Hornissen als Spinnenjäger.

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    • Hornissen als Spinnenjäger.

      Hornissen der bei uns heimischen Art Vespa crabro sind wahre Opportunisten, und das in jeder Beziehung. Galten Hornissen früher als Baumhöhlenbewohner und nisteten wohl fast ausschließlich in solchen oder in Nistkästen für Singvögel, so finde ich in den letzten Jahren vor allem Erdhöhlennester und Nester in Heu- und Strohschobern. Die raren Baumhöhlen sind eben oft bereits von anderen Bewohnern besetzt, wenn die jungen Hornissenköniginnen im relativ spätem Frühjahr mit der Nistplatzsuche beginnen. Hornissen sind aber zum Glück sehr flexibel bei der Nistplatzwahl. Ich fand schon Anfangsnester in alten Keramikfassungen für große Glühbirnen, in meiner Garage unmittelbar über meinem Auto, in Rolladenkästen. Es gibt Bilder im Web von Nestern in Integralhelmen und unter Fahrradsätteln abgestellter Fahrräder. Ich habe das Gefühl, als ob die Hornissenpopulation sich stabil verhält, im Gegensatz zu den Beständen vieler anderen Insekten.
      Hornissen sind auch unglaublich erfinderisch und lernfähig, wenn es um den Nahrungserwerb, um das Beutemachen geht. In meiner Heimat Brandenburg beobachtete ich im Spätsommer Hornissen, die flach und langsam über die Wiesen flogen, um aufgeschreckte und aufspringende Heuschrecken und Grashüpfer zu zu packen und zu erjagen. Diese Hornissen hatten eine Taktik erlernt, die erfolgreich war und wendeten sie immer wieder und mit immer größerer Perfektion an. Ganz nebenbei erbeuteten sie auf diese Weise auch fette Zebraspinnen, die unvorsichtigerweise in ihren Netzen hingen. Hornissen sind sicher die einzigen Wespen bei uns, die so große Netzspinnen regelmässig erbeuten und dabei richtig erfolgreich sind. Kleinere Wespen wie die Vespula-Arten erbeuten auch schon mal Nestzspinnen im Netz, müssen aber, weil sie kleiner sind, vorsichtiger sein. Hornissen mit ihrer brachialen Kraft zerreißen die Netze und packen mit ihren kräftigen Beinen und Mandibeln sogar Spinnen, die auf der gegenüberliegenden Seite des Netzes beim Angriff sitzen.
      Das fand ich immer ungemein sympathisch.

      Im Nachbarhaus bei uns nebenan befindet sich ein Hornissenvolk, das jetzt langsam größer wird und dessen Proteinbedarf zu wachsen scheint. Die Fassade unseres Haus wie wohl aller Häuser hier am Rhein ist von vielen Kreuzspinnen bewohnt. Die Spinnen machen hier das ganze Jahr über fette Beute, es gibt fast ständig irgendwelche Eintagsfliegen u.ä.. Nichts gegen Kreuzspinnen, aber sie sind am Haus eine Plage und an den Fenstern ein unschöner An- und Ausblick. Das reichliche Spinnenvorkommen hat gestern eine der Hornissenarbeiterinnen bemerkt und die Hornisse patrouilliert nun ständig und immer wieder am Haus. Sie hat in der kurzen Zeit fast alle der dicken Kreuzspinnen erbeutet. Nun sehe ich sie manchmal sogar laufend, am Fenster die Führungsschienen der Rollladen absuchen. Bemerkt und findet sie eine der verbliebenen Spinnen, packt sie gierig zu.
      Heute sind die Fenster fast spinnenfrei. Es waren sicher etliche Spinnen, dutzende darunter, die wirklich groß und "fett" waren.
      Ich bin der Hornisse wirklich dankbar. Für mich ist das auch ein Hinweis, wie lernfähig und flexibel diese Tiere sind. Spinnen gehören nicht unbedingt zu den typischen Beutetieren dieser Wespe. Aber, einmal erfolgreich, wird eine Jagdstrategie immer wieder angewandt und ausgebaut. Diese Arbeiterin wird nun nicht nur unser Haus von den Spinnen befreien, sie wird auch andere Häuser absuchen und Beute machen.

      Ich wünsche ihr ein langes Leben.

      LG, Frank.
      Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Frank Mattheis ()