Hochzeitsflug bei den sozialen Wespen?

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    • Hochzeitsflug bei den sozialen Wespen?

      Servus zusammen. Ich habe dies schon am 30. August vielen Seiten geschrieben, die sich mit Wespen beschäftigen und nie eine Antwort erhalten. Jetzt ist es mir gerade wieder eingefallen. Am 30.08. war ich um ca.21:15 Uhr kurz eine rauchen und bemerkte dabei einiges an Flugverkehr in der Dunkelheit. Als ich dem nachging und sehen wollte was da so tief rumbrummt konnte ich an der Hauswand eines Nachbarhauses, im Licht der Laterne (nicht direkt an der Laterne) einige große Wespen sehen. Sie flogen an der Wand auf und ab und landeten ab und zu kurz. es war ein sehr heißer Tag und kurz vor Sonnenuntergang gab es einen Regenschauer, weshalb es noch 24,2°C hatte und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch war. Die genaue Art konnte ich nicht feststellen, ich kenne mich aber auch nicht wirklich aus. Vom Körperbau her würde ich aber auf die Gemeine oder die Deutsche Wespe tippen. Von der Größe her handelte es sich denke ich um Geschlechtstiere (deutlich größer als Arbeiterinnen aber auch nicht Hornissengröße). Deshalb meine Frage: Fand da der Hochzeitsflug (nennt man das bei Wespen so?) statt und wenn ja ,wie läuft der bei Wespen ab? Ist die hohe Luftfeuchtigkeit genau so wichtig wie bei Ameisen? Ich konnte keine Paarungsversuche beobachten. Im Licht an der Hauswand waren aber auch nur wenige Tiere unterwegs, der Großteil der Flugbewegungen fand im Dunkeln statt.

      MfG Leon

      The post was edited 1 time, last by Frank Mattheis ().

    • Hallo Leon.
      Ende August wäre etwas früh für die Kurzkopfwespen, zu dieser Zeit werden bei diesen langzyklischen Arten noch Arbeiterinnen aufgezogen und bestenfalls wird jetzt in den Nestern damit begonnen, erste Königinnenzellen für die Aufzucht neuer Königinnen zu bauen.
      Andere eusoziale Faltenwespenarten mit kürzeren Jahreszyklus allerdings schwärmen jetzt schon. Die Jahreszyklen der Langkopfwespen (und auch der Kurzkopfwespe Vespula rufa) enden jetzt bereits, im Spätsommer, Ende August und September, bei manchen Arten (zB. Dolichovespula media) oft sogar noch früher.

      Allerdings fliegen diese Wespen selten oder nie in der Dunkelheit. Das tun unter unseren Wespen m.W. nur die Hornissen. Diese tun es allerdings immer, zumindest die Arbeiterinnen im alltäglichen oder allnächtlichen Geschäft. Das heißt, die Arbeiterinnen verlassen das Nest auch in der Dämmerung und sogar noch in der Nacht. Natürlich aber ist der Flugverkehr am Nest in der Nacht weniger intensiv wie am Tage. Sie fliegen jedoch ab und kehren bei Dunkelheit heim. Weil sie allerdings auch nicht wirklich gut sehen in der Dunkelheit, empfiehlt es sich, in der Nacht Abstand zu Hornissennestern zu halten. Die Tiere landen oft etwas unorientiert und holprig nur in der Nähe des Nestes und krabbeln dann mitunter meterweit zu diesem.

      Tut mir leid, Leon, aber es ist unwahrscheinlich für mich, dass du da am späten Abend Wespenköniginnen und Männchen beobachtet hast. Die Kopulationsflüge der meisten Arten finden, soviel ich weiß, am Tage statt, wenn es im Herbst etwas wärmer ist und halbwegs sonnig. Bei einigen Arten wie den o.g. Kurzkopfwespen finden viele, wenn nicht die meisten Kopulationen bereits im Nest statt, die bereits geschlüpften Männchen warten hier auf ihre schlüpfenden Schwestern. Das klingt nach Inzucht, findet aber statt. Gut möglich jedoch, dass die Jungköniginnen später im freien nochmals und mehrmals von anderen Männchen begattet werden.

      Bei vielen sozialen Faltenwespen haben die Männchen eine Art Balzrevier, ähnlich wie es sich bei den Hummeln verhält. Sie fliegen in einem bestimmten Revier tagsüber immer wieder bestimmte Stellen ab auf der Suche nach Partnerinnen. Möglicherweise sind diese Stellen mit Pheromonen markiert, dass die Weibchen anlocken soll und das wohl auch tun. Bei manchen Arten wie den entfernt verwandten Polistes kommt es sogar zu Revierkämpfen unter den Männchen. Die Weibchen, die Jungköniginnen fliegen in diese Reviere ein und lassen sich hier von geeigneten Männchen begatten. Danach, nach wenigen Tagen suchen die Königinnen der Kurzkopfwespen ein geeignetes Winterquartier.
      Hier gibt es nun auch wieder einen Unterschied der Kurzkopfwespen zu den Langkopfwespen wie den Sächsischen Wespen (Dolichovespula saxonica). Bei diesen kehren junge Königinnen in den ersten Tagen und Wochen ihres Lebens von ihren Ausflügen zurück ins Nest. Sie unternehmen beim ersten Abflug immer einen kreiselnden Orientierungsflug, Jungköniginnen der Kurzkopfwespen tun das nie und fliegen einfach ab vom Mutternest. Die jungen Königinnen der D. saxonica beteiligen sich manchmal sogar an der Versorgung der Kolonie, zumindest habe ich das beobachtet. Das macht bei diesen Arten auch Sinn, die Kolonien sind weniger volkreich und die wenigen jetzt im Spätsommer und Herbst noch vorhandenen Arbeiterinnen können Hilfe brauchen. Sind diese Königinnen der Dolichovespula dann reif für die Begattung, gehen sie ihre eigenen Wege, verlassen die Mutterkolonie endgültig, sie lassen sich begatten und suchen ein Winterquartier.
      Ähnlich scheint es bei den Arten der Feldwespen zu sein. Hier kehren junge Geschlechtstiere beider Geschlechter anfangs zum Mutternest zurück, Weibchen beteiligen sich anfangs an der Versorgung der Kolonie, Männchen beteiligen sich über Trophallaxis an der Fütterung der Larven und Nestgenossen.

      Mehr kann ich dazu nicht sagen, Leon. Tut mir leid, ich habe auch viel zu viel geschrieben und bin weit abgeschweift...

      Es wäre gut gewesen, wenn du eines der Tiere gefangen hättest, das hätte Klarheit gebracht. Aber wie gesagt, auf Grund der von dir geschilderten Umstände halte ich Geschlechtstiere von Kurzkopfwespen für ausgeschlossen.
      Vielleicht hast du auch desorierentierte Hornissen gesehen? Möglicherweise gab es ein Nest in der Nähe und Hornissen lassen sich von künstlichen Lichtquellen in der Dämmerung und in der Nacht schon mal durcheinander bringen.

      LG, Frank.

      ...ich habe den Titel etwas geändert. Ich hoffe, das ist okay.

      The post was edited 1 time, last by Frank Mattheis ().

    • Danke für die Antwort Frank.
      Das muss dir doch nicht leid tun :) Ich habe mir ähnliches schon gedacht. Also dass das noch sehr früh im Jahr war. Wahrscheinlich habe ich Hornissen gesehen. In der Nähe gibt es ein Nest. Ich weiss nicht wie nah es ist aber ich konnte im Frühjahr immer eine Königin und später ab und zu eine Arbeiterin bei mir am Kompost beobachten. Es war sehr interessant zu sehen, wie sie das Fruchtfleisch mitsamt den darin lebenden Larven von Fruchtfliegen aus den Bananenschalen geraspelt haben. Die Fruchtfliegenlarven versuchten dabei immer zu fliehen und wurden von den Hornissen mit schaufelnden Bewegungen der Vorderbeine daran gehindert und zu einem Klumpen Bananen-, Fruchtfliegenlarvenmatsch geformt und abtransportiert :D . Die Arbeiterinnen einer "gewöhnlichen" Wespenart sind hingegen nur auf die adulten Fruchtfliegen aus und formen da immer einen aus, ich würde mal schätzen, ungefähr zwanzig zerkauten Fruchtfliegen bestehenden Klumpen und fliegen damit zurück zum Nest.
      Ich habe Ende August kein Tier gefangen, da ich sie für eine der, ich sage mal normalen schwarz-gelben Arten hielt, und ich da eine ziemliche Phobie habe. Im Kindergarten habe ich mal mit einem Kumpel in einem Erdwespennest herumgestochert und wir wurden beide ungefähr zehn mal gestochen. Wir können uns beide nicht mehr daran erinnern, haben seitdem aber diese Phobie. Wenn die Tiere mir zu nah kommen flippe ich immer aus, was mir dann ziemlich peinlich ist. Trotzdem beobachte ich sie gerne beim Jagen und Hornissen und Feldwespen sind absolut kein Problem für mich.
      Mir ist dieses Jahr aufgefallen, dass die Arbeiterinnen der Hornissen sehr klein waren und es auch nur sehr wenige gab. Ich denke das hängt damit zusammen, dass es schon sehr früh sehr warm war und dann nochmal sehr kalt wurde!? Ich konnte die Königin auch noch bis Ende Juni am Kompost beobachten.