Thema des Monats Mai 2016: Nester

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Thema des Monats Mai 2016: Nester

      Hallo liebe Mitglieder des Forums,

      Nester spielen eine zentrale Rolle in der Ameisenhaltung, Daher wird es mal Zeit ihnen ein Thema des Monats zu widmen. Die in der Haltung vorkommenden Nestformen sind recht vielfältig und ihre Wahl hängt oftmals von der gehaltenen Art und den Vorlieben des Halters ab. Was sind Eure Erfahrungen mit verschiedenen Nestformen wie z. B. YTONG-, Gips-, Erdnest usw? Welche Vor- und Nachteile der jeweiligen Formen konntet Ihr feststellen? Schreibt es einfach in diesen Thread!

      Liebe Grüße,
      Eure IG-eusozial
      Wanting people to listen, you can't just tap them on the shoulder anymore. You have to hit them with a sledgehammer, and then you'll notice you've got their strict attention. (Seven)
    • Re: Thema des Monats Mai 2016: Nester

      Heyho :)

      Also um erst mal klein anzufangen:
      Mit Reagenzglas-Nestern habe ich natürlich die meisten Erfahrungen. Sie sind einfach zu handhaben und richtig präpariert eine zuverlässige Unterbringung für die Gründung und kleine Kolonien. Allerdings sollte es dann auch wirklich richtig gemacht werde, ansonsten besteht die Gefahr, dass der Wassertank ausläuft. Gerade in der Winterruhe ist das ein höheres Risiko, bei dem viel schief gehen kann, wenn man es nicht richtig lagert.

      In vielen Versuchen habe ich Gips-Nester hergestellt, kann aber wirklich nur eine Empfehlung dazu abgegeben, wenn man mit dem Material bereits Erfahrungen hat und beabsichtigt, eine Art darin zu halten, die es doch eher trocken mag oder sich das Wasser selber ran schafft. Ansonsten gibt es da nur Probleme mit Schimmel, sehr unschön. Bei einer Winterruhe ist hier die Gefahr gegeben, dass der Schimmel ausbricht oder die Kolonie vertrocknet. Auch scheint mir, dass der Gips irgendwann das Wasser nicht mehr richtig aufnimmt.

      Deshalb kam ich dann zu den Ytong-Nestern.
      Es macht Spaß, Gänge und Kammern in einen bestehenden Klotz zu meißeln, kratzen, schaben, hämmern. Selber Bauen macht natürlich immer Spaß. Doch auch hier ärgere ich mich des öfteren mit der Bewässerung herum. Der Stein scheint die Feuchtigkeit ebenso schnell entkommen zu lassen, wie er sie zuerst aufnimmt. Einen Wassertank einzubauen kann Probleme bereiten, wenn man vorher nicht wirklich alles durchdacht hat, gerade weil der Stein das Wasser nicht wirklich "aufsaugt". Auch hier kommt es mir so vor, als wenn das von Mal zu Mal schlechter Funktioniert, allerdings habe ich bisher auch nur liegende Nester ausprobiert, daher haben viele vielleicht bessere Erfahrungen und habe vielleicht auch besser geplant als ich.
      Probleme mit Schimmel hatte ich nie, dafür aber mit Trockenheit und Milben.

      Eine weitere Variante war dann das Kork-Nest, welches allerdings aus meiner Sicht nur für holzbewohnende Arten geeignet ist, die bei bereitgestelltem Wasser selber für die nötige Nestfeuchtigkeit sorgen. Mit extra Bewässerung habe ich das noch nie ausprobiert, bin aber ansonsten davon sehr begeistert.

      Erst vor kurzem habe ich mich dazu überwinden können, ein richtiges Erd-Nest zu verwenden. Ich war zuerst doch sehr sehr skeptisch, dass das alles doch zusammen brechen würde, gerade bei meiner Art der Bewässerung, einfach oben einige Tropfen drüber zu sprenkeln. Auch etwas mehr halten die Gänge problemlos aus - wäre ja auch doof, wenn in der Natur bei tagelangem Regen alles zusammen bricht.
      Doch siehe da, für Arten die es gerne feucht mögen, kann ich Erde nur empfehlen! Da bricht wirklich gar nichts zusammen und die Arbeiterinnen zu sehen, wie sie durch die Gänge krabbeln, hat genau das, was man sich wünscht. Ihnen bei der Arbeit zusehen.
      Wie das mit Sand oder Sand-Lehm Mischungen ist weiß ich nicht.
      Ich sehe derzeit nicht viel von den Ameisen, aber es ist auch keine flache Farm, von daher beschwere ich mich nicht. Dunkle Erde ist natürlich bei dunkle Ameisen hinderlich, was das Beobachten angeht. Für auffällige Gattungen wie z.B. Myrmica oder gelbe Lasius Arten aber wirklich schön.
      Das mit dem Schimmel ist bisher kein Problem, kleine Tiere aus dem Wald sorgen für Ordnung und der Müll wird regelmäßig raus gesammelt, um Milben vorzubeugen. Das Langzeitprojekt läuft allerdings noch in der Testphase.



      LG,
      Veronika
      "Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf." - Theodor Fontane
      "Etwas zu haben heißt nicht, etwas darüber zu wissen." - Saya
    • Re: Thema des Monats Mai 2016: Nester

      Die Nester als Thema des Monats? Man könnte sie beinahe das "Immerwährende Thema nennen",
      Dr Karissen hat ja schon das meiste dazu gesagt.

      Die RGer werden eigentlich immer unterschätzt finde ich, gerade bei den Anfängern, die es meist kaum erwarten können, ihre Ameisen endlich in den Weiten ihrer Farmen, Gips- oder Ytongnester zu verlieren. Oft tauchen dann schon die ersten Probleme auf, da sich die Verhältnisse in so großen Räumlichkeiten für diese Minivölker gar nicht regulieren lassen. ich hab zB meine Messor barbarus die ersten zwei Jahre in mehreren RGern gehalten, auch wenn diese nach und nach "leer" wurden.

      Gipsnester eignen sich hervoragend für kleinere Nester und was auch ein gewisser Vorteil ist, man kann sie gut in Behältnisse eingießen. Das ist zB ein großer Vorteil, wenn es darum geht, dass das Nest die Feuchtigkeit gut halten soll. Ich hab zB bei den Myrmica ein Nest in eine Plastikbox gegossen und dieses oben noch mit einem Glas verschlossen. Es reicht auch im Sommer, wenn ich einmal in der Woche befeuchte.

      Ytong! Hab ich bisher eigentlich nicht so viel Erfahrung. Das letzte nest, das ich gebaut habe, läuft zwar noch immer problemlos, ansosnten kann ich eigentlich nicht viel dazu sagen. Das Material läßt sich eigentlich gut bearbeiten und in Form bringen, jedoch stört meist die doch sehr grobe Oberfächenstruktur, daür kann man daran gut Gips oder evtl auch Lehm oder ähnliches anbringen um dem Ganzen ein natürlicheres Aussehen zu geben.
      ich hab dieses Nest ja bei den Messor im Einsatz und da läßt sich auch gut ein Feuchtigkeitsgefälle von einer zur anderen Seite Bilden, wobei ich oft den Eindruck habe, dass das Wasser, nachdem es in den Stein gedrungen ist, sich eher in den tieferen Schichten wiederfindet. So gesehen eignet sich dieser Stein eher für die Anwendung im "Wasserbecken".

      Das Erdnest, eigentlich die natürlichste Form des Nestes. Die Ameisen erledigen es sozusagen im Alleingang, nur mit dem Nachteil, dass man weder als "Mitarbeiter" noch nicht einmal als Zuschauer dabei involviert ist, es sei denn, es handelt sich dabei um eine Farm.
      Bei mir graben zwar Myrmica äusserst erfolgreich im Boden, kommen aber doch oft ans Tageslicht und nutzen die RG-Tränke als Kinderstube. Naja, dann wären wir eigentlich wieder am Anfang angelangt...
      nachdem meine Formica, aber auch inzwischen die L niger die Sicht in ihren Gipsnestern mit dem abgenagtem Material zu zu bauen, bin ich eher dafür, sie gleich in einem geeigneten Substrat graben zu lassen.

      Ein paar seltenere Exemplare hab ich aber auch noch im EInsatz und zwar leben meine Leptothorax acervorum in einer halben Walnuß (mit Glasdeckel), die Temnothorax crassispinus in ein bis zwei halben Haselnüssen und ein kleineres Volk in einem Objektträgernest.
      Bei diesen kleinen nestern muss man in der Winterruhe verdammt aufpassen, dass man sie weder ersäuft, noch dass sie austrocknen. in einem kleinen Behältnis mit einem Deckel, der keine großen Öffnungen hat, geht das noch ganz gut, das sieht man dann entweder am Tauwasser oder den Eiskristallen an den Wänden. Ein Gipsboden erleichtert den Feuchtigkeitshaushalt schon sehr und lässt sich auch leichter austauschen als ein Nest.
      Ein weiterer Punkt, den ich noch anführen möchte ist die Befeuchtung.
      bei den ganz kleinen kann man eigentlich nur eine Tränke anbieten oder die ganze Arena besprühen, bzw noch ein Substrat anbieten ,das die Feuchtigkeit einigermaßen speichern kann und relativ langsam wieder abgibt. In Gips oder Gasbetonnester kann man "Wassertanks" einarbeiten, die man zwar befüllen kann, die aber eigentlich nur dafür sorgen, dass das Wasser unmittelbar ans Material abgegeben wird und man etwas die Möglichkeit der Kontrolle hat, wieviel man gerade zufgührt.
      Ich hab aber auch zwei Nester in einer kleinen Box, die mit Gipsboden und integriertem Gipsnest versehen ist. diese laufen vollkommen ohne so eine Bewässerungsbohrung. Ich gebe lediglich ab und zu etwas Wasser auf den Gipsboden, der das dann aufsaugt. Natürlich haben sie aber auch eine Tränke, die aber nicht übermäßig benutzt wird, wenn ich sie mal mit anderen vergleiche. Gut, Formica cunicularia und Lasius niger kommen gut mit trockeneren Bedingungen zurecht, von daher ist sowas schon eher für solche Arten geeignet. Mit Myrmica rubra hatte ich da eher Probleme, da das Ganze eigentlich dauerfeucht gehalten werden mussste.
      Bei der Winterruhe kann man dazu eigentlich das selbe sagen, wie bei den Mininestern.
      LG Franz
    • Re: Thema des Monats Mai 2016: Nester

      Richtig, Nester sind ein Kernthema, wird aber meistens eher vernachlässigt. Viel zu oft sehe ich irgendwelche Fertignester in Halteberichten auftauchen, die selten den spezifischen Ansprüchen einer Art entgegenkommen. :think: Die mögen sicher als Behausung dienen und hilft sicher den Anfängern unter den Ameisenhaltern, aber meine Befürchtung ist, dass sich damit auch irgendwie ein Stillstand einsetzt. Zum einen fehlt die Auseinandersetzung mit dem Thema und zum anderen bleibt man evtl auch immer an dem Gedanken hängen, dass man sich etwas neueres, größeres kaufen müsste, anstatt sich selber etwas zu bauen oder nach Lösungen zu suchen.
      Es scheint mir eher so, dass (bei den meist überteuerten) Fertignestern die Ästhetik eine größere Rolle spielt, als die Funktionalität, bzw artspezifische Ausrichtung. Sicherlich sind solche fertigen Konstruktionen eher "fehlerfrei", als selbst konstruierte Nester, aber dadurch sammelt man doch erst die Erfahrung & Fertigkeiten um in dieses Hobby tatsächlich hineinzuwachsen. Zudem kann mir ein fertiges Nest auch viel schneller langweilig werden, weil es keinen weiteren Anspruch hat, als ein Kunstgefäß, oder -gefängnis zu sein um die Ameisen zu beherbergen, bzw zu bändigen.
      gut Brut
    • Nicht ohne Grund als Erstes angesprochen wurden Reagenzglas-Nester, die überaus praktisch für die Koloniegründung vieler Ameisenarten und Haltung kleiner Kolonien sind. Doch schon bei der Vorbereitung eines simplen Reagenzglasnestes lässt sich einiges falsch machen, vor Allem wenn einheimische Arten darin die Winterruhe überstehen sollen.

      Deshalb hier ein paar Tipps zur Verwendung von Reagenzgläsern:

      1. Plastik- oder Glasgefäße nutzen?

      Die erste Entscheidung fällt zwischen der Verwendung von Reagenzgläsern aus Plastik oder Glas, sollte aber eigentlich nicht schwerfallen! Glas ist auf lange Sicht viel besser geeignet, es ist nicht nur durchsichtiger und widerstandsfähiger gegen Kratzer, wodurch sich die Kolonie viel besser kontrollieren und beobachten lässt, vor Allem hält meiner Erfahrung nach der Wassertank sehr viel länger, während er bei Plastikgefäßen schnell austrocknet.

      Für die längerfristige Haltung sind Glas-RGs also deutlich besser geeignet; Plastik hat den Vorteil, dass es nicht bricht und ist deshalb für Freilandexkursionen hervorragend geeignet.

      2. Keine Taschentücher/Küchenrolle verwenden!
      Reine Baumwollwatte ist mit Abstand am Besten für den Pfropfen zwischen Wassertank und Brutkammer geeignet. Küchenpapier oder Taschentücher zu verwenden ist eine schlechte Idee, diese Wassertanks laufen oft nach einiger Zeit aus und können schnell den Verlust der Brut oder sogar der Kolonie bedeuten. Gefährlich kann das vor Allem während der Winterruhe werden.

      3. Hängenbleiben der Königin an der Watte verhindern
      Ganz verhindern, kann man es manchmal nicht: Die Ameisen zupfen an der Watte und bleiben irgendwann daran hängen. Es ist sinnvoll, schon beim Präparieren des Reagenzglases darauf zu achten, dass man ringsum die Faserenden der Watte zuerst - in Richtung Wasser - hineinstopft. Dann feuchte ich einen Finger an und drehe ihn ein wenig auf der den Ameisen zugewandten Fläche der Watte hin und her, sodass keine losen Fäden abstehen.

      4. Den Ameisen Halt bieten
      Einige größere Ameisenarten finden am glatten Glas des Reagenzglases kaum Halt. Ein kleines, gebogenes Stück Pappe oder ein trockenes Blatt schaffen Abhilfe und sind wesentlich entspannter für die Tiere.

      Eine kleine Camponotus ligniperdus Kolonie mit Blatt im Reagenzglas.

      5. Alte Reagenzgläser wiederverwenden
      Ein ordentlich präparierter Wassertank ist nicht leicht zu entfernen, der Wattepropfen sitzt bombenfest. Alte Reagenzgläser wegzuschmeißen wäre aber absolute Verschwendung. Besonders leicht macht man es sich, wenn man die Spitze eines metallenen Grillspießes mit einer Zange im rechten Winkel umbiegt. Damit lassen sich alte Wattepropfen schnell und leicht entfernen:


      Viele Grüße, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Ein recycelter Bilderrahmen

      Vor ein paar Tagen fand ich einen hübschen und besonders tiefen Bilderrahmen beim Sperrmüll vor der Haustür - direkt kam mir die Idee, ihn zu einem Gipsnest umzufunktionieren. Das ist nun daraus geworden - nicht ganz perfekt, denn eigentlich sollte das Silikon nicht zu sehen sein, aber für eine spontane Kreation bin ich ganz zufrieden:


      Als Beckenverbinder habe ich einen Flaschenhals mit Gewinde verklebt, das sich gut durch das weiche Plastik der Braplastbox schieben lässt, sodass keine Lücken entstehen und das Nest fest mit der Box verbunden ist:


      Bewässert werden kann das Nest - zumindest ein wenig - von hinten mit einer Spritze und Kanüle, dazu haben ich eine der Nestkammern nicht mit dem Gangsystem verbunden, sie dient ausschließlich dem Befeuchten des Nestes:


      Da es mit diesem System kaum möglich ist, das ganze Nest feucht zu halten, habe ich es nun an die Box von meiner kleinen Camponotus rufoglaucus zanzibaricus Kolonie angeschlossen - bei denen kann ich mir sicher sein, dass sie auch mit einem relativ trockenem Nest klarkommen werden. Eine Wassertränke steht natürlich immer bereit.

      Man kann also auch mit recycelten Materialien und ohne großartig Geld auszugeben schönes Zubehör basteln, wenn man die Augen offen hält. :)

      LG, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Ein Mini-Formikarium aus einer Rocher Box
      Wer kennt sie nicht, diese runden Pralinen eines namhaften italienischen Süßwarenkonzerns. Verkauft werden sie üblicherweise in einer transparenten Plastikbox mit Deckel, die sich hervorragend als winzige Arena mit integriertem Nest anbietet - bei mir für meine Solenopsis spec. Gründerkolonie:




      Aufgrund der kleinen Dimensionen des Gipsnestes habe ich die Kammern diesmal nicht mit einem Negativ moduliert, sondern im Nachhinein mit einem feinen Schraubenzieher in den Gips eingearbeitet.

      LG, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)