Haltungsbericht Dolichoderus cf. bispinosus

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    • Haltungsbericht Dolichoderus cf. bispinosus

      Moin!

      Ende Juli 2017 habe ich eine Dolichoderus cf. bispinosus Kolonie erhalten. Darüber habe ich mich sehr gefreut! Die Art gehört zu der Unterfamilie der Drüsenameisen, der Dolichoderinae und stammt aus Mexiko, aus dem Bundesstaat Quintana Roo, Yucatán Halbinsel. Die Kolonie wurde am Straßenrand entdeckt, sie lebte in einem zusammengerollten, trockenen Blatt, ungefähr auf Hüfthöhe.


      In dieser Box wurde die Kolonie zwischenzeitlich gehalten, dabei hat sie sich erfolgreich weiter entwickelt.



      Dies ist eine Aufnahme der Kolonie im Reagenzglas. Man kann hier die Gyne, Arbeiterinnen und Brut sehen. Die Gyne hat bereits einiges an Nachwuchs und sie legt stetig weitere Eier.





      Man kann hier bei der Gyne und der Arbeiterin links sehr schön die Dornen betrachten, die sich auf ihrem Thorax befinden.






      Die Reise zu mir hat die Kolonie unbeschadet überstanden.





      Systematik
      Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
      Klasse: Insekten (Insecta)
      Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
      Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
      Teilordnung: Stechimmen (Aculeata)
      Überfamilie: Vespoidea
      Familie: Ameisen (Formicidae)
      Unterfamilie: Drüsenameisen (Dolichoderinae)
      Gattung: Dolichoderus
      Art: Dolichoderus bispinosus (Olivier, 1792)



      Für die Haltung dieser Dolichoderus Art habe ich mich für ein 30x30x60cm Formicarium mit relativ dünnen Bodengrund entschieden. Meine erste Idee für ein Nest war ein Stück einer japanischen Staudenpflanze oben in den Zweigen des Astes. Leider fing es an zu schimmeln.


      Koloniebeschreibung:

      Arbeiterinnenanzahl: bei Erhalt ca. 80-100.

      Männchen: nicht vorhanden.

      Alter: vermutliche Gründung 2016.

      Verbreitungsgebiet: Von Mexiko bis Argentinien.

      Herkunft: Gesammelt wurde die Kolonie im südöstlichen Mexiko, Bundesstaat Quintana Roo, Yucatán Halbinsel.

      Fundort: Die Kolonie wurde am Straßenrand entdeckt, sie lebte in einem zusammengerollten, trockenen Blatt, ungefähr auf Hüfthöhe.

      Beckengröße: Arena 30x30x60cm plus Rahmen und Deckel, ein Beckenverbinder ist für spätere Erweiterungen bereits installiert.

      Luftfeuchtigkeit Arena: schwankend, 70-90%, gemäß den feucht-tropischen Wetterbedingungen des Yucatáns.

      Wärmequelle und Beleuchtung: 20W Sun Mini Intervall: 12-16h, in der Abdeckung integriert, nachts Deckel offen.

      Weitere Wärmequelle: 7W Heizmatte (Intervall: 6-23h)

      Raumtemperatur: 22-25 °C, manchmal nachts 20 °C (auch in wärmeren Zonen gibt es Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht).


      Messung 06.09.2017, 15:45h (mit Wärmequelle Licht 20W)
      Luftfeuchtigkeit Arena: 84%, Deckel geschlossen seit dem Morgen, 1/3 des Bodengrunds ist morgens bewässert worden
      Lufttemperatur im oberen Arena-Bereich: 27,1 °C
      Raumtemperatur: 22,4 °C

      Messung 07.09.2017, 12:00h (mit Wärmequelle Licht 20W)
      Luftfeuchtigkeit Arena: 82%, Deckel geschlossen seit dem Morgen, 1/3 des Bodengrunds ist am Tag davor bewässert worden
      Lufttemperatur im oberen Arena-Bereich: 26,9 °C
      Raumtemperatur: 21,4 °C



      Für die erste Zeit verblieb die Dolichoderus Kolonie noch in ihrem Reagenzglas in der Arena. Doch dann fingen erste Arbeiterinnen an die Brut hinaus zu tragen.


      Bald geht es weiter!

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf
      „It's a white whale, I say,“ resumed Ahab, as he threw down the top-maul; „a white whale. Skin your eyes for him, men; look sharp for white water; if ye see but a bubble, sing out!“ Moby Dick, Herman Melville

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Olaf Schwarz () aus folgendem Grund: Textliche Überarbeitung

    • Moin!

      Die Dolichoderus Kolonie hat sich Ende August 2017 noch erst einmal im Reagenzglas aufgehalten, bevor der Auszug begann. Nach und nach trugen die Arbeiterinnen die gesamte Brut aus dem Reagenzglas und es bildete sich ein Haufen aus Brut, an dessen Rand sich dann die Königin befand, geschützt durch die Arbeiterinnen, die aufmerksam die Brut pflegten, nach Nahrung suchten und mit ihren eigenen Körpern eine Art Schutzwall um die Brut und die Königin errichteten.


      Ein trockenes Blatt und ein Stock zu einer Seite dient hier den Arbeiterinnen als weiterer Schutz.




      In diesem Bild ist die Gyne unten rechts gut zu sehen. Sie residiert neben ihrem „Berg aus Brut“.


      Für die Koloniegröße hat die Gyne bereits tüchtig für Nachwuchs gesorgt.


      Es sind meiner Meinung nach sehr schöne Tiere und sie besitzen ihren eigenen Reiz. Der Körper ist matt schwarz und ist zum Teil behaart, wobei die Haare im Licht schimmern und dadurch an den Stellen einen goldenen Schein entstehen lassen. Gyne und Arbeiterinnen besitzen vorne auf dem Thorax zwei Dornen in Richtung Kopf weisend. Die Größe der Arbeiterinnen liegt bei drei bis vier Millimeter. Die Größe der Gyne würde ich so auf sechs bis sieben Millimeter schätzen.






      Die Dolichoderus cf. bispinosus ist eine ausgesprochen gesellige Ameisenart. Häufig sitzen die Arbeiterinnen zusammen, wobei die verbrachte Zeit zur Körperpflege genutzt wird.






      Die Kolonie nimmt ohne Probleme Nahrung an. Als Proteinquelle verfüttere ich z.Z. Schokoschaben, Waldschaben, Steppengrillen und Kurzflügelgrillen. Die weitere Fütterung beinhaltet Kohlenhydrate, fast ausschließlich in Form von Invertzuckerlösung, selten Zuckerwasser, keine Jellys.

      So, dies schließt die erste Phase des Erhalts und der Ankunft der Kolonie zwischen Juli und September ab. Bald geht es weiter!

      Gruß, Olaf
      „It's a white whale, I say,“ resumed Ahab, as he threw down the top-maul; „a white whale. Skin your eyes for him, men; look sharp for white water; if ye see but a bubble, sing out!“ Moby Dick, Herman Melville
    • Moin!

      Ein kleiner Nachtrag zur Brut: Die Larven der Dolichoderus bispinosus sind nicht in der Lage einen Faden aus Spinnseide zu produzieren, um einen Kokon zu spinnen, sondern es entwickeln sich bei dieser Art Nacktpuppen.



      Mit dem Ende des Augusts begann die zweite Phase, denn die Dolichoderus bispinosus Kolonie war unerwartet in die Laubstreuschicht bzw. in den Bodengrund abgetaucht. Wenn man die Grundüberlegung berücksichtigt, dass es sich wahrscheinlich um eine baumbewohnende Art handelt, wäre vieles an dieser Stelle an Verhalten denkbar gewesen: Sie hätten im mittleren bzw. im oberen Bereich anfangen können ein Kartonnest zu bauen, Material und Feuchtigkeit standen zur Verfügung, sie hätten das Stück japanische Staudenpflanze (s.o.) ganz oben im Formicarium beziehen können und den Eingang nach ihren Bedürfnissen begrenzen können, stattdessen waren sie im Bodenbereich eingezogen. Dabei war auffällig, dass sie fast ausschließlich auf den Elementen aus Holz saßen und liefen und andere Materialien dabei mieden, besonders Erde.



      Dann stellte ich morgens fest, kurz vor dem Verlassen der Wohnung, dass das Stück japanische Staudenpflanze angefangen hatte zu schimmeln, welches ich der Kolonie im oberen Bereich des Formicariums als Nest anbot. Frank @Frank Mattheis erwähnte dies mir gegenüber bezüglich alter, abgelagerter Materialien wie z.B. Holz etc., da sei mit Schimmel zu rechnen. Also nahm ich schnell noch das Stück heraus und staunte nicht schlecht, als auf einmal überall Brut herum flog! Was ich nicht bemerkt hatte: Die Kolonie war in der Nacht zuvor aus der Laubstreuschicht in die Röhre ganz oben im Formicarium gezogen. Und oh je, natürlich flog auch die Gyne mit, bestimmt 50cm tief. Nur leider musste ich zur Arbeit und als ich abends nach Hause zurückkehrte, war fast alles bei einem Treffpunkt vereint. Allerdings lag eine recht große Nacktpuppe knapp vier Zentimeter von dem Sammelpunkt entfernt auf einem kleinen Ausschnitt Erde und wurde nicht entdeckt. Die Vorliebe der Arbeiterinnen auf Holz zu laufen (s.o.) wirkte sich in diesem Fall für das Los der Nacktpuppe sehr ungünstig aus, denn offensichtlich wurde nicht auf anderen Materialien ausgiebiger gesucht. Alles in allem hat aber das Zusammensammeln der Brut durch die Arbeiterinnen recht gut geklappt, doch die Kolonie war erst einmal wieder am Boden.

      Nur kurz zum Bodengrund: Er setzt sich aus drei Schichten zusammen. Ganz unten befindet sich eine ein Zentimeter dicke Schicht Sand-Lehm-Mischung. Darüber kommt eine zwei Zentimeter dicke Schicht Walderde-Sand-Gemisch und als letztes eine ein Zentimeter dicke Schicht aus Laubstreu und Rindenmulch.



      Als ich dann die Gyne so voll Staunen beobachtete, hatte ich den Eindruck sie könnte durch den Fall verletzt worden sein, denn relativ ungelenk saß sie auf/neben der Brut und es machte den Eindruck sie stolpere dabei, als ob ein Bein fehle oder beschädigt sei. Nach längerem Beobachten konnte ich zu meiner Beruhigung eine Verletzung ausschließen, alle Beine waren da und auch funktionsfähig. Später beobachtete ich, dass auch die Arbeiterinnen Schwierigkeiten hatten sich auf dem Brutberg zu bewegen. Also, der Gyne und der Kolonie ging es gut und dann konnte ich der Gyne beim Eierlegen zusehen! Ein Highlight!!!

      Zwei Tage verblieb die Kolonie am Boden, dann war sie weg. Doch wohin? In der Zwischenzeit hatte ich ihr ein RG im oberen Bereich des Formicariums bereitgestellt, doch dies wurde nicht sehr zur Kenntnis genommen. Dort waren sie nicht. Letzten Endes habe ich sie dann im Beckenverbinder gefunden, den ich zur Sicherheit bereits mitinstalliert hatte (mache ich damit ich später schnell und flexibel weitere Formicarien oder Nester anschließen kann).

      Umzüge scheinen nachts zu erfolgen und so kam es dann doch schlussendlich: Die Kolonie zog in das RG ein! Damit sie besseren Halt finden, habe ich ihnen große Stücke Rindenmulch in das RG gedrückt. Dem neuen Neststandort ist die Kolonie bisher treu geblieben. In dem weiteren RG befindet sich Invertzuckerlösung, welche gern von den Arbeiterinnen angenommen wird.



      Dieses Setup hatte ich kurz in Benutzung, es enthielt drei RG Nester, wobei die Kolonie sich im obersten RG befand (und blieb). Nach kurzer Zeit habe ich die zwei weiteren RGs entfernt, sie waren schlicht nicht notwendig.



      So, dies schließt die zweite Phase des Nestbezuges der Kolonie im Laufe des Septembers ab. Bald geht es weiter!

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      Gruß, Olaf
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    • Moin!

      Aus meiner Sicht ist es wichtig einer Kolonie ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot anzubieten. Wer möchte schon immer das Selbe essen? Eben, Ameisen auch nicht. Deshalb variiere ich das Angebot (s.o.) und platziere darüber hinaus die Futterinsekten an abwechselnden Stellen in den Zweigen, dafür benutze ich kleine Plastikbecher, in die ich die Insektenteile lege. Nun zeichnet sich die Dolichoderus cf. bispinosus Kolonie nicht dadurch aus, dass sie neue Futterquellen schnell finden, wenn sie nicht gerade direkt auf ihren Hauptrouten platziert werden. In Anbetracht der begrenzten Anzahl an Zweigen und der bereits gestiegenen Anzahl an Arbeiterinnen sollte man doch annehmen, dass sie die Futterquelle schnell finden können, aber weit gefehlt, es vergehen manchmal zig Stunden, bevor sie dann über die Futterquelle quasi stolpern, nur weil eine Arbeiterin sich ein wenig verlaufen und dadurch per Zufall das Fressen gefunden hat. Nur wenn sie das Fressen erst einmal gefunden haben, dann kommt es zu einer schnellen Erschließung und die Arbeiterinnen sind in kürzester Zeit zahlreich präsent. Beobachtet habe ich soweit, dass die erste Arbeiterin ein wenig frisst und dann den anderen erst Bescheid gibt. Mit der Invertzuckerlösung betreibe ich (deutlich seltener) das selbe Spiel und variiere die Angebotsstelle. Nur das RG-Nest verbleibt an der selben Stelle. Die Arbeiterinnen fressen bis zu zwei Tagen an einer Futtergabe, danach verlieren sie das Interesse, übrigens unabhängig davon ob noch Futter verwertbar wäre. Manchmal versuchen sie das Futtertier abzutransportieren und es fällt dann runter auf den Bodengrund. Dort wird es erneut von Arbeiterinnen entdeckt und die transportieren das Fressen ihrerseits ab. So sind folgende Aufnahmen entstanden.


      Die Arbeiterinnen nehmen problemlos auch größere Futtertiere an. Gemeinsam wird die Beute in Richtung Sicherheit gezogen.


      Irgendwie stellt das Stück Rindenmulch so seine Herausforderung dar.

      Nun leben die Tiere bereits seit zwei Monaten in dem RG-Nest und fühlen sich auf der Laubschicht heute ebenfalls ganz wohl. Dies finde ich sehr spannend, machte es doch zuerst den Eindruck, als erschiene ihnen das Betreten des Bodens als nicht wünschenswert. Sie hätten sich jederzeit in die Höhe absetzen können, es stand ja alles bereit, dennoch verblieben sie auf den Holzelementen des Bodengrundes. Wie beschrieben kam dann der Impuls zum Umzug (s.o.), aber nur verzögert. Heute scheinen sie sich recht frei auf dem Bodengrund zu bewegen und scheuen auch die Erde nicht mehr so. Das oberflächliche Auskundschaften des Bodens scheint da möglich zu sein, allerdings habe ich sie noch nie in der Erde buddeln sehen und auch keine Anzeichen für Grabaktivitäten vorgefunden. Die Bodenschicht bleibt relativ unverändert, es werden nicht einmal die Materialien herum getragen oder großartig bewegt. Weiterhin habe ich auf die Holz- und Laubelemente gesetzt und gehofft, dass sie zum Verbauen als Material für ein Kartonnest genutzt werden könnten.


      Die Dolichoderus Arbeiterin nutzt die kurze Unterbrechung für eine kleine Putzeinheit.


      Nun hat sich die Dolichoderus Arbeiterin zwar geputzt, nimmt aber ihre ursprünglich Tätigkeit, den anderen beim Transport des Futtertiers zu helfen, nicht direkt wieder auf.


      Eine einzelne Arbeiterin mit einem Schabenbein als Futter, es wird nur einmal kurz verschnauft.

      So sieht das Formicarium seit ein paar wenigen Wochen aus: Bromelien und Ranken geben dem Formicarium ein ganz anderes Aussehen. @Christian Ludwig @Roger Strotmann Vielen Dank für eure Unterstützung mit den schönen Ranken und Farnen! Die Tiere fühlen sich in dem Formicarium sichtlich wohl und reagieren positiv auf Wärme und Feuchtigkeit.







      Es hat nun ein paar Monate gedauert bis sich dieses Set Up entwickelt hat. Und es wird sich auch weiterhin entwickeln, denn der Boden wird viel grüner werden und gen Höhe schießen wollen, die Kolonie wird wachsen und mehr Platz brauchen und dann wird sich hoffentlich der Druck auf die Ameisen erhöhen sich ein Nest selbst zu bauen, mit ein wenig Glück ein Kartonnest!

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf
      „It's a white whale, I say,“ resumed Ahab, as he threw down the top-maul; „a white whale. Skin your eyes for him, men; look sharp for white water; if ye see but a bubble, sing out!“ Moby Dick, Herman Melville

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