Phragmosis bei Carebara

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    • Phragmosis bei Carebara

      Der Nils hat an der Elfenbeinküste einige Ameisen gesammelt, und schreibt derzeit seine Bachelorarbeit darüber. Einer seiner interessanten Funde ist diese Majorarbeiterin einer Carebara. Der Kopf sieht wirklich ungewöhnlich aus. Man erkennt es durch das Stacking nicht, aber der Kopf ist nicht nur groß und platt vorne, sondern tatsächlich etwas nach innen gewölbt.



      Die Kopfform dient vermutlich dazu, den Nesteingang zu verschließen, was man als "Phragmosis" bezeichnet. Diese besondere Kopfmorphologie hat sich unabhängig voneinander bei zahlreichen Ameisengattungen entwickelt, unter anderen bei Cephalotes, Colobopsis, Camponotus, Pheidole, Tetraponera uvm..
      Die meisten dieser Arten leben im Holz, aber über diese Carebara weiß man praktisch nichts. Hinzu kommt das große Problem, dass man zunächst nicht weiß, wie die Arbeiterinnenkaste aussieht, denn in den meisten Fällen werden Ameisen über Fallen (z.B. Winkler) gefangen und nicht direkt als Kolonie. Eine Studie von Fischer et al. (2015) hat das Problem erfolgreich angegangen und mittels DNA Untersuchungen die passenden "normalen" Arbeiterinnen zu den komischen phragmotischen Majoren zugeordnet, und dabei zwei neue Carebara-Arten mit phragmotischen Kopf beschrieben. Darunter auch die Art, die Nils sehr wahrscheinlich gefangen hat, Carebara lilith.
      Weiterhin spannend an den Majoren ist, dass sie einen sehr ausgeprägten Thorax haben, der stark an eine Königin erinnert. Ich hielt das Tier auch zunächst für eine Königin, aber nach dem ich die Studie gelesen habe, scheint das wohl nicht der Fall zu sein. Der Thorax ist nicht für den Flug gebaut, und die Narbe findet sich auch in Majoren von anderen Carebara Arten. Dennoch kann man natürlich nicht ganz sicher sein; immerhin ist überhaupt nichts über die Biologie der Art bekannt.

      Man kann nur darüber spekulieren wie wohl die Lebensweise dieser seltsamen Tiere in der Natur aussieht; vermutlich sind sie Bodenbewohner, aber wer weiß... Ob sie spezielle, kaum erkennbare Erdtunnel haben, die alle von solchen Majoren bewacht werden? Und warum ist der Kopf nach innen gewölbt?

      Die Studie von Fischer et al. findet ihr hier frei zugänglich:

      G. Fischer, F.L. Azorsa, F. H. Garcia, A. Mikheyev, E. P. Economo (2015) Two new phragmotic ant species from Africa: morphology and next-generation sequencing solve a caste association problem in the genus Carebara Westwood. ZooKeys 525: 77-105
      zookeys.pensoft.net/article/6057/element/7/carebara-lilith/

      Grüße, Phil
    • Hallo Phil - Vielen Dank für das Teilen dieses interessanten Beitrags,

      das es bei Carebara auch die von dir beschriebene "Phragmosis" gibt war mir völlig unbekannt und lässt diese Gattung für mich noch interessanter werden, als sie ohnehin schon ist.

      Das Erscheinen dieses ausgesprägten Thorax ist mir schon mehrfach bei Carebara aufgefallen, diese laienhaft gesprochenen "Intermorphe" treten bei der Haltung von Carebara ausgesprochen oft auf, ich hatte solche Majore mit beinahe Flugmuskulatur (ob sie jemals geflügelt waren konnte ich bisher nicht beobachten) bereits in der Haltung meiner Carebara sp. aus Sri Lanka:

      upload.eusozial.de/i/sx9kjtouvboy.jpg




      Weiterhin sind solche Majore auch bei meiner Carebara sp. aus Thailand (evtl eine Monogyne Verwandte von diversa) aufgetreten - gerne kann ich falls wieder so ein Major auftaucht diesen in Alkohol für dich konservieren.


      Beste Grüße

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Leviathan ()

    • Hallo,
      super, dein Beitrag darüber, Phil. Die Art hab ich Phil mitgegeben, damit mal vernünftige Fotos von ihr enstehen (da er die Möglichkeit dazu hatte). Der Kopf von der Art ist wirklich fantastisch.
      Das Tier wurde in einer Winklerfalle, d.h. in der Streusschicht, im Galleriewald nahe des Flusses gefunden. In der Falle war neben diesem Tier nur eine weitere Carebara Art, die sehr regelmäßig in den Wäldern vertreten war.
      So ungefähr kann das Habitat aussehen:




      Wirklich interessant mit den Narben. Ich hatte das Exemplar schon als Königin eingeordnet.

      Grüße Nils
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