Pseudomyrmex cf. ferrugineus auf einer Vachellia cornigera - Haltungsbericht

    • Pseudomyrmex cf. ferrugineus auf einer Vachellia cornigera - Haltungsbericht


      Moin!

      Im September erhielt ich eine zweite Ameisenart aus Mexiko: Pseudomyrmex cf. ferrugineus. Sie gehört zu der Unterfamilie der Wespenameisen, der Pseudomyrmecinae. Die Königin ist 2016 gesammelt worden. Angesiedelt wurde die Kolonie auf einer Vachellia cornigera aus Florida, deren Dornenpaare die Ameisen bewohnen. Die P. ferrugineus lebt in einer besonderen Symbiose mit der V. cornigera, von deren Nahrung hängt das Überleben der Kolonie ab.




      Systematik
      Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
      Klasse: Insekten (Insecta)
      Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
      Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
      Teilordnung: Stechimmen (Aculeata)
      Überfamilie: Vespoidea
      Familie: Ameisen (Formicidae)
      Unterfamilie: Wespenameisen (Pseudomyrmecinae)
      Gattung: Pseudomyrmex
      Art: Pseudomyrmex ferrugineus (Smith, F., 1877)


      Noch ist die Pflanze ziemlich klein (ca. 30 cm) und es bilden sich die ersten natürlichen Dornenpaare aus. Erhalten habe ich sie mit 20 cm, man kann sagen, dass das Wachstum durchaus schnell vonstatten geht. In dem unteren Bereich verholzt sich bereits der Stamm. Die Vachellia cornigera kann als Pflanze recht groß werden. Ab einem gewissen Zeitpunkt werde ich mir wohl Gedanken über die Zuschneidung der Pflanze und ihre daraus resultierende Form machen müssen. Aber soweit sind wir noch nicht.



      Die Pflanze steht zwar am Fenster, dennoch unterstütze ich mit einer Sun Mini 5W Tageslichtlampe, welche zwölf Stunden am Tag in Betrieb ist. Zuerst hatte ich eine 20W Wärmelampe im Einsatz, nur fielen mir nach acht bis neun Tagen an den unteren Zweigen die Blätter ab. Die Pflanze verfügte über ein gutes Maß an Feuchtigkeit im Boden und wurde zweimal am Tag besprüht.


      Das Abfallen der Blätter könnte auch unabhängig davon stattgefunden haben, nur liegt für mich die Vermutung nah, dass es an der Lampe lag, weil nach dem Wechsel zu einer 5W Tageslichtlampe das Abfallen der Blätter gestoppt wurde. Der gesamte Zweig fiel zwar einige Zeit später auch ab, aber dies lag an dem Wachstum der Pflanze, die unteren kleinen Ästchen vergehen und machen der Verdickung und Verholzung des Stammes Platz.




      Die Spitze der V. cornigera ist ein ein wichtiger Punkt der Pflanze und wird deshalb häufig von den Arbeiterinnen aufgesucht und inspiziert.




      Es ist schön zu beobachten wie die Tiere über die Blätter gleiten und die Fortbewegung erscheint spielerisch, als ob es keine Lücken und keinen Abgrund gäbe.




      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread


      Bald geht es weiter!


      Gruß, Olaf
      „It's a white whale, I say,“ resumed Ahab, as he threw down the top-maul; „a white whale. Skin your eyes for him, men; look sharp for white water; if ye see but a bubble, sing out!“ Moby Dick, Herman Melville
    • Hallo!

      Fantastisch finde ich an der symbiotischen Beziehung zwischen der Vachellia cornigera und der Pseudomyrmex ferrugineus, dass sie sich in der Haltung als so unkompliziert erweist. Die Pflanze bietet der Ameisenart alles was sie benötigt, um eine erfolgreiche Kolonieentwicklung vollziehen zu können. Lediglich Licht, Wärme und Wasser werden durch den Halter bestimmt.



      Ich diesem kurzen Beitrag möchte ich einmal auf die Nahrung eingehen, die die V. cornigera für die Ameisen produziert.


      1.) Proteine erhält die Pseudomyrmex ferrugineus durch die Belt'schen Körperchen, die hier gelblich am Ende mancher der Blätter produziert werden. Diese Belt'schen Körperchen können bei Bedarf von den Arbeiterinnen geerntet werden.




      2.) Kohlenhydrate erhält die P. ferrugineus durch die Nektarien, die die Pflanze für die Ameisen ausbildet und in denen ein zuckerreiches Sekret abgesondert wird.


      Hier seht ihr eine Arbeiterin beim Trinken von Nektar am Nektarium.

      Bis bald!

      Gruß, Olaf
      „It's a white whale, I say,“ resumed Ahab, as he threw down the top-maul; „a white whale. Skin your eyes for him, men; look sharp for white water; if ye see but a bubble, sing out!“ Moby Dick, Herman Melville
    • Eine Pseudomyrmex ferrugineus Arbeiterin unterwegs auf dem Dornenpaar der Vachellia cornigera.


      Moin!

      Im letzten Beitrag habe ich angefangen von der Nahrung zu berichten, die die Vachellia cornigera für die Pseudomyrmex ferrugineus produziert: Belt'sche Körperchen (Proteine) und Nektar (Kohlenhydrate). Interessanterweise kommt es durch die Aufnahme des Nektars der Wirtspflanze zu einer Abhängigkeit der Ameisen von dem Nektar und folglich auch von der Pflanze als alleiniger Futterquelle.

      In dem Nektar ist das Enzym Chitinase enthalten, welches bei den Ameisen das Enzym Invertase hemmt. Dieses Enzym benötigen die Ameisen um während der Verdauung Saccharose (Zucker) in Fructose (Fruchtzucker) und Glucose (Traubenzucker, Dextrose) aufzuspalten. Der Konsum des Nektars mit der Chinitase hat für die Ameisen zur Folge, dass die Tiere die Saccharose anderer Futterquellen nicht mehr verdauen können. Tiere, die nie den Nektar der Pflanze aufgenommen haben, verlieren ihre Fähigkeit zur Aufspaltung von Sacchariden nicht, haben Versuche im Labor ergeben. Dies passiert nur den P. ferrugineus, die auf einer Dornenakazie leben und deren Nektar getrunken haben, somit sind sie auf den Saccharidfreien Nektar der Dornenakazie angewiesen. (Quelle: pflanzenforschung.de/de/journa…treiben-ameisen-mit-10167 07.02.2018 / 20:20Uhr)

      Neben der Bereitstellung von Nahrung bietet die Pflanzen den Ameisen auch ein Zuhause. Die Dornenpaare der Akazie dienen den Tieren als Domizil für die Brutaufzucht und als Rückzugsort, man bezeichnet sie als Domatien. Um die Dornenpaare zugänglich zu machen bearbeiten die Tiere jeweils ein Dorn des Dornenpaares, nur von dort aus ist die Domatie betretbar, der andere Dorn bleibt äußerlich unversehrt. Mit ihren Mandibeln beißen die Tiere sich immer tiefer in das Dornenpaar. Bisher sind bei meiner kleinen Kolonie die Dornen durch jeweils eine Arbeiterin geöffnet und bearbeitet worden. Später werden mehrere Arbeiterinnen dies gleichzeitig vornehmen, ein Anblick auf den ich mich schon sehr freue!


      Hier öffnet eine Arbeiterin das nächste Dornenpaar, welches der Kolonie neuen Raum zur Expansion bieten wird.

      Diese Pseudomyrmex ferrugineus Arbeiterin hat das Dornenpaar allein bearbeitet.

      Ein frisches Dornenpaar wurde als neues Domizil fertiggestellt.

      Dieses ältere Dornenpaar, man erkennt es an der bräunlichen Färbung, ist bereits bewohnt. Wenn man genau hinschaut, dann kann man die Arbeiterin herausschauen sehen. Sie möchte gern wissen was los ist, denn mein Blitzlicht hat es wohl auf mich aufmerksam gemacht.

      Zwei P. ferrugineus Arbeiterinnen treffen bei einem Dornenpaar aufeinander. Wenn die Pflanze erst einmal größer ist, dann wird der Verkehr noch erheblich zunehmen.

      Zusammengenommen ist dies der Part den die Vachellia cornigera für die Pseudomyrmex ferrugineus übernimmt: Nahrung und Unterkunft. Aber was leisten die Ameisen für die Wirtspflanze, auf der sie ihr Leben verbringen? Darüber bald mehr im nächsten Beitrag.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf
      „It's a white whale, I say,“ resumed Ahab, as he threw down the top-maul; „a white whale. Skin your eyes for him, men; look sharp for white water; if ye see but a bubble, sing out!“ Moby Dick, Herman Melville

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