger als eine halbe Stunde.
      Die häufigen Umzüge werden wohl daran liegen, dass die Kolonien jetzt im Frühling an Standorte mit mehr Sonneneinstrahlung ziehen.
      Auch ein häufiger Grund für Umzüge sind Überfälle anderer Ameisen, welche überraschend häufig vorkommen.
      Vorwiegend Goniomma hispanicus und Tetramorium Arten graben die Nester von Aphaenogaster an.

      Als Reaktion tragen die Aphaenogaster senilis Arbeiterinnen den Nestinhalt samt Königin an ein vorrübergehendes Nest und beginnen gleich mit dem erschließen eines neuen Nestes.









      Bevorzugt kann man die Nester von Aphaenogaster senilis zwar auf Wiesen finden, allerdings kommen sie in Portugal in praktisch jedem Habitat vor, sogar urban konnte man recht viele Kolonien antreffen. Was die Wahl des Nestortes angeht, sind Aphaenogaster senilis nicht sehr pingelig.

      Insgesamt eine der Eindrucksvollsten Arten in Portugal und im Freiland sehr interessant zu beobachten.

      Neben Aphaenogaster senilis kann man auch Aphaenogaster gibbosa und Aphaenogaster iberica in der Algarve finden. Letztere nur in kühleren Randhabitaten in denen die Aphaenogaster senilis Population nicht überleben kann.
      Zu Aphaenogaster iberica kann ich Moment leider wenige Beobachtungen vorweisen, ich nehme an, dass es sehr viele Ähnlichkeiten geben wird zu Aphaenogaster senilis. Vielleicht schreibe ich mal einen Haltungsbericht zu der Art.

      Gruß,
      Kaj.
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    • Re: Ameisen Portugals - Die Algarve

      Hallo Gasterlocke,

      wie auch im antstoreforum danke ich Dir auch hier sehr für deine positive Resonanz.
      Solche Kritiken sind es die Einen wieder und wieder dazu bringen Stunden darein zu investieren einen Bericht zu schreiben.


      Nun will ich aber ein kruzes Intermezzo mit anderen Tieren veranstalten, die ich in Portugal gefunden habe. Man kann ja nicht den ganzen Tag nur über Ameisen sprechen!
      Zu dieser Jahreszeit findet man große Mengen ausgewachsener und noch junger Geschlechtstiere in den Nestern, ein Schwarmflug war allerdings noch nicht zu beobachten.



      An besonders sonnigen Tagen kann man allerdings schon erste Termitenpaare auf der Suche nach einem neuen Nest beobachten.



      Haben enttäuschend wenige Soldaten diese Erdtermiten.
      Erdtermiten werden wegen des fehlenden Panzers besonders gerne von Ameisen erbeutet. Dabei ist es recht egal, welche Art von Ameisen auf die Erdtermiten trifft, sie werden immer eingetragen. Aphaenogaster senilis hat sich sogar die Mühe gespart von mir vorgesetzte Termiten zu stechen. Diese wurden einfach lebendig abtransportiert.

      Andere staatenbildende Insekten waren aber noch nicht so lange aktiv wie Ameisen und Termiten.
      Ich habe einige gute Möglichkeiten bekommen Feldwespen zu beobachten. Diese haben in der zweiten Aprilwoche erstmals mit der Ablage der Eier begonnen.



      Die Wespen waren sehr aktiv und konnten in der Nähe von Siedlungen in großer Zahl gefunden werden.
      Bei Sonnenschein konnte man sie teilweise beobachten, wie sie Luft in die Nesthöle gefächert haben.



      Aber nicht nur die Insekten waren sehr interessant.
      Beim Stöbern nach Ameisen stieß ich sehr häufig auf Netzwühlen.
      Netzwühlen ernähren sich hauptsächlich von Ameisenbrut, weswegen man diese an sonnigen Tagen unter Steinen findet. Besonders häufig sind diese in der Umgebung von Orangenplantagen oder neben privaten Obstgärten zu finden, aber auch in allen anderen Habitaten sind diese Reptilien sehr häufig.



      Ein Tier von dem ich nicht gedacht habe, dass ich es je sehen würde. Die Netzwühle war aber entgegen meiner Erwartungen das häufigste Reptil in Portugal. Kreuzottern, Ringelnattern, verschiedene Echsen konnte man auch noch finden. Allerdings nicht annährend so häufig.
      Wegen der häufigen Waldbrände waren Schildkröten aber weit und breit nicht zu finden. Was ich sehr schade finde, da ich es sehr beruhigend finde ein so ungeschicktes Reptil bewundern zu können.
      Leider fand man nur ältere Überreste von Schildkröten.



      Es ist ebenfalls möglich, dass Schildkröten in der Gegend immernoch als Speise angesehen werden, da in den ländlichen Gegenden der Algarve fast alles bejagt wird. Überall findet man leere Schrothülsen und jedes noch so kleine geeignete Feld ist als Jagdrevier gekennzeichnet. Hauptsächlich werden Kanninchen, Füchse und einige Vögel bejagt. Nach kurzen Regenfällen, kann man auch häufig die ansässigen Bauern beobachten, wie sie am Wegesrand Schnecken sammeln, die in der Gegend häufig zubereitet werden. Dabei handelt es sich nicht um Weinbergschnecken sondern um kleinere Exemplare mit gestreiften Panzern.

      Obwohl die Gegend stellenweise sehr trocken ist, sind die meisten Wiesen sehr gut bewässert. Dies hängt damit zusammen, dass in Portugal (laut aussage eines Bauern) kein Baugrund verkauft werden kann, der nicht sein eigenen Brunnen hat.
      Das führt dazu, dass man beim Wandern abseits von Straßen und Pfaden sehr häufig auf verlassene Brunnen stößt, die sehr klares Wasser aufweisen und sehr tief sind.



      Diese beherbergen eine Vielzahl von Fröschen, die noch tief in die Nacht ihre Lockrufe hören lassen.
      Einige Bellen auch, was beim erstmaligem Wandern besonders skurril erscheint wenn Einen plötzlich ein Frosch aus dem Brunnen eines verlassenen Hauses anbellt. Wollte den fast mit 'ner goldenen Kugel abwerfen.



      Abseits von Wanderwegen sollte man wegen dieser Brunnen besonders vorsichtig sein. Häufig sind diese zwar ummauert oder es sind sogar alte Fördervorrichtungen vorhanden, manche dieser Brunnen sind allerdings weder gekennzeichnet noch sichtbar ummauert.
      Da verlassene Brunnen oftmals kein Wasser mehr führen und tiefer sein können als 10 Meter, können diese unangenehme Fallen für den Wandersmann darstellen.

      Das nächste Mal gehts wieder um Ameisen, versprochen.
      Gruß,
      Kaj.
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    • Re: Ameisen Portugals - Die Algarve

      Hallo,

      es freut mich sehr, dass mein Bericht Dir gefällt.

      Natürlich habe ich auch Bilder der Cataglyphis. Dürfte sich um Cataglyphis iberica handeln.
      Die Kolonien waren sehr weitläufig, Cataglyphis iberica ist polydom. Zu dieser Jahreszeit sind die Cataglyphis Kolonien allerdings hauptsächlich damit beschäftigt die vom üppigen und regelmäßigem Regen zerstörten Nester zu reparieren.



      Selten sah man Cataglyphis Arbeiterinnen aber auch schon auf Straßen und Wegen furagieren, aber nur an sehr sonnigen Tagen.
      Cataglyphis iberica ist sehr scheu. Sogar bei Neststörung wird erst sehr spät angefangen den Angreifer anzugehen. Öffnet man ein Nest (teilweise konnte man diese auch unter Steinen finden), so verziehen sich die Arbeiterinnen in Windeseile unter die Erde und verstecken sich dort in einer Vielzahl kleinster Kammern.
      Die Königin ist kaum von den Majoren zu unterscheiden... nicht dass ich je eine lebendige zu gesicht bekommen habe.

      Außerdem gab es an besonders trockenen und lebensunfreundlichen Standorten auch Cataglyphis velox Kolonien. Diese waren ebenfalls hauptsächlich damit beschäftigt die Nester zu reparieren.
      Die Tiere haben einen überragenden Sehsinn. Verziehen sich teilweise schon ins Nest, wenn man über einen Meter entfernt ist und beobachten einen sehr genau aus dem Eingang.
      Nach kurzer Zeit kommen die Ameisen dann schüchtern heraus.



      Gruß,
      Kaj.
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    • Re: Ameisen Portugals - Die Algarve

      Nun will ich kurz zu einem Thema kommen, das ich persönlich sehr interessant finde, welches allerdings in der Ameisenhaltung und in den Foren eher selten zu Sprache kommt. Außerdem fällt mir gerade keine gute Überleitung zu Plagiolepis pygmaea ein, welche ich als nächstes hier betrachten wollte.
      Deswegen will ich nochmals etwas vom eigentlichen Thema abschweifen und nicht die Ameisen Portugals betrachten, sondern die Gäste dieser.

      Im Gegensatz zu anderen Südeuropäischen Ländern in denen ich bisher war, finden sich in Portugal sehr häufig Ameisengäste (Myrmecophile) bei verschiedensten Ameisenarten und auch in befriedigend unterschiedlicher Form.
      Es ist den Meisten schon bekannt, dass die Kornkammern von Messor barbarus und anderen Messor Arten von einigen anderen Insekten bewohnt werden, welche dort unter dem Schutz der Ameisen in Sicherheit leben wollen.



      Das sind bei Messor barbarus in den meisten Fällen diese beiden Insekten gewesen. Ein kugliger kleiner Käfer und ein recht kräftiger Silberfisch.
      Die Tiere konnten häufig in Messor barbarus Nestern gefunden werden.

      Aber auch eine meiner Meinung nach interessantere Form der Myrmecophilie habe ich bei Plagiolepis cf. pygmaea (kann sehr wohl auch P. schmitzii gewesen sein) beobachten können.
      Ab und zu konnte man in den zahlreichen Nestern dieser Miniaturen die Larven von Schmetterlingen entdecken, welche sich an die Larven angelegt haben und die Wirtsameisen um Nahrungangebettelt haben.



      Bei Neststörung sind die Raupen in Laufrichtung der Ameisen geflohen, wurden aber nicht von diesen beschützt. Plagiolepis pygmaea und Plagiolepis schmitzii sind nicht besonders wehrhafte Ameisen.
      Besonders im Vergleich zur Wirtsameise ist dies ein gigantischer Parasit, man muss sich mal vor Augen führen, dass diese Raupen fast drei mal so lang ist, wie die Königin der Wirtsameisen! In dieser Größe muss das Vorhandensein dieser Raupen dem Wirtsnest erheblichen Schaden zufügen.

      Aber da endet der Spaß noch nicht für Plagiolepis pygmaea.
      Tatsächlich scheint diese arme kleine Ameisenart unter Parasiten sehr beliebt zu sein.
      Ähnlich wie bei unseren in Deutschland einheimischen Temnothorax nylanderi, welche wegen dem Befall durch Anomotaenia brevis (einen Darmparasiten) gelb gefärbt werden können, kann man unter den schwärzlich gefärbten Plagiolepis pygmaea auch orange bis gelblich gefärbte Tiere finden. Ich vermute dass dies ebenfalls von einem ähnlichen Parasiten stammt.



      In extremen Fällen waren sogar Großteile der Kolonie verfärbt und ab und zu konnte man auch verfärbte Königinnen finden. Allerdings waren verfärbte Königinnen eher selten bei Plagiolepis pygmaea, bei der stärker polygynen Plagiolepis schmitzii konnte man diese häufiger finden.
      Wie Phil und Frank allerdings schon in dem Bericht über die Ameisenarten der Türkei geschrieben haben, sind Plagiolepis alles andere als seltene Ameisen. Tatsächlich werden sie im gesamten Mittelmeerraum zu den häufigsten Ameisen gehören und kommen in beinahe jedem Habitat vor.
      Besonders in lichten Wäldern bzw. Parks mit Baumbestand war die Population und Nestdichte erstaunlich. Da für die winzigen Ameisen jeder noch so kleine Spalt und Stein ein geeigneter Nistort ist, findet man die Tiere überall. Unter Kronkorken, in Rinde, teilweise werden auch Nester in Totholz angelegt.

      Da ist es kaum verwunderlich, dass es scheint als hätte sich Mutternatur besonders Mühe gegeben diesen kleinen Ameisen das leben schwer zu machen.
      Neben den beiden oben beschriebennen Parasiten findet man in einigen Nestern noch die kleinen gelben Königinnen von Plagiolepis grassei, einer parasitären Ameisenart ohne Arbeiterinnen. In etwa so groß wie die Arbeiterinnen der Wirtsarten nur mit etwas breiteren Köpfen, tummeln sich teilweise dutzende dieser Schmarotzer im Nest herum.
      Besonders lustig wird es, wenn alle diese Parasiten zusammen in einer sehr unglücklichen Kolonie gefunden werden können.

      Ein ganz anderer Ameisengast kann bei Aphaenogaster gibbosa gefunden werden, einer etwas kleineren Aphaenogaster Art mit für die Gattung großen Kolonien.



      Es handelt sich um dieses schneeweiße pelzige Tierchen, zu dem ich leider fast keine Informationen finden konnte (wenn jemand helfen kann?).
      Besonders in den Optimalhabitaten von Aphaenogaster gibbosa (Nordhänge, dicht bewachsen, krautartiger Bodenbewuchs, Mischwälder, lehmiger Boden) konnte man diese Ameisengäste in den Brutkammern in fast jeder Kolonie finden. Es waren aber jeweils nur einige wenige Exemplare.
      Bei Gefahr warfen die Tiere den Vokuhila ab und flohen langsam. Wurden teilweise von den Ameisen fortgezerrt, ob es ein nun durch fehlende Haare und Stress verursachte Feindseeligkeit war oder ob die Arbeiterinnen die Ameisengäste in Sicherheit bringen wollten ist schwer zu sagen.
      Ich vermute allerdings, dass die jeweiligen Ameisengäste durch Stresssituationen von den Ameisen angegriffen werden. Besonders wenn man versucht einige Ameisengäste für die Haltung zu sammeln, werden diese in den Probebehältern getötet. Außerhalb vom natürlichen ungestörten Ameisennest können die Ameisengäste entweder den Ameisen nicht aus dem Weg gehen oder die Tarntackticken wirken nicht mehr.

      Übrigens konnte ich zu den meisten Ameisengästen sehr wenig Informationen im Internet finden, geschweige denn die jeweiligen Artennamen. Sollte jemand diese wissen, wäre ich sehr dankbar über diese Information.

      Gruß,
      Kaj.
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    • Re: Ameisen Portugals - Die Algarve

      Messor barbarus ist nicht nur in der Haltung eine häufige Ameise. Tatsächlich gehört sie in fast ganz Portugal zu einer der häufigsten Ameisen. Dabei sowohl als häufiger Kulturfolger, auf Wiesen und teilweise sogar urban.
      Die Koloniedichte war sehr hoch und so kam es, wie es bei Messor üblich ist, zu vielen zwischenkolonialen Kämpfen.
      Diese waren bei Messor barbarus deutlich ausgeprägter als etwa bei Camponotus cruentatus. Messor barbarus halten keine ritualisierten Kämpfe aus, sondern neigen dazu große schlachtähnliche Kämpfe abzuhalten.



      Dabei sind nur kleinere Gruppen am Kampf außerhalb des Nestes beteiligt, eine große Zahl der Arbeiterinnen bleibt entweder im Nest oder bewacht verstärkt den Nesteingang. Dieses Verhalten kann man bei Messor barbarus nur beobachten, wenn es zu kämpferischen Auseinandersetzungen kommt.



      Das ist für eine Messor Art ein sehr ausgeprägtes Kampfverhalten. Andere Messor Arten, wie etwa Messor capitatus, beschränken sich hauptsächlich auf kleinere Kämpfe beim Furagieren, ich habe noch nie intensiv kämpfende Messor capitatus oder Messor wasmanni gesehen.
      Tatsächlich halten sich Messor barbarus im Normalfall hauptsächlich im Nest auf oder auf den langen Ameisenstraßen, die diese Art bildet.
      Das führt dazu, dass die Größe der Nester sehr schwer abzuschätzen ist.
      Nester von einigen hundert Arbeiterinnen haben dabei fast garkeine Außenaktivität und sind durchaus einfach zu verwechseln mit den Nesteingängen von Sandbienen.



      Sogar Kolonien mit einigen tausenden Arbeiterinnen sehen von Außen sehr klein aus.



      Ab und an findet man unter Steinen die Müllkammern von Messor barbarus.
      Darin findet man eine sehr große Vielfalt an verschiedenen Samenhülsen.



      Aber nicht nur Messor hatten eine große Rolle in der Fortpflanzung von Pflanzen. Ab und an konnte man einige sehr bunte Camponotus foreli beobachten, welche sich durch den Besuch von Zistrose ein kleines Andenken mitgenommen hatten.



      Allerdings spielen Ameisen in der Bestäubung eine eher zweitrangige Rolle.
      Das Schauspiel an Wüstenrosen war teilweise sehr beeindruckend, einige der am stärksten besuchten Blüten, die ich je gesehen habe.



      Diese Zistrose waren für die portugiesische Natur von besonders großer Bedeutung.
      Zum einen bewuchsen die Pflanzen gigantische Flächen der Algarve und zum anderen ernährten sich auch viele Tiere von diesen Pflanzen.
      Ameisen beliefen diese und wie schon erwähnt trugen Aphaenogaster senilis gerne ganze Blütenblätter dieser Pflanzen ein.



      Die wichtige Rolle der Zistrose für die Algarve ist schnell erklärt. Die Pflanze hat einen sehr geringen Wasserbedarf und wächst fast ohne Erdmaterial. Dabei ist die Rolle als Pionierpflanze nicht zu unterschätzen. Besonders nach Waldbränden kann man hunderte Hektar dieser Pflanzen finden, welche die Bodenerrosion deutlich zurückhält. Allerdings ist die Pflanze besonders dominant und somit taucht diese meist in gigantischen Monokulturen auf, welche sehr spählich mit einzelnen brandgeschädigten Bäumen gespickt sind, meist Korkeichen oder der Eukalyptus welcher in der Gegend stark invasiv ist und selber durch das Abwerfen der Rinde im Frühling ein riesiges Brandrisiko darstellt.
      Bewohnt werden diese Zistrosenfelder von wenigen Ameisenarten in hoher Dichte. Vorallem- wie könnte es auch überhaupt anders sein? -von Aphaenogaster senilis und Plagiolepis pygmaea aber auch einigen Camponotus Arten und wegen den üppigen Mengen angekohltem Totholz auch zahlreichen riesigen Erdtermitenvölkern. Auf den Feldwegen, welche wegen der Bejagung entstehen, findet man auch häufig verschiedene Cataglyphis Arten.

      Gruß,
      Kaj.
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    • Re: Ameisen Portugals - Die Algarve

      Hallo,

      besonders hat es mich aber gefreut als ich auf meiner Reise nach langem Suchen das erste mal Kolonien Iberoformica subrufa entdeckt habe. Die Gattung hatte ich vorher noch nie gesehen.
      Es handelt sich um eine Ameisenart, welche auf den ersten Blick unseren Formica ähnelt, aber doch eine komplett andere Ameise ist.
      Iberoformica subrufa scheint deutlich besser zu sehen und ist auch sehr viel flinker als etwa Formica fusca. Außerdem ist es auch eine ungemein schlange und intensiv jagende Ameisenart.

      Das Vorkommen dieser Art ist sehr selten, aber in geeigneten Habitaten dann wiederrum sehr häufig. Die Koloniedichte ist auch ungemein hoch, da Kolonien sehr klein bleiben. Laut verschiedenen Quellen sollen es zwischen 181 Arbeiterinnen und 2048 Arbeiterinnen sein. Kolonien die ich beobachten konnte waren aber deutlich kleiner. Auf 100 Arbeiterinnen kamen diese kaum, die Population, von mir untersuchte Kolonien waren ausschließlich polygyn.

      Leider ist es ungemein schwer diese Tiere tatsächlich zu finden, auch wenn man weiß, dass diese in einem bestimmten Gebiet leben.
      Furagierende Arbeiterinnen habe ich nie finden können und Nester sind sehr unauffällig und unscheinbar.
      Auf der Suche nach anderen Ameisenarten kann man allerdings teilweise Tunnel dieser Tiere finden, welche dann zum Nest führen.
      Geschicktere Beobachter können wohl auch Arbeiterinnen zurück ins Nest verfolgen.
      Demzufolge habe ich leider auch keine guten Aufnahmen dieser Tiere machen können.





      Ich fand Kolonien nur in Mischwäldern (Pinie und Korkeiche) mit geschlossenen Kronendach und krautartigem Bodenbewuchs. Dabei scheint die Waldart aber egal zu sein, da Iberoformica subrufa wohl auch in dichteren Eukalyptuswäldern zu finden sein sollen.
      Dichtes Unterholz meiden Iberoformica subrufa aber ebenso wie offene sonnebeschiene Flächen. Sind aber durchaus in grasbewachsenen Lichtungen im Wald zu finden.

      Ich bin mir allerdings noch nicht ganz sicher was ich von der Art in der Haltung denke. Es sind sehr flinke Tiere, können Winterruhe wohl einfach ohne Heizung im Zimmer verbringen. Allerdings muss ich sagen, dass die Kolonien in Portugal bei 21°C Lufttemperatur keine Eier gelegt hatten, Heizung ist also nötig.
      Sind aber ansonsten sehr genügsame flinke Ameisen mit winzigen Kolonien, was für viele ein ausschlaggebender Faktor ist.
      Würde bisher einen Daumen hoch geben für Iberoformica subrufa, wenn man auf Wuselfaktor verzichten kann.

      Da wir gerade schon bei Haltung sind;
      Wie ich schon angenommen hatte sind Aphaenogaster senilis eben so anspruchslos in der Haltung wie auch im Freien. Können längerfristig mit angeweichtem Hundetrockenfutter gehalten werden als Hauptnahrung, stürzen sich aber auch auf größere Beutetiere. Ich bin sehr überrascht, dass Aphaenogaster senilis ein doch relativ gut ausgeprägtes Rekrutierungsverhalten aufweisen. Fressen aber auch gerne Jellys und normales Zuckerwasser.
      Zu hoche Temperaturen werden aber schlechter vertragen als zu niedrige.
      Wie erwartet eine interessante Art für die Haltung.

      Plagiolepis pygmaea sind meiner Meinung nach auch schön anzusehen, besonders weil die süßen kleinen Königinnen so schnell physogastrisch werden. Ein winziger Klecks ("Klecks" die kryptische Mengeneinheit und nicht der polnische Kinderbuchcharakter :grin: ) Futterjelly reicht um eine Kolonie über Wochen zu ernähren. Auf besonders guten Ausbruchsschutz ist aber zu achten, man vergisst schnell wie winzig ein Insekt sein kann.
      Ansonsten bilden die Tiere schön aktiv Straßen und legen beim furagieren überraschend weite Strecken zurück für so kleine Tiere.

      Überrascht hat mich allerdings eine kleine Teilkolonie von Erdtermiten, welche ich mitgenommen habe. Tatsächlich meiden die Tiere deutlich weniger Licht als ich es gedacht hätte. Sehr aktive Tunnelbauer, überraschend schwach ausgeprägte Thermophilie würde Zimmertemperatur empfehlen.
      Scheinen entweder zahlreise sekundäre Geschlechtstiere zu haben oder diese schnell zu bilden, da meine Kolonie bereitz Eier gelegt hat. Fühlen sich besonders wohl in totholzreichem (Weißfäule) Boden mit hohem Lehmanteil, mittelfeucht, Trockenheit führt sehr schnell zum Tod der Tiere.
      Muss nachher nochmal Bilder machen zu den Tieren.

      Am stolzesten bin ich allerdings auf einen Kaktus, welchen ich aus Portugal gerettet hatte. Eigentlich nur ein Rest Kaktus mit ein paar Wurzeln. Kinder hatten die Pflanzen aus einem Waldrand gerissen um eine Rampe zum Mountainbikefahren zu bauen. :(
      Dieser kleine besonders maltretierte Kaktus hat in ein 30ml Probebehälter von mir gepasst und so hat seine ambitionierte Reisekarriere begonnen. Kurzerhand verließ der Kaktus das triste und für ihn so feindliche Portugal und kam mit ins sonnige Ruhrgebiet, welches doch so für Grünflächen und üppige Pflanzen bekannt ist.
      Jetzt ist er dauerhafter Untermieter und fleißiger Helfer im Büro. Ist sogar wieder neu ausgetrieben.



      Mit viel Liebe und etwas Wasser und Substrat lässt sich viel machen auch für vermeindlich hoffnungslose Fälle.
      Gruß,
      Kaj.
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    • Re: Ameisen Portugals - Die Algarve

      Hallo liebe Forengemeinde,

      ich glaube langsam wird es Zeit diesen Bericht erstmal zu beenden. Vielleicht werden mit der Zeit hier noch einige Bilder und Beiträge zur Haltung einiger der Ameisenarten folgen, über die ich hier berichtet habe. Sicherlich wird es einen zweiten Teil über die Algarve geben, aber das wahrscheinlich erst anfang Herbst, vorher wird es aber entweder einen Bericht oder eine kleine Minidoku zu den Ameisen des Balkans geben. Diesmal wird es nach Montenegro oder Serbien gehen, sollte jemand im September nichts vor haben, kann er/sie sich gerne melden, habe noch einen Platz frei zum Ameisenurlaub.
      Wird also nicht der letzte Bericht dieses Jahr durch den ihr euch lesen müsst.

      Heute werde ich allerdings nicht viel schreiben. Ich habe das erste mal in meinem Leben einfach zu viele Bilder gemacht (habe über 4000 Bilder gemacht in diesem Ausflug) und es gibt einfach nicht mehr sehr viel Interessantes zu sagen. Vieles sieht man auch nur ein mal und macht schnell ein Bild, die meisten Bilder werden dann eh aussortiert, weil es dann doch kein Bild wert war.





























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    • Re: Ameisen Portugals - Die Algarve

      Noch ein Nachzüglerbild, da nur 15 Bilder mit je 700x700 Pixel zugelassen sind.



      Damit beende ich den Bericht erstmals.
      Ich hoffe er hat Euch gefallen. Gerne stehe ich für Fragen und Diskussionen über die Ameisen Portugals in diesem Thread zur Verfügung!
      Gruß,
      Kaj.
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    • Re: Ameisen Portugals - Die Algarve

      Moin Kaj!

      Ein sehr schöner Bericht, man müsste sich verkneifen ihn die ganze Zeit zu verfolgen. Dann könnte man sich mit einem Tee davor setzen und staunen. So liest man aber immer alles schnell und saugt die Bilder und Info´s auf wie ein Schwamm :)

      Echt Toll!

      Gruß
      Mathias
      "Wer an sich denkt, hat Schwierigkeiten. Wer an andere denkt, hat Aufgaben."
      (Lama Ole Nydahl)
    • Re: Ameisen Portugals - Die Algarve

      Seit einigen Wochen haben sich Iberoformica langsam zu meinen Lieblingen gemausert. Vorallem habe ich bemerkt, dass ich tatsächlich sowohl Iberoformica subrufa als auch Iberoformica gerardi entdeckt habe. Die Tiere sind eigentlich sehr simpel zu unterscheiden, da Iberoformica gerardi fast komplett frei ist von längeren Härchen, während Iberoformica subrufa sehr viele lange Härchen aufweist.
      Die Tiere sind äußerst thermophil und halten unter der Temperatur von 22°C tatsächlich fast noch Winterruhe. Zwar wächst die vorhandene Brut bei den Temperaturen, die Königin braucht aber etwa zwischen 23-25°C um überhaupt Eier zu legen, was auch dann sehr sehr langsam geschieht. Ich habe noch nie so langsam legende Königinnen erlebt. Allerdings macht das für mich einen Teil des Charmes dieser Ameisen aus.
      Die Haltung ist zwar sehr simpel- die Tiere fressen eigentlich zuverlässig alles was man gibt -allerdings hat man immer das Gefühl man hätte sich persönlich jede Arbeiterin erkämpft. Die Kolonien sind etwa so wie ein Ameisenkolonie-Bonsai.
      Allerdings sehr aktiv und lauffreudig. Erkennen Gefahren aus einiger Entfernung und beobachten einen.

      Aber meine Lieblingseigenschaft von Iberofromica gerardi ist die Funktion der Königin als eine der einzigen Repleten in der Kolonie.



      Die Arbeiterinnen schaufeln ununterbrochen Futter in die Königin, was die Königin unglaublich physogastrisch macht. Übrigens werden auch bei so extrem physogastrischen Königinnen ungemein langsam Eier gelegt.
      Die Gaster werden von den Königinnen übrigens seitlich getragen- wie bei einer komischen Ameisenversion des Damensitzes -und die Eier werden auch zur Seite hin gelegt.

      Gruß,
      Kaj.
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