Dolichoderus cf. bispinosus - Haltungsbericht

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    • Dolichoderus cf. bispinosus - Haltungsbericht

      Moin!

      Ende Juli 2017 habe ich eine Dolichoderus cf. bispinosus Kolonie erhalten. Darüber habe ich mich sehr gefreut! Die Art gehört zu der Unterfamilie der Drüsenameisen, der Dolichoderinae und stammt aus Mexiko, aus dem Bundesstaat Quintana Roo, Yucatán Halbinsel. Die Kolonie wurde am Straßenrand entdeckt, sie lebte in einem zusammengerollten, trockenen Blatt, ungefähr auf Hüfthöhe.

      In dieser Box wurde die Kolonie zwischenzeitlich gehalten, dabei hat sie sich erfolgreich weiter entwickelt.

      Dies ist eine Aufnahme der Kolonie im Reagenzglas. Man kann hier die Gyne, Arbeiterinnen und Brut sehen. Die Gyne hat bereits einiges an Nachwuchs und sie legt stetig weitere Eier.

      Man kann hier bei der Gyne und der Arbeiterin links sehr schön die Dornen betrachten, die sich auf ihrem Thorax befinden.

      Die Reise zu mir hat die Kolonie unbeschadet überstanden.


      Systematik
      Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
      Klasse: Insekten (Insecta)
      Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
      Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
      Teilordnung: Stechimmen (Aculeata)
      Überfamilie: Vespoidea
      Familie: Ameisen (Formicidae)
      Unterfamilie: Drüsenameisen (Dolichoderinae)
      Gattung: Dolichoderus
      Art: Dolichoderus bispinosus (Olivier, 1792)

      Für die Haltung dieser Dolichoderus Art habe ich mich für ein 30x30x60cm Formicarium mit relativ dünnen Bodengrund entschieden. Meine erste Idee für ein Nest war ein Stück einer japanischen Staudenpflanze oben in den Zweigen des Astes. Leider fing es an zu schimmeln.


      Koloniebeschreibung:

      Arbeiterinnenanzahl: bei Erhalt ca. 80-100.

      Männchen: nicht vorhanden.

      Alter: vermutliche Gründung 2016.

      Verbreitungsgebiet: Von Mexiko bis Argentinien.

      Herkunft: Gesammelt wurde die Kolonie im südöstlichen Mexiko, Bundesstaat Quintana Roo, Yucatán Halbinsel.

      Fundort: Die Kolonie wurde am Straßenrand entdeckt, sie lebte in einem zusammengerollten, trockenen Blatt, ungefähr auf Hüfthöhe.

      Beckengröße: Arena 30x30x60cm plus Rahmen und Deckel, ein Beckenverbinder ist für spätere Erweiterungen bereits installiert.

      Luftfeuchtigkeit Arena: schwankend, 70-90%, gemäß den feucht-tropischen Wetterbedingungen des Yucatáns.

      Wärmequelle und Beleuchtung: 20W Sun Mini Intervall: 12-16h, in der Abdeckung integriert, nachts Deckel offen.

      Weitere Wärmequelle: 7W Heizmatte (Intervall: 6-23h)

      Raumtemperatur: 22-25 °C, manchmal nachts 20 °C (auch in wärmeren Zonen gibt es Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht).


      Messung 06.09.2017, 15:45h (mit Wärmequelle Licht 20W)
      Luftfeuchtigkeit Arena: 84%, Deckel geschlossen seit dem Morgen, 1/3 des Bodengrunds ist morgens bewässert worden
      Lufttemperatur im oberen Arena-Bereich: 27,1 °C
      Raumtemperatur: 22,4 °C

      Messung 07.09.2017, 12:00h (mit Wärmequelle Licht 20W)
      Luftfeuchtigkeit Arena: 82%, Deckel geschlossen seit dem Morgen, 1/3 des Bodengrunds ist am Tag davor bewässert worden
      Lufttemperatur im oberen Arena-Bereich: 26,9 °C
      Raumtemperatur: 21,4 °C


      Für die erste Zeit verblieb die Dolichoderus Kolonie noch in ihrem Reagenzglas in der Arena. Doch dann fingen erste Arbeiterinnen an die Brut hinaus zu tragen.


      Bald geht es weiter!

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Olaf Schwarz () aus folgendem Grund: Textliche Überarbeitung

    • Moin!

      Die Dolichoderus Kolonie hat sich Ende August 2017 noch erst einmal im Reagenzglas aufgehalten, bevor der Auszug begann. Nach und nach trugen die Arbeiterinnen die gesamte Brut aus dem Reagenzglas und es bildete sich ein Haufen aus Brut, an dessen Rand sich dann die Königin befand, geschützt durch die Arbeiterinnen, die aufmerksam die Brut pflegten, nach Nahrung suchten und mit ihren eigenen Körpern eine Art Schutzwall um die Brut und die Königin errichteten.

      Ein trockenes Blatt und ein Stock zu einer Seite dient hier den Arbeiterinnen als weiterer Schutz.


      In diesem Bild ist die Gyne unten rechts gut zu sehen. Sie residiert neben ihrem „Berg aus Brut“.

      Für die Koloniegröße hat die Gyne bereits tüchtig für Nachwuchs gesorgt.


      Es sind meiner Meinung nach sehr schöne Tiere und sie besitzen ihren eigenen Reiz. Der Körper ist matt schwarz und ist zum Teil behaart, wobei die Haare im Licht schimmern und dadurch an den Stellen einen goldenen Schein entstehen lassen. Gyne und Arbeiterinnen besitzen vorne auf dem Thorax zwei Dornen in Richtung Kopf weisend. Die Größe der Arbeiterinnen liegt bei drei bis vier Millimeter. Die Größe der Gyne würde ich so auf sechs bis sieben Millimeter schätzen.



      Die Dolichoderus cf. bispinosus ist eine ausgesprochen gesellige Ameisenart. Häufig sitzen die Arbeiterinnen zusammen, wobei die verbrachte Zeit zur Körperpflege genutzt wird.




      Die Kolonie nimmt ohne Probleme Nahrung an. Als Proteinquelle verfüttere ich z.Z. Schokoschaben, Waldschaben, Steppengrillen und Kurzflügelgrillen. Die weitere Fütterung beinhaltet Kohlenhydrate, fast ausschließlich in Form von Invertzuckerlösung, selten Zuckerwasser, keine Jellys.

      So, dies schließt die erste Phase des Erhalts und der Ankunft der Kolonie zwischen Juli und September ab. Bald geht es weiter!

      Gruß, Olaf

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Olaf Schwarz ()

    • Moin!

      Ein kleiner Nachtrag zur Brut: Die Larven der Dolichoderus bispinosus sind nicht in der Lage einen Faden aus Spinnseide zu produzieren, um einen Kokon zu spinnen, sondern es entwickeln sich bei dieser Art Nacktpuppen.


      Mit dem Ende des Augusts begann die zweite Phase, denn die Dolichoderus bispinosus Kolonie war unerwartet in die Laubstreuschicht bzw. in den Bodengrund abgetaucht. Wenn man die Grundüberlegung berücksichtigt, dass es sich wahrscheinlich um eine baumbewohnende Art handelt, wäre vieles an dieser Stelle an Verhalten denkbar gewesen: Sie hätten im mittleren bzw. im oberen Bereich anfangen können ein Kartonnest zu bauen, Material und Feuchtigkeit standen zur Verfügung, sie hätten das Stück japanische Staudenpflanze (s.o.) ganz oben im Formicarium beziehen können und den Eingang nach ihren Bedürfnissen begrenzen können, stattdessen waren sie im Bodenbereich eingezogen. Dabei war auffällig, dass sie fast ausschließlich auf den Elementen aus Holz saßen und liefen und andere Materialien dabei mieden, besonders Erde.


      Dann stellte ich morgens fest, kurz vor dem Verlassen der Wohnung, dass das Stück japanische Staudenpflanze angefangen hatte zu schimmeln, welches ich der Kolonie im oberen Bereich des Formicariums als Nest anbot. Frank @Frank Mattheis erwähnte dies mir gegenüber bezüglich alter, abgelagerter Materialien wie z.B. Holz etc., da sei mit Schimmel zu rechnen. Also nahm ich schnell noch das Stück heraus und staunte nicht schlecht, als auf einmal überall Brut herum flog! Was ich nicht bemerkt hatte: Die Kolonie war in der Nacht zuvor aus der Laubstreuschicht in die Röhre ganz oben im Formicarium gezogen. Und oh je, natürlich flog auch die Gyne mit, bestimmt 50cm tief. Nur leider musste ich zur Arbeit und als ich abends nach Hause zurückkehrte, war fast alles bei einem Treffpunkt vereint. Allerdings lag eine recht große Nacktpuppe knapp vier Zentimeter von dem Sammelpunkt entfernt auf einem kleinen Ausschnitt Erde und wurde nicht entdeckt. Die Vorliebe der Arbeiterinnen auf Holz zu laufen (s.o.) wirkte sich in diesem Fall für das Los der Nacktpuppe sehr ungünstig aus, denn offensichtlich wurde nicht auf anderen Materialien ausgiebiger gesucht. Alles in allem hat aber das Zusammensammeln der Brut durch die Arbeiterinnen recht gut geklappt, doch die Kolonie war erst einmal wieder am Boden.

      Nur kurz zum Bodengrund: Er setzt sich aus drei Schichten zusammen. Ganz unten befindet sich eine ein Zentimeter dicke Schicht Sand-Lehm-Mischung. Darüber kommt eine zwei Zentimeter dicke Schicht Walderde-Sand-Gemisch und als letztes eine ein Zentimeter dicke Schicht aus Laubstreu und Rindenmulch.


      Als ich dann die Gyne so voll Staunen beobachtete, hatte ich den Eindruck sie könnte durch den Fall verletzt worden sein, denn relativ ungelenk saß sie auf/neben der Brut und es machte den Eindruck sie stolpere dabei, als ob ein Bein fehle oder beschädigt sei. Nach längerem Beobachten konnte ich zu meiner Beruhigung eine Verletzung ausschließen, alle Beine waren da und auch funktionsfähig. Später beobachtete ich, dass auch die Arbeiterinnen Schwierigkeiten hatten sich auf dem Brutberg zu bewegen. Also, der Gyne und der Kolonie ging es gut und dann konnte ich der Gyne beim Eierlegen zusehen! Ein Highlight!!!

      Zwei Tage verblieb die Kolonie am Boden, dann war sie weg. Doch wohin? In der Zwischenzeit hatte ich ihr ein RG im oberen Bereich des Formicariums bereitgestellt, doch dies wurde nicht sehr zur Kenntnis genommen. Dort waren sie nicht. Letzten Endes habe ich sie dann im Beckenverbinder gefunden, den ich zur Sicherheit bereits mitinstalliert hatte (mache ich damit ich später schnell und flexibel weitere Formicarien oder Nester anschließen kann).

      Umzüge scheinen nachts zu erfolgen und so kam es dann doch schlussendlich: Die Kolonie zog in das RG ein! Damit sie besseren Halt finden, habe ich ihnen große Stücke Rindenmulch in das RG gedrückt. Dem neuen Neststandort ist die Kolonie bisher treu geblieben. In dem weiteren RG befindet sich Invertzuckerlösung, welche gern von den Arbeiterinnen angenommen wird.


      Dieses Setup hatte ich kurz in Benutzung, es enthielt drei RG Nester, wobei die Kolonie sich im obersten RG befand (und blieb). Nach kurzer Zeit habe ich die zwei weiteren RGs entfernt, sie waren schlicht nicht notwendig.


      So, dies schließt die zweite Phase des Nestbezuges der Kolonie im Laufe des Septembers ab. Bald geht es weiter!

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Olaf Schwarz ()

    • Moin!

      Aus meiner Sicht ist es wichtig einer Kolonie ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot anzubieten. Wer möchte schon immer das Selbe essen? Eben, Ameisen auch nicht. Deshalb variiere ich das Angebot (s.o.) und platziere darüber hinaus die Futterinsekten an abwechselnden Stellen in den Zweigen, dafür benutze ich kleine Plastikbecher, in die ich die Insektenteile lege. Nun zeichnet sich die Dolichoderus cf. bispinosus Kolonie nicht dadurch aus, dass sie neue Futterquellen schnell finden, wenn sie nicht gerade direkt auf ihren Hauptrouten platziert werden. In Anbetracht der begrenzten Anzahl an Zweigen und der bereits gestiegenen Anzahl an Arbeiterinnen sollte man doch annehmen, dass sie die Futterquelle schnell finden können, aber weit gefehlt, es vergehen manchmal zig Stunden, bevor sie dann über die Futterquelle quasi stolpern, nur weil eine Arbeiterin sich ein wenig verlaufen und dadurch per Zufall das Fressen gefunden hat. Nur wenn sie das Fressen erst einmal gefunden haben, dann kommt es zu einer schnellen Erschließung und die Arbeiterinnen sind in kürzester Zeit zahlreich präsent. Beobachtet habe ich soweit, dass die erste Arbeiterin ein wenig frisst und dann den anderen erst Bescheid gibt. Mit der Invertzuckerlösung betreibe ich (deutlich seltener) das selbe Spiel und variiere die Angebotsstelle. Nur das RG-Nest verbleibt an der selben Stelle. Die Arbeiterinnen fressen bis zu zwei Tagen an einer Futtergabe, danach verlieren sie das Interesse, übrigens unabhängig davon ob noch Futter verwertbar wäre. Manchmal versuchen sie das Futtertier abzutransportieren und es fällt dann runter auf den Bodengrund. Dort wird es erneut von Arbeiterinnen entdeckt und die transportieren das Fressen ihrerseits ab. So sind folgende Aufnahmen entstanden.

      Die Arbeiterinnen nehmen problemlos auch größere Futtertiere an. Gemeinsam wird die Beute in Richtung Sicherheit gezogen.

      Irgendwie stellt das Stück Rindenmulch so seine Herausforderung dar.

      Nun leben die Tiere bereits seit zwei Monaten in dem RG-Nest und fühlen sich auf der Laubschicht heute ebenfalls ganz wohl. Dies finde ich sehr spannend, machte es doch zuerst den Eindruck, als erschiene ihnen das Betreten des Bodens als nicht wünschenswert. Sie hätten sich jederzeit in die Höhe absetzen können, es stand ja alles bereit, dennoch verblieben sie auf den Holzelementen des Bodengrundes. Wie beschrieben kam dann der Impuls zum Umzug (s.o.), aber nur verzögert. Heute scheinen sie sich recht frei auf dem Bodengrund zu bewegen und scheuen auch die Erde nicht mehr so. Das oberflächliche Auskundschaften des Bodens scheint da möglich zu sein, allerdings habe ich sie noch nie in der Erde buddeln sehen und auch keine Anzeichen für Grabaktivitäten vorgefunden. Die Bodenschicht bleibt relativ unverändert, es werden nicht einmal die Materialien herum getragen oder großartig bewegt. Weiterhin habe ich auf die Holz- und Laubelemente gesetzt und gehofft, dass sie zum Verbauen als Material für ein Kartonnest genutzt werden könnten.

      Die Dolichoderus Arbeiterin nutzt die kurze Unterbrechung für eine kleine Putzeinheit.

      Nun hat sich die Dolichoderus Arbeiterin zwar geputzt, nimmt aber ihre ursprünglich Tätigkeit, den anderen beim Transport des Futtertiers zu helfen, nicht direkt wieder auf.

      Eine einzelne Arbeiterin mit einem Schabenbein als Futter, es wird nur einmal kurz verschnauft.

      So sieht das Formicarium seit ein paar wenigen Wochen aus: Bromelien und Ranken geben dem Formicarium ein ganz anderes Aussehen. @Christian Ludwig @Roger Strotmann Vielen Dank für eure Unterstützung mit den schönen Ranken und Farnen! Die Tiere fühlen sich in dem Formicarium sichtlich wohl und reagieren positiv auf Wärme und Feuchtigkeit.




      Es hat nun ein paar Monate gedauert bis sich dieses Set Up entwickelt hat. Und es wird sich auch weiterhin entwickeln, denn der Boden wird viel grüner werden und gen Höhe schießen wollen, die Kolonie wird wachsen und mehr Platz brauchen und dann wird sich hoffentlich der Druck auf die Ameisen erhöhen sich ein Nest selbst zu bauen, mit ein wenig Glück ein Kartonnest!

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Olaf Schwarz ()

    • Moin!

      Zwei Monate sind vergangen und es ist einiges passiert. Die Kolonie ist über die letzten sechs Monate stetig gewachsen, was mich sehr erfreut. Noch erfreulicher finde ich, dass es sich um ein zu bewältigendes Wachsen handelt, Kriterien wie Koloniegröße, Platzbedarf und Ausbruchsschutz sind in der Hobbyhaltung zu berücksichtigen und bei den Brutbergen mancher Ameisenarten kann dies Halter schon vor recht ordentliche Herausforderungen stellen. Dennoch scheint die Dolichoderus bispinosus Kolonie über die Jahre groß werden zu können, was für mich durchaus interessant ist, Hauptsache es passiert nicht von heute auf morgen.


      Die Umweltbedingungen haben sich verändert, weil ich die 20W Sun Mini Wärmelampe, die ich als zusätzliche Wärmequelle und Beleuchtung eingesetzt hatte, im Januar abgebaut habe und es besteht jetzt nur die Heizmatte als Wärmequelle. Die Wärmelampe war in der Abdeckung integriert und simulierte zwischen 12-16 Uhr ein Mittagshitze, was meiner Meinung nach eine sinnvolle Maßnahme für das Simulieren einer Temperaturkurve über den Verlauf des Tages für die Tiere ist. Jetzt stellt die 7W Heizmatte die einzige Wärmequelle dar, weiterhin im Intervall von 6-23 Uhr, wird aber ergänzt durch die Zimmertemperatur, welche sich über den Verlauf des Tages auch verändert (20-24 °C) und zum frühen Nachmittag ihren Höhepunkt aufweist. Zusätzlich erhöht sich über den Tag die Luft im Formicarium der Kolonie, deshalb ist das Abbauen der Wärmelampe schon akzeptabel, der Effekt der Temperaturkurve ist nicht gänzlich weg, aber stark abgeschwächt, denn eine 20W Sun Mini hat in einem fast geschlossen Formicarium schon eine enorme Wirkung und treibt die Temperaturen auf über 28 °C. Dieser Temperaturhöhepunkt fällt jetzt weg.


      Der Grund für den Abbau der Wärmelampe, die hier auf den Bilden noch zu sehen ist, war beflügelt durch den Gedanken die Brutentwicklung durch reduzierte Wärme zu begrenzen/kontrollieren und nicht noch zusätzlich zu entfachen, was sicherlich leicht möglich wäre, aber nicht in meinem Interesse liegt. Die Kolonie war im Dezember 2017 für ihr Reagenzglas zu groß geworden. Später werde ich ein Holznest anbieten, wie @Frank Mattheis es in dem Diskussionsthread zur Kolonie vorgeschlagen hat, was mich auf die Idee brachte ein vorhandenes Korknest zwischenzeitlich auf die selbe Art anzubieten, nämlich im oberen Bereich des Formcariums direkt an der Scheibe, ganz einfach mit ein paar Rindenmulchstücken als Keile festgesetzt. Die 20W Sun Mini befand sich fast direkt hinter dem Korknest und musste deshalb weg. Eigentlich ein Idealfall für das Beheizen des Nests, wenn man die Brutentwicklung so richtig antreiben wollte. Die Brutentwicklung werde ich demnächst auch zunehmend durch die Menge an angebotener Nahrung versuchen zu begrenzen/kontrollieren, denn bisher verfügten sie über so viele Proteine und Kohlenhydrate, wie sie verwerten wollten.


      Das neue Nest wurde zuerst von den Arbeiterinnen ein paar Tage ignoriert, doch dann zog die Kolonie über Nacht ein. Die Brut war dabei in verschiedene Kammern gebracht worden: Die Gyne war bei den frisch gelegten Eiern und kleinsten Larven und die Nacktpuppen wurden ebenfalls von den größeren Larven in weiteren Kammern getrennt. Zu meiner Freude fingen Arbeiterinnen an Kartonstrukturen zu dem bestehenden Nest anzufertigen. Diese Fertigkeit konnte ich Anfang Dezember 2017 bereits bei dem Reagenzglas, in dem ich Invertzuckerlösung anbiete, beobachten, dort begrenzten die Arbeiterinnen die Öffnung, dies taten sie aber nicht bei ihrem Reagenzglas, welches sie zu der Zeit als Nest nutzten.


      Die Begrünung hat sich ebenfalls schön entwickelt. Die Ranken und Bromelien gedeihen gut, nur die kleinen Bromelien im untersten Bereich musste ich entfernen, weil es da zu dunkel für sie war. Nun fällt doch noch mehr Licht auf den Boden, was den Ranken zugute kommt. Der Ast ist zunehmend durch die Feuchtigkeit angegriffen und fing an in sich zu sacken und ich habe ihn neulich einmal wieder in die Höhe gezogen, aber es ist klar, dass dieses Setup so sein Ende haben wird. Folglich muss es eine stabilere Lösung in Zukunft geben. Hätte ich damals einen frisch geschnitten Ast benutzt, dann wäre der Verschleiß sicherlich nicht so schnell vonstatten gegangen.


      Seit einiger Zeit habe ich den Deckel nicht mehr schließend auf dem Rahmen des Formicariums liegen, sondern benutze Abstandhalter, um ein Abfließen von Luft zu ermöglichen. Die positiven Folgen waren, dass die Sichtbarkeit wieder erhöht wurde, weil das Absetzen von Wassertropfen an den Glasscheiben sich dadurch deutlich reduzierte, und dass die Bildung von Schimmel erheblich gehemmt wurde.

      Alles in allem bin ich mit der Entwicklung recht glücklich!

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      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Bei meiner Recherche im Internet bin ich auf eine interessante Zusammenfassung einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2003 bei Springer gestoßen. Bei der Untersuchung dreier Nester der Dolichoderus bispinosus haben sie einen Befall von adulten Tieren durch Parasiten der Ordnung der Strepsiptera, der Fächerflügler, feststellen können.

      Die Fächerflügler gehören zu der Überordnung der Neuflügler (Neoptera) und treten u.a. bei Ameisen als Endoparasiten auf und nutzen sie als Wirtstiere für ihren Ressourcenerwerb. Die befallenen Ameisen werden zwar von den Parasiten geschädigt, bleiben aber in der Regel am Leben, d.h. es besteht keine direkte Gefahr für die Tiere oder die Kolonie.

      Der dokumentierte Befall der D. bispinosus Nester durch die Strepsiptera war nur sehr gering, also unter 2% bei den adulten Tieren in allen drei Fällen. Allerdings waren in einer Kolonie knapp 24% aller Männchen befallen.

      Die Dokumentation des parasitären Befalls der D. bispinosus verzeichnete 2003 die vierzehnte Ameisenart, die durch Fächerflügler befallen wird. Leider habe ich keine aktuelleren Zahlen dazu finden können.

      Mit dem Befall meiner Kolonie durch Strepsiptera ist natürlich nicht zu rechnen. Zum einen wurde sie als kleine Kolonie gesammelt und zum anderen sind die Strepsiptera nicht in dem Formicarium vorhanden.

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      Quelle: Springer Link (25.02.2018 09:30Uhr)

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      In der letzten Zeit hatte ich arge Probleme mit dem Ausbruchsschutz. In dem Formicarium war unterhalb des Rahmens ein Talkumstreifen angebracht, der funktionierte auch längere Zeit recht gut. Nun gibt es verschiedene Methoden das Talkumpulver als Ausbruchsschutz zu benutzen, ich hatte eine dickliche Talkumwasserlösung verwendet, die auf den Glasrahmen aufgebracht und ausgetrocknet war. Auf diese Weise halte ich etliche Ameisenarten in Schach, u.a. auch kleinere Ameisenarten, meistens ohne Probleme. Bei trockener Haltung kann dies sehr lange gut funktionieren. Die Dolichoderus bispinosus halte ich allerdings feuchter und deshalb sprühe ich jeden Tag. Nun vermute ich, dass sich Kondenswasser über die fünf vergangenen Monate am Rahmen abgesetzt hatte und demzufolge den Talkumrand durch das wiederholende Austrocknen verhärtete. Nun konnten die Arbeiterinnen ohne Schwierigkeiten den Rahmen überwinden und sich frei in meinem Ameisenzimmer bewegen. Dies bemerkte ich kurz bevor ich los musste, also habe ich schnell meinen Saugexhaustor gegriffen und die Arbeiterinnen einzeln aufgesaugt. Die Dolichoderus bispinosus haben einen ausgesprochenen Geruch von Terpentinersatz an sich, sammelt man sie mit den Fingern, so riechen die Finger schon nach dem Einfangen weniger Arbeiterinnen stark danach. Aber nach dem Aufsaugen von über einhundert Arbeiterinnen hatte ich einen echt miesen Geschmack im Mund, der verblieb auch noch den frühen Vormittag und es war kein Vergnügen so zu arbeiten. Das Formicarium hatte ich morgens einfach mit dem Deckel verschlossen. Schnell und sicher Formicarien abriegeln zu können ist in der Ameisenhaltung eine wirklich nützliche Sache. Interessanterweise hatte die Kolonie beim Erhalt im letzten Sommer auch einen prägnanten Eigengeruch, welchen ich heute nicht mehr wahrnehmen kann, wahrscheinlich habe ich mich daran gewöhnt.

      Also dachte ich mir, dass ein Wechsel auf Paraffinöl aufgrund der Wasserproblematik nützlich sei, mit dem Paraffinöl habe ich ebenfalls einige Erfahrungen, benutze es heute aber nur, wenn es tatsächlich mit Talkum nicht geht. Also habe ich dann abends den Rahmen vom Talkum gesäubert und einen dünnen Paraffinölstreifen aufgebracht und somit den Ausbruch Nummer Eins bewältigt.

      Am nächsten Morgen ging ich früh in das Ameisenzimmer und mir stand Ausbruch Nummer Zwei ins Haus. Diesmal hatten allerdings nicht so viele Ameisen ausbrechen können, deshalb kam ich schneller voran als am Vortag. Der Ausbruchsschutz hatte nicht funktioniert, aber warum? Also machte ich schnell den Rahmen als Schwachpunkt aus, er ist sowohl recht schmal, die Distanz mit dem Ausbruchsschutz zu überbrücken war also nur gering und nun kam ein eklatantes Problem der Konstruktion des Glasrahmens zum Tragen, nämlich an der Stelle wo die Glasstreifen aneinandergeklebt sind, um einen Rahmen zu ergeben, konnten die D. bispinosus Arbeiterinnen ohne Probleme entlang gehen und in das Freie gelangen. Kein Problem, also musste ein zusätzlicher Paraffinölstreifen am Rand des Formicariums angebracht werden. Und den gestaltete ich schon breiter. Und der hielt auch. Zumindest für ein paar Tage.

      An dieser Stelle möchte ich gern einmal erläutern, dass die Arbeiterinnen nicht ernsthaft versuchten auszubrechen. Bei meiner großen Pheidole pallidula Kolonie konnte ich beobachten, besonders während des Schwärmens der Geschlechtstiere, dass sich hunderte über hunderte von aufgebrachten Arbeiterinnen gegen den Talkumstreifen aufmachten, als wäre es die Erstürmung von Helms Klamm, der Talkumstreifen von Tag zu Tag mehr litt, aber für weitere Wochen hielt. Die D. bispinosus waren einfach ein wenig neugierig, es war nicht einmal viel los und die Kolonie ging ihrem Alltag nach. Trotzdem stellte die Rahmenkonstruktion in der Kombination mit Paraffinöl keinen reellen Ausbruchsschutz dar. Dies war jetzt klar geworden.

      Also kam Ausbruch Drei, der zusätzliche Paraffinölstreifen am Formicarienrand stellte ebenfalls kein Hindernis dar, die Arbeiterinnen liefen einfach hinüber, auch ohne Balancierhilfe durch den geklebten Rand im Rahmen. Zu diesem Zeitpunkt war ich recht frustriert, machte mir Gedanken darüber ob es mir denn überhaupt noch möglich wäre die Kolonie zu halten und was dafür passieren müsste. Und ob es nicht besser wäre die Kolonie abzugeben. Auf Ausbruch Nummer Vier hatte ich keinen Bock mehr. Für ein paar Tage ließ ich das Formicarium ganz geschlossen.

      Also besann ich mich zurück auf das Talkumpulver, säuberte wieder Rahmen und Formicarienrand und brachte dann einen dicken Talkumrand, bis zu sechs Zentimeter breit, am Formicarium an und nutze ebenfalls die möglichen zwei Zentimeter des Rahmens für einen zusätzlichen Talkumrand, wer weiß für was es gut ist. Nun ist die Kolonie seitdem nicht mehr ausgebrochen, wie ich allerdings schon sagte, ist es zur Zeit eigentlich nicht ihr Bestreben auszubrechen, lediglich neugieriges Herumstöbern steht an. Trotzdem bleibt die Wasserproblematik und ich versuche nun alles weniger feucht zu gestalten, denn eines ist klar, die Kolonie hat zwar an Fahrt gewonnen, ist allerdings bei Leibe noch nicht mit voller Kraft am Start. Ein Versagen des Ausbruchsschutzes bei einer entwickelten Kolonie mag ich mir gar nicht vorstellen. Diesen Talkumrand konnte ich noch schnell so dahin pinseln, währenddessen kamen bereits die Arbeiterinnen nach oben, weil sie sich gestört gefühlt hatten, kaum auszudenken was dies bei einer Koloniestärke von 10 000 bedeutet. Mit einem Saugexhaustor brauche ich da gar nicht kommen. Ich werde mir wohl einen Handstaubsauger zulegen müssen.


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      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Nun waren die Ausbrüche erst einmal beendet, trotzdem hatte ich erneut einen ganz schönen Schrecken: das Korknest war abgestürzt und die Kolonie war verschwunden. Natürlich sah ich dies wieder erst fünf Minuten bevor ich los musste und ich konnte den schönen Tag darüber nachdenken, wohin sich wohl die Kolonie abgesetzt haben könnte. Kopfkino.

      Das Korknest war mit zwei Rindenmulchstückchen, die wie Keile wirkten, zwischen den Glasscheiben des Formicariums im oberen Bereich befestigt worden. Nun schwankten die Umweltfaktoren Luftfeuchtigkeit und Temperatur über Tag und Nacht in dem Formicarium, was zur Folge hatte, dass das Nest nicht in der Postion verblieb, in das ich es gebracht hatte: manchmal stand es von der Scheibe ab, der Kork dehnte sich aus und ich musste das Nest regelmäßig an die Glasscheibe rücken, da sie als Nestwand diente. In jedem Fall stürzte dann das Nest ab. Das Formicarium wirkte ameisenleer. Befremdlich, weil sich bei der Kolonie immer Aktivität verzeichnen ließ.

      Nach der Arbeit kam ich nach Hause und fand erfreulicherweise auch einige Arbeiterinnen und dann auch nach bangen Minuten des Suchens das Versteck der Kolonie, welches sich unter einem großen Rindenmulchstückchen im Bodengrund befand. Glück gehabt. Und der Talkumstreifen hatte als Ausbruchsschutz nicht versagt. Ebenfalls ein gutes Zeichen, denn wären nicht kurz zuvor die ganzen Ausbrüche gewesen, ich hätte die Sache tagsüber deutlich leichter genommen.


      So konnte es allerdings nicht weiter gehen und da ich eh eine Reinigung des Formicariums vorhatte, konnte ich mir Gedanken zu einer besseren Befestigung des Nests machen und sie umsetzen. Das Korknest ließ ich nach dessen Absturz morgens also auf dem Boden des Formicariums liegen und die Ameisen verließen dann über den Tag das Nest gänzlich. Abends habe ich das Korknest und die Bromelien aus dem Formicarium genommen, alles in eine mit Talkumrand versehene Plastikbox kurzzeitig umgelagert und dann die Glasscheiben des Formicariums gründlich mit einem Bioreiniger gesäubert.


      Dabei nutze ich die Gunst der Stunde das Nest aus der Nähe fotografieren zu können. Hier kann man deutlich die hergestellte Struktur aus Pflanzenresten erkennen, die die Arbeiterinnen hergestellt haben, um das Nest nach Außen hin abzuschließen und auch die fertig vorgefundenen Gänge im Kork nach ihren Bedürfnissen zu verändern. Leider ist vieles beim Absturz kaputtgegangen.


      Die Ranken habe ich auf dem Boden belassen und den tragenden Ast für die Bromelien habe ich soweit von zu schwach gewordenen Zweigen befreit. Dabei ging leider sehr viel Distanz zum Belaufen für die Ameisen verloren. Insgesamt hat die ursprüngliche Installation ein gutes Viertel an Höhe und bestimmt die Hälfte an Laufdistanz verloren. Spätestens im Sommer werde ich noch einmal umgestalten, da habe ich besseren Zugriff auf natürliche Materialien und die Kolonie dürfte dann immer noch zu handhaben sein. Dabei werde ich wieder mehr Oberfläche zum Belaufen schaffen.


      Dies ist nun die neue Version des Setups ohne das Korknest. Als zusätzliche Stütze habe ich einen Teil des Astes so positioniert (hier links im Bild), dass er das Nest mit an der vorgesehenen Stelle hält. Ein großer Teil der Kartonneststruktur war bei dem ständigen Verrücken des Nests geschädigt worden und der Schaden wurde durch den Absturz noch verstärkt.


      Das Korknest befindet sich nun an der neuen Stelle. Darüber habe ich wieder eine Pappe als Verdunklung angebracht (nicht im Bild).


      Zur Befestigung des Nests habe ich jetzt einen Korkast gewählt, der es von hinten fixiert. Die Ameisen verhielten sich bei der ganzen Aktion recht passiv und verblieben in ihrem Versteck. Auch da hatte ich ein wenig Glück gehabt, denn wenn die noch recht kleine Kolonie sich in der Vergangenheit durch mein Werken in dem Formicarium gestört gefühlt hatte, dann waren die Arbeiterinnen mutig am Angreifen und stürzten sich auf meine Hand und meinen Arm.


      Die Dolichoderus Arbeiterinnen haben sich einen hinteren Eingang durch den Kork gebissen. Die restlichen Veränderungen am Nest stammen von einer Camponotus ligniperdus Kolonie, die ich 2015/16 hielt. Sicherlich werden die neuen Bewohner sich ihr Zuhause noch passend gestalten.


      Neben verschiedenen Arten von Springschwänzen habe ich nun auch weiße Asseln (Trichorhina tomentosa) in die Arena gegeben, sie sollen dort als Reinigungskräfte dienen. Ich bin mal gespannt, wie sie sich halten werden, denn ich habe festgestellt, dass durch das Sprühen von Wasser eine gute Luftfeuchtigkeit hergestellt wird, aber der Bodengrund des Formicariums dabei durchaus recht trocken verbleibt, wenn man nicht noch direkt ein wenig Wasser auf den Boden gießt. Es könnte immer wieder recht trocken für sie werden. Weiterhin füttere ich hauptsächlich in den Zweigen oberhalb des Bodenbereichs, dadurch gelangen auch keine großen Futterreste auf den Boden. Wie viel die Tiere in ihr Nest bringen, weiß ich leider nicht. Kleine Teile, wie z.B. Schabenbeine bringen sie sicherlich ein (Foto s.o.), aber zu beobachten ist häufig, dass sie die Nahrung beim Fundort belassen und dort fressen. Sie haben hier in dem Formicarium auch keine Feinde, die ihnen das Futter abnehmen könnten und es besteht keine Eile. Das hauptsächliche Transportieren von Nährstoffen via Sozialmagen scheint der Kolonie zur Zeit auszureichen.


      Interessant finde ich, dass die Arbeiterinnen das Futtertier in Gänze bzw. in Teilen Vorort ein wenig hochziehen (wenn möglich), um daran zu fressen. In diesem Bild ist das Stück nicht in einem, sondern es handelt sich dabei um zwei Schabenteile. Sicherlich können so mehr Arbeiterinnen gleichzeitig fressen. Als kleinen Versuch zum Erhalt von Nützlingen im Bodengrund werde ich nun jedes vierte Futtertier auf dem Bodengrund anbieten.


      Alles in allem geht es der Kolonie sehr gut.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Bei meiner Dolichoderus bispinosus Kolonie läuft es weiterhin gut. Es gibt eine stetige Entwicklung ohne große, sprunghafte Anstiege an Brut. Sicherlich wird mehr an Brut produziert, als Arbeiterinnen einen Alterstod sterben. Manchmal kann ich die Gyne sichten, doch dann verschwindet sie wieder unter Arbeiterinnen oder zieht sich in einen kleinen Gang zurück, in den ich keine Einsicht habe. Die Eiablage scheint ebenfalls recht konstant in kleinen Schüben vorgenommen zu werden: Regelmäßig sind frische Eierpakete zu sehen, die von Arbeiterinnen umhegt und gepflegt werden und in leuchtend weiß strahlen.

      Ein Ausschnitt des bewohnten Teils des Korknests. An der Kartonneststruktur haben sie nicht weiter gebaut.

      In dieser Kammer sind ein Großteil der Larven untergebracht.

      Die Brut wird gern gestapelt. Hier seht ihr hauptsächlich Nacktpuppen.

      Was mich schon länger interessiert ist die Frage, welche Lebensräume die D. bispinosus bewohnt. Als eine Anpassung an ein sehr spezifisches Habitat habe ich folgendes Beispiel im Internet gefunden: der Mangrovenwald der Küste Mexikos. Vielleicht stoße ich noch auf andere Beschreibungen, dann berichte ich in naher Zukunft gern darüber.

      Aus dem Jahr 2003 gibt es eine Veröffentlichung über die Verbreitung von verschiedenen baumbewohnenden Ameisenarten und einer baumbewohnenden Termitenart der Gattung Nasutitermes sp. in einem gefluteten Mangrovenwald in der Sian Ka'an Biosphere in Mexiko. Die Sian Ka'an Biosphere liegt ebenfalls in dem Bundesstaat Quintana Roo, aus der meine Dolichoderus bispinosus Kolonie stammt. Untersucht wurden dabei 938 Rote Mangroven (Rhizophora mangle), eine Mangrovenart innerhalb der Familie der Rhizophoragewächse, welche an den tropischen Küsten Westafrikas und Nord- und Südamerikas häufig anzutreffen ist. Sie gedeiht besonders gut in Brackwasser und verschlammten Salzwiesen. Die Rote Mangrove bietet sich als Habitat für das Nisten der vorhandenen Ameisenarten besonders durch die trockenen, hohlen Äste an. Weiterhin sind auf den Roten Mangroven Epiphyten vertreten, wie z.B. die Orchideenart Myrmecophila christinae, welche in diesem Zusammenhang als Nistmöglichkeit für Ameisen und Termiten untersucht wurde. Sie bildet Pseudobulben (Luftzwiebeln) aus, die von den Tieren bewohnt werden können. Eine große Konkurrenz um Lebensraum unterhalb der Ameisenkolonien und Termitenstaaten schien nicht zu bestehen, weil manche Rote Mangroven und deren epiphytischen Besiedler weder von Ameisen noch von Termiten bewohnt wurden und als Wohnraum ungenutzt blieben.

      Um die Unterschiede in der Verbreitung der Ameisenarten genauer untersuchen zu können, wurden zwei bestimmte Größen von trockenen, hohlen Ästen festgelegt. Man fand heraus, dass die Zusammensetzung der verschiedenen Ameisengemeinschaften abhängig von den spezifischen Bedingungen der Nistmöglichkeit war, ausschlaggebend durch den jeweiligen Durchmesser des Astes der Roten Mangrove oder der Pseudobulbe der Orchidee. Die Ameisenfauna war in den größeren Ästen der R. mangle deutlich reicher und zeichnete sich besonders durch ein häufigeres Vorhandensein der Unterfamilien der Ponerinae (Urameisen) und Formicinae (Schuppenameisen) aus. Die in den hohlen Ästen am meisten vorgefundenen Ameisengattungen Cephalotes und Pseudomyrmex gehörten allerdings den Unterfamilien der Myrmicinae (Knotenameisen) und Pseudomyrmicinae (Wespenameisen) an.

      Die D. bispinosus dominierte, als am häufigsten vorkommende Ameisenart, die Besiedlung der Pseudobulben der Orchideenart M. christinae. Die baumbewohnende Termitenart der Gattung Nasutitermes sp. nutzte ebenfalls die Pseudobulben der M. christinae als Nistmöglichkeit und besetzte damit potenziellen Wohnraum der dort vorherrschenden Ameisenarten, deshalb beeinflusste dies indirekt die Auswahl an Nistmöglichkeiten.

      Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Auswahl an Nistmöglichkeiten und deren variierenden Bedingungen eine Differenzierung der Nischen verstärkt. In dem Fall meiner D. bispinosus bedeutet dies, dass sie das Habitat der Pseudobulben in den Mangrovenwäldern Quintana Roos erfolgreich besetzen kann und in dieser Nische die vorherrschende Ameisenarten ist. Das Nutzen der selben Nische durch die Nasutitermes sp. beeinflusst die D. bispinosus nur insofern, dass sie die bereits durch Termiten besiedelte Nistmöglichkeit nicht nutzen kann und dementsprechend ausweichen muß.

      (Quelle: Cambridge Core: „Nest site selection by ants in a flooded Mexican mangrove, with special reference to the epiphytic orchid Myrmecophila christinae“, in: Internetseite Journal of Tropical Ecology, Volume 19, Ausgabe 3, S. 325-331, Mai 2003, URL: cambridge.org/core/journals/jo…4753AFDBE3683FB888228A6F3, Abruf am 01.06.2018)

      Ein Blick in die Arena zeigt die verschiedenen Bromelien, die dort wachsen.

      Bromelien: Wasserstellen für die Kleinen.

      Diese Aufnahmen entsprechen dem Stand der Kolonie von Anfang Mai 2018.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Bis bald!

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      [Für Terrarienprofis, befürchte ich, wird dieser Beitrag eher uninteressant sein, deshalb schaut kurz auf die Bilder und springt als Vorschlag zum letzten Absatz, der fasst die wesentlichen Punkte des Textes zusammen.]

      Da ich ständig versuche meine Entscheidungen in der Gestaltung von Habitaten für Ameisen zu hinterfragen und auszuwerten, nur so kann ich in der Zukunft für die Tiere bessere Entscheidungen treffen, werde ich heute einmal kurz und knapp auf die Situation der Dolichoderus bispinosus Kolonie in dem 60x30x30 Terrarium eingehen.

      In den letzten Monaten ging das Leben der Kolonie so seinen Gang und es war nicht viel Neues zu beobachten. Auch dies ist ein Aspekt der Ameisenhaltung und ich empfinde dies als ein positives Zeichen für die Kolonieentwicklung. Das jetzige Korknest sollte Platz bezogen noch mindestens sechs bis neun Monate ausreichen und es war zu beobachten, dass sich die Kammern nach und nach füllten: mit frisch gelegten Eiern, kleinen und großen Larven, und den so gespenstisch auf mich wirkenden Nacktpuppen. Die Brutentwicklung hat stetig zugenommen und dabei lag bis heute alles in dem erwartbaren Rahmen. Die Kolonie wird über die Jahre groß werden und ich denke, dass mir genug Zeit zum Vergrößern gegeben wird. Um dem Platzproblem auf eine Art adäquat zu begegnen, habe ich bereits Überlegungen zu einem großen Holznest angestellt, welches den Hauptteil der Kolonie dann beherbergen soll, denn allein mit dem Schaffen von Auslauffläche, als eine andere Art dem Platzproblem zu begegnen, wird es da nicht getan sein.

      Eine der letzten Nahaufnahmen im Korknest.

      In diesem Bild liegt der Fokus auf den Nacktpuppen.

      Im März hatte ich über meine letzte große Reinigungsaktion des Terrariums berichtet, das Korknest war mit einem Korkast gegen die Glasscheibe gedrückt worden, somit besaß ich von außen einen ganz tollen Einblick in das Nestgeschehen. Diese Installation hielt auch mehrere Monate bombenfest, deshalb war ich ein wenig erstaunt wie schnell sich Anfang August innerhalb weniger Tage ein erneuter Absturz des Nests ankündigte. Zuerst saß es mit dem unteren Bereich nicht mehr so fest an der Glasscheibe und fing dann auf einer Seite an abzusacken.

      Auf dieser Aufnahme vom 27.07.18 kann man schon das Absacken des Nests nach rechts erahnen.

      Zur selben Zeit bemerkte ich, dass der Ausbruchsschutz seine Wirkung zu verlieren drohte und ich sah Arbeiterinnen munter über den Talkumrand der Glasscheiben laufen, wobei der Talkumstreifen so breit gestaltet ist (s.o.), dass sie bisher nur sehr selten bis zu dem Rahmen vordrangen. Der Talkumrand, der dort unter dem Rahmen angebracht ist, funktioniert noch ausreichend, aber ich möchte nicht, dass sich das ganze Spiel mit den Ausbrüchen aus dem Frühjahr wiederholt. Fast tägliches Sprühen belastet den Talkumrand einfach zu stark. Weglassen kann ich ihn auf den Wänden des Terrariums leider nicht, weil der Talkumrand unter dem Rahmen allein zu schmal ist und durch seine Konstruktion Verbindungsstellen aufweist (dort wo sich zwei Glasstücke treffen und verklebt sind), die von den Tieren wie Brücken über die Talkumschicht benutzt werden können. Paraffinöl versagte ebenfalls, sodass sich der Ausbruchsschutz über die letzten Monate nur durch die Verwendung beider Talkumstreifen gewährleisten ließ.

      Das Absacken des großen Astes, der die Epiphyten trägt und somit als Kernelement des Terrariums fungiert, war weiterhin zu einem Problem geworden, ich sprach dies bereits in einem vorherigen Beitrag an. Der doch zuerst noch recht stattliche Ast war getrocknet in das Terrarium eingebracht worden, verfügte über viele wunderbar verdrehte Zweige und litt dann zunehmend unter dem Klima in dem Terrarium (warm und feucht). Das hatte zur Folge, dass ich anfing abgängige Zweige herauszunehmen und dadurch ging zunehmend mehr Lauffläche verloren und die gesamte Astkonstruktion verlor insgesamt an Substanz und sackte bis jetzt, ein Jahr später, um fast die Hälfte zusammen. Folglich wird zur Zeit benötigter Platz verschwendet, die freie Luft ist ja nicht belaufbar, und das ist für das Kolonieleben nicht sehr effizient. Die Epiphyten konnten zwar fast alle dort verbleiben, trotz des Astproblems, aber ich ziele dann doch immer lieber auf ein Optimum an Ausbeute und ein 60x30x30 Terrarium möchte ich schon gemäß seinen Potenzials nutzen.

      Meines Erachtens sind diese hohen Terrarien in puncto Pflege eher ungeeignet. Wenn man kein destilliertes Wasser benutzt (ich filtere zuerst, koche danach ab und lasse es dann kurz abstehen), dann entwickeln sich über die Monate dennoch Kalkflecken, die sehr schwer zu säubern sind. Durch ein häufigeres Austauschen des Wasserfilters ließe sich dies vielleicht vermeiden. Dies probiere ich jetzt mal aus, denn ein Kaufen von Wasser aus dem Fachhandel ist bei dem Bedarf für mich nicht umzusetzen, möchte ich auch gar nicht. Die Kalkverschmutzung stellt für scharfe Reinigungsmittel zwar kein Hindernis dar, die möchte ich aber nicht in den Terrarien einsetzten, also bleiben die eher schwachen Produkte und es nervt, wenn nach dem intensiven Säubern bereits kurze Zeit später alles wieder weißlich wird. Als eine weitere Reaktion auf das Problem werde ich versuchen die Bewässerung der Epiphyten in diesen Terrarien direkter vorzunehmen und weniger großartig zu sprühen. Als eine weitere Konsequenz werde ich in der Zukunft für eher trocken zu haltende Arten diese Terrarien nutzen, was leider die baumbewohnenden Regenwaldameisen, die es halt gern warm und feucht haben wollen, betreffen wird, denn sie bereiten mir erheblich mehr Arbeit in diesen Terrarien.

      Ein letzter Nachteil ist die Zugänglichkeit der Terrarien mit einer Höhe von 60cm, denn ich komme kaum an den Bodengrund mit meiner Hand, stehe auf dem Tritt über das Terrarium gebeugt (wenn es oben im Regal steht), warme Luft strömt einem entgegen, ich sehe praktisch auf Bepflanzung und andere Gestaltungsgegenstände, und zwar im Halbdunkel, denn das Licht ist weg, weil die Terrarienbeleuchtung abgenommen werden muss, um überhaupt einen Arm hineinstecken zu können, das alles bei der kleinen Öffnung von 30x30 (ohne Rahmen, ansonsten noch enger), ich versuche mit Hilfe der Taschenlampe durch das Wirrwarr der Pflanzen und dem Gedöns von außen zu schauen, um innen mit meiner Hand herum zu machen, am besten noch mit der 30cm Pinzette, der Schweiß läuft und mir rutscht die Brille von der Nase...

      Wie ihr beim Lesen schon merkt, es dreht sich also bei der von mit gewählten Haltung der Dolichoderus bispinosus weiterhin um die selben Probleme: Korknestbefestigung auf lange Sicht zu unzuverlässig, wichtige Materialien im Terrarium aufgrund von Wärme und Feuchtigkeit ungeeignet, Ausbruchsschutz als ständige Herausforderung und das hochkantige Terrarium (60x30x30) ist zu anfällig für Verschmutzung bei feucht-warmer Haltung.

      Ergebnis: Die Kolonie muss raus!

      Was ich dafür bereits unternommen habe und noch tun werde kommt im nächsten Beitrag.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Die Dolichoderus bispinosus Kolonie halte ich nun schon seit 13 Monaten und die Art begeistert mich immer wieder aufs Neue. Interessant fand ich ihr Verhalten bezüglich der Neststandorttreue. In meinem Beitrag vom 04.11.2017 hatte ich diesbezüglich bereits zusammenfassend berichtet, dass es zuvor zu häufigen Wechseln des Neststandortes kam. Vor genau einem Jahr zog die Kolonie aus ihrem RG aus und sammelte sich zuerst in der Laubstreuschicht bzw. in dem Bodengrund. Dies erstaunte mich damals, denn es handelt sich bei der D. bispinosus um eine arboricol lebende Art, d.h. sie nistet vor allem oberhalb des Bodens in Bäumen oder Büschen und ich erwartete, dass sie sich im Formicarium direkt in die Höhe orientieren würde. Dafür hatte ich ihr oben in den Zweigen ein größeres RG bereit gestellt. Die Kolonie verblieb aber erst einmal in der Laubstreuschicht, wobei die Arbeiterinnen den Kontakt zur Erde mieden und sich auf den vielen Elementen aus Holz bewegten (kleine Zweige, Rindenmulch etc.) und wechselte dann in den Beckenverbinder, den ich bereits an dem Formicarium zur späteren Verbindung an andere Formicarien angebracht hatte. Nach vielen kleinen Umzügen, die jeweils nachts von den Tieren umgesetzt wurden, zog die Kolonie dann in das RG im oberen Bereich des Formicariums ein. Eine kurze Zeit lang bot ich ihr mehrere RGs zum Bewohnen an, allerdings reichte ihnen damals ein RG völlig aus und die weiteren RGs wurden nicht angenommen, zu diesem Zeitpunkt war die Kolonie dafür einfach zu klein. Heute hätte das Ergebnis vielleicht schon ganz anders ausgesehen.

      Ende November 2017 bewohnten sie dann bereits zwei Monate lang das RG, fingen aber an sich immer wohler mit der Laubstreuschicht bzw. dem Bodengrund zu fühlen und die Erdschicht an sich wurde von den Arbeiterinnen nicht mehr so extrem gemieden. Als dann Anfang Dezember das Nest-RG zunehmend zu klein wurde, installierte ich noch vor der Jahreswende im oberen Bereich des Formicariums ein Korknest, welches erfreulicherweise nach ein paar Tagen durch die Kolonie angenommen wurde. Nach dem Absturz des Korknests im frühen März 2018 folgte eine Putzaktion des Formicariums und die Kolonie bezog erneut das Korknest, in dem sie bis Anfang August 2018 verblieb. In dieser Zeit konnte ich beobachten, dass sich das Nest mit Arbeiterinnen und Brut füllte, um sich darauf hin wieder zu leeren (wie Ebbe und Flut), teilweise transportierten sie täglich ihre Brut von dem Korknest zum Bodengrund und zurück. Die Königin verblieb die gesamte Zeit im Korknest und legte dort ihre Eier. Dies ging einige Zeit so hin und her und dann verblieben Brut und Arbeiterinnen, in dem ungewöhnlich langen und warmen Sommer im Norden, letztlich im Korknest. Ich vermute deshalb, dass die Arbeiterinnen den Standortwechsel der Brut vornahmen, weil sie die Brut jeweils an dem geeignetsten Ort für die Entwicklung platzieren wollten. Am Anfang war das über den Tag als Wärmequelle häufig die Heizmatte im unteren Bereich des Formicariums und während des heißen Sommers war es das Korknest, denn die Heizmatte für den Bodengrund war temperaturbedingt durch meine Anlage ausgeschaltet worden. Diesen häufigen Standortwechsel der Brut würde ich an dieser Stelle also nicht als Nestwechsel bezeichnen und einer polydomen Lebensweise deswegen zuschreiben wollen, sondern sehe dies eher in der Wärmeverteilung im Formicarium begründet. Trotzdem konnte ich das vergangene Jahr, wie eben kurz zusammengefasst, durchaus eine hohe Flexibilität der Tiere bezüglich des Beziehens und des Verlassens von Standorten beobachten.

      Interessant ist doch, dass dieses Verhalten eine Kehrtwendung von dem ursprünglich gezeigtem Verhalten darstellt. Es erscheint so, als hätte sich die Wahrnehmung der Ameisen bezüglich ihrer Umwelt drastisch verändert und der Bodengrund wurde nun ebenso aktiv genutzt, wie der Bereich oberhalb des Bodens, also der tragende Ast, die Zweige, die Pflanzen und das Nest. Ich nehme an dieser Stelle an, dass sich die Tiere einfach den Begebenheiten der Hobbyhaltung anpassten, also letztlich auch der Enge des Formicariums, und dass das artgerechte Verhalten der D. bispinosus in der freien Natur auch ganz anders sich hätte zeigen können und es dort vielleicht zu einer Meidung des Bodens käme. Leider habe ich dazu keine weiteren Informationen und der Zusammenhang bleibt spekulativ.

      Eine Konsequenz aus dem Verlagern von Brut und Arbeiterinnen war, dass die Arbeiterinnenanzahl mir kaum schätzbar erschien. Die Bezifferung der Koloniestärke fällt mir ab einer gewissen Anzahl an Arbeiterinnen eh ein wenig schwer, nur konnte ich in dieser Situation überhaupt nicht mehr erahnen, wie viele Arbeiterinnen es sein könnten, da sich zeitweise ein Hauptteil der Kolonie nicht im Nest aufhielt und nicht zu klären war, welche Anzahl an Arbeiterinnen stetig im Bodengrund verblieb, selbst bei einer zeitweise hohen Frequentierung des Nests.

      Eine weitere Konsequenz war, dass dieses Umsetzen der Kolonie nicht so leicht wie beim ersten Mal werden würde (dem Herausnehmen der Kolonie für die Putzaktion des Terrariums), da war die Kolonie noch klein und ziemlich gesammelt. Wenn ein Umsetzen diesmal möglichst unproblematisch verlaufen sollte, dann musste ich einen Zeitpunkt finden, zu dem sich ein großer Teil der Kolonie im Korknest befand. Und der kam nicht. Die bestehenden Probleme bezüglich der Situation im Formicarium hatte ich im letzten Beitrag vor ein paar Tagen bereits beschrieben und die Gesamtsituation änderte sich nicht so gravierend: ein größerer Teil der Kolonie war im Nest, der andere (immer noch erschreckend große) Teil verblieb außerhalb. Deshalb entschied ich mich dafür dieses Umsetzten anders zu gestalten, als es beim letzten Mal noch möglich war. Um den Nestabsturz zu vermeiden nahm ich das Nest von der Glasscheibe des Formicariums ab und legte es einfach auf die Epipyhten, damit sich die Kolonie aus dem Nest zurückziehen konnte. Nun platzierte ich einen dickeren Schlauch im oberen Bereich der Arena, die Kolonie befand sich zu diesem Zeitpunkt gänzlich im Bodengrund, und meine Hoffnung dabei war, dass sich die Tiere in den Schlauch zurück ziehen würden. Dieser Schlauch würde im Gegensatz zum Bodengrund eine Nistmöglichkeit mit stabiler Situation zum Bewohnen darstellen, die sich im oberen Bereich der Arena befindet, um der arboricolen Lebensweise der D. bispinosus besser zu entsprechen. Der Bodengrund ist von daher unzuverlässig, weil sich ständig der Feuchtigskeitgrad drastisch verändert: Nach dem Sprühen feucht-naß bis triefend- naß (an den Stellen, an denen von den Epiphyten Wassertropfen heruntertropfen) und dann zunehmen austrocknend, bis zum nächsten Sprühen, erneut feucht-naß und so weiter. Die Nestbedingungen im Korknest waren im Vergleich dahingehend eher trocken, wenn man mal von der erhöhten Luftfeuchtigkeit im Formicarium absieht, die sicherlich auch das Innere des Korknests erreichte. Genau dies, dachte ich, würde eventuell auch der Schlauch leisten können. Das Material war gravierend anders als Holz, klar, aber die Tiere gingen bisher auch ohne Anstalten in Reagenzgläser oder den Beckenverbinder aus Plastik.

      Das Korknest habe ich am 06.08.2018 von der Glasscheibe des Formicariums abgenommen, um es dann in die Epiphyten zu legen.

      An dem ehemaligen Sitz des Nests kann man sehen wie Arbeiterinnen Brut abtransportieren. Sie war in dem Nest bis direkt an die Glasscheibe gelagert gewesen.

      Mein Ziel war es die Kolonie aus dem Terrarium zu nehmen und ich dachte an einen neuen Verbleib der Kolonie in diesem Schlauch (oben im Bild).

      Nachdem die Kolonie dann ausgezogen war, konnte ich das Korknest entfernen und habe dann den Schlauch für weiter drei Tage als neue Nistmöglichkeit angeboten.

      Gerechnet hatte ich nicht damit, dass die Tiere, nach einem sehr kurzem Aufenthalt in der Laubstreuschicht, ihr Lager in den Öffnungen der Bromelien aufschlagen würden, zumindest nicht in dieser Konsequenz. Dies war eine krasse Unterschätzung der Tiere und ich hätte mir dies nach meinen Recherchen zur Art echt denken können. Für eine Ameisenart, die in dem feuchten Klima des Yucatán so erfolgreich Nischen belegt, ist dies ein Kinderspiel. So ist das mit Entscheidungen und man lebt halt mit den Konsequenzen. Hätte ich das Korknest nicht langsam und sicher in der Arena abgesetzt und hätte es an der Stelle direkt in ein neues Behältnis überführt, dann hätte ein größerer Teil der Kolonie gefehlt. Wesentlich gravierender hätten die Tiere beim „Abheben“ des Nests, so müssen sie es empfunden haben, auf dem Weg des Transports aufgeregt und planlos loslaufen können und nicht auszudenken, dass dabei die Gyne panisch aus dem Nest hätte fallen können, dann wäre auch die Kolonie an sich bedroht gewesen. Dies war mir ein viel zu hohes Risiko, deshalb entschied ich mich dagegen, auch ohne die Überlegung des Beziehens der Bromelien durch die Kolonie zu berücksichtigen.

      Dieses Material haben die Arbeiterinnen produziert, welches hier leider nur beschädigt und ausgetrocknet zu sehen ist.

      Links die Schicht diente als eine Art Dach und rechts die Schicht als eine Art Verbindungswand: Verbunden wurden jeweils zwei separate Blätter der Bromelie, eben als Abschluss zur Seite und als Dach nach oben.

      Die Tiere hatten sich also in direkt beieinander wachsenden Bromelien eingenistet. Zwischen den Blättern lagerten sie Brut, auf den Blättern saßen die Arbeiterinnen ganz dicht und dazu fingen sie an die Pflanze gemäß ihren Bedürfnissen zu gestalten: die Blätter der Bromelien wurden mit dem Material verbunden, welches sie gewebeartig herstellen können. Dies festigte zum einen den Halt unter den Blättern, in dem sie sie damit fest verbanden, und zum anderen kontrollierte dies den Einfluss des (Sprüh-)Wassers, es wurde z.B. eine Schicht des Materials als eine Art Dachkonstruktion eingesetzt, um von oben herunter kommendes Wasser abzuhalten. Leider konnte ich unter diesen Bedingungen (Scheiben verkalkt, kaum Licht, schlechte Einsicht) keine guten Aufnahmen machen.

      Nun gut, die Idee mit dem Schlauch klappte nicht und nach drei Tagen tauschte ich den Schlauch gegen ein RG aus. Von dieser Art der Unterbringung wusste ich, dass sie zumindest in der Vergangenheit funktioniert hat.

      Das RG ist 26cm lang und hat einen Durchmesser von 4cm. In das RG habe ich Rinde von einer Platane geschoben, damit die Arbeiterinnen mehr Fläche zum Sitzen und zum Stapeln von Brut haben.

      Versehen mit Alufolie habe ich dann das RG in das Formicarium gelegt.

      Und von dem Rest des Umzugs berichte ich im nächsten Beitrag.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Bis bald!

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      In den letzten zwei Beiträgen habe ich versucht einen umfassenden Eindruck über die Kolonieentwicklung der Dolichoderus bispinosus und der daraus resultierenden Herausforderungen für Tiere und Halter zu skizzieren. In dem bisherigen Formicarium konnte die Kolonie so nicht verbleiben und mein letzter Beitrag endete mit dem Verbleib der Kolonie in den von ihnen bezogenen Bromelien und meinem Anbieten eines großen RGs als Nistmöglichkeit. Um das RG noch mehr zu bewerben stellte ich den Tieren am Eingang Zuckerlösung zur Verfügung. Nach drei Tagen kam es dann zu einem ersten Umlagern von Brut. Der Umzug begann langsam und schleppend und war letztlich erst nach sieben Tagen beendet. Dass die Königin mit in das RG überführt worden war konnte ich nur annehmen, beobachtet habe ich es leider nicht und es verblieben doch recht viele Tiere in den Bromelien. Aber immerhin war die Kolonie nun offiziell mit der gesamten Brut in das RG eingezogen.

      Um die Tiere aus den Epiphyten zu locken, habe ich ihnen Zuckerlösung direkt am RG-Eingang bereit gestellt.

      Aus den gemachten Erfahrungen der Vergangenheit hab ich mir die Frage gestellt: Was soll die neue Unterbringung leisten? Und war zum Ergebnis gekommen, dass die neue Arena folgenden Kriterien zu entsprechen hätte:

      1. Ausbruchsschutz - runde statt eckige Ecken
      2. mittel-feuchtes Klima
      3. viele Bromelien als Nistmöglichkeiten
      4. leicht zu säubern
      5. besserer Zugang
      6. bessere Einsicht für Fotografien
      Deshalb habe ich mich für die Unterbringung in einer großen Plastik-Verstaubox entschieden. Die Maße sind: 54x42x38cm. Die bisherige Unterbringung in dem Formicarium entsprach 30x60x30cm. Ausschlaggebend war besonders der Aspekt des Ausbruchsschutzes, denn die Verstaubox besitzt keine scharfen Ecken, sondern ist an diesen Stellen gerundet. Für den Ausbruchsschutz habe ich mich für Talkum entschieden. Sollte es diesbezüglich zu Problemen kommen und beim Sprühen der Talkumrand zu sehr leiden, dann würde ich auf Paraffin umstellen.


      Bodengestaltung und Klima/Feuchtigkeit:

      Als Bodengrund habe ich ein wenig Sand gewählt. Tongranulat habe ich als Klima beeinflussendes Material ergänzt, weil es Wasser speichernde und abgebende Eigenschaften besitzt. Bei akuter Bewässerung speichert das Granulat und bei fehlender Bewässerung gibt es Wasser an die Umwelt ab und befeuchtet somit die Umgebung (Boden und Luft). Die Arena soll ohne Deckel zum Abdecken betrieben werden und das Tongranulat ermöglicht ein stetig feuchtes Klima. Es soll also zu keinen Phasen der Trockenheit kommen, wenn ich in Ausnahmefällen mal für zwei bis drei Tage nicht zum Bewässern kommen sollte.

      Tongranulat besteht aus Blähton, welcher bei sehr hohen Temperaturen im Ofen hergestellt wird, kann die 300-fache Menge an Wasser speichern und soll weiterhin in der Unterbringung entstehende Staunässe entgegen wirken. Zum einen werde ich in der Box die Pflanzen besprühen, zum anderen werde ich die Moospolster, mit denen die Bromelien aufgebunden sind, zusätzlich direkt bewässern, um auch die Pflanzen, die nur spärlich vom Sprühwasser erreicht werden, am Leben zu erhalten. Meiner Erfahrung nach nimmt erst einmal trocken gewordenes Moos nur sehr langsam wieder Wasser auf. Es läuft während des Befeuchtens doch recht viel Wasser ab und folglich kommt es erst nach und nach zu einer Sättigung des Mooses mit Wasser. Dieses abgelaufene Wasser tropft zwangsläufig auf den Bodengrund und würde an diesen Stellen sofort zu Stauwasser führen. Blähton ist da wirklich praktisch.

      Ein weitere positiver Aspekt des Tongranulats ist sein geringes Eigengewicht, was ein Umstellen der Plastikbox erleichtert. Das Eigengewicht wird natürlich durch den Grad der Wassersättigung beeinflusst. Dass das Material keimfreie Aspekte aufweist, spielte für mich bei der Entscheidung für die Verwendung als Teil des Bodengrundes keine Rolle.

      Das benötigte Licht für die Pflanzen kommt von einer Philips LEDTube (3700 Lumen, 150cm), die an der Wand angebracht ist. Die benötigte Wärme resultiert aus der Raumtemperatur meines Ameisenzimmers. Sollte ich feststellen, dass diese nicht ausreicht, so würde ich mit einer Wärmelampe arbeiten. Das wird sich dann zeigen.


      Raumgestaltung:

      Die Plastikbox bietet viel Platz zur Gestaltung. Um den Raum so gut wie möglich zu nutzen, habe ich mich für zwei solide Äste entschieden, die mit Pflanzen versehen den Tieren viel Platz zum Laufen bieten sollen. Einen dicken Ast habe ich seitlich an der Innenfläche der Box platziert. Auf diesen Ast habe ich Bromelien mit Moos aufgebunden. Ein weiterer Ast wurde mittig platziert, an ihm wurden „mobile“ Bromelien, die auf Xaxim aufgebunden und mit einem Haken aus Draht versehen sind, befestigt. Diese bereits aufgebundenen Bromelien sind im Wesentlichen die Bromelien aus dem ehemaligen Formicarium der D. bispinosus. Die Vorstellung Bromelien selber aufzubinden hat mich am Anfang ein wenig von dem Kauf von Epiphyten abgehalten, da ich zu wenig über solche Pflanzen wusste und die Sorge hatte, ich könnte etwas falsch machen. Deshalb hatte ich mich beim ersten Kauf für bereits aufgebundene Pflanzen auf Xaxim entschieden. Heute weiß ich, dass diese Sorge gänzlich unbegründet war und mir gelingt der Umgang mit Bromelien spielerisch. Bromelien aufzubinden ist wirklich einfach. Als positive Folge meiner Berührungsängste verfüge ich heute über einen Satz an auf Xaxim aufgebundenen Epiphyten, die auch Vorteile für die Platzierung bieten: hängend erschließen sie Raum, der anders vielleicht nicht genutzt worden wäre. Mehr Gegenstände sind zur Zeit an Raumgestaltung nicht vorgesehen.


      Umzug:

      Am Samstag, den 18.08., war es dann soweit und der Umzug der D. bispinosus konnte endlich statt finden. Die neue Behausung war von mir am Vortag vorbereitet worden und die Plastikbox war mit dem Bodengrund, dem seitlichen Ast (mit den Bromelien), den mittig platzierten Ast (noch ohne Bromelien) und vor allem dem Talkum-Ausbruchsschutz versehen worden. Es stand also alles bereit. Um eine höhere Anzahl an Tieren in dem RG zu erreichen hatte ich in den Tagen zuvor einige Maßnahmen gestartet. Zum einen wurde regelmäßig, also täglich, frische Schaben gefüttert. Vorhandenes Fressen führt bei den Tieren immer zu einer hohen und durchgängigen Aktivität, die wollte ich vermeiden und einen Grad der Sättigung herstellen, sodass ich am Donnerstag die Fütterung aussetzte und am Freitag erst am späten Nachmittag fütterte. Die Tiere sollten sich über den Abend und die Nacht so richtig vollfressen, motiviert durch die Abstinenz am Tag zuvor. Zusätzlich schaltete ich abends die Arenabeleuchtung ab, damit diese am nächsten Morgen nicht den Beginn des Tages unterstützen sollte. Das alles mit dem Ziel die Tiere so inaktiv wie möglich zu halten. Samstagmorgen um 11:00h war dann der ideale Moment gekommen. Das RG ließ sich schnell mit einem Stopfen aus Watte verschließen, ein Großteil der Kolonie befand sich also bereits „gesichert“ außerhalb der alten Unterbringung.

      Von den restlichen Tieren waren zwei Drittel in den hängenden Bromelien und ein Drittel im Bodengrund verblieben. Die beiden Bromelien, die die Tiere zuerst als Nistmöglichkeit genutzt hatten, waren immer noch am stärksten besetzt. Schnell nahm ich diese Bromelien, machte einen geeigneten Platz auf dem vorbereiteten Ast aus und hängte sie dann dort auf. Die anderen Bromelien folgten und die Platzierung aller Bromelien dauerte dann doch recht lange, also bestimmt zehn Minuten, bis ich alles am einem geeigneten Ort hatte. Es erwies sich nicht als einfach, die Pflanzen in einen guten Abstand zueinander zu bringen. Wenn ich einen guten Standort für eine Pflanze fand, dann musste der Draht zurecht gebogen werden, dabei sollten die anderen Pflanzen nicht verrückt werden, geschweige denn herunterfallen. Irgendwann war dann auch die letzte Pflanze endlich an ihrem Ort. Denn eine große Herausforderung war, dass die Tiere sich erheblich gestört fühlten und vollen Angriff gegen mich bliesen. Ich wurde noch nie von so vielen Ameisen gebissen, alles roch nach Terpentinersatz und zu Beginn versuchte ich noch einfach weiterzuarbeiten und die Bisse zu ignorieren, was mir ab einer gewissen Intensität nicht mehr möglich war. Und sie liefen auf die Oberarme in Richtung Hals und Kopf. Ich füge Wesen nur ungern etwas zu und ich wollte die Tiere auf meinen Händen und Armen einfach gewähren lassen. Das war der Plan. Das ging so aber gar nicht. Irgendwann versuchte ich nur noch krampfhaft die Arbeiterinnen von meinen Armen zu wischen, um mir einfach mal kurz Freiheit zu verschaffen und schnell weiter arbeiten zu können, also zum Wohle der Kolonie. Dann konnte ich erst einmal Pause machen und mir die Hände und Arme waschen.

      Die neue Arena für die D. bispinosus ist fertig.

      Eine Zeit lang habe ich die Tiere beobachtet, wie sie anfingen die neue Umgebung auszukundschaften. Dabei konnte ich auch feststellen, dass der Talkumrand hielt was er versprach und ich konnte mit dem Umsetzen fortfahren. Das RG mit dem Hauptteil der Kolonie folgte in die neue Unterbringung zu den bereits umgesetzten Ameisen und nach dem Herausziehen des Wattestopfens war dann auch erst einmal was los. Solche Momente bereiten mir immer sehr viel Freude.

      Die in der alten Arena verbliebenen Arbeiterinnen sollten allerdings auch den Umzug mitmachen und ich konnte einige von ihnen mit einer Federstahlpinzette aufnehmen. Dies betraf die hektisch herumlaufenden Arbeiterinnen an den Glasscheiben und nach dem Umsetzen von ca. 50-60 Tieren war auch das Gewusel bewältigt und meine Geduld damit erst einmal am Ende, denn die ganze Aktion hatte Stunden gedauert. Ich stellte eine Falle für die Nacht auf, eine BraPlast Dose mit Talkum im inneren Rand versehen, mit der Hoffnung, dass die Tiere auf der Suche nach ihrer Kolonie die Bra-Plast-Dose belaufen und bei dem Kontakt mit dem Talkumpulver in die Dose hineinfallen würden. Am nächsten Morgen waren auch weitere 50-60 Arbeiterinnen in der Falle, nur waren immer noch viele Tiere im Bodengrund. Sehr effektiv war dies nicht. Die restlichen Tiere bekam ich mit Hilfe einer Zuckerlösung umgesetzt, die ich den Tieren anbot. Dafür stellte ich die Zuckerlösung auf einem kleinen Plastikdeckel bereit, die setzen sich zur Nahrungsaufnahme darauf und wenn immer 20-25 Tiere beschäftigt waren Zuckerlösung zu trinken, setzte ich den Plastikdeckel in die neue Arena um. Dann wartete ich eine Weile, bis der Deckel halbwegs verlassen war und setzte ihn zurück in die alte Arena. Den Vorgang wiederholte ich mehrfach am Tag und so konnte ich den Hauptanteil von Tieren innerhalb drei weiterer Tagen umsetzen. Dies stellte sich doch als ein recht langwieriger Prozess heraus. Mittwoch (22.08.) waren auch die meisten der letzten Nachzügler mit der Zuckerlösung in die neue Arena umgesetzt. Ein paar allerletzte Arbeiterinnen fing ich mit der Federstahlpinzette.

      Nun befindet sich die Kolonie in der neuen Unterbringung und ich bin glücklich damit. Die ganze Sache hat recht lange gedauert und es war in einigen Punkten mühsam, manchmal zäh, aber dies ist nun einmal mein Hobby und es macht mir sehr viel Spaß. Außenstehende mögen dies als reine Arbeit empfinden, mit deutlich zu viel Aufwand, aber für mich steckt da so viel mehr drin: ich finde es spannend und ich habe die Dolichoderus bispinosus einfach in mein Herz geschlossen!

      Endlich angekommen!

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      So, nun ist es passiert, mein erster richtig großer Ausbruch! Und Topkandidatin im Rennen? Klar, die D. bispinosus. Meinen Sonntagmorgen hatte ich mir anders vorgestellt. Mein ganzes Zimmer voller schwarzer Punkte, die sich bewegten. Während ich versuchte die Dimension des Ausbruchs zu beurteilen, musste ich aufpassen, dass ich auf keine Arbeiterinnen trat. Die Tiere hatten sich über Nacht eine Schwachstelle im Talkumrand zunutzen gemacht und waren im großen Stil ausgerückt. Entgeistert habe ich tatsächlich noch den Exhaustor geholt, um dann nach der zweiten eingesaugten Ameise die Lächerlichkeit meines Unterfangens zu realisieren. Also, nun kam ein erstes Mal der Staubsauger zum Einsatz. Ich hätte ja gedacht, dass mir die Sache mehr zu schaffen machen würde, aber in dem Moment handelt man einfach und nachdem ich die Hotspots mehrfach freigesaugt hatte, konnte ich das Saugen beenden. Ein Blick in die Unterbringung der Tiere zeigte gähnende Leere, fast gänzliche Abwesenheit von Arbeiterinnen. Das fand ich dann weniger gut und fragte mich für einen Moment, warum ich mir so etwas überhaupt antue.

      Also, dreißig Minuten nach dem Entdecken des Ausbruchs war ich mit dem Staubsauger fertig und fing dann an Arbeiterinnen mit der Federstahlpinzette aufzulesen. Die erste Zeit konnte ich einfach an einer Stelle auf dem Parkett sitzen bleiben oder mich an eine Stelle an ein Regal stellen und es kamen schön in Schüben Arbeiterinnen auf mich zu gelaufen. Die aufgelesen Tiere habe ich in einem mit Talkum gesicherten Plastikbehälter gesammelt. Über zwei Stunden kamen da noch erfreulich viele Tiere zusammen und vermutlich wurden durch die Staubsaugeraktion ca. 40-50% der Arbeiterinnen der Kolonie entzogen.

      Gestern hatte ich die Bromelien in der Unterbringung der D. bispinosus neu arrangiert. Vielleicht waren sie deshalb in Ausbruchsstimmung versetzt worden. Eine Bromelie, die zu wenig Licht bekam, entnahm ich und legte sie zur Seite, damit ich sie später in meiner Unterbringung der Pseudoneoponera tridentata hängen konnte. Die Tiere zwischen den Blättern konnte ich vorher ganz gut abklopfen und ich war doch erstaunt, wie viele Arbeiterinnen sich immer noch in dem Xaximstück und in dem Moos aufhielten. Es waren auch Tiere mit Brut dabei, obwohl das RG-Nest sich ein gutes Stück von der Bromelie entfernt befunden hatte. Während der Neuarrangierung der Bromelien war die Kolonie ziemlich in Aufruhr versetzt worden. Ich erfuhr dabei wieder diese Beißattacken und Kampfgaseinsätze durch die Tiere, die ich in meinem letzten Beitrag bereits ansprach, denn fühlen sie sich gestört, dann können sie ab einer gewissen Anzahl wirklich unangenehm werden. Bei meiner Anoplolepis steingroeveri Kolonie ist das selbe Erlebnis (ähnliche Größe und ungefähre Anzahl an angreifenden Arbeiterinnen) nicht annähernd so einschneidend. Ihre Ameisensäure ist nicht so intensiv und zum Teil kitzeln ihre Angriffe eher, wobei die großen Arbeiterinnen an sensiblen Stellen der Haut schon ganz schön Zwacken können.

      Arenabild nach der Neuarrangierung der Bromelien (04.11.2018).

      Wie dem auch sei, nun ist die Kolonie geschrumpft. Alle zwei Stunden werde ich heute noch nach letzten herumstreunenden Arbeiterinnen Ausschau halten und sie auflesen. In der Zeit, die ich für das Schreiben der Absätze gebraucht habe, haben sich wieder neue Grüppchen auf dem Parkett gesammelt. Viele kommen anscheinend noch zurück zur Unterbringung. Manche Tiere haben sich sicherlich an wärmere Orte (z.B. die Nähe von Heizmatten) zurückgezogen, aber ich bin da recht positiv, dass sie sich noch einsammeln lassen werden. Deshalb gehe ich jetzt mal wieder auflesen... Den Talkumrand werde ich nun regelmäßiger erneuern. ;)

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      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Mein letzter Beitrag von Sonntagmittag berichtete von dem Ausbruch der Dolichoderus bispinosus aus ihrer Unterbringung und endete mit meiner Absicht den Talkumrand häufiger zu erneuern. Den Sonntag und Montag verbrachte ich noch viel mit dem Auflesen und Einfangen von Arbeiterinnen, es müssen wohl ein paar wenige Hundert Tiere gewesen sein, bis es dann Montagabend so aussah, als seien alle Tiere eingesammelt worden. Ein paar letzte Arbeiterinnen konnten sicherlich noch unterwegs sein, aber die Kuh war vom Eis und der Talkumrand frisch.

      Um so erstaunter war ich, als am nächsten Morgen doch recht viele Arbeiterinnen wieder aufzusammeln waren. Irgendwie schienen sie hinüber zu kommen. Nur wie? Abends sah ich dann zum ersten Mal ein Grüppchen von drei Arbeiterinnen mitten auf dem Talkumrand sitzen, dabei bewegten sie gezielt ihre Beinpaare in der Art, dass das Talkum abgerieben wurde und so entstand ein „gesäuberter“ Weg zum Passieren, ähnlich wie ein Wurm, der sich durch einen Apfel frisst und so einen Tunnel herstellt. Die anderen Arbeiterinnen hatten diesen neuen Weg nach draußen noch nicht entdeckt, aber dies wäre nur eine Frage der Zeit gewesen.

      Zunehmend frustriert erneuerte ich den Talkumrand gründlich, aber mir wurde klar, dass der Ausbruchsschutz so nicht mehr halten würde. Die Kolonie hatte nun einen Vorgeschmack auf die Weiten meines Ameisenzimmers bekommen, sodass die Tiere motiviert waren, die Talkumbarriere zu überwinden. Ich beobachtete, dass sich immer wieder Gruppen von Arbeiterinnen am Talkumrand aufhielten und ihn auch aktiv angingen. Allerdings waren ihre Versuche strategisch nicht so erfolgreich, wie es das Dreier-Grüppchen ausgeführt hatte. Bei ihnen wirkte es wie Teamwork. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich also beobachtet, dass das Gros der Tiere nicht so recht wusste, wie man die Talkumhürde zu nehmen hatte, einzelne Arbeiterinnen aber in der Lage waren individuelle Strategien zu entwickeln, die durchaus mit Erfolg gekrönt wurden.

      Gut, der Talkumrand war nun durch mich unterstützt worden und ich legte mich auf die Lauer. Es dauerte nicht lange, bis dann eine einzelne Arbeiterin (A) innerhalb von zwanzig Minuten den Talkumrand bezwang. Dabei benutze sie lediglich das vordere Beinpaar, bei dem Dreier-Grüppchen zuvor waren alle Beinpaare eingesetzt worden, und säuberte sich den Weg, wie ein Hund ein Loch im Boden graben würde, indem sie das Talkum abrieb und ihre Tarsen mit ihren Mandibeln dann regelmäßig säuberte. Nach einiger Zeit konnte man richtig einen sich bildenden Klumpen Talkum an den Mandibeln sehen. Die beiden hinteren Beinpaare wurden für ein sicheres Festhalten an dem Plastikrand genutzt und wiesen ebenfalls nach einiger Zeit kleine Talkumpolster an den Tarsen auf. Dieses Säubern der Tarsen mit den Mandibeln hatte ich zuvor bei dem Dreier-Grüppchen nicht beobachtet, aber ich hatte mir nicht viel Zeit zur Beobachtung genommen und vermutlich gingen sie auch so vor. Wenn man darüber nachdenkt, dann liegt dies zu tun für mich auch nahe, viele Tiere säubern ihre Pfoten/Füße von Verunreinigungen mit ihren Mäulern. Dienstagabend brachte ich die dickste Form an Talkumrand auf, die unter diesen Umständen nur möglich war und hoffte, dass das nun dem Ausbüxen ein Ende machen würde.

      Die Arbeiterin (A) auf dem Talkumstreifen am 06.11.2018.

      Doch ihr ahnt es bereits, dies kam dann Mittwoch anders und ich schaute dann einzelnen Arbeiterinnen längere Zeit bei ihren Ausbrüchen zu. Eine Arbeiterin (B) hatte wie Arbeiterin (A) vom Vortag einen sehr direkten Ansatz, benutzte aber alle Beipaare und ackerte sich fleißig nach oben, wobei sie immer wieder ihre Tarsen mit den Mandibeln reinigte, um so erneut „frische Füße“ zum Aufsetzten zu haben. Eine dritte Arbeiterin (C), die ebenfalls alle Beinpaare einsetzte, um über den dicken Talkumrand zu kommen, arbeitete sich stets weiter nach oben, obwohl sie einen sehr akrobatischen Ansatz zum Bewältigen des Talkumstreifens betrieb und zeitweise auch mal mit dem Kopf in Richtung Boden hing, um sich wieder verbessert zu positionieren und weiter gen Rand zu bewegen. Echt spannend. Übrigens schafften alle Arbeiterinnen es den dicken Talkumstreifen zu überwinden, hatten sie erst einmal eine Strategie erfolgreich entwickelt.

      Die Arbeiterin (B) auf dem Talkumstreifen am 07.11.2018. Man kann das Talkum hier schön an den Mandibeln erkennen.


      Die Arbeiterin (C) betreibt einen sehr akrobatischen Ansatz. Erfolgreich war sie dennoch am Ende (07.11.2018).

      Somit war Talkum als Ausbruchsschutz raus. Und ich erst einmal am Ende mit meinem Latein. Lack/Teflon (PTFE) war mir als Ausbruchsschutz bisher nicht gelungen, allerdings hatte ich dies nur einmal auf Glas ausprobiert, was nicht funktioniert hatte. Später las ich, dass der Lack für ein erfolgreiches Auftragen wohl viel stärker hätte verdünnt sein müssen, als es bei mir der Fall war, aber Talkum ist eigentlich mein Mittel der Wahl in der Ameisenhaltung. Paraffinöl hatte ich für die D. bispinosus bereits auf Glas ausprobiert und die Tiere waren locker flockig darüber hinweg spaziert, aber irgendwas musste ich machen, ich hatte nicht die Kapazitäten zur Verfügung, noch die Zeit, die Kolonie den Abend noch umzusiedeln. Also säuberte ich unter dem Talkumrand das Plastik der Unterbringung und brachte dann einen fünf bis sechs Zentimeter breiten Streifen Paraffinöl auf. Et voilà, das funktionierte! Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie erleichtert ich da war! Mich trieben schon Gedanken die Kolonie abgeben zu müssen um, falls sich keine Lösung fände.

      Dass der Talkumrand über dem Paraffinölstreifen liegt ist natürlich ungünstig, zu leicht rieselt Talkum dann durch Erschütterung oder Luftbewegung von oben auf den Ölstreifen. Dieser Umstand war aus der Not geboren und wenn ich ein wenig Zeit und Muße habe, dann werde ich den Talkumrand beseitigen und für diese Art auf Plastik nur mit einem Paraffinölstreifen arbeiten. Wenn man grundsätzlich eine doppelte Absicherung vornehmen möchte, so sollte zuerst der Paraffinölstreifen kommen und darunter der Talkumstreifen.

      Als Ergebnis war also mein eigentlicher Talkumrand nicht schlecht oder zu abgenutzt gewesen, sondern die Tiere haben einfach super Klettereigenschaften, wobei einzelne Tiere Strategien zur Bewältigung des Talkumrandes entwickelten, die den anderen Arbeiterinnen bei Erfolg schnell zu vermitteln gewesen wären. Und der Talkumrand wäre dann sehr schnell in Gänze hinfällig gewesen.

      Sich so den Hindernissen in der Umwelt zu stellen und sie durch Kreativität (und durch harte Arbeit) zu meistern, wie in diesem Fall, begeistert mich immer wieder und diese Eigenschaften machen für mich Ameisen zu dem Haustier Nummer Eins!

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf