Myrmecia gulosa

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    • Hallo Olaf. Ich würde immer versuchen, auf die hiesigen jahreszeitlichen Verhältnisse umzustellen. Man macht das ja auch mit anderen Tieren aus der südlichen Hemisphäre so und auch mit den meisten Pflanzen von dort.
      Gelingt auch eigentlich problemlos.
      Meine gulosa mussten auf einen Winter verzichten, hatten also einen extrem langen Sommer. Ich halte sie seit Mai 2016. Jetzt stehen sie in einen unbeheizten Raum, die Temperaturen sinken mit dem einhergehenden Herbst. Ab und zu knallt die Nachmittagssonne rein durch das Westfenster, auch das genießen die Ameisen dann. Aber im Nest wird es kühler, ich heize auch nicht mehr bei ihnen. Sie sollen jetzt eine Pause machen. Das, obwohl sie noch einige Larven und auch Puppen haben. Ich zwinge sie also zu dieser Winterruhe.
      Natürlich bekommen sie Futter, Zucker und Eiweiß. Sie können also noch die Larven aufziehen, das aber wird natürlich länger dauern. Soviel ich weiß, hat die Art im australischen Freiland auch Brut im Winter, es ist also wohl nicht ungewöhnlich.
      Eigentlich ist es mir auch nicht wichtig, ob es ihnen jetzt noch gelingt, die Larven aufzuziehen. Es sind schon wieder genug Arbeiterinnen und es werden noch welche schlüpfen. Wichtig ist mir, dass die Kolonie, besonders die Königin nun eine etwas längere Pause bekommt.

      Kurz. Diese Anpassungsfähigkeit meiner Myrmecia traue ich ohne weiteres auch deinen Südafrikanern zu. Würde ich so machen, denn es ist einfach leichter und gelingt vor allem besser, im Winterhalbjahr eine Winterruhe zu inszenieren als im Sommerhalbjahr.

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?
    • Interessante Reaktionen auf "Stress" beziehungsweise den Verlust des Nestes

      Wie ich bereits angedeutet hatte, wurde es Zeit, die Ameisen zeitweise aus dem Becken zu holen und in eine Box einzuquartieren, um ein neues, größeres Nest einsetzen zu können. Dass dies für die Kolonie einen ungeheuren Stress bedeutet, ist offensichtlich. Plötzlich wird das Nest gestört, alle Tiere einzeln mit der Pinzette gepackt und in eine Plastikbox geworfen.
      Jetzt, wo das Becken wieder bezugsbereit war, ging es plötzlich wieder zurück in das Formicarium und weil die Tiere offensichtlich auch nach mehreren Stunden mit der neuen Situation überfordert waren, habe ich etwas nachgeholfen und sie durch das Platzieren einiger Puppen und Larven im neuen Nest und anschließendes Entfernen der Box zum Umzug bewegt. Einige Arbeiterinnen haben wie zu erwarten schnell das neue Nest mit der bereits vorhandenen Brut entdeckt und schnell einen Großteil der restlichen Brut und die Königin dort hinein verfrachtet.

      Einige wenige Arbeiterinnen verstarben kurz nach dem Umsetzen in die Box ohne erkennbaren Grund abgesehen vom durch das Umsetzen verursachten Stress. Eigentlich ist Stress ein Begriff, den ich im Zusammenhang mit Ameisen eher ungerne verwende. Auffällig ist aber bei einigen Arbeiterinnen auch noch jetzt im Nachhinein ein völlig verändertes Verhalten durch die Aufregung der letzten Tage, was ich bei anderen Ameisen so noch nie gesehen habe.

      Sie wirken wie traumatisiert; wie fehlprogrammierte Roboter, die ihren Sinn und ihre Lebensaufgabe mit ihrem alten Nest verloren haben. Arbeiterinnen, die das neue Nest nicht entdeckt haben, laufen ziellos im Kreis, sind übersteigert aggressiv und verbeißen sich teilweise stundenlang und sehr hartnäckig in unbeweglichen Gegenständen wie Holzstücken, Pflanzen oder den Rändern der Glasscheiben. Einige Arbeiterinnen sitzen wie deaktiviert herum, bewegen sich stundenlang gar nicht mehr und reagieren kaum auf äußere Reize.

      Es wird deutlich, dass die bei Myrmecia eher gering ausgeprägte Rekrutierung und hohe Selbstständigkeit der Individuen auch ihren Preis hat; die Arbeiterinnen können zwar viele Aufgaben weitestgehend eigenständig erfüllen und treffen auch Entscheidungen, die die ganze Kolonie betreffen, beschließen zum Beispiel die Brut umzulagern. Aber in einer für die Ameisen ungewohnten Situation wie nach dem Verlust des Nestes leiden sie viel stärker als schnell rekrutierende Arten, die innerhalb kurzer Zeit im Kollektiv ein neues Nest beziehen.

      Es scheint ihnen ein Sinn oder eine Kommunikationsmöglichkeit zu fehlen, andere Arbeiterinnen in das neue Nest zu leiten und das, obwohl ich in der Vergangenheit bei fouragierenden Arbeiterinnen mehrmals eine Art Tandemlauf beobachten konnte. Vielmehr scheint es, als ob die Zahl der Arbeiterinnen im neuen Nest nur ganz langsam dadurch größer wird, dass neue Arbeiterinnen es durch Zufall entdecken, die Brut darin bemerken und dann dort bleiben. Eine beträchtliche Zahl an Arbeiterinnen läuft jetzt, mehr als 24 Stunden nach dem Umsetzen in das Becken, immer noch wahllos durch die Gegend. Keine ihrer Genossinnen macht Anstalten, sie in das neue Nest zu führen.

      In der Natur werden diese Ameisen vermutlich nie dazu gezwungen sein umzuziehen, da es wohl kaum ein Tier wagen würde, ein großes Myrmecia Nest auszugraben. Als ich die damals noch kleine Kolonie mit nur etwa 20 Arbeiterinnen vor einigen Monaten das erste Mal in das Becken setzte, ging der Umzug interessanterweise noch sehr koordiniert und schnell vonstatten. Dass es mit der inzwischen knapp 150 Arbeiterinnen starken Kolonie nun viel schwieriger werden würde, ist das Gegenteil von dem, was ich erwartet hatte.

      LG, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Ich habe meine gulosa auch schon einige Male umquartiert, Phillip. Dabei starb mir eigentlich nie eine der Arbeiterinnen während des Umsetzens.
      Dass die Tiere nach dem Einzug in ein neues Nest einige Zeit herum laufen und die Gegend absuchen und untersuchen, habe ich eigentlich immer etwas anders interpretiert. Sie suchten halt nach Genossinnen und nach Brut. Auch nach Feinden oder Bedrohungen für die in solchen Situationen verletzliche Kolonie. Kann sein, dass einige dann etwas durcheinander sind, aggressiv und überfordert, aber, hm, das soll es auch bei Primaten geben.
      Klar, solche Situationen werden im Freiland selten geschehen, ich glaube auch nicht, dass diese Arten oft umziehen. Müssen sie auch eher selten, wahrscheinlich, die Tiere sind wehrhaft, es wird wenige Bedrohungen geben für die Kolonien im Freiland.
      Ich habe eigentlich ähnliches in solchen einschneidenden Umzugssituationen beobachtet wie du. Anfangs hektisch agierende Arbeiterinnen, daneben Arbeiterinnen, die reglos warteten und desorientiert waren. Ich habe meine Beobachtungen bisher anders interpretiert. Die agierenden Arbeiterinnen waren eben erfahrene Aussendiensttiere, die Herumsitzenden und Wartenden waren eher unerfahrene, junge Tiere oder Minore, die im Normalfall eigentlich nie draußen sind. Dazwischen alle Abstufungen, manche Tiere sind ja nicht ganz unerfahren und kennen den Auslauf schon, haben das Nest schon verlassen, gehören aber noch nicht zu den erfahrenen Jägerinnen.
      Rekrutierung. Für mich bei den gulosa überraschend gut (...für diese Gattung). Die Wartenden werden oft ergriffen und ins Nest getragen oder gezerrt. Hinterher "wissen" diese dann sogar oft ganz gut, wie die Örtlichkeiten sind. Sie prägen sich, wie auch Arbeiterinnen anderer Arten das tun können, auch die Umgebung ein, wenn sie durch sie getragen werden.

      Bei meinen gulosa habe ich jedenfalls noch kein anhaltendes Chaos oder Durcheinander gesehen. Ich staunte eigentlich immer, wie schnell die sich beruhigen und dann cool ihren Job machen, dass dann mit einiger Konzentration. Aber klar, sie spuren halt nicht und rekrutieren nicht so effizient wie Pheidole oder Messor. Es dauert eben länger. Und es ist ganz sicher so, dass sie sich dabei relativ schwer tun, denn sie werden eher nie oder ganz selten im Freiland umziehen und haben deswegen daran keine spezialisierten Anpassungen im Verhalten. Trotzdem, ich fand bisher, dass ihre Kommunikation und sogar Rekrutierung ganz gut funktioniert. Sie machen mehr und können viel mehr, als man ihnen im allgemeinen zutraut. Eben zB. auch Kolleginnen oder die Königin tragen bzw. zerren, um sie ins neue Nest in Sicherheit zu bringen.

      Vieles geschieht bei ihnen, weil sie gut sehen können. Mit ihren visuellen Möglichkeiten machen diese Ameisen einiges wett und kommen mit so mancher Situation ganz gut zurecht. Erfahrene Arbeiterinnen sehen einfach im Vorbeilaufen andere Arbeiterinnen bei deren Verschwinden oder Hantieren an und in bisher unbekannten Nesteingängen. Sie verstehen dann die Situation, werden zumindest neugierig (!) und sehen sich das genauer an, finden so manchmal, nicht immer, das neue Nest. Für mich war das immer ganz besonders faszinierend. Sie folgen eben nicht einfach einer Duftspur, sie sehen und "verstehen" eine Situation, wenn es gut läuft. Manchmal nicht völlig und nicht auf Anhieb, aber immer irgendwie.
      Für mich sind das keine Roboter. Eher etwas mehr.

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?
    • Frank Mattheis schrieb:

      Die Wartenden werden oft ergriffen und ins Nest getragen oder gezerrt. Hinterher "wissen" diese dann sogar oft ganz gut, wie die Örtlichkeiten sind.
      Eben das konnte ich bei meiner Kolonie so gar nicht beobachten, was mich sehr erstaunt hat. Jede Arbeiterin schien ihr eigenes Ding zu machen, einige wenige haben stundenlang die Brut ins Nest getragen, aber nie versucht andere Arbeiterinnen dort hin zu zerren oder zu führen.
      Als ich die Kolonie das erste Mal umgesetzt hatte und sie noch kleiner war, war das Verhalten ein völlig anderes.

      Frank Mattheis schrieb:

      Für mich sind das keine Roboter. Eher etwas mehr.
      Nein, natürlich! Das war nur eine bildliche Beschreibung des Verhaltens der orientierungslosen Arbeiterinnen, die ich über Stunden besorgt beobachtet habe.

      Inzwischen haben sich auch alle Tiere im Nest eingefunden, vielleicht haben die kühleren Temperaturen dafür gesorgt, dass alles etwas langsamer voran ging; ich beheize ja seit einigen Wochen nicht mehr.

      LG, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Das lag dann sicher an den kühlen Temperaturen, wenn die Ameisen sich so schwer taten bei ihrem Umzug, Phillip. Als meine Kolonie letztens in ihr Winterquartier einzog, war es sehr warm; die Sonne knallte am Nachmittag durch das Fenster und die Arbeiterinnen waren sehr aktiv und munter.
      Jetzt, wo es merklich kühler geworden ist, ist bei meiner Kolonie Ruhe eingekehrt. Einige Arbeiterinnen besuchen nachmittags noch die Zuckertränke, das war es dann aber auch. Temperaturen um die 16 bis vllt. mal 20 Grad sorgen für Ruhe im Becken. Wenn die Sonne scheint und es mal warm wird, sind viele Arbeiterinnen aber draußen vor dem Nesteingang und sonnen sich.

      LG, Frank.
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    • Hallo Leute:

      wie ging es bei euch am Anfang mit der Nahrungsaufnahme? Kann Mann bei kleinen Kolonien bis 20 Tiere lebend Futter zum selber jagen in Form von Schaben, Mehlwürmer, Heimchen anbieten? Sicher ist eine Fütterung bis sie noch größer sind einfacher und sicherer. Aber bei unseren Myrmecia sollte es doch kein Problem geben oder? Denke das es gleichgültig ist welche Art von Myrmecia.
      Ps: kühlere Temperaturen lassen sowohl Entwicklung und Bewegung stark einschränken.
      Liebe Grüße
      Lg.
      Myrmecia123

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Phillip Alexander ()

    • Sicher kann man denen lebende Beutetiere anbieten. Das sind sehr gute Einzeljäger. Sie jagen allein. Schon deswegen spielt die Koloniegröße keine Rolle.
      Selbst gründende Jungköniginnen jagen und töten selbstverständlich Beutetiere, wenn sie Larven aufziehen und deswegen Proteine brauchen. Die Arten gründen semiclaustral, müssen sich und die Nachkommenschaft also mit Nahrung versorgen auch während der Koloniegründung. Bei mir jagten alle Jungköniginnen der verschiedenen Arten und versorgten sich also selbst mit Proteinen.
      Es sind durchweg wehrhafte und geschickte Jägerinnen.

      LG, Frank.
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    • Hi Frank,

      du pflegst gerade M. gulosa wenn das stimmt. Mich würde interessieren welche Myrmecia Arten du schon pflegen durftest? Gibt es da noch Arten die dich reizen würden?
      Ich hatte ja mal pavida. Da störte mich sehr schnell die hohe Zahl der geschlechtstiere. Vieleicht hängt es bei pavida damit zusammen dass die Kolonien nicht sonderlich groß werden und da deswegen zeitlich geschlechtstiere vorkommen. Denkst du auch so? Allgemein sind es sehr außergewöhnliche ameisen finde ich. Die Aufmerksamkeit? Die vielen Eigenarten die sie besitzen. Es gibt denke ich sehr wenige Arten an ameisen die so sind würde ich behaupten. So urtümlich aber doch modern möchte ich fast sagen :-).
      Sorry für mein schwärmen dies bezüglich.
      Schöne gute Nacht .
      Lg
      Myrmecia123

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Phillip Alexander ()

    • Es waren einige Arten der Gattung, die ich bisher beobachten konnte. Ich hatte etwas Glück. Das ist aber unwichtig.
      Das sind natürlich sehr schöne Ameisen, aber auch andere Arten sind interessant. Jede Art verfügt über Anpassungen und spezielle Fähigkeiten. Faszinierend sind sie alle.

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?
    • Nein, diese Art kenne ich nicht aus eigenen Erfahrungen.
      Und nur als liebevollen Hinweis, dieser Thread hier befasst sich eigentlich mit der Art Myrmecia gulosa. Wir sollten hier nicht allzu sehr abschweifen.
      Für Diskussionen um andere Arten kannst du gerne einen anderen Thread eröffnen, das wird hier durchaus gerne gesehen... ^^

      LG, Frank.
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    • Diese gulosa-Kolonie erlebt nun ihren ersten Winter. Die Königin lebt seit etwa 15 Monaten bei mir, Arbeiterinnen gibt es seit ungefähr einem Jahr. Die Kolonie wurde bis jetzt warm gehalten und hat sich gut entwickelt. So gut, dass ein großer Teil der Arbeiterinnen entfernt wurde.
      Nun wurde es Zeit, den Ameisen eine erste Winterruhe zu gewähren.
      In den Wochen, in denen die Kolonie nun kühler gehalten wird, haben die Ameisen nach und nach ihre Aktivität weitgehend eingestellt. Alle Tiere halten sich im Nest auf. Hier, im Nest wird noch immer viel Brut gepflegt, diese scheint sich aber jetzt nicht oder kaum zu entwickeln.
      An schönen und sonnigen Tagen genießen die Arbeiterinnen ein Sonnenbad. Es wird nun etwas wärmer und die Ameisen unternehmen kurze Inspektionsgänge im Terrarium.



      Es wird sich also gesonnt, es wird Zucker aufgenommen und einige Mehlwürmer und Grillen werden erjagt und eingetragen.
      Sobald die wärmende Sonne untergegangen ist, kehrt wieder Ruhe ein.

      Arbeiterinnen im wärmenden Sonnenlicht am Nesteingang.



      LG, Frank.
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    • Ein neues Nest und eine kleine, aber bedeutsame Änderung am Becken

      Als ich vor zwei Wochen meine M. gulosa aus dem Becken nahm, hatte das mehrere Gründe. Zum Einen wurde das alte Nest langsam eng und die Ameisen hatten angefangen, sich in den untersten Kammern durch den Gips zu graben. Zum Anderen hatte ich, wie schon erwähnt, einen ständigen Verlust von Puppen durch zu hohe Feuchtigkeit beziehungsweise vermutlich dazu noch Kleinstlebewesen, die die Puppen an einer Seite öffneten und dann von innen ausfraßen.
      Ich kann mir nicht erklären wieso, aber die Ameisen lagerten die Puppen oft nicht vollständig im vorhandenen trockenen Teil des alten Nestes, sondern auch in den unteren Kammern, die einfach zu feucht waren. Aus der selber in den Gips gegrabenen Kammer habe ich sie manchmal völlig durchnässte Puppen ziehen sehen, die dann wenige Tage später draußen entsorgt wurden.

      Um das Problem mit der Feuchtigkeit zu lösen, aber trotzdem die Pflanzen im Becken behalten zu können, habe ich eine Glasscheibe zugeschnitten und mit Silikon verklebt, die den Bodengrund vom Pflanzenbereich von der Seite mit dem Nest trennt. Das funktioniert auch ziemlich gut, der obere Rand der Scheibe ist nur durch eine dünne Sandschicht bedeckt und ich kann das Nest gezielt und natürlich deutlich weniger bewässern:

      Das neue Nest selber hat sehr viel mehr Kammern und wird der Kolonie noch lange Platz bieten können. Es ist noch einmal 10cm höher als das alte, dafür aber etwas dünner und die Wände zwischen den Kammern habe ich diesmal auch sehr dünn geplant, sodass es insgesamt nicht schwerer ist - ansonsten wäre es schwierig geworden, es in das Becken zu bekommen.

      Ein so großes Nest zu gießen, braucht etwas Vorbereitung. Ich habe zunächst einen Holzrahmen gebaut, eine passende Scheibe eingelegt und darauf zunächst die geplanten Kammern mit Folienstift aufgezeichnet und dann das Negativ der Kammern modelliert. Als Modelliermasse habe ich wie auch schon beim vorherigen Nest Katzen-Klumpstreu natürlicher Herkunft verwendet, das mit etwas Wasser angerührt eine sehr stabile und gut formbare Masse ergibt. Die Scheibe habe ich nach dem Guss wieder entfernt, das Nest steht direkt an der Scheibe des Terrariums, sodass es leichter ist, einzugreifen und die Ameisen wieder aus dem Becken zu nehmen, falls nötig.

      Die Rückseite des Nestes habe ich, während der Rotband-Gips noch weich war, mit Sand und Steinen bestreut und einen kleinen Stock einmodelliert:

      Altes und neues Nest im direkten Vergleich, einige kleinere fehlerhafte Stellen habe ich später noch ausgebessert:


      Damit sich die Ameisen nicht wieder nach unten durchgraben, habe ich die Kammern der untersten beiden Etagen mit Kunstharz ausgestrichen. Auf das angelierte Harz habe ich dann etwas Sand und Lehm gestreut, sodass man davon jetzt beim fertigen Nest nichts sieht. Ob die dünne Schicht Harz den kräftigen Mandibeln von Myrmecia auf Dauer standhält, wird sich zeigen.

      Der Umzug ging, wie in meinem vorherigen Beitrag beschrieben, etwas schleppend voran, inzwischen haben sie sich aber wieder gut eingelebt.

      Ein paar Arbeiterinnen haben das neue Nest entdeckt und tragen emsig Brut ein:


      Im Zuge des Umsetzens habe ich etwa 50 Arbeiterinnen separiert, die Kolonie wächst aufgrund der großen Brutmengen einfach sehr schnell. Die entfernten Arbeiterinnen leben jetzt zusammen mit einer unbegatteten Königin in einem anderen Becken.

      LG, Phillip
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    • Umgestaltung der Landschaft im Becken

      Ich habe mir zum Ziel genommen, das Becken Stück für Stück naturnaher zu gestalten. Die Kollegen aus der Aquaristik leisten Großes, was das angeht, die Ergebnisse von Aquascaping-Experten sind atemberaubend.

      Ich habe mir einen grundlegenden Tipp aus einer Aquascaping-Zeitschrift zu Herzen genommen, der ein reich bepflanztes Becken natürlich wirken lässt: Lieber einige wenige Pflanzenarten mehrfach verwenden, als viele verschiedene. Nach diesem Motto habe ich mit der Umgestaltung begonnen und kleine Graschbüschel, Sträucher und Sukkulenten machen sich echt gut im Becken. Auf den Fotos kommt das leider nicht so sehr zur Geltung. Das Ganze ist nur so nass, weil ich es gerade erst eingesprüht habe, damit der neue Sand sich setzt:



      Schon mit dem neuen Nest bin ich auf hellen Sand umgestiegen, um einen besseren Kontrast zu haben. Der Sand aus dem Baumarkt war mir aber noch zu gelb, deshalb bringe ich jetzt Stück für Stück ganz weißen Sand ein. Das Nest muss ich noch damit einpinseln.

      Und ganz nebenbei spazieren dazwischen natürlich nach wie vor die wunderschönen Myrmecia gulosa umher. Wer genau hinschaut, sieht auf einem Foto, dass der Nesteingang mit Watte verschlossen ist. Das ist inzwischen die einzige Methode, wie ich am Becken arbeiten kann. Die noch im Becken herumlaufenden Arbeiterinnen sammle ich dann immer in eine mit Talkum bestrichene Plastikbox, bis ich mit den Arbeiten am Becken fertig bin.

      Heute waren es über 20 Arbeiterinnen, die im Becken auf Nahrungssuche waren. :love:

      LG, Phillip
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Phillip Alexander ()

    • Nach einer längeren Ruhephase bei Zimmertemperatur ist seit einer Woche die Rotlichtlampe wieder an und seit gestern strahlt auch der Halogenspot im Becken wieder und tagsüber sitzen darunter zahlreiche Arbeiterinnen auf dem Stein und sonnen sich.

      Die ältere Generation Larven ist während der kühleren Phase nur wenig gewachsen und inzwischen sind durch die wärmeren Temperaturen bereits neue, kleine Larven geschlüpft:

      Der Hunger der Kolonie steigt wieder merklich und es wird alles eingetragen, was sie finden - selbst einen Mehlkäfer und ein paar Kellerasseln haben sie irgendwo zwischen den Pflanzen im Terrarium gefunden.
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    • Meine Kolonie hat nun ihre Winterruhe beendet, seit einer Woche lebt sie nun in ihrem neuen Zuhause.

      Aber, sie haben jetzt leider große Probleme. Vielleicht war der Wechsel zu abrupt und zu hart. Vielleicht haben sie aber auch in den letzten Wochen doch etwas gelitten bei den kühlen Temperaturen.
      Jedenfalls sind viele Arbeiterinnen erkrankt, es gibt sichtbare Versteifungen und Krümmungen der Fühlergeißeln oder Beine bei manchen Arbeiterinnen. Das sind keine "angeborenen" Handicaps, die Behinderungen traten und treten jetzt erst auf. Irgendwann werden erkrankte Tiere apathisch oder zittern. Einige der Arbeiterinnen habe ich bereits von ihrem Leid erlöst und sie getötet.
      Jetzt bin ich froh, dass ich der Kolonie die Brut, die es noch gab, gelassen habe und ihr nicht weggenommen habe, um sie zu der früher abgegebenen Arbeiterinnengruppe zuzugeben. Denn die Zahl der vorhandenen Arbeiterinnen nimmt zur Zeit ab.
      Schon etwas doof. Nun haben sie endlich Platz, Licht und Wärme und jetzt zeigen sich die von mir für so robust gehaltenen Ameisen doch etwas mädchenhaft.
      Ich vermute, dass die plötzliche Wärme jetzt nach der Winterruhe den Tieren zusetzt. Nur leider muss ich das Nest beheizen, damit es trocknet. Heize ich nicht, wird es noch feuchter in den Nestkammern wie es ohnehin im Moment schon ist. Das Nest wurde vor einer Woche mit viel Wasser gereinigt, erweitert und ist jetzt noch immer feucht. Dazu kommt natürlich die Wärme, die im kleinen Treibhaus vorherrscht und dafür sorgt, dass die Feuchtigkeit, das Wasser im Gipskörper des Nestes auch in Richtung des Nestes und der Nestkammern, an die Glasscheibe also, diffundiert.
      Im Treibhaus ist es tagsüber also auch sehr warm. Dazu kommt eine tagsüber infolge der Erwärmung auftretende hohe LF. Das ist ungünstig und ich hatte eigentlich gehofft, dass das Treibhaus sich infolge seines nicht so geschlossenen Aufbaus auch nicht so sehr aufheizt. Andererseits sind hohe Temperaturen ja eigentlich ganz gut für diese Ameisen, nicht jedoch eine ständig hohe LF, denke ich.
      Ich muss am Wochenende unbedingt einen Lüfter einbauen, der trockene Luft in das Treibhaus befördert und so für einen Luftaustausch und einen Abtransport der LF sorgt.

      Naja, ich wollte das nur mal zum Besten geben. Es gelingt eben nicht alles und ich muss jetzt auf meine gulosa sehr aufpassen, denn ich will sie nicht verlieren.

      LG, Frank.
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    • Die Situation scheint sich zu bessern. Ich habe einen Lüfter installiert, die LF sank in kurzer Zeit von knapp 90 % auf nun 70 % und wird noch weiter sinken. Das sind schon fast normale Verhältnisse, die Temperaturen liegen jetzt bei 25 Grad, das ist auch völlig okay.
      Kaum war der Lüfter in Betrieb, änderten die Ameisen ihr Verhalten. Sie wirken wacher, bewegen sich anders, zeigen wieder ein typisches, aufgewecktes Verhalten. Einige Arbeiterinnen saßen für einige Zeit vor dem Nesteingang und schienen die neuen klimatischen Verhältnisse zu genießen.
      Sieht für mich viel besser aus...



      LG, Frank.
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    • Bei vielen Ameisenarten sterben nach einer Überwinterung in der darauffolgenden Zeit viele Arbeiterinnen. Das sind dann aber alte und invalide Tiere, deren Zeit gekommen ist. Bei den Arbeiterinnen, die mir hier dahin schwinden, mag ich nicht glauben, dass sie bereits so alt sind und ihr Sterben ein normaler, natürlicher Vorgang ist.
      Mag sein, dass ich den Tieren etwas viel zugemutet habe. Auch im sommerheißen NSW in Australien wird der Frühsommer nicht so plötzlich und unvermittelt eintreten, wie ich ihn für meine armen gulosa eintreten ließ. Und wenn es doch geschieht, können sich die Tiere dort in den noch kühlen Boden zurück ziehen.
      Der "Winter" dauerte für die gulosa knapp drei Monate. Die erste Zeit war es dabei noch tagsüber recht warm, beheizt habe ich das Nest jedoch nicht in dieser Zeit. Die Ameisen genossen jedoch die wärmenden Sonnenstrahlen im Terrarium.
      Es ist möglich (...und ich mache mir jetzt deswegen Vorwürfe), dass ich in der letzten Zeit etwas nachlässig war mit der Befeuchtung des Substrats und damit des Nestes. Möglicherweise litten die Ameisen Durst im Nest und möglicherweise sind die jetzt eintretenden Probleme der Kolonie Folgeschäden meiner schlampigen Pflege. Als ich die Kolonie aus ihrem Winterquartier heraus holte, war ich überrascht, wie trocken das Nest war. Mir war klar, dass es zu trocken war.
      Das sind erdbewohnende Ameisen, die nicht die Möglichkeit haben wie viele andere Ameisen, sich über Trophallaxis, von Mund zu Mund gegenseitig mit Wasser zu versorgen. In einer gut versorgten Kolonie wird Wasser neben anderen Nährstoffen natürlich über die Abgabe und Weitergabe der Futtereier und auch der Beutetiere weitergegeben, aber das muss nicht genügen. Zumindest würde ich mich nicht darauf verlassen wollen.

      Vorsichtig geschätzt habe ich jetzt in kurzer Zeit etwa die Hälfte der vorhandenen Arbeiterinnenschaft verloren. Ziemlich frustrierend. Zum Glück schlüpfen derzeit junge Arbeiterinnen.
      Der Krankheitsverlauf ist dabei immer derselbe. Die Tiere verlieren die Beweglichkeit und Elastizität einer Fühlergeißel, manchmal eines Beinchens. Nun ist ihr Verhalten noch normal. Irgendwann wird ihr Gang etwas unkoordinierter, sie reagieren nicht mehr auf jeden visuellen Reiz. Irgendwann, nach zwei bis drei Tagen des Krankheitsverlauf sitzen sie apathisch herum und sterben. Die Toten werden dann von anderen Arbeiterinnen herumgeschleppt. Ich entnehme sie so schnell wie möglich, es könnte ja auch eine andere Erkrankung sein und tote Tiere und das Herumhantieren mit ihnen kann durchaus zu neuen Infektionen führen.
      Ich glaube jedoch nicht an eine solche Erkrankung, ich denke, dass die Ameisen an den Folgen der Überwinterung herum laborieren und ich einfach hier zu viele Fehler gemacht habe. Eine nächste Überwinterung werde ich sehr viel sanfter durchführen.

      Ich hoffe sehr, dass es gut geht. Sie sind allerliebst, wenn sie gesund sind und munter ihren Beschäftigungen nachgehen. Hier zwei fitte Arbeiterinnen, die das Nest verlassen.



      LG, Frank.
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