Tetraponera cf. schulthessi - Haltungsbericht

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    • Tetraponera cf. schulthessi - Haltungsbericht



      Moin!


      Im Dezember 2017 erhielt ich eine Tetraponera schulthessi Kolonie aus Südafrika. Die Ameisenart gehört zu der Unterfamilie der Wespenameisen, der Pseudomyrmecinae. Die Königin wurde mit ca. 40-60 Arbeiterinnen in einem trockenen Waldstück am Rande einer Savannenlandschaft gesammelt.


      Die Kolonie lebt auf einem Bambusgeflecht, welches durch eine Passiflora sp. berankt ist und die Bambusstäbe werden dabei als Nest von den Ameisen bewohnt. Bei Bedarf nach mehr Platz zur Aufzucht von Brut öffnen sich die Arbeiterinnen einfach weitere Kammern in den Bambusstäben.


      Leider wurde bei dem Transport die Passiflora verletzt und in der Folge starb ein großer Teil der Pflanze dann ab. Gefangen hat sie sich schnell und ist nun gut am Wachsen.


      Die Arbeiterinnen können mit ihren großen, schwarzen Augen sehr gut sehen und reagieren schnell auf Bewegungen in ihrem Umfeld. Ihr Körper ist orangefarben und schlank, lediglich die Spitze der Gaster ist deutlich dunkler in ihrer Färbung und die Ränder der Mandibeln sind schwärzlich. Der Kopf kann manchmal in der Färbung ein wenig rötlicher ausfallen. Die Größe der Arbeiterinnen bei neun Millimeter, die Königin bei elf Millimeter. Sie besitzen an ihrem ganzen Körper eine kurze Behaarung (Pubeszenz), welche den Arbeiterinnen in ihrem Erscheinen eine gewisse Mattheit verleiht.


      Die Arbeiterinnen haben sich in den letzten dreieinhalb Monaten an die neue Umgebung bei mir gewöhnt.



      An der Futterstation gibt es Erfrischungen!

      Systematik
      Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
      Klasse: Insekten (Insecta)
      Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
      Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
      Teilordnung: Stechimmen (Aculeata)
      Überfamilie: Vespoidea
      Familie: Ameisen (Formicidae)
      Unterfamilie: Wespenameisen (Pseudomyrmecinae)
      Gattung: Tetraponera
      Art: Tetraponera schulthessi (Santschi, F., 1915)

      Hier verlässt eine Arbeiterin das Nest.


      Die T. schulthessi Arbeiterinnen sind sehr neugierig und suchen systematisch ihr Refugium nach Fressbarem ab. Im Angebot sind Invertzucker im RG und der Nektar der Passiflora sp. (Kohlenhydrate) und frische Schaben (Eiweiße). Wasser bot ich die erste Zeit nicht an, steht jetzt aber ständig zur Verfügung und wird regelmäßig angenommen.


      Hier haben sich einige Arbeiterinnen zum Fressen versammelt. Ab und zu füttere ich direkt auf dem Bodengrund und es kommen neuerdings bis zu acht Arbeiterinnen zusammen. Die (sichtbare) Aktivität der Kolonie ist erfreulicherweise steigend und der Proteinbedarf ist zur Zeit sehr hoch, wahrscheinlich ziehen sie fleißig Brut auf. Grundsätzlich versuche ich den Tieren die Möglichkeit zu geben, sich relativ natürliche Nestbedingungen zu schaffen und manchmal habe ich das Glück dann auch Einblicke in das Nestgeschehen zu erlangen. Dies schließt sich bei Bambusstäben in dieser Form leider aus, aber ich bereue es nicht, denn es sieht nach meinem Empfinden sehr schön aus und bietet eine faszinierende Direktheit in der Beobachtung, ohne Glasscheibe oder andere Gegenstände, die die Einsicht stören.



      Mit den Futtertieren habe ich einiges ausprobiert, die Schabenart Blaptica dubia wird besonders gut angenommen. Meiner Vermutung nach hätte die T. schulthessi kleinere Schabenarten bevorzugt, dem ist aber nicht so: Blaptica dubia ist für meine Kolonie die absolute Wahl und die Größe nur bedingt ausschlaggebend. Die B. dubia verfüttere ich nicht als adulte Tiere, sondern biete die deutlich kleineren Nymphen an.


      Interessanterweise ist mir aufgefallen, dass das frisch angebotene Futtertier häufig für einen halben Tag nicht beachtet wird und erst dann als Futterquelle genutzt wird. Woran mag das wohl liegen? Zu frisch? Noch zu lebendig? Eine Vorliebe für Aas?


      Bald geht es weiter! Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Gruß, Olaf

    • Moin!

      Die Tetraponera Kolonie entwickelt sich prächtig und hat einen neuen Namen, zumindest gefühlt. Wer den ersten Beitrag dieses Threads im März 2018 als Erstveröffentlichung gelesen hat, dem wurde die Art als Tetraponera natalensis vorgestellt. Neuleser des Threads mag dies jetzt ein wenig irritieren, die lasen den HB von Anfang an mit dem richtigen Artnamen, aber wer Lust hat mir ein wenig auf eine Detektivgeschichte zu folgen, den lade ich gern ein weiterzulesen.



      Während des Schreibens des Beitrags fiel mir bei meiner Recherche auf, dass einzelne Angaben nicht so ganz stimmten, aber da die wenigen Quellen im Internet bezüglich mancher Ameisenarten aus verschiedenen Gründen durchaus Schwankungen in ihren Aussagen beinhalten, dachte ich mir zuerst nichts als die Längenangabe mit sieben bis acht Millimeter offensichtlich falsch war, denn meine Ameisen Zuhause waren definitiv größer. Die Längenangabe hatte ich von Ants of Southern Africa so übernommen. In Südafrika wurde die Kolonie gesammelt, also wäre es wahrscheinlich, dass die Angaben auch meiner Kolonie entsprächen. Die Längenangabe im HB habe ich dann ein wenig später meinen Messungen angepasst und bei mir sind die Arbeiterinnen ca. neun bis zehn Millimeter groß. So weit, so gut.

      Dann stolperte ich über folgende Information, dass die Tetraponera natalensis (fast gänzlich) zwei Stirnaugen besäße, wenn ein drittes Stirnauge vorhanden wäre, dann wäre es hingehend verkümmert. Ward: „head cap-sule typically with two ocelli, median ocellus lacking or weakly developed“. (Quelle: Ward, Philip S.: „The ant genus Tetraponera in the Afrotropical region: synopsis of species groups and revision of the T. ambigua-group (Hymenoptera: Formicidae)“, in: PDF antwiki.org, Myrmecologische Nachrichten 8:119-130, September 2006, URL: antwiki.org/wiki/images/c/c1/Ward_2006.pdf, Abruf 06.04.2018) Die Kolonie, die ich erhalten hatte, besaß klar drei Stirnaugen, die alle gleich entwickelt erschienen, zumindest konnte ich keinen Unterschied im Aussehen feststellen. Andere wissenschaftliche Quellen benannten ebenfalls zwei Stirnaugen, aber immer mit dem Hintertürchen, dass das für fast (!) alle gelte, folglich musste es Ausnahmen geben. Meine Fotorecherche im Internet lieferte mir wenige Aufnahmen von T. natalensis Arbeiterinnen, aber alle hatten eben nur zwei entwickelte Stirnaugen und der Kopf war auch schmaler (Beispielbild einer Arbeiterin: Antwiki). Deshalb habe ich mich mit der Anatomie der Tetraponera im Web auseinandergesetzt und dabei auch die passenderen Längenangaben bei Ward gefunden Tetraponera in Afrotropical Regions.




      Was mich weiterhin stutzig machte war, dass die Kolonie klar der T. natalensis Gruppe anzugehören schien, dies kann man als Einstieg in die Bestimmung von den afrotropischen Tetraponera-arten sehr gut hier herausfinden: Key to Afrotropical Tetraponera Species Groups. Ward bestätigt dies auch als Bestimmungsmerkmal: „pronotum with sharp lateral margination, extending (sometimes weakened) to lateral borders of propodeum and petiole; mesonotum 2 - 3 times wider than long, and semicircular in dorsal view with a straight posterior margin“ (Quelle: Ward, Philip S.: „The ant genus Tetraponera in the Afrotropical region: synopsis of species groups and revision of the T. ambigua-group (Hymenoptera: Formicidae)“, in: PDF antwiki.org, Myrmecologische Nachrichten 8:119-130, September 2006, URL: antwiki.org/wiki/images/c/c1/Ward_2006.pdf, Abruf 06.04.2018). Dies kann man auf einigen Fotos, die ich hier bereits von der Tetraponera schulthessi gepostet habe, auch klar nachvollziehen und mit dem Bild auf der Internetseite Key to Afrotropical Tetraponera Species Groups (das rechte Bild der T. natalensis Arbeiterin mit den zwei grünen Pfeilen) lässt sich dies eindeutig bestätigen.

      Da blieb ich stecken und schrieb alles @Christian Ludwig, dem war der Umstand mit der Größe der Arbeiterinnen und der Anzahl der Stirnaugen auch bereits aufgefallen und er schaffte den Durchbruch, dass es sich bei der Tetraponera-Art um die T. schulthessi dreht, die der T. natalensis Gruppe angehört, aber einige Unterscheidungen aufweist: „TL 9.0 mm; more robust than natalensis; head wider; alitrunk dorsum flatter; declivity of propodeum twice as long as dorsum; colour yellow-rust; Queen TL ca 11 mm“ (Quelle: Taylor, Brian: „The Ants of Africa – Subfamily Pseudomyrmecinae – Genus Tetraponera“, in: Internetseite The Ants of (sub-Saharan) Africa, zwölfte Edition 2015, URL: antsofafrica.org/ant_species_2…traponera/tetraponera.htm, Abruf 06.04.2018), also deutlich größer, robuster und eben mit drei Stirnaugen. (Anmerk.: Die Internetseite von Brian Taylor ist übrigens ausgezeichnet und für Recherchen sehr zu empfehlen: The Ants of (sub-Saharan) Africa)

      Das Verbreitungsgebiet der T. schulthessi ist bei The Ants of (sub-Saharan) Africa als Mosambik und Simbabwe angegeben, die Internetseite Ants of Southern Africa listet aber als geringes und einziges Verbreitungsgebiet in Südafrika KwaZulu-Natal (KZN), eine Provinz an der Ostküste. Und wie es sich dann herausstellte, wurde dort die Tetraponera Kolonie in Hluhluwe tatsächlich gesammelt, des südlichsten Zipfel des Verbreitungsgebietes der T. schulthessi. Das Verbreitungsgebiet der T. natalensis ist größer und verläuft von Tansania südlich bis zum Kap der Guten Hoffnung.

      Abschließend war die Benennung der Art als Tetraponera natalensis zwar falsch, aber als eine erste grobe Eingrenzung war es richtungstechnisch ok, denn sie gehört der Tetraponera natalensis Gruppe an, aber ist als eine eigenständige, größere und robustere Art, als Tetraponera schulthessi beschrieben.


      Eine Tetraponera schulthessi Arbeiterin betritt einen Nesteingang, dabei transportiert sie ein Stück Schabe zwischen ihren Mandibeln.

      Und weg...

      Gruß, Olaf
    • Tetraponera natalensis (Tetraponera natalensis Gruppe)

      Moin!

      Hier möchte einmal ein paar Fotos zum Vergleich zu der Tetraponera schulthessi von einer anderen Tetraponera Art zeigen, die ebenfalls der Tetraponera natalensis Gruppe angehört und tatsächlich Namensgeberin der Gruppe ist: Tetraponera natalensis.

      Die Arbeiterinnen sind ständig unterwegs und belaufen die kleinen Äste und Stöcke, die ich ihnen dafür gegeben habe.

      Bei ihr weisen die Tiere, wie für die Gruppe typisch, zwei Stirnaugen auf und das dritte Stirnauge (median ocellus), welches die T. schulthessi voll besitzt, fehlt gänzlich bei ihnen oder ist im Eventualfall nur schwach ausgebildet.

      Unterhalb der Arbeiterin ist hier der Nesteingang zu sehen.


      Weiterhin besteht ein Größenunterschied, denn die T. natalensis ist mit ihren sieben bis acht Millimeter kleiner, als die T. schulthessi. Ein Unterschied, welcher optisch noch dadurch unterstützt wird, dass die T. natalensis schlanker gebaut ist.



      Zuerst hatte ich diese Kolonie als T. caffra erhalten [EDIT 18.04.2018: und gestern in der ersten Veröffentlichung dieses Beitrags auch als solches bezeichnet und in dieser Version korrigiert], es stellte sich allerdings eine Verwechslung heraus und es handelt sich bei der Kolonie um die T. natalensis. Es scheint bezüglich der T. caffra bzw. der T. natalensis und deren Unterscheidung innerhalb der T. natalensis Gruppe auch wissenschaftlich unterschiedliche Einschätzungen zu geben:

      Brian Taylor: „I note that Ward & Downie have separated caffra and natalensis, whereas Bolton (1995) has caffra as a junior synonym of natalensis.“ (Quelle: Taylor, Brian: „The Ants of Africa – Subfamily Pseudomyrmecinae – Genus Tetraponera“, in: Internetseite The Ants of (sub-Saharan) Africa, zwölfte Edition 2015, URL: antsofafrica.org/ant_species_2…traponera/tetraponera.htm, Abruf 17.04.2018)

      Was ich soweit im Internet gefunden habe: 2005 haben Ward & Downie die T. caffra zu einer eigenen Art erhoben. Ob Bolton seinen Standpunkt verändert hat, kann ich nicht sagen, immerhin ist 1995 schon länger her. Wer vielleicht mehr dazu weiß: bitte Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht hier äußern Diskussionsthread.


      Zwei Arbeiterinnen treffen aufeinander: Kurzer Austausch und dann geht es weiter.

      Sie sind unheimlich flink und reagieren schnell auf Ereignisse in ihrer Umgebung.

      So oder so, die Ameisen sind wunderschön! :love:




      Die Tetraponera natalensis Gruppe:
      1. T. andrei (MAYR, 1895)
      2. T. angusta (ARNOLD, 1949)
      3. T. anthracina (SANTSCHI, 1910)
      4. T. caffra (SANTSCHI, 1914)
      5. T. capensis (F. SMITH, 1858)
      6. T. emacerata (SANTSCHI, 1910)
      7. T. emacerata oberbecki (FOREL, 1911)
      8. T. emacerata odiosa (FOREL, 1916)
      9. T. ledouxi (TERRON, 1969)
      10. T. lemoulti (SANTSCHI, 1920)
      11. T. mocquerysi (ANDRÉ, 1890)
      12. T. mocquerysi biozellata (KARAVAIEV, 1931)
      13. T. mocquerysi elongata (STITZ, 1911)
      14. T. mocquerysi lepida (WHEELER, 1922)
      15. T. mocquerysi lutea (STITZ, 1911)
      16. T. monardi (SANTSCHI, 1937)
      17. T. natalensis (F. SMITH, 1858)
      18. T. natalensis cuitensis (FOREL, 1911)
      19. T. natalensis obscurata (EMERY, 1895)
      20. T. natalensis usambarensis (FOREL, 1911)
      21. T. poultoni (DONISTHORPE, 1931)
      22. T. prelli (FOREL, 1911)
      23. T. schulthessi (SANTSCHI, 1915)
      24. T. triangularis (STITZ, 1910)
      25. T. triangularis illota (SANTSCHI, 1914)
      (Quelle: Ward, Philip S.: „The ant genus Tetraponerain the Afrotropical region: synopsis of species groups and revision of the T. ambigua-group (Hymenoptera: Formicidae)“, in: PDF antwiki.org, Myrmecologische Nachrichten 8:119-130, September 2006, URL: antwiki.org/wiki/images/c/c1/Ward_2006.pdf, Abruf 17.04.2018)

      Dies beendet den kleinen Ausflug zu der T. natalensis, beim nächsten Beitrag geht es wieder mit der T. schulthessi weiter. Bis bald!

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Zurück zur Tetraponera schulthessi, denn bei ihr hatte ich mich schon länger gefragt, ob die Tiere die Nektarien der Passiflora sp. als Futterquelle nutzen. Beobachtet hatte ich es bis vor kurzem noch nicht und ich fragte mich, ob sie sich auf mein Invertzuckerangebot alleinig verlassen und sich im Vergleich dazu das eher aufwendige Anlaufen der Nektarien und das dortige Trinken einfach sparen. Zu bequem möchte es den Tieren grundsätzlich nicht machen und ich glaube es tut ihnen gut, wenn sie sich auch bei mir um ihre Belange kümmern und sich auch mal bemühen müssen damit sie etwas erreichen, in diesem Fall der Erwerb von Nahrung. Dabei wird es ihnen bei mir Zuhause immer noch sehr gut gehen...

      Hier ist eine T. schulthessi Arbeiterin auf der Suche nach Nektarien.

      Der Bambus wird von dem Tier hier als Abkürzung genutzt.

      Aber unnötig gesorgt, denn ich habe die Verhaltensweise des Nektarsuchens in Form einer solchen Futterrunde seit kurzer Zeit häufiger beobachten dürfen. Dabei laufen die Arbeiterinnen entlang der Passiflora und an den jeweiligen Blattstielen finden sie Nektarien vor, bei der eine Zuckerlösung in Form von Nektar von der Pflanze abgeben wird. Bei den Nektarien handelt es sich um extraflorale Nektarien, d.h. sie befinden sich außerhalb der Blüte.

      Manchmal nehmen die Arbeiterinnen auch den direkten Weg und sparen sich den gewundenen Weg der Passiflora, um den nächsten Blattstiel mit Nektarien schneller anlaufen zu können.

      Die Plätze mit den Nektarien sind dem Tier sicherlich gut bekannt.

      Die Nektarien werden in diesem Fall erst einmal erkundet und dabei umrundet und dann wird getrunken.

      Und erwischt: Die Arbeiterin trinkt von dem Nektarium. :D Es freut mich immer sehr, wenn ich bei den Tieren beobachten kann, dass sie natürliche Verhaltensweisen bei mir ausüben können.

      Nach dem Besuch dieses Nektariums geht es zur nächsten Zuckertankstelle weiter.

      Hier kann man die Nektarien der Passiflora gut erkennen.

      Die extraflorale Nektarien befinden sich an den Blattstielen, also außerhalb der Blüte.

      Die Passiflora sp. produziert zwar Nektar für die Ameisen, welchen diese bereitwillig annehmen, aber es handelt sich hierbei um keine Form der Symbiose, da die Ameisen keine Gegenleistung erbringen. Wo im Gegensatz die Pseudomyrmex ferrugineus mit der Vachellia cornigera in einer mutualistischen Symbiose zusammenlebt, zieht die Passiflora sp. aus diesem Zusammenleben mit der Tetraponera schulthessi keinen Vorteil, sicherlich ergeht ihr daraus auch kein Nachteil.

      Eine weitere Aufnahme der Gruppe von Nektarien vom Bild zuvor (s.o.).

      Nektarien unterscheidet man grundsätzlich ihrer Funktion nach in nuptiale Nektarien (dienen der Anlockung von Bestäubern) und extranuptiale Nektarien (dienen nicht der Anlockung von Bestäubern). Die Teraponera schulthessi Arbeiterinnen erfüllen mit ihrem Nektarsammeln nicht die Funktion der Bestäubung. Sie bewohnen nicht einmal die Pflanze, sondern haben ihr Nest in den Bambusstäben, auf denen die Passiflora rankt. In der Natur legen die T. schulthessi ihre Nester eher in Totholz und (auch gern) in Lebendholz an. Deshalb würde ich die Vermutung anstellen, dass sie im Fall eines Angriffs auf die Passiflora durch Fressfeinde nicht einmal die Passiflora verteidigen würden und lediglich in ihrem Nest verblieben. (Anmerk.: Zum Thema Nestform werde ich mich später noch äußern.) Bei dem Zusammenleben dieser beiden Arten handelt es sich anscheinend um eine Form der Probiose, aber leider kenne ich mich da nicht tiefer gehend aus.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread

      Bis bald!

      Gruß, Olaf
    • Die Eingänge zu den Nestbereichen werden zügig angelaufen und dann betreten. Langes Warten oder Herumhängen der Arbeiterinnen habe ich soweit nicht beobachten können.

      Moin!

      Seit sieben Monaten halte ich diese Tetraponera-Art und von verschiedenen Seiten wurde ich hinsichtlich der Standorttreue der Ameisen befragt. @trailandstreet tat dies sehr fachlich, meine Mutter fragte eher auf eine erstaunte Weise: „Bleiben die da drauf?“ Dies hatte ich mich auch gefragt und einfach mit 'ja' beantwortet, denn ich hatte nicht vor aus meiner Wohnung eine Freilaufzone zu machen. Zunehmend fing ich dann doch immer wieder Arbeiterinnen ein, wobei ich am Anfang höllisch aufpasste, dass ich nicht gestochen werden konnte, hantierte nur mit Federstahlpinzette, denn die Tetraponera-Arten sind wirklich gefährlich (!) und aggressiv (!). Dachte ich. Um so mehr ich Arbeiterinnen einfing, desto mehr ließ ich mich auf die Tiere ein und bereits relativ schnell fing ich sie nur noch mit den bloßen Händen und ich muss abschließend sagen, dass die T. schulthessi die freundlichsten Ameisen sind, überhaupt nicht aggressiv werden und vermutlich einfach nur gern durch meine Wohnung laufen möchten. Ein einziges Mal gab mir eine Arbeiterin einen kleinen Warnstich, aber auch dies nur angedeutet, weil ich mich in der Situation einfach ungeschickt angestellt hatte und die Arbeiterin nicht mit den Fingern gegriffen bekam. Und nach dem zehnten Nachfassen hatte ich das verdient. Selbst nach meiner Verwarnung ließ sie sich auf meiner Hand zu ihrer Kolonie zurücktragen. Im Vergleich dazu ist die T. rufonigra ein ganz anderes Biest. Man wird nicht zwangsläufig gestochen, bloß weil eine T. rufonigra einem über die Hand läuft, nur sollten sie sich in irgendeiner Weise dabei bedroht fühlen, dann verbeißen sie sich und stechen zu. Ich würde es nicht darauf ankommen lassen. Also, die T. schulthessi sind echt relaxte Tiere, die eine vorbildliche Form des Waffenverzichts praktizieren. Und dies hilft eben enorm, wenn man sie regelmäßig einfangen muss.

      Es ist schön zu beobachten, wie die Tiere sich über die Passiflora und den Bambus bewegen: Die Fortbewegung erscheint spielerisch, als ob es keine Höhen und keinen Abgrund gäbe.

      "Bleiben die da drauf?" Nein. Und einfangen musste ich. Und deshalb sollte es nicht so weitergehen und ich kaufte dann einen großen Untersetzer für den Blumentopf und versah ihn mit einem dicken Talkumrand. Dies schien erst einmal die meisten Arbeiterinnen abzuhalten. Beobachten konnte ich, dass Arbeiterinnen sich dem Talkumrand näherten und sich instinktiv zurückzogen, als ob ihnen das Talkum nicht behagte. Der Rand an sich wird praktisch nicht angegangen, wie z.B. Pheidole dies täten.

      Dies ist der Untersetzer für den Blumentopf, den ich mit einem dicken Talkumrand als Ausbruchsschutz versehen habe.

      Das reine Herausspazieren der Arbeiterinnen war gestoppt, nur wo kamen die letzten Wanderinnen her? Dies kann ich nicht zweifelsfrei feststellen, aber es bestehen da zwei realistische Möglichkeiten. Die eine Möglichkeit ist, dass er Arbeiterinnen gibt, für die der Talkumrand kein Hindernis darstellt, gesehen habe ich dies nie, das muss aber nichts heißen. Was ich tatsächlich beobachten konnte ist, dass die Arbeiterinnen herunterfallen, von der Pflanze, den Bambusstäben oder dem Rand des Übertopfes. Interessant wäre an dieser Stelle, ob sie dies absichtlich geschehen lassen oder ob es der Kürze ihrer Beine geschuldet ist.

      Der typisch schlanke Körper der Wespenameisen ist hier schön zu sehen.

      In Südafrika werden die Tetraponera-Arten als „Slender Ants“ (engl. Schlanke Ameisen) bezeichnet.

      Hier treffen zwei Arbeiterinnen an der Invertzuckerstation zusammen.

      Die Kolonie der T. schulthessi war in den vergangenen zwei Monaten einer drastischen Veränderung ausgesetzt: Die Passiflora auf dem Bambusgeflecht war in zwei Etappen gänzlich und endgültig abgestorben. Das war ganz schön bitter. Kurz zusammengefasst hatte ich das Bambusgestell mit einem üppigen Bewuchs erhalten. Da sich allerdings der Transport von Ameisen nicht immer als leicht erweist und eine Installation wie diese sich nicht so ohne weiteres in ein Auto stellen lässt, wurde die Passiflora abgewickelt und das Bambusgestell abgebaut. Danach wurden in meiner Wohnung die Bambusstäbe, in denen die Ameisen ihre Brut aufziehen und Schutz finden, wieder zu dem Gestell zusammengefügt und die Passiflora wurde wieder entlang den Bambusstäben gewickelt. Es sah wirklich toll aus!

      Leider war bei dem Transport oder bei dem erneuten Wickeln bei mir Zuhause einer der Haupttriebe der Passiflora verletzt worden. Eine kurze Zeit danach stellte ich fest, dass ein Teil der Blätter vertrockneten. Und es hörte auch nicht mehr auf. Mit dem Ergebnis, dass eben ein großer Teil der Pflanze gestorben war, den habe ich entfernt. Zur Veranschaulichung könnt ihr euch am Anfang des Threads im allerersten Beitrag das zweite und dritte Bild im Vergleich anschauen, da hatte ich dies bereits gezeigt.

      Na ja, Pflanzen wachsen nach und die Tetraponera sind faszinierend, deshalb war ich nicht beunruhigt und die Pflanze wuchs im April und Mai weiter, entwickelte Triebe und das Geflecht begrünte sich.

      Eine Aufnahme der Passiflora-Situation vom 01.04.2018. Hier nahm das Wachstum der Pflanze noch zu.

      Anfang Juni sah ich halt wieder vertrocknete Blätter und nach einer Sondierung der Lage war klar, dass sich der zweite Haupttrieb verabschiedete. Es verblieb ein letzter Nebentrieb, der hielt sich noch bis Mitte Juni, dann sah ich wieder vertrocknete Blätter und entfernte letzlich ein wenig deprimiert den Rest des vertrockneten Triebes, die Passiflora hatte mir von ihrer Blattform gut gefallen und die Nektarien wurden aktiv durch die Arbeiterinnen angelaufen, ihnen gefiel sie offensichtlich auch.

      Eine Aufnahme der Passiflora-Situation vom 07.06.2018. Der zweite Haupttrieb ist abgestorben.

      Mir war nach dem Verlust des zweiten Haupttriebes klar, dass etwas passieren musste, deshalb habe ich zu dem Nebentrieb neue Passiflora spp. in den Topf gepflanzt. Als der Rest der ersten Passiflora starb, war ich sehr froh darüber, dass ich bereits diesbezüglich gehandelt hatte. Heute weist die neue Bepflanzung drei Passiflora spp. und eine Ranke auf. Eine der Passiflora scheint nicht so ganz angehen zu wollen und ist auch nur mit einem Trieb vertreten, der Rest ist zuvor von mir auf Torftabletten gezogen worden, da dürfte alles glatt gehen. Es sind also insgesamt neun Triebe am Start, von denen acht Triebe ziemlich gesichert sind. So, nun muss das klappen, achtfach hält besser, ansonsten gebe ich mich vorerst geschlagen und überlege mir eine andere Unterbringung für die Tiere.

      Eine Aufnahme der Passiflora-Situation vom 28.06.2018. Zu sehen sind die neuen Pflanzen: drei Passiflora-Arten und eine Ranke.

      Was bedeutete dies nun für die Standorttreue bezüglich der T. schulthessi? Sie sind in der Tat in ihrem Nest verblieben, aber betrachtet doch einmal das Dilemma für die Ameisen: neben dem Bambusgestell ist die Lauffläche, die der Bewuchs hergeben sollte, fast vollständig entfallen und die Welt schrumpfte für sie um eine Mehrfaches. Daher erleichtert es mich sehr, dass trotz alledem nur so wenige Arbeiterinnen nach dem Verlust der Passiflora in meinem Zimmer unterwegs sind, ob sie sich nun fallen lassen können oder nicht. Allerdings spielen zwei Faktoren eine gravierende Rolle, zum einen scheinen die wandernden Tiere nicht alle zurück zur Kolonie zu kehren (Finden sie den Weg nicht mehr? Können sie nicht zurück - spielt da der Talkumrand eine negative Rolle?), denn ich finde hier und dort einzelnd verstorbene Arbeiterinnen, meistens haben sie sich in der Nähe zu einer Heizmatte zum Sterben zurückgezogen. Das bedeutet, dass es einen geringen, aber kontinuierlichen Schwund an Arbeiterinnen gibt, in der Natur besteht der ebenso. Für die Kolonieentwicklung hat das zur Folge, dass es bedingt Einbußen an Arbeiterinnen gibt und diese Einbußen gehen mit dem Laufraumverlust einher, es besteht dadurch eine Form der Abschwächung des Laufraumproblems und nicht eine Form der Radikalisierung, welche durch eine starke Brutentwicklung ohne Verluste sich ganz anders als Druck auf die Kolonie auswirken würde. Zum anderen sind die Tiere vor Ort gut versorgt: Die Tiere werden durch mich lokal mit Futter und Wasser unterstützt und ich fordere sie dadurch nicht auf in die Freiheit zu ziehen, um sich um die Ernährung der Kolonie woanders kümmern zu müssen. Unter dem Umstand des Laufraumverlusts haben sich die T. Schulthessi als mehr als Standorttreu erwiesen! Sicherlich könnten sie das Bambusnest verlassen. Ob sie in meiner Wohnung in eine sichere Zukunft gingen, mag ich zu bezweifeln.

      Eine T. schulthessi Arbeiterin unterwegs auf dem Bodengrund des Topfes.

      Zwei Arbeiterinnen beim Fressen einer Schabe. Die B. dubia halte ich nicht mehr, also müssen sie auf ihr Lieblingsessen verzichten, aber andere Schaben tun es auch.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread Tetraponera

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Zum Thema Standorttreue wollte ich kurz einen Punkt ergänzen. Die Tetraponera schulthessi mag es warm und man kann sehr gut das Verbleiben der Tiere auf dem Bambusgerüst durch eine Wärmelampe unterstützen. Diese habe ich in den kühleren Monaten im Winter bereits eingesetzt und es unterbindet das Wandern nicht gänzlich, ist aber ein starker Motivator für das Verbleiben an Ort und Stelle. Da Futter ausreichend vorhanden ist, gibt es hier auch keine Notwendigkeit des Futtersuchens. Den Tipp mit der Wärmelampe hatte ich vom Sammler bekommen, der hielt die Tiere ebenfalls mit einem unterstützenden Wärmespot. Ich habe das Zentrum des Spots eher unten angesetzt, damit die warme Luft durch das Bambusgeflecht aufsteigen kann.

      Dies ist eine Aufnahme vom 28.12.2017, also zwei Wochen nach dem Erhalt.

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Bei den Temperaturen wandern die Tiere nun auch bis in die Küche! Normalerweise wird es außerhalb meines Ameisenzimmers schnell recht deutlich kühler, was ein Wandern begrenzt. Aber, seht selbst!





      Nun kann ich nur vermuten, ob sie durch meine Wohnung soweit gelaufen ist ( :thumbup: ) oder die Abkürzung über die Häuserwand draußen genommen hat, es wäre der deutlich direktere Weg ( :thumbdown: ). Irgendwie muss ich das den Tieren noch einmal besser vermitteln. :D

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Seit dem Sommer produziert die Tetratponera schulthessi Kolonie Jungköniginnen. An einem schönen Tag Anfang Juli sah ich meine erste beflügelte Gyne über das Bambusgitter laufen. Später fraß sie gemeinsam mit den Arbeiterinnen an der Futterstelle. Natürlich dauerte es nicht lange und sie lief auch durch mein Zimmer. Als die Gyne dann anfing aktiv ihre Flügelpaare einzusetzen, um ihre Flugmuskulatur aufzuwärmen, war ich natürlich sehr gespannt, welche Flugkünste sie mir präsentieren würde. Die Flügel wurden immer wieder zum Rotieren gebracht und was ich dann im Folgendem sah, lief immer nach dem selben Muster ab. Die Gyne suchte sich einen erhöhten Standpunkt, um von dort den Abflug vorzunehmen. Zuerst wurden die Flügel aktiviert und mit einem Abdrücken des Körpers vom Boden wurde zusätzlich durch die Beinaktivität für mehr Schwung nach oben gesorgt. Es ging kurz in die Höhe, vielleicht ein paar wenige Zentimeter, um dann eine Fluglinie Richtung Boden zu vollziehen. Ihre Flugkünste waren dann doch nicht so spektakulär, deshalb dauerte das Fliegen nicht sehr lange und es ging dann recht schnell herunter. Daraufhin suchte sie sich einen neuen Abflugspunkt und diese Unternehmungen dauerten den ganzen Nachmittag über an. Ein paar Pausen wurden eingelegt und es wurde auch gern mal der Invertzucker zur Stärkung gesucht und aufgenommen.

      Eine Tetraponera schulthessi Jungkönigin.

      Die Jungköniginnen sind ca. zwölf bis dreizehn Millimeter lang.

      Zur Stärkung nimmt die Jungkönigin hier Invertzuckerlösung auf.

      Dieses Bild zeigt wie die Jungkönigin ihre Flugmuskulatur aufwärmt.

      Hier hat die Jungkönigin einen erhöhten Abflugsort gefunden und befindet sich kurz vor dem Abheben.

      Geschafft. Endlich in der Luft!

      Nach dem Flug und einer sicheren Landung wird die Umgebung nach einem neuen Abflugsort abgesucht.

      Zwischendurch wird einmal kurz ausgeruht und das Putzen entspannt sicherlich sehr.

      Ein erneuter Abflug wird gestartet.

      Und weg...

      Mir hat es viel Freude bereitet das Tier bei seinen Flugunternehmungen zu beobachten. Leider sind zum Teil die Fotos nicht so scharf geworden. Insgesamt wurden bis heute zehn Jungköniginnen von mir abgesammelt, wobei ich in den letzten vier Wochen keine neue Jungkönigin mehr gesehen habe.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread Tetraponera

      Gruß, Olaf