Liometopum microcephalum

    • Ja, der Rückgang betraf ja damals die älteren Arbeiterinnen, die ich aus Ungarn mitgebracht hatte. Sie sind bis heute weitgehend verschwunden. Es gibt jetzt nur noch wenige von ihnen, das sind vor allem größere Arbeiterinnen, wie sie bei älteren Kolonien vorkommen.
      Die Arbeiterinnen, die bisher hier aufgezogen wurden, sind alle kleiner. Vor allem die ersten waren winzig, vielleicht drei Millimeter lang. Jetzt werden bereits etwas größere Arbeiterinnen aufgezogen. Das hängt aber nicht nur vom "Alter" der Königin und der Kolonie ab, es hängt vor allem mit der Proteinversorgung zusammen. Arbeiterinnen werden bei dieser Art fast um jeden Preis aufgezogen, wie es mir scheint. Gibt es relativ wenige Proteine, verpuppen sich die Larven früh und bleiben die neu schlüpfenden Arbeiterinnen klein.

      Den Auslauf werde ich sicher bald vergrößern. Um einige Pflanzen erweitern. Das eilt aber nicht. Es ist wirklich so, dass die Kolonie gut zu halten ist. Die Talkumsperre musste ich bisher nicht erneuern, sie bleibt unüberwindlich.
      Am Beobachtungsnest fanden die winzigen Erstlingsarbeiterinnen vor einiger Zeit einen Durchschlupf zwischen der Glasscheibe und dem Alu-Rahmen. Es kam zu einer kleineren Intervention. Die Stelle konnte ich abdichten, seitdem gab es keine neuen Zwischenfälle dieser Art.

      Angenehm ist, dass die Arbeiterinnen eher selten auf eigene Faust solche Anstalten unternehmen. Erst Rekrutierung durch einzelne Arbeiterinnen, die irgendwas gefunden haben, bringt größere Kolonnen in Bewegung. Diese Ameise verlässt also eher nicht das sichere Revier der Kolonie im Alleingang.
      Natürlich kann sich das ändern und die Arbeiterinnen werden dann sicher etwas unternehmungslustiger, wenn die Kolonie wirklich hungert. Finden dann Arbeiterinnen irgend etwas Fressbares oder Interessantes, werden Massen von anderen rekrutiert. Man sollte sie also besser nicht allzu sehr hungern lassen.

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?
    • Die letzten warmen Tage habe ich genutzt, diese Kolonie auf die Winterruhe vorzubereiten. Die Kolonie wurde auf den Balkon gebracht, wo sie nun noch einige warme Tage erlebt, jedoch auch bereits kühlere Nächte. In den nächsten Tagen wird sich das Wetter abkühlen und die Ameisen werden sich auf die Winterruhe einrichten.
      Ehrlich gesagt, wird das auch Zeit. Die unaufhaltsam zunehmende Masse an Arbeiterinnen und der wachsende Bedarf der Kolonie an Futter beginnt, mich etwas zu nerven.

      Die Haltung meiner Kolonie und die Koloniegründung zweier anderer Jungköniginnen hat eigentlich klar gemacht, wie die Jungköniginnen dieser Art gründen. Das war bis jetzt nicht wirklich geklärt, insofern war die Haltung dieser Ameise bei drei Haltern in diesem Jahr und die Beobachtungen, die gemacht werden konnten, wichtig und nicht ganz belanglos. Immerhin wissen wir nun mit ziemlicher Sicherheit, dass die Jungköniginnen bei guten Bedingungen mit Leichtigkeit und aus dem Stand selbstständig gründen. Versuche mit zugesetzten Arbeiterinnen endeten beinahe im Totalverlust, Adoption oder ähnliches scheidet daher aus.
      Wir wissen, dass es Hochzeitsflüge gibt und die Jungköniginnen, entgegen älterer Theorien also das Mutternest verlassen und nicht hier von zufliegenden Männchen anderer Kolonien begattet werden. Alle drei Jungköniginnen wurden geflügelt, fernab der Kolonien gefunden, soviel ich weiß. Meine Königin warf kurz nach der Gefangennahme im Reagenzglas ihre Flügel ab. (Natürlich kann es zufällig zu spontanen Nestbegattungen der gerade auslaufenden Jungköniginnen durch zugeflogene Männchen kommen, dies dürfte aber nicht die Regel sein. Die Königinnen fliegen aktiv vom Nest ab. Ausserdem dulden die Arbeiterinnen am Nistbaum keine Angehörigen fremder Kolonien oder irgendwelche anderen Tiere, alles und jedes wird unduldsam bekämpft.)

      So endet dieser Thread hier vorerst.

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?