Pseudomyrmex spinicola auf Vachellia (Acacia) collinsii

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    • Pseudomyrmex spinicola auf Vachellia (Acacia) collinsii

      Hallo zusammen,

      möchte hier über eine Ameisenart aus Südamerika berichten.

      Erstmal ein großes Dankeschön, dass Chris mich überhaupt auf diese Art aufmerksam gemacht hat. Sie wäre sonst glatt in unserem Urlaub vor einem Jahr untergegangen. Auch möchte ich hier nicht den Max vergessen, ohne den wohl eine Haltung dieser Art recht schwierig geworden wäre, da er die entsprechenden Pflanzen ein Jahr zuvor aus Samen groß gezogen hat.

      Gut, nun zur Ameise, es handelt sich hier um eine Pseudomyrmex Art die in Symbiose mit einer Akazienart lebt.
      Die Pflanze produziert Nektarien und Fruchtkörper, sowie Dornen in denen die Ameisen leben. Die Dornen haben, ich vermute, Sollbruchstellen die sich vom Stamm immer rechts am Dornenende befinden. Dort knabbern sich die Ameisen rein und übernehmen so ein neues Nest auf der Pflanze. Die Nektarien werden ziemlich direkt an den Dornen am neuem Trieb ausgebildet. Ich entschuldige mich jetzt hier schon mal das ich nicht alle Fachausdrücke parat habe, hoffe aber das ich verstanden werde. Wie gesagt dort bilden sich Nektarien, die aber bei meiner Koloniegröße beiweiten nicht ausreichen und ich somit zufüttern muss. Außer Dornen und Nektarien hat die Pflanze noch Fruchtkörper - sorry ich weiß nicht wie sie heißen und ich denke es nimmt mir hier keiner übel - als Nahrung der Pseudomyrmex anzubieten. Diese sind nach einjähriger Haltung wichtig, da keine anderen Proteine angenommen werden. Zum Glück sind bei guter Pflege der Pflanze immer reichlich vorhanden.

      Nun das ist was die Ameise von der Pflanze braucht,was hat die Pflanze davon?
      Das kann ich hier in meiner Haltung im Terrarium nur schwer erkennen oder beschreiben,doch konnte ich es teils beobachten. Die Pflanze wird in der Natur vor Fressfeinden beschützt, und jegliche Bedrohungen werden beseitigt und befallene Triebe abgetrennt. Die Pflanzen die mit einer Pseudomyrmex besetzt sind, haben in der Natur wohl die beste Möglichkeit zu überleben. Hier bei mir in der Haltung gibt es keine Feinde der Pflanze außer zu wenig Licht, das braucht die Akazie um Dornen, Nektarien und Fruchtkörper auszubilden.
      Die von mir gepflegte Kolonie lebt auf einer ca. 80 cm hohen Akazie in einem fast ausreichendem Becken mit einer Höhe von 125 cm. Da wird wohl bald gehandelt werden müssen, sonst reicht der Platz nicht, da seit der neuen Beleuchtung mit einer HQI 35 Watt das Wachstum der Pflanze zugenommen hat und ich bereits täglich zurückschneiden muss.

      Die Ameisen sind sehr sehr aktiv und jede Neststörung bzw. Wackeln an der Akazie entwickelt sich zu einem großen Gewusel an der Pflanze, aber die Art bleibt der Pflanze treu obwohl sie Möglichkeiten hat die Pflanze oder sogar das Terrarium zu verlassen tun sie es nicht... :thumbup:

      Für mich eine sehr interessanteste Art der Haltung von Ameisen, da ich auch Pflanzen sehr mag und es so perfekt kombinieren kann. Was will man mehr, man muss nur Herr der Pflanze werden, denn die hat bei richtiger Pflege einen verdammt großen Trieb nach vorne.

      Habe heute leider keine Fotos für euch... kommen aber die Tage.

      LG

      Rog
    • Re: Pseudomyrmex spinicola auf Vachellia (Acacia) collinsii

      Da Rog und Kike hier nun den Anfang gemacht haben, möchte auch ich ein wenig über diese faszinierende Symbiose berichten. Mit der Haltung von Pseudomyrmex cf. spinicola erfüllt sich für mich ein lange gehegter Wunsch. Denn schon immer von Pseudomyrmecinen angetan, ist die Beobachtung dieser Akazienbewohner natürlich ein Highlight für mich :thumbsup:

      Vor Ort wurden meine Bemühungen die gefundenen Königinnen am Leben zu halten noch nicht wirklich gewürdigt. Was hantiert der Chris da auch jeden Abend mit diesen blöden Dornen herum?! ;) Mittlerweile erfreuen sich aber alle drei Expeditionsteilnehmer und natürlich Max an der Haltung. Der Weg dahin war allerdings sehr mühsam und ohne die passende Pflanze wäre die Aufzucht der Königinnen mit Sicherheit gänzlich gescheitert. Es gab viele heikle Momente und schlaflose Nächte während der Gründungsphase, aber von den acht gefundenen Königinnen haben es am Ende immerhin vier geschafft.

      Ich hatte mir von vornherein vorgenommen die Akazien unter LED Licht aufzuziehen. Anfangs stand noch genügend Platz auf den Fensterbänken auf der Südseite meiner damaligen Wohnung zur Verfügung, aber der finale Bestimmungsort lag auf der Nordseite. Mit schönem Ausblick in eine Häuserschlucht gab es dort absolut kein Licht und Effizienz und Lebensdauer von LED sprechen für sich. Da ich für dieses Projekt von Anfang an Feuer und Flamme war, habe ich den gesamten Prozess - also jedes nennenswerte Ereignis bzgl. der Anlage, Pflanze und Ameisen - in Bildern dokumentiert.

      Nachdem Rog es bereits genehmigt hat, werde ich hier nach und nach bestimmte Ereignisse ein wenig genauer beleuchten. Nun aber erstmal zu ein paar allgemeinen Ergänzungen...

      Bei den Kugelkopf-Akazie die Max aus Samen gezogen und für die Aufzucht bereitgestellt hat, handelt es sich vermutlich um Vachellia (Acacia) collinsii. Hier sieht man eines der damals noch kleinen Exemplare mit den ersten zwei Dornenpaaren.


      Die Nektarien finden sich bei dieser Art in einer Reihe direkt am Blattstiel. Als noch sehr wenige Arbeiterinnen vorhanden waren, bildeten sich hier deutlich sichtbare Tropfen.


      Auf dem Bild erkennt man zudem die Belt'schen Körperchen, welche sich an den Enden der kleinen Fiederblättchen finden und von den Arbeiterinnen als protein- und fettreiche Nahrungsquelle fleißig abgeerntet werden.


      Das soll dann erstmal reichen. Beim nächsten Mal gibt es mehr zur Gründung der mitgebrachten Königinnen.
    • Re: Pseudomyrmex spinicola auf Vachellia (Acacia) collinsii

      Die meisten von uns kennen das: Ab einem gewissen Punkt ändert sich halt nicht mehr viel an der Haltung und man schaut der Kolonie einfach nur noch beim Wachsen zu. Wie bereits erwähnt, habe ich die Entwicklung der Kolonien recht ausführlich dokumentiert. Daher habe ich mir überlegt, dass es sich bei diesem Bericht anbieten würde mal einen etwas anderen Weg zu gehen.

      Anders als im vorhergehenden Beitrag angekündigt, werde ich mit dem Ist-Zustand beginnen und mich bis zur Gründung zurückarbeiten. Mal sehen wie es läuft :)

      Da die Akazie bei mir schon seit geraumer Zeit ihrem angedachten Becken entwachsen ist, steht sie aktuell frei in einer Ecke meines Zimmers. Die Pflanze kommt damit problemlos zurecht, benötigt aber schon Temperaturen über 18 °C um optimal zu gedeihen.


      Für ein üppiges Wachstum ist zudem viel Licht nötig. Ich werde vielleicht noch ein paar Zeilen zu meinen Experimenten mit verschiedenen LED schreiben, welche - zumindest bis zu einer gewissen Größe der Akazien - mit relativ geringem Verbrauch ausreichend viel Licht produzierten.


      Momentan setzte ich eine mit 200 Watt doch ziemlich überdimensionierte LED Aufzuchtlampe ein und treibe zusammen mit drei weiteren Becken und meinem Klimaschrank die Stromkosten ordentlich in die Höhe :D Da sich das COB Leuchtmittel aber eigentlich aus zwei separat bestromten Platinen zusammensetzt, werde ich wohl noch einfach einen weiteren Schalter einbauen und kann so die Leistungsaufnahme wahlweise auf 100 Watt reduzieren. Im Sommer sollte dies, wenn nicht schon die Sonne allein genügt, am Südfenster wohl völlig ausreichen.

      Zum Schluss noch einige Bilder der Bewohner dieser Akazie. Die Haltung mit nach vorne gerichtetem Abdomen ist übrigens typisch für die patrouillierenden Arbeiterinnen. Nicht nur das Öffnen eines neuen Dornenpaares, sonder auch das Abernten der Belt'schen Körperchen scheint je nach Größe doch eine ziemlich mühsame Aufgabe zu sein.