Haltungssteckbriefe: Was macht welche Ameise?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Haltungssteckbriefe: Was macht welche Ameise?

      Moin moin,

      hier soll, in lockerer Mitarbeit aller Interessierten, eine Sammlung von Kurzsteckbriefen zur Haltung von diversen Arten entstehen. Ziel ist es, Einsteigern oder Profis, die eine neue Art suchen, auf die schnelle die groben Hintergründe zur Art zu präsentieren und so die engere Auswahl zu erleichtern. Dabei soll der Fokus nicht auf wissenschaftlichen Informationen liegen (wer welche dazu hat, kann sie natürlich dennoch gerne beisteuern), sondern vor allem auf eigenen Erfahrungen beruhen.


      Ich mache mal den Anfang mit Crematogaster scutellaris.

      Generelle Informationen

      Die Ameisen sind etwa so groß wie Lasius niger und damit eher klein. Sie haben rote Köpfe und eine schwarze, herzförmige Gaster, die sie bei Gefahr nach oben recken. Die Gyne ist deutlich größer als die Arbeiterinnen. Ich selbst empfinde sie als sehr schöne Ameisen. Sie stammen aus Südeuropa und können sehr gut klettern. Ein Deckel ist daher äußerst empfehlenswert. Bei mir haben die Ameisen bis Mitte Oktober (dann habe ich sie abgegeben) massig Brut in allen Stadien produziert. Eine Winterruhe scheint daher nicht bzw. nur abgeschwächt nötig zu sein. Wie bei den meisten Arten dürfte es aber nicht schaden, zumindest für wenige Monate die Heizung am Becken auszuschalten.

      Haltungsbedingungen
      Nach meinen Erfahrungen braucht diese Art vor allem viel Wärme, dann legt sie ein enormes Wachstum an den Tag. Ich habe sie nachts etwa bei 20°-25°C und tags bei 30-35°C gehalten, in der Zeit haben die Ameisen enorme Brutberge produziert. Sie mögen darüber hinaus trockene Nester, ein RG mit leerem Wassertank wurde, trotz gleichwertigem Ersatz mit Tank, nicht verlassen. Sie sind, was die Futterwahl angeht, extrem einfach: sie fressen quasi alles, was aus Proteinen besteht. Sogar Futtertiere, die von meinen anderen Kolonien liegengelassen wurden, wurden aufgefressen. Bei größeren Kolonien dürfte feuchtes Katzenfutter eine sinnvolle Nahrungsquelle darstellen, um den Appetit der Kolonie zu stillen.

      Nest
      Bei mir lebten die Ameisen in Reagenzglasnestern, was gut funktioniert hat. In der Natur leben sie offenbar viel in totem Holz, daher könnte man sicherlich auch ein Holznest anbieten. Sie dürften aber nicht sehr wählerisch sein.


      Probleme
      Die Haltung der Ameisen selbst ist sehr simpel. Problematisch ist jedoch ihr enormes Wachstum, auf das sich der Halter einstellen sollte. Wenn man jedoch den Platz hat und kleine, aggressive, wuselige Ameisen mag, dann sind Crematogaster scutellaris auch für Einsteiger empfehlenswert.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Gute Idee, Holger.

      Aber was hält man davon dafür das Lexikon zu nutzen? Somit würde ein entsprechender Eintrag zu einer Art auch automatisch direkt in Beiträgen verlinkt werden, solang der Verfasser die Funktion nicht deaktiviert. Zudem hätte das Ganze dann ein wenig mehr Struktur als unsortierte Beiträge in einem Thema. Da wird es selbst mit Tags ziemlich schwierig die Übersicht zu behalten.

      Jeder kann Veränderungen an Einträgen im Lexikon vornehmen, so dass man kontinuierlich zusammen an deren Ergänzung/Verbesserung arbeiten kann. Auf lange Sicht könnte man in diesem Zuge vielleicht auch die "Ameisen der Welt" in eine sinnvollere Form überführen.

      LG, Chris
    • Hey Chris,

      ich hatte auch erst überlegt, es ins Lexikon zu stellen. Allerdings sind Haltungserfahrungen ja immer etwas sehr subjektives und ich dachte, dass das Lexikon eher für "harte, kalte Fakten" da sei. Könnte man die Beiträge zu den Arten im Lexikon dann einfach verlinken? Dann würde man vielleicht die Vorteile von beiden Ideen besser kombinieren.

      Grüße,
      Holger
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Wofür das Lexikon am Ende genutzt wird, entscheidet die Forengemeinschaft. Ich hatte diverse Ideen wozu es dienen könnte und habe die Erweiterung daher ohne konkrete Pläne im Hinterkopf einfach mal gekauft :D

      Weiterführende Links (ob intern oder extern) zu Haltungsberichten oder anderen Themen ergänzen natürlich hervorragend einen allgemeinen Art-Eintrag im Lexikon. Wenn aber unter einem Artnamen nur eine Linkliste im Lexikon erscheint, wäre das wohl eher schade in Hinblick auf den Funktionsumfang der Erweiterung.

      Nehmen wir deinen Crematogaster scutellaris Steckbrief als Beispiel, könnte man diesen praktisch 1:1 übernehmen. Für die Kurzbeschreibung sollte man den Abschnitt "Allgemeine Informationen" noch etwas zusammen kürzen. In einem zusätzlichen Abschnitt "Weiterführende Links" verlinkt man dann noch den zugrunde liegenden Haltungsbericht (soweit vorhanden). Falls noch nicht vorhanden, ergänzt man idealerweise noch einen Eintrag für die Gattung Crematogaster selbst, in welchem dann alle bereits vorhandenen Art-Einträge verlinkt werden können.
      Möchte nun jemand seinen eigenen Haltungsbericht ebenfalls im Lexikon-Eintrag verlinken, kann er/sie im gleichen Zuge eventuell den Temperaturbereich erweitern oder eine mögliche Nestvariante ergänzen. Auch wenn die Haltungserfahrungen des einzelnen eher subjektiv sein mögen, ergibt sich über die Zeit dennoch eine Sammlung wertvoller Informationen.

      So zumindest mein grober Gedankengang, welcher hauptsächlich darauf basiert, dass ich schade finde, dass die "Ameisen der Welt" etwas unter gegangen sind.
    • Hey Trailandstreet,

      danke für den Input. Sollten sich hier mehr Leute beteiligen und eine Steckbriefsammlung entstehen, werde ich einfach einen entsprechenden Diskussionsthread einrichten und die Beiträge dahin verschieben. Sache von paar Klicks und es wäre wieder übersichtlich. Aktuell werde ich die "Doppelform" beibehalten und die Steckbriefe sowohl hier als auch im Lexikon posten.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Camponotus substitutus


      Generelle Informationen
      Camponotus substitutus ist eine relativ große Camponotus-Art, die in etwa mit C. ligniperda vergleichbar ist. Sie hat auffällige Rauten an der Gaster, wodurch sie eine ganz eigene, spannende Färbung hat. Sie hat ein sehr ausgeprägtes Kasten-System, welches sich aus kleinen Minor-, mittleren Media-, und großen Majorarbeiterinnen zusammensetzt. Letztere werden fast so groß wie die Gyne. Sie bilden große Kolonien und wachsen sehr schnell. Sie sind hervorragende und schnelle Kletterer, auf den Ausbruchsschutz ist also ein besonderes Augenmerk zu legen.
      Die Art stammt aus Südamerika und scheint in der Haltung keine Winterruhe zu benötigen. Wie bei den meisten Arten dürfte es aber nicht schaden, zumindest für wenige Monate die Heizung am Becken auszuschalten.


      Haltungsbedingungen
      Die Art mag es gerne warm, ich selbst habe eine Heizmatte angeboten und wenn man diese verschoben hat, zogen die Ameisen sehr schnell hinterher. Ansonsten ließ sich die Art sowohl feucht als auch sehr trocken halten, wobei die trockene Haltung sicher für den Halter einfacher ist. Sie sind bei der Futterwahl nicht besonders wählerisch, legen aber einen enormen Appetit an den Tag. Für große Kolonien empfiehlt sich daher etwa feuchtes Katzenfutter als Alternative zu Insekten, damit die Kosten und der Aufwand nicht explodieren.


      Nest
      Die Art ist auch bei der Nestwahl nicht besonders wählerisch. Hauptsache, es ist warm. Ich habe sie hauptsächlich in YTONG gehalten, den sie aber problemlos zerbeißen können. Ein externes Nest ist daher eher ungeeignet. Ansonsten lebten sie unter Steinen, im Substrat und auch in der aus Styropor gefertigten Rückwand und im Boden, eben überall da, wo sie Platz fanden. Größere Kolonien können völlig problemlos ihr Nest selbst befeuchten.


      Probleme
      Die Art wächst und wächst und wächst. Dabei haben sie, bedingt durch ihre Größe, einen enormen Futter- und Platzbedarf. Darauf sollte sich der Halter unbedingt einstellen. Externe Nester sind absolut nicht zu empfehlen, sofern diese nicht aus wirklich festen Materialien (Glas oder Plastik) sind. Ausbrüche sind sonst vorprogrammiert. Die Haltung ist ansonsten unkompliziert und die Art ist schön anzusehen. Wer mehrere große Becken mit Deckel besitzt und bereit ist, kann diese Art auch als Einsteiger halten. Man sollte sie aber nicht unterschätzen.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot
    • Doppelt gemoppelt, hält besser ;)

      Habe mir erlaubt deinen Eintrag zu Camponotus substitutus mal zu überarbeiten, um weitere Vorteile der Verwendung des Lexikons für derartige Steckbriefe zu verdeutlichen. Für ausführlichere Einträge kann man auf einfache Art und Weise ein Inhaltsverzeichnis erzeugen. Die verwendeten Überschriften können dann auch gezielt als Sprungmarken bei der Verlinkung genutzt werden.

      Verwendungsbeispiel: Haltungsberichte zu Camponotus substitutus

      Source Code

      1. [lexicon='Camponotus substitutus','Haltungsberichte']Haltungsberichte zu Camponotus substitutus[/lexicon]

      Die Funktion der automatischen Verlinkung von Lexikon-Einträgen habe ich nach dem letzten Update vorerst deaktiviert. Zuvor konnte der Verfasser selbst entscheiden, ob passende Begriffe mit dem Lexikon verlinkt werden sollen. In der neuen Version passiert dies vollautomatisch zur Laufzeit; sprich immer wenn ein Beitrag aufgerufen wird und nicht nur einmalig bei der Erstellung.

      Aktuell kann man daher nur bewusst verlinken indem man den passenden BBCode (hier in der einfachsten Variante) nutzt.

      Source Code

      1. [lexicon]Camponotus substitutus[/lexicon]

      Ich wollte die neue Funktion noch in Hinsicht auf die erzeugte Last für den Server untersuchen, aber sie wird definitiv wieder aktiviert werden, um das Lexikon bestmöglich zu implementieren.
    • Hey Chris, danke für die Überarbeitung. Ich werde das mal nutzen, um auch die anderen Beiträge nach und nach anzupassen.

      Heute gibt es aber einen Steckbrief zu meiner absoluten Lieblingsart:

      Messor minor hesperius


      Generelle Informationen
      Messor minor hesperius ist eine mittelgroße Messor-Art und zählt damit zu den Körnerfressern. Sie kommt ausschließlich auf Makaronesien vor und ist extrem polymorph, wobei die Übergänge zwischen den einzelnen Arbeitergrößen anders als etwa bei Camponotus fließend sind. Sie bilden relativ große Kolonien und haben ein moderates Wachstum. Die Art zieht auch ohne Winterruhe Geschlechtstiere auf, scheint also keine zu benötigen. Wie bei den meisten Arten dürfte es aber nicht schaden, zumindest für wenige Monate die Heizung am Becken auszuschalten.

      Haltungsbedingungen
      Die Art mag es gerne warm, sie bringen sogar teilweise ihre Brut aus dem Nest in die Nähe von Wärmequellen, wenn man sie in Ruhe lässt. Man kann sie sehr gut trocken halten und schon früh nur eine Tränke anbieten, damit die Ameisen ihr Nest selbst befeuchten. Als Körnerfresser tragen sie allerlei Samen und Körner ein, es bietet sich dafür eine einfache Bio-Körnermischung aus dem Supermarkt an. Kleine Kolonien mögen gerne kleine Samen, da diese offenbar leichter zerteilt werden können. Hier bieten sich Löwenzahn- und Grassamen an.
      Sie nehmen auch gerne Proteine an und sind bei dem Angebot nicht besonders wählerisch, sofern es tot ist. Meine Ameisen haben neben diversen toten Insekten schon frischen Fisch, Fisch aus der Dose, gekochtes Schweinefleisch, rohes Schweinefleisch, Hackfleisch, Rinderfleisch, Geflügel etc. gefressen. In trockenen Becken trocknet nicht gefressenes Fleisch schnell aus und beginnt damit nicht zu stinken. Dank der Körnerlager, die sie anlegen, kann man sie auch für längere Zeit alleine lassen, sofern sie eine Tränke haben.


      Nest
      Die Art ist auch bei der Nestwahl nicht besonders wählerisch. Hauptsache, es ist warm. Empfehlenswert sind große YTONG-Nester die sie aber problemlos zerbeißen können. Ein externes Nest ist daher eher ungeeignet. Größere Kolonien können völlig problemlos ihr Nest selbst befeuchten. Da die Art nicht besonders gut klettern kann, muss man darauf achten, größere Gefälle mit glattem Untergrund zu vermeiden.


      Probleme
      Abgesehen davon, dass die Art einen moderaten Platzbedarf hat, sind mir wenige Probleme bekannt. Man sollte allerdings wissen, dass Messor zwar Mülllager anlegen und sich das Becken daher gut reinigen lässt, aber auf der anderen Seite gut sichtbare, milchige Kotstreifen hinterlassen, die den Einblick ins Nest erschweren können und so über die Zeit die Anlage versauen.
      Mein Diskussionsthread mit Links zu meinen HBs

      Ein Leben ohne Messor ist möglich, aber sinnlos! - frei nach Loriot