Myrmecia gulosa

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    • Myrmecia gulosa

      Myrmecia gulosa

      Seit einiger Zeit lebt nun eine gulosa-Königin bei mir. Die Gründung ist bereits erfolgreich abgeschlossen, es leben nun in der jungen Kolonie bald etwa ein Dutzend Arbeiterinnen neben der Königin und der Brut. Die Arbeiterinnen schlüpften in mehreren Schüben. Während die erste Generation leider völlig ausfiel, aus den ersten fünf Puppen schlüpfte nichts, was zu einigen Fast-Nervenzusammenbrüchen bei mir führte, schlüpften aus der zweiten Generation mit wiederum fünf Puppen, die die Königin alleine aufzog, dann nach langer Zeit endlich die ersten vier Arbeiterinnen. Jetzt schlüpft die dritte Generation, mit Unterstützung durch die Arbeiterinnen der zweiten Generation zog die Königin zehn Puppen auf. Von diesen sind bisher sechs geschlüpft.
      Ich war wirklich sehr besorgt, als die erste Generation leider verloren ging. Erstaunlich war, wie entspannt die Königin nach diesem zeitraubenden Fehlschlag daran ging, einen neue Generation aufzuziehen. Sie legte einfach ein Dutzend Eier und zog dann in aller Seelenruhe die Brut auf. Das dauert immer wieder dann fast vier Monate, eine für den Halter nervenzerfetzende lange Zeit. Nicht jedoch für die Ameisenkönigin.

      Bei dieser Art gibt es winzige Pygmäen neben wirklich großen Arbeiterinnen. Die kleinsten Arbeiterinnen messen kaum 10 mm, die größten Arbeiterinnen erreichen die KL der Königin und sind dann etwa 25 bis 28 mm lang. Derart gewaltige Größenunterschiede verblüffen bei dieser Gattung, sie sind mir so auffallend bei diesen Arten noch nicht begegnet.
      Noch ist die Kolonie klein und so sind die Ameisen noch nicht sehr selbstbewusst und frech. Selten, ein- oder zweimal am Tag, sehe ich Arbeiterinnen im Terrarium. Weitab vom Nest reagieren sie dann scheu und ausweichend, selbst auf mögliche Beutetiere, bemerken sie mich jedoch, wenn sie sich in der Nähe ihres Nesteingangs befinden, reagieren sie jedoch mit Drohungen, aufgesperrten Kiefern und laufen auf mich zu, einige Schritte wenigstens. Sie verteidigen ihr Nest.

      Ich werde hier von Zeit zu Zeit über die Kolonie berichten. Fragen und Anmerkungen sind hier sehr willkommen.

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?
    • Im Terrarium lebt neben den gulosa, einer Kolonie Temnothorax, einigen kleinen Waldgrillen und weiterem Kleingetier seit einiger Zeit ein kleines Rudel Heimchen, ein zirpendes Männchen, mehrere Weibchen, und die machen, was sie wollen. Obwohl immer wieder mal eine gulosa-Arbeiterin das Becken durchstreift, erfreuen sich die mittlerweile ausgewachsenen Heimchen bester Gesundheit und frönen lautstark ihrem Liebesleben. Macht nichts, das Zirpen bringt ein mediterranes Flair in mein Zimmer.
      Zwar haben die gulosa einige Larven, doch scheint es so, als ob deren Hunger die Arbeiterinnen im Moment nicht ausreichend motiviert, auf risikoreichere Jagd zu gehen und dabei auch große, wehrhafte und kräftige Beutetiere wie die Heimchen zu fangen. Naja, müssen sie ja auch nicht wirklich, noch immer lege ich alle zwei, drei Tage ein frischtotes Beutetier vor dem Nesteingang. Und es gibt im Boden des Terrariums, im Substrat einige Mehlwürmer, die sind leicht zu erjagen und ich sehe immer wieder bei den Larven Teile der Mehlwürmer. Sie werden also eingesammelt, wahrscheinlich in der Nacht, möglicherweise auch nur solche Mehlwürmer, die sich in oder an den Nesteingang verirren.

      Mittlerweile sind fast alle jungen Arbeiterinnen geschlüpft. Es gibt noch zwei Puppen, eine davon winzig. Ich bin gespannt auf die bald schlüpfende, kleine minor-Arbeiterin. Es gibt einige Larven und ein neues, wachsendes Eigelege.
      Wie bei anderen Arten der Gattung wird mit dem Koloniewachstum die relativ strenge, zyklische Brutaufzucht bald aufgegeben. es wird in Zukunft wohl alle Brutstadien nebeneinander geben, das sieht man bei ganz jungen, kleinen Kolonien oder bei gründenen Weibchen nicht.

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?
    • Am Ende eines Jahres ist es Zeit für ein vorläufiges Fazit.
      Die Kolonie ist nun weiter gewachsen, nach einem Dreivierteljahr der Haltung besteht sie aus 18 Arbeiterinnen, einigen Puppen und etlichen Larven. Bis jetzt sind die Ameisen angenehm zurückhaltend und defensiv, trotzdem aber durchaus selbstbewusst und neugierig. An jedem Morgen, gegen 7:30 Uhr, wenn die ersten Lampen angehen, kommen einige Arbeiterinnen aus dem Nest und suchen den Zuckernapf auf, besuchen die Blüten der Pflanzen, um dort Nektar zu sammeln und suchen die Nektarien der Fleißigen Lieschen ab. Von dieser Pflanze habe ich vor kurzem zwei junge Exemplare im Terrarium angepflanzt.

      Vergleiche ich das Verhalten der Myrmecia gulosa mit dem Verhalten der Myrmecia pavida, die bei mir in einem benachbartem Becken leben, fallen mir einige Besonderheiten, Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede auf. Noch ist es aber zu früh, anhand dieser Beobachtungen an der noch kleinen Kolonie der gulosa Behauptungen aufzustellen.
      Interessant und ungewöhnlich erscheint mir manchmal, wie zielstrebig und effektiv die gulosa alarmieren. Dies geschieht in durchaus ähnlicher Weise, wie ich es von Formicinen kenne; erkennt eine Arbeiterin zB. am Nesteingang ein großes Beutetier, welches sie nicht selbst und allein erbeuten kann oder will, läuft sie hektisch zurück ins Nestinnere, boxt und schubst hier andere, ruhende Arbeiterinnen, läuft im Nest hin und her, mit ihrer Unruhe bald die anderen anstiftend, und kurze Zeit danach laufen mehrere Arbeiterinnen gemeinsam zum Nesteingang.
      Dieses Verhalten ist mir bei verwandten Arten nie so aufgefallen, obwohl ich das Glück hatte, einige Kolonien bereits früher eine Zeitlang beobachten zu dürfen. Neben den taktilen Reizen und dem physischen, optisch für den Beobachter erkennbaren Aufforderungsverhalten werden sicher auch chemische Duftstoffe abgesetzt, um die Schwestern zu motivieren. Das aber ist hinter der Glasscheibe im Beobachtungsnest für den Beobachter nicht nachprüfbar. Es ist aber davon auszugehen. Wie andere Myrmecia-Arten duften auch die gulosa charakteristisch streng, wenn sie Stress ausgesetzt werden. Als ich die kleine Kolonie vor Monaten umsiedelte mit nur vier Arbeiterinnen, war das für mich leicht wahrzunehmen. Ein ähnlicher Duft, wie ich ihn von Manipulationen mit den pavida kenne.

      Die gulosa sind wirklich große Ameisen. Sie gehören zu den größten, die mir jemals untergekommen sind, größer war eigentlich nur die Königin meiner Camponotus gigas. Ein Freund, der die Art aus dem Freiland kennt, verriet mir, dass das, was wir bis jetzt sehen, noch lange nicht das ist, was er im Freiland sah. Wie bei vielen Arten der Gattung werden große Arbeiterinnen noch etwas größer als die Vollweibchen der Art. Interessant in diesem Zusammenhang auch der jetzt schon, bei dieser noch kleinen Kolonie stark ausgeprägte Polymorphismus. Einhergehend mit einer strengen, scheinbar unumstößlichen Arbeitsteilung, kleine Tiere verlassen niemals das Nest. Zumindest habe ich die Minore nie außerhalb des Nestes gesehen und persönliche Mitteilungen von Freilandbeobachtern scheinen dies zu bestätigen.
      Größe ist nicht alles, sagt man. Das stimmt natürlich. Beobachtungen sind mir aber leichter und für mich weniger umständlich, wenn ich es mit großen und zudem für mich so interessanten Tieren zu tun habe. Ebenso ist es für mich leichter, große und wehrhafte Tiere aufzuhalten und zu verhindern, dass sie sich außerhalb des Terrariums verirren. Nicht zuletzt ist es einfach faszinierend, mit solch großen Ameisen manchmal ungewollt in eine Art Interaktion zu geraten. Die Tiere haben einfach hervorragende visuelle Möglichkeiten und drehen den sehr beweglichen Kopf nach jeder Bewegung. Manchmal schauen sie dann nur neugierig, manchmal verstecken sie sich schnell hinter einem Ast oder einem Blatt und schauen dann darunter oder dahinter in die Richtung der Störung hervor.

      Die Ameisen zeigen sich bis jetzt absolut genügsam und anspruchslos. Sieht man davon ab, dass ich natürlich einigen Aufwand betreibe, um ihnen ein einigermaßen gutes Refugium zu bieten. Wahrscheinlich wäre das gar nicht nötig, Ich halte es aber für sehr angebracht. Es sind wundervolle Tiere und ich will ihnen ein möglichst gutes Leben ermöglichen, mit möglichst geringen Einschränkungen.
      Dabei kommt mir in den Sinn, dass man manchmal liest, dass sich Halter darin verlieren, mehr über ethische Fragen zu philosophieren, pseudoromantischen Vorstellungen nachzuhängen, ihre Tierliebe zu proklamieren usw.. Dass nüchterne Wissenschaft eben ganz anders funktioniert (...was ja mtw. sein mag.), dass auch der Schutz der Natur und Umwelt unter den "Verbrauch" von Ressourcen durch Halter wie auch mich eher leidet.
      Ich glaube, man kann über diese Wesen und von ihnen viel lernen, wenn man sie kennt. Das schließt für mich neben anderen Möglichkeiten auch ein Zusammenleben mit ein. Auch, wenn das natürlich eher einseitig ist, die Ameisen werden in meinem Falle von einem Zusammenleben mit mir wohl wenig wissen. Aber ich sehe sie, ständig und jederzeit. Immer, wenn ich daheim bin. Und ich betrachte sie mit den Augen des Bewundernden und des Beobachtenden.

      LG, Frank.
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    • Die Kolonie entwickelt sich weiterhin recht ordentlich. Sie besteht aus nun etwa 40 Arbeiterinnen und es gibt außerdem Dutzende Puppen und Larven. Es ist nun soweit, dass die Arbeiterinnen täglich das Terrarium durchsuchen und sämtliche Futtertiere binnen kurzem erjagen. In Nestnähe reagieren die Arbeiterinnen dabei auf meine Manipulationen agressiv und forsch, etwas weiter weg vom Nesteingang dagegen sind sie noch immer vorsichtig und suchen Versteckmöglichkeiten, wenn ich mich am Terrarium zu schaffen mache.

      Wie ich bereits erwähnte, gibt es nun unter den Arbeiterinnen einige sehr kleine Minor-Arbeiterinnen. Diese sind durchaus winzig, messen etwa 10 bis 13 mm. Das Auftreten solcher winzigen Arbeiterinnen scheint für die Art nicht ungewöhnlich zu sein, wie ich aus Gesprächen mit Freilandbeobachtern erfahren habe. Kleinere Arbeiterinnen sah ich auch bei verwandten Arten wie den Myrmecia pavida und M. desertorum, doch waren die Größenunterschiede nicht so gewaltig. Sicher, der Polymorphismus ist bei anderen Arten anderer Gattungen noch sehr viel ausgeprägter, doch für Ameisen dieser Gattung ist der hier beobachtbare Polymorphismus doch erstaunlich. Zumal er mit einer Arbeitsteilung einhergeht, die zumindest für die kleinen Arbeiterinnen eindeutig zu sein scheint. Denn sie verlassen das Nest im Normalfall nie, sie beteiligen sich nicht an Nestbauarbeiten oder Außendienstaufgaben, sie kümmern sich allein um die Brutpflege.
      Ich sage, im Normalfall. Denn gerade vorhin sah ich eine dieser kleinen Arbeiterinnen im Terrarium. Sie irrte offensichtlich orientierungslos in engen Kreisläufen umher, sie reagierte nicht auf visuelle Reize und sie fand nicht zum Nesteingang zurück, von dem aus ausgehend sie sich anscheinend verirrt hatte. Ich fing sie mit einem Reagenzglas ein und setzte sie an den Nesteingang zurück, sie verschwand nun wieder in das Nest. Dies war nicht das erste Mal, dass ich auf diese Weise einer der kleinen Arbeiterinnen den Weg weisen musste. Bisher habe ich dem aber wenig Bedeutung beigemessen. Nun aber frage ich mich, warum diese kleinen Arbeiterinnen scheinbar so begrenzte Möglichkeiten haben, was Orientierung, möglicherweise sogar Sehvermögen, ja, was insgesamt ihre Selbstständigkeit angeht. Gegenüber den großen und mittelgroßen Arbeiterinnen, die versiert und mit viel Routine das Terrarium durchstreifen und die sicher ebenso selbstständig im Freiland unterwegs sind, fallen diese kleinen Arbeiterinnen außerhalb des Nestes auf durch Hilflosigkeit und Verletzlichkeit auf. Sie könnten einer ganz jungen Kolonie aus Außendiensttiere keine Hilfe sein. Vielleicht ist das ein Grund, warum die ersten Arbeiterinnengenerationen der Myrmecia eher nie so winzige Erstlingstiere sind wie man es meist bei anderen selbstständig gründenden Arten beobachtet.
      Es stellt sich die Frage, warum bei der Art solche kleinen Arbeiterinnen mit solchen Defiziten aufgezogen werden. Die Versorgung der Brut wird ebenso gut durch die mittelgroßen und großen Arbeiterinnen erledigt, wie es den Anschein hat. Vielleicht aber ist es auch so, dass diese kleinen Arbeiterinnen schneller altern, früher wichtige Fähigkeiten verlieren und dann irgendwann das Nest verlassen, um irgendwo im Freiland zu sterben. Kleine Arbeiterinnen zu produzieren kosten auch einer Myrmecia-Kolonie weniger Ressourcen, so kann sich der Aufwand lohnen, solche relativ kurzlebigen Arbeiterinnen aufzuziehen. Kleinere Arbeiterinnen werden gewissen Aufgaben besser bewältigen, auch dies kann ein nützlicher Faktor sein. Kleinere Arbeiterinnen beteiligen sich sicher nicht an Rivalitäten und Auseinandersetzungen, die zwischen größeren Arbeiterinnen auftreten können. Wahrscheinlich fehlen ihnen die Voraussetzungen dazu, evtl. haben sie nicht einmal entwicklungsfähige Ovarien. Das müsste aber erst untersucht werden. Fakt ist, sie sind den anderen, größeren Arbeiterinnen in jeder Beziehung untergeordnet. Vielleicht haben gössere Arbeiterinnen daher ein Interesse daran, solche Arbeiterinnen aufzuziehen, sie werden später keine (ernstzunehmende) Konkurrenz sein, wenn es irgendwann einmal aufgrund "personeller" Veränderungen in der Koloniezusammensetzung zu offenen Rivalitäten kommen kann.
      Und so lange der Anteil der kleinen Arbeiterinnen in der Kolonie gering bleibt, schadet es der Kolonie sicher nicht, sondern ist wahrscheinlich vom Nutzen. Denn sicher haben diese Winzlinge spezielle Aufgaben.
      Ich werde das weiter beobachten.

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?
    • Hey Frank,

      danke für den netten Bericht! Tatsächlich haben Minor-Arbeiterinnen weniger Ovarien als andere Arbeiterinnen. Interessanter Weise fangen sie aber, bei Verlust der Königin, schneller mit der Eiablage an als die normalen Arbeiterinnen.
      Es gibt sehr ausführliche Studien zu Myrmecia gulosa, u.a. von Hölldobler und Peeters.

      Peeters war so nett und hat ein Vergleichbild der Ovariolen im AntWiki hochgeladen:

      antwiki.org/wiki/images/7/7b/M…s_(Christian_Peeters).jpg
      Links normale Arbeiterin, rechts Minor.

      Wer mehr wissen will:
      Dietemann, Hölldobler, Peeters (2002): Caste specialization and differentiation in reproductive potential in the phylogenetically primitive ant Myrmecia gulosa. Insectes Socieaux 49(3): 289-298
      link.springer.com/article/10.1007/s00040-002-8316-9

      Grüße, Phil
    • Die Entwicklung der Kolonie verläuft weiterhin gut. Es sind jetzt geschätzt etwa fünfzig Arbeiterinnen, dazu gibt es Brut in allen Stadien.
      Bis vor wenigen Wochen waren die Arbeiterinnen noch eher schüchtern und zurückhaltend, jetzt legen sie diese Scheu nach und nach ab. Ist die Kolonie, resp. sind die Larven hungrig, zeigen mir die Arbeiterinnen dies mit vermehrten Aufenthalt im Auslauf des Beckens. Sie lungern dann überall im Terrarium in Gruppen und Grüppchen herum, wie wartend darauf, dass ihnen der Halter endlich etwas zum Erjagen und zum Verfüttern vorsetzt. Mach ich mich in der Nähe zu schaffen, gucken mich viele Augenpaare an. Sobald ich dann einige Grillen und/oder Mehlwürmer ins Terrarium entlasse, zeigen die Arbeiterinnen Aktivität und Geschäftigkeit. Alles wird erjagt und ins Nest transportiert.
      Trotzdem füttere ich nicht ständig und ohne Pausen. Ich glaube, dass kurze Fastenzeiten gut tun. Es gibt ein bis zwei mal in der Woche Futtertiere.
      Würde ich ständig und ohne Unterlass füttern, wäre die Kolonie wohl schon viel größer. Damit tut sich ein Problem auf, langsam wird das Terrarium zu klein. Ich will den Tieren mehr Auslauf und mehr Abwechslung bieten.

      Ich halte im Moment Ausschau also schon nach einem größeren Terrarium. ich habe mich dabei ein wenig in diese Alu-Stecksysteme verguckt. Das neue Becken soll mindestens zwei Meter lang sein, eine ordentliche Höhe (für Pflanzen) aufweisen usw.. Diese Alu-Terrarien scheinen ganz gut zu sein, sie sind abbaubar, evtl. später erweiter- oder umbaubar, leicht zu transportieren, wenn es nötig ist, weil zerlegbar, nicht zuletzt sehen sie toll aus.
      Ein Fragezeichen gibt es für mich noch bei der Frage, wie wasserdicht sind sie? Sie müssen wenigsten die Feuchtigkeit halten können, die im Bodensubstrat für die Pflanzen vorhanden ist. An dieser Stelle mal die Frage in den Raum, hat jemand Erfahrung mit diesen Terrarien?

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?
    • Hallo Frank,
      es kommt immer auf die Bauweise an! Man kann sogar Paludarien damit herstellen. Hier steht dann ein nicht so hohes Aquarium,
      über dem dann das unten offene Terrarium gebaut wird. Alles in allem dann, in einem Alurahmen.
      Aber so wasserdicht sollte es ja nicht bei Dir werden.
      Wenn man ein Terrarium, welches nicht eine Sumpflandschaft imitieren soll, sondern nur für die Bedürfnisse von Pflanzen, wie wir Ameisenhalter sie pflegen wollen, funktioniert so ein Becken bestens.
      Die Scheiben werden ja mit Silikon eingeklebt, auch werden sehr oft Kunststoffplatten als Rück- oder Seitenwände eingeklebt.
      Dies macht die Becken dann sehr viel leichter.
      Zu bedenken ist ja, bei normalem Bodengrund(Wurzelballen/Erde), der feucht gehalten wird,
      gibt es keinen Wasserdruck, der das Wasser durch eine nicht gut geklebte Silikonverklebung drücken kann.
      So gesehen sind die Becken recht sicher!
      Gruß,
      Steffen
      ,,es ist nicht wichtig, was andere denken wenn man kommt, es ist wichtig was sie denken, wenn man geht!
    • Hallo, liebe Ameisenfreunde.

      Mal wieder ein kurzer Zwischenbericht zu meiner gulosa-Kolonie.
      Obwohl die gulosa wie alle Bulldoggenameisen eine lang andauernde individuelle Brutentwicklung haben, etwa 3 bis 4 Monate, ist die Kolonie doch in knapp einem Jahr auf ca 200 Arbeiterinnen und ebenso viele Brutstadien angewachsen. Das Koloniewachstum ist anfangs natürlich langsam, erhöht sich aber nach einiger Zeit um ein Vielfaches, ganz einfach daher, weil viele Arbeiterinnen viel Brut aufziehen und dann zeitgleich immer mehr junge Arbeiterinnen schlüpfen.
      Verwunderlich ist immer wieder für mich, wie genügsam diese Ameisen dabei sind. Eigentlich habe ich die Kolonie, außer vielleicht in ihrer Anfangszeit, ausschließlich mit Mehlwürmern und Grillen gefüttert. Besonders Mehlwürmer werden dabei immer gern genommen. Das hat mich immer etwas verwundert, denn selbst Wüstenameisen der Gattung Cataglyphis machten bei mir nach einiger Zeit oft ein "langes Gesicht", wollten dieses Einheitsfutter manchmal nicht mehr wirklich annehmen. Die eigentlich anspruchsvollen, großen und gut sehenden Myrmecia dagegen zeigen sich nicht sehr verwöhnt. Obwohl sie hervorragende Sichtjäger sind und sicher ganz andere Beute greifen könnten, geben sie sich mit eigentlich jederzeit mit Mehlwürmer zufrieden. Sie mögen sie sogar sehr.
      Die Größe der Kolonie machte mir Sorgen. Es steht ein Umzug an und die Kolonie muss "transportabel" sein. Daher machte ich mich gestern daran, sie etwas zu verkleinern. Ich siedelte die Kolonie in ein kleineres Becken um, entnahm ihr etwa 150 Arbeiterinnen und fast sämtliche Brut und die Königin ist nun wieder von nur noch 30 Arbeiterinnen und etwas Brut umgeben. In einem Jahr wird die Kolonie diese Größe wieder erreicht haben.

      Die Königin im Nest.



      Die Arbeiterinnen und die Brut, die ich separiert habe, bekam ein Freund, der diese Gruppe halten wird. Ich hoffe, dass er mir berichten wird, wie sich die Gruppe in Zukunft verhalten und entwickeln wird, ohne Königin.

      LG, Frank.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Frank Mattheis ()

    • Wenn ich mal am Terrarium zu tun habe und bewässere oder den Zucker erneuere, schauen mich sofort große Augen irgendwie erwartungsvoll an.



      Das ist wirklich keine aggressive Haltung. Das können die anders... Diese Ameisen gucken einfach nur. Meistens gibt es ja was zum Naschen, wenn sie mich bemerken. Nicht immer, dieses Mal wurden sie nur fotografiert.

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?
    • Nun möchte ich endlich auch ein wenig über diese wunderschönen Ameisen schreiben, die mich in ihrer bald schon intelligent wirkenden Art vom ersten Moment an fasziniert haben.

      Meine Kolonie ist gleich alt wie Frank seine, die Königin stammt vom Schwarmflug Anfang 2016. In dieser Zeit hat sich die Kolonie zunehmend schnell entwickelt, inzwischen dürften es an die einhundert Tiere sein und die Menge an Brut nimmt ständig zu. Wenn die Bedingungen einigermaßen stimmen, sind diese Ameisen wirklich nicht schwer zu halten.


      Beobachtungen aus der Natur

      Ich hatte 2015/2016 die Möglichkeit, die Ameisenwelt Australiens einige Monate zu erkunden. Bis auf den obersten, tropischen Norden (wo es aber auch Vorkommen geben soll) sind Myrmecia eigentlich immer präsent - von den dichtbewaldeten Küstenregionen bis ins tiefste, wüstenartige Outback um Alice Springs herum.

      Myrmecia gulosa kommen hauptsächlich küstennah an der Ostküste zwischen Brisbane und Sydney, sowie verstreut nördlicher und südlicher vor. Im Vergleich zu anderen Myrmecia Arten fand sich Myrmecia gulosa häufig an den sonnenexponiertesten Stellen, an denen es freie Sandflächen und nur einige trockenliebende Büsche gab. Diese Standortwahl macht einen steilen Nesthügel, wie er bei hauptsächlich in bewaldeten Gebieten lebenden Arten zu finden ist, unnötig. Stattdessen sind die Nester flach und teilweise bis zu ein Quadratmeter groß. Die Nester werden nicht mithilfe von kleinen Ästen und losem Material gebaut, sondern stattdessen kleine dunkle Steine herangeschleppt, die zusätzlich Wärme aufnehmen - ein Effekt, der wahrscheinlich vor Allem im Frühjahr und Herbst von Bedeutung ist. Die Nester von Myrmecia gulosa sind absolut unaufällig, es gibt meist 1-3 Eingänge, die einfach nur offene, meist nicht dekorierte Löcher im Boden sind und man würde sie im Vorbeigehen schnell übersehen, wären da nicht immer ein paar große Wächterinnen, die einen genauestens im Blick behalten.

      Dennoch ist es keineswegs so, dass diese Ameisen in der Wüste leben! Vielmehr gibt es in ihrem Verbreitungsgebiet ausgedehnte Wälder mit Eukalyptusbäumen, zahlreichen Büsche und Sträucher, Pflanzen, Gräsern und kleinen Bachläufen und Teichen, vor Allem in den Tälern. In einem halben Meter Tiefe ist der Boden in diesem Habitat immer feucht und große Myrmecia Nester dürften wesentlich tiefer sein.
      Durch die hügelige Landschaft gibt es immer wieder kleine baumfreie Zonen, eben dort scheinen sich Myrmecia gulosa bevorzugt anzusiedeln, nur selten habe ich andere Arten so sonnenexponiert gefunden. Das hält die Arbeiterinnen aber nicht davon ab, in den nahegelegenen Wäldern zu fouragieren und natürlich gibt es auch dort Kolonien.

      Was mich von Anfang an speziell an M. gulosa besonders fasziniert hat, ist ihr überlegt wirkendes, zunächst ruhiges und abwartendes Verhalten. Ich konnte auch an große Nester dicht mit der Kamera herankommen, sehr vorsichtig natürlich, ohne dass die Wächter sofort aggressiv wurden. Stattdessen beobachten diese Ameisen genau, wägen aber erst ab, ob ein Angriff nötig ist. Erst wenn das Nest wirklich hartnäckig gestört wird, werden sie aggressiv; dann sollte man in der australischen Mittagssonne schnell das Weite suchen, denn es können wespenartig schnell hunderte Arbeiterinnen aus den Nesteingängen strömen.
      Im Vergleich zu Myrmecia cf. pavida und desertorum Kolonien fällt das ruhigere Wesen dieser Ameisen besonders stark auf; während jene Arten sich schnell auf alles stürzen, was sich bewegt (das macht sich besonders jetzt in der Haltung bemerkbar), habe ich M. gulosa Arbeiterinnen schön häufiger auf der Hand gehabt, um sie ins Becken zurückzusetzen, wenn sie während des Agierens am offenen Becken auf Erkundungstour gingen. Über diese ruhige Art bin ich auch sehr froh, denn sonst wäre die Haltung in einem Becken mit Schiebetüren äußerst unangenehm. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie sich das Verhalten entwickelt, wenn die Kolonie älter und annähernd ausgewachsen ist.

      Eine Arbeiterin hängt entspannt an der Schiebetür:


      Myrmecia gulosa bei mir in der Haltung


      Nachdem die Gründungsphase überstanden und die Kolonie auf knapp 20 Arbeiterinnen angewachsen war, begann ich vor ein paar Monaten ein großes Becken einzurichten. Es handelt sich um ein 120x60x50cm Vollglas-Becken mit Frontschiebetüren. Als Bodengrund dienen zur Drainage (und um ungewünschtes Buddeln zu verhindern) grobe Kiesel und Lavasplit, darüber befindet sich eine dünne Schicht Walderde und roter Lehmsand.

      Das Nest habe ich aus ganzen 10kg Gips gegossen, es ist knapp 50cm hoch und nimmt damit eine ganze Schmalseite des Beckens fast vollständig ein. Um auch einer größeren Kolonie noch Platz bieten zu können, habe ich einige der Kammern bis zu 10cm tief gegossen. Der Nachteil davon ist, dass die Ameisen sich besser verstecken und die Scheibe mit Erde zukeistern können, was ich aber gerne in Kauf nehme. Zum Glück haben sind sie nicht sonderlich fleißig was das angeht, das einfallende Licht scheinen sie gar nicht mehr wahrzunehmen. Anfängliches Bauen mit Erde diente eher dazu, die kleinen Lücken zwischen Glasscheibe und Nest zu verschließen.
      Den Gips habe ich vorher mit etwas Abtönfarbe angerührt, sodass es eine erdähnliche Farbe hat, außerdem habe ich etwas rote Lehmerde in Wasser aufgelöst und ihm damit einen dicken Anstrich verpasst, was bis heute hervorragend hält. Als Moduliermasse für die Negative der Kammer diente übrigens Katzenklumpstreu, weil ich nichts anderes da hatte:


      Die unteren Kammern des Nestes sind ständig sehr feucht, dort bilden sich teilweise schon Algen an der Scheibe. Hier werden aber bevorzugt die Eier und Larven gehalten! Auch die jüngeren Puppen werden meistens in den unteren Kammern gelagert, was mich sehr erstaunt; nur die älteren Puppen werden tagsüber in die oberen, warmen und trockenen Kammern getragen, hier halten sich auch die frisch geschlüpften Arbeiterinnen auf.

      Neben einer Grundbeleuchtung mit einer hellen LED-Leiste wird das Nest von schräg oben außen 12 Stunden am Tag mit einer gedimmten Rotlichtlampe erwärmt, zusätzlich befindet sich im Becken ein 50W Halogenstrahler, der genau auf das Nest und den Nesteingang gerichtet ist und mehrere Stunden über die Mittagszeit das gesamte Becken stark erwärmt. Dadurch soll der natürliche Tagesrhythmus simuliert werden, was auch gut zu klappen scheint - morgens und am frühen Abend, wenn der Strahler ausgeht, strömen zahlreiche Arbeiterinnen aus dem Nest, über die Mittagszeit ist außerhalb des Nestes nur wenig Aktivität, aber die Puppen werden in die oberen, warmen Kammern getragen. Ist es im Becken überall gleich warm, kann es passieren, dass die Ameisen das gesamte Becken als Nest ansehen und überall herumhocken. Durch den Wärmestrahler ist das nicht der Fall. Ein PC-Lüfter in der Decke des Beckens sorgt auf niedriger Stufe für einen ständigen Luftaustausch, um Staunässe zu vermeiden.


      Im Becken steht natürlich immer Zuckerwasser bereit, was gerne genutzt wird:


      An Insekten nehmen die M. gulosa alles an, was man ihnen anbietet, sie sind absolut nicht wählerisch, lieben zum Beispiel Mehlwürmer und zerlegen sie im Nest fachmännisch in kleine Stücke. Selber jagen ist auch kein Problem, auch mit großen Heimchen werden sie durch ihren kräftigen Stachel schnell fertig.

      Hier noch ein paar Bilder von der Kolonie, leider ist es extrem schwer gute Fotos hinzubekommen und in viele der Kammern kann man nur mit bloßem Auge schauen, da die Scheiben etwas verdreckt sind. Die tatsächliche Brutmenge ist also viel höher, als auf den Bildern zu sehen, gerade die Larven werden in eigenen Kammer gelagert.


      Wer genau hinschaut, erkennt eine Jungkönigin auf den Bildern. Ich war sehr erstaunt das zu entdecken, eigentlich ist die Kolonie noch etwas jung für die Aufzucht von Geschlechtstieren, sie sehen das aber scheinbar anders, denn einige weitere Puppen sehen verdächtig nach zukünftigen Königinnen aus. Freuen tut man sich da als Halter natürlich schon, es geht der Kolonie prächtig.

      Myrmecia gulosa zeigt einen extremen Polymorphismus, neben teilweise sehr kräftig gebauten Arbeiterinnen, die größer als die Königin sind und zahlreichen Zwischengrößen, gibt es eine winzige Arbeiterinnenkaste, kaum mehr als einen Zentimeter groß und eher einheitlich braun als rot gefärbt, die sich hauptsächlich um die Eier und kleine Larven zu kümmern scheint. Lange Zeit gab es davon nur ein Exemplar in meiner Kolonie, aktuell kann ich mindestens 10 dieser winzigen Puppen zählen, die sich deutlich von den übrigen abheben. Im Außendienst konnte ich diese Winzlinge bisher kein einziges Mal beobachten, wohl aber bei Franks Kolonie am späten Abend an den Nektarien einer Pflanze, als ich vor einiger Zeit bei ihm zu Besuch war.

      Von Frank habe ich Ableger einer Springpalme und vom Fleißigen Lieschen bekommen, die ich in die linke, etwas feuchtere Hälfte des Beckens gepflanzt habe. Außerdem habe ich von einer Gärtnerei eine kleine Australische Kastanie und eine Kängurupfote (die Pflanze) bekommen können.

      Das große Becken ist der Blickfang im Zimmer, so macht Ameisenhaltung Spaß!

      LG, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Phillip Alexander ()

    • Hi Philip:)

      Die Gulosa sind wirklich eine schöne Art. Tolle Bilder von dir.
      Wie läuft dass geschehen den so zur Zeit?
      Ich halte ja jetzt seit kurzem die pyriformis, auch sehr interessant muss ich sagen. Bin gespannt was da noch auf mich zukommt.
      Vor einiger Zeit hatte ich mal pavida bzw. Videx. Glaube aber das es doch einige Unterschiede gibt aussser von der Farbe natürlich. Würd mich freuen wieder was zu lesen:)
      Lg
      Myrmecia123
    • Hallo Myrmecia123,

      Die Kolonie entwickelt sich weiterhin sehr gut. In letzter Zeit werden immer wieder Puppen aussortiert, sie weisen kleine Bissstellen auf und teilweise sind die kurz vor dem Schlupf stehenden Ameisen darin nahezu komplett ausgehöhlt. Den genauen Übeltäter kenne ich nicht, aber um ehrlich zu sein bin ich insofern ganz froh darüber, als dass es die Kolonie etwas in Schach hält. Denn trotzdem schlüpfen täglich neue unversehrte Arbeiterinnen und es gibt eine große Zahl Larven.

      Trotzdem werde ich natürlich etwas verändern, ich baue gerade ein noch größeres Nest und eins zwei kleinere Veränderungen am Becken sind auch geplant. Ich werde berichten, wenn es so weit ist.

      Vorerst habe ich die Temperaturen heruntergefahren, der Spotstrahler ist gar nicht mehr an, die Rotlichtlampe nur noch wenige Stunden am Tag. Das ist jetzt seit knapp einem Monat so, trotzdem zähle ich aktuell alleine über 70 Puppen.
      Interessanterweise haben sie die gesunkenen Temperaturen dazu veranlasst, sich in den unteren Kammern wie wild in den Gips in die Tiefe zu graben, inzwischen liegt draußen vor dem Nest ein beachtliches Häufchen. Ich habe keine Ahnung wie viele weitere Arbeiterinnen sich in den selbstgegrabenen Kammern verstecken, ein weiterer Grund warum ich sie bald rausholen und ein neues Nest bauen werde. Das jetzige Gipsnest hatte ich nicht lange genug durchtrocknen lassen und eventuell auch etwas zu viel Sand zugemischt, sodass der Gips sehr weich ist. Das wird beim neuen Nest nicht so sein.

      Heute habe ich endlich Ersatz für meinen defekten Blitz bekommen, hier zwei Schnappschüsse vom ersten Test mit einem recht unruhigen Modell, einer aus der Kolonie stammenden Jungkönigin:




      LG, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Phillip Alexander ()

    • Hi und Danke für die schnelle Antwort Philip.

      Wie alt ist deine Kolonie nochmal? Du hast schon geschlechtstiere. Die Gulosa können ja mehrere 1000 Tiere stark werden, ist deine schon so groß? Oder produzieren sie schon unter wenigen hundert Tieren auch geschlechtstiere? Pyriformis soll ja ähnlich groß werden. Bin mal gespannt. Auch im Bezug auf gamergate soll ja möglich sein bei der Art. Leider fehlen beider Kolonien bei den Königinnen je ein Bein. Also fünf nur. Hoffe das es nicht allzu schlimm ist für solche Arten. Weist du da was dazu?
      Lg und schönen Tag

      Myrmecia123
    • Die Königin ist jetzt etwa anderthalb Jahre alt, die Kolonie etwa ein Jahr, da es zwischendrin einen kleinen Einbruch gab. Die erste Jungkönigin ist bereits bei einer Koloniegröße von etwa 50 Arbeiterinnen geschlüpft, also sehr früh. Ich glaube nicht, dass das in der Natur ähnlich ist, ich denke eher, dass die frühe Aufzucht von Geschlechtstieren auf das übermäßige Futterangebot und die optimalen Temperaturen zurückzuführen ist.

      Soweit ich weiß, werden die Myrmecia pyriformis Kolonien noch größer als die von M. gulosa, aber auch letztere können einen beachtliche Nestgröße erreichen - ob es wirklich mehrere tausend sind oder wahrscheinlich mehrere hundert ist schwer einzuschätzen, da sie meist keine wirklichen Nesthügel bauen und es kaum erkennbar ist, wie groß das Nest unter der Erde ist. Die frühe Aufzucht von Geschlechtstieren bei mir in der Haltung deute ich ebenfalls als Hinweis auf einen recht schnellen Zyklus und vergleichsweise kleinen Koloniegröße wie typisch für Myrmecia: es werden schnell eine große Zahl an Arbeiterinnen aufgezogen und dann irgendwann hauptsächlich nur noch Geschlechtstiere. Bis das bei meiner Kolonie so weit ist, wird es hoffentlich noch etwas dauern.

      Ein fehlendes Bein dürfte kein Problem sein, wenn die Könginnen normal Brut aufziehen. Nicht speziell von Myrmecia, aber von anderen Ameisenarten habe ich schon öfters Königinnen mit kleinen Verletzungen erlebt, die trotzdem sehr produktiv waren und eine gesunde Kolonie hervorgebracht haben.

      LG, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Hi :) ,
      Es ist schon erstaunlich wie potent das Gift der Myrmecia zu sein scheint. Hatte letztens eine Hornisse gefunden die in einem spinnen netzt hing. Habe sie einer Myrmecia Kolonie gegeben . Keine Angst ihr fehlte leider schon ein Flügel. Erstaunlich war ein einziger Stich genügte um die bewegungslos zu machen. Schon sehr heftig da Hornissen ja schon recht massig und groß sind. Was hattest du den schon so alles an Futter gegeben?

      Lg
      Myrmecia123
    • Meine Kolonie hat nun ein Winterquartier bezogen. Ein großes Meterbecken, offen und sonnig. Die Kolonie soll sich nun langsam auf eine Pause vorbereiten.
      Ich habe die Bande in ein anderes Zimmer der Wohnung gebracht. Hier stehen sie an einem westlich ausgerichteten Fenster, haben viel Sonne, auch im Winter, dabei aber bei Temperaturen, die sich im bald beginnenden Herbst und Winter denen annähern, die in ihrer Heimat in der kühlen Jahreszeit herrschen sollten. Die Kolonie bekam ihr altes, großes Nest zurück. Sie braucht es auch schon wieder, denn die Kolonie hat sich gut entwickelt und es sind schon wieder um die einhundertfünfzig Arbeiterinnen.
      Das Becken ist ein altes 200 Liter Aquarium. Mir scheint, als ob solche Aquarien die beste Lösung sind für diese Ameisen. Oben offen, daher geringe Luftfeuchtigkeit, hohe Temperaturschwankungen im Auslauf über Tag und Nacht, Luftbewegung. Gesichert wird gegen das Auslaufen einzelner vorwitziger Kundschafterinnen mit Talkum. Funktioniert bei dieser Art sehr gut. Interessant ist, dass die Arbeiterinnen das Klettern sehr bald aufgeben, wenn sie bemerken, dass die Sperre unüberwindlich ist. Sie sind halt nicht doof.

      Die Ameisen beim Einzug in das neue, alte Quartier. Es werden Brutstadien in das Nest getragen. Ganz links eine minor-Arbeiterin.
      Die Nachmittagssonne bescheint ihre Körper und es ist am Boden jetzt sehr warm. Die großen Tiere sind sehr agil, aufmerksam und lebhaft. Wunderschön.



      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Frank Mattheis ()

    • Myrmecia123 schrieb:

      Gibt es eigentlich Unterschiede vom Verhalten insgesamt zw. Myrmecia Gulosa und Pavida?
      Habt ihr was bemerkt ?
      Ja, es gibt doch recht deutliche Unterschiede zwischen beiden Arten. Myrmecia gulosa sind im Wesen insgesamt etwas ruhiger als pavida.

      Während M. pavida sehr schnell nach Allem schnappt, was sich bewegt und bei Störung wie von der Tarantel gestochen umher rennt, sich teilweise in Nestgenossinen verbeißt, lässt es sich mit den gulosa deutlich besser arbeiten.
      Diese Tiere beobachten mehr, greifen nur im Notfall an oder wenn das Nest gestört wird. In der Natur habe ich wirklich große Nester aus nächster Nähe fotografiert, ohne ein Problem zu bekommen. Es kamen ein paar Wächter aus dem Nest und haben mich im Auge behalten - sicher hätten sie zugestochen, wenn ich es drauf angelegt hätte - und das wars.

      Da bei meiner Kolonie hier teilweise um die 40-50 Arbeiterinnen gleichzeitig auf Nahrungssuche sind, gehen manchmal einzelne Arbeiterinnen auf Entdeckungstour und verlassen das Becken, wenn ich ich die Schiebetüren des Beckens öffne. Diese konnte ich bisher ohne gestochen zu werden problemlos auf die Hand nehmen und ins Becken zurücksetzen - entsprechend vorsichtig natürlich. Bei pavida würde ich mich das nur mit einer Pinzette trauen.

      Gestern habe ich die Kolonie aus dem Becken geholt und temporär in eine Box umgesetzt, während ich das Becken und Nest erneuere (dazu später mehr). Auch dabei ist das etwas ruhigere, überlegter wirkende Verhalten aufgefallen. Die großen Arbeiterinnen stürmten mir zwar natürlich fuchsteufelswild entgegen, aber es herrschte kein totales Chaos: andere suchten in Sekundenstelle eine Nische hinter dem umgedrehten Nest und begannen, die Brut dort in Sicherheit zu bringen.

      Es sind also gut organisierte, beobachtende und die Lage immer einschätzende Ameisen und was ich bei Myrmecia so interessant und beeindruckend finde, ist dass die Initiative immer von einzelnen Arbeiterinnen ausgeht, die entscheiden, was das Beste für den Rest der Kolonie ist. Das gibt es nur bei diesen den Wespen doch noch irgendwie ähnlichen Ameisen.

      Ein weiterer Verhaltensunterschied, der mir aufgefallen ist, ist dass M. pavida das exakt selbe Setup, in dem die gulosa ohne Ärger zu machen gelebt haben, ständig wie wild umgraben - ihr Grabtrieb scheint deutlich stärker ausgeprägt zu sein und sie schaffen es sogar, sich zwischen groben Kieselsteinen Kammern zu bauen.

      LG, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Moin!

      @Frank Mattheis: Du hattest am Anfang der letzten Woche geschrieben, dass deine Myrmecia gulosa Kolonie nun in das Winterquartier umzieht. Anscheinend hältst du die Kolonie nach den Jahreszeiten der Nordhalbkugel. Ist das letzten Endes kein Problem für die Tiere? Sind Mrymecia Arten da sehr anpassungsfähig?

      Meine Südafrikaner machen gerade das Ende des norddeutschen Sommers als Winter durch, unbeheizt bei tagsüber meistens 22-24 °C Lufttemperatur, manchmal wurde es auch 26 °C. Im Oktober werde ich nach und nach Heizelemente zur Raumtemperatur zuschalten, Frühlingsbeginn ist der 22.09.2017. Wäre der Sommer hier in Hamburg heißer, dann wäre das ein Problem.

      Gruß, Olaf
      „It's a white whale, I say,“ resumed Ahab, as he threw down the top-maul; „a white whale. Skin your eyes for him, men; look sharp for white water; if ye see but a bubble, sing out!“ Moby Dick, Herman Melville