Streblognathus peetersi - Haltungsbericht

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    • Streblognathus peetersi - Haltungsbericht

      Moin!

      Seit kurzem pflege ich zwei Streblognathus peetersi Kolonien und ich möchte an dieser Stelle diese Gattung im Einzelnen und die Art im Besonderen ein wenig vorstellen.



      Systematik
      Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
      Klasse: Insekten (Insecta)
      Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
      Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
      Teilordnung: Stechimmen (Aculeata)
      Überfamilie: Vespoidea
      Familie: Ameisen (Formicidae)
      Unterfamilie: Urameisen (Ponerinae)
      Gattung: Streblognathus
      Art: Streblognathus peetersi

      Die Gattung Streblognathus (Mayr, 1862) verfügt über zwei Arten, Streblognathus aethiopicus und Streblognathus peetersi, sie gehört der Unterfamilie der Urameisen an, der Ponerinae, und ist lediglich im Süden Afrikas verbreitet. Das Verbreitungsgebiet der S. aethiopicus liegt im südlichen Karoo des Ostkaps, einer Halbwüstenlandschaft in den Hochebenen Südafrikas. Das Verbreitungsgebiet der S. peetersi sind die östlichen Graslandschaften des südlichen Afrikas, Lesotho und Swasiland, auf deren Wiesen ('grasslands') sie Nester in der Erde anlegen.

      Die Erdnester der S. peetersi erreichen eine Tiefe bis zu einem halben Meter. Einer senkrechten Achse entlang wird ein System aus nachfolgenden Kammern in die Tiefe gegraben. Die Lage des Nests geht häufig mit einer regional bestehenden Kiesschicht einher, die sich den Tieren anscheinend als Nistmöglichkeit besonders anbietet. Um den Nesteingang wird ein Hügel aus Steinen angelegt. Die Hügel weisen eine typische Form auf und können in ihrer Gesamtgröße sehr unterschiedlich ausfallen. Steinhügel von etablierten, älteren Kolonien der S. peetersi sind häufig mit Grasbüscheln bewachsen.

      Bei beiden Streblognathus-Arten steht eine einzelne Gamergate an der Spitze der Kolonie, d.h. beide Arten verfügen über keine Gynomorphe. Die Gamergate (griechisch gametes "Gatte“, ergatosArbeiter“) wird bei den Streblognathus-Arten als „Alpha“ bezeichnet, nur sie allein besitzt das Privileg zur Reproduktion, zum Legen von Eiern. Grundsätzlich sind bei den Streblognathus-Arten alle Arbeiterinnen in der Lage begattet und reproduktiv tätig zu werden, aber die Gamergate unterscheidet sich von ihnen in der Entwicklung ihrer Eierstöcke, der Hormon-Level, der Neurochemie, der cuticulären Kohlenwasserstoffe und der relativen Menge von mandibularen Drüsensekreten.

      Eine Hierarchie wird durch Kämpfe unter den Arbeiterinnen hergestellt, die nur ein Alphatier an der Spitze zulässt. Weiterhin gibt es eine Gruppe von hochrangigen Arbeiterinnen, die die Arbeiterinnen niedrigen Ranges dominieren, aber unterhalb der Gamergate stehen. Es kommt seitens der Arbeiterinnen zur Ausübung von Dominanzverhalten, dazu werde ich später noch mehr berichten.



      Die Arbeiterinnen der Streblognathus gehören zu den größten Urameisen Afrikas, lediglich die Arbeiterinnen der Dinoponera (bis zu 4cm) übertreffen sie noch in ihrer Körpergröße, wobei die S. aethiopicus im Vergleich zur S. peetersi noch deutlich größer ist, größer als die amerikanische Paraponera.

      Die Größe der Arbeiterinnen beider Streblognathus-Arten variiert geographisch stark. Manche S. peetersi Kolonien, gemessen an der Größe des Kopfes, weisen in ihrer Ausprägung der Arbeiterinnen regional im Verhältnis nur eine Größe von 77% auf. Bei den S. aethiopicus liegt regional die geringste Kopfgröße bei 86%. Die Größe der Tiere beruht auf geographischen Unterschiedlichkeiten, wobei die Arbeiterinnen im südlichen KwaZulu-Natal, Lesotho und Free State kleiner sind als die Arbeiterinnen in dem nördlicheren KwaZulu-Natal, Swasiland, Mpumalanga und der Provinz Limpopo.



      Ein Anfang ist gemacht und wir haben einen kleinen Überblick über die Gattung, mit einem Einstieg in die Verbreitung der Arten, der Nestform, der Sozialstruktur und der Größe der Tiere, gewonnen.

      Bald geht’s weiter!

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread Streblognathus

      Gruß, Olaf

      (Quelle: California Academy of Sciences: „Species: Streblognathus peetersi“, in: Internetseite AntWeb.org, v7.16 2018, URL: antweb.org/description.do?genu…ies=peetersi&rank=species, Abruf am 12.04.2018)
    • Moin!

      Olaf Schwarz schrieb:

      Die Lage des Nests geht häufig mit einer regional bestehenden Kiesschicht einher, die sich den Tieren anscheinend als Nistmöglichkeit besonders anbietet. Um den Nesteingang wird ein Hügel aus Steinen angelegt. Die Hügel weisen eine typische Form auf und können in ihrer Gesamtgröße sehr unterschiedlich ausfallen. Steinhügel von etablierten, älteren Kolonien der S. peetersi sind häufig mit Grasbüscheln bewachsen.

      Nachdem ich die Sammler kontaktiert und nach weiteren Informationen zur Art gefragt hatte, wurden mir freundlicherweise Fotos von Streblognathus peetersi Nestern, die sie in Südafrika fanden, für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Sie besaßen ebenfalls Bilder von S. aethiopicus Nesteingängen, die ich auch hier veröffentlichen darf. (An dieser Stelle: Vielen Dank! :thumbup: ) Sie wiesen darauf hin, dass sie keine angelegten Steinhügel um die Nesteingänge der S. peetersi gesehen hätten. Die von mir benutzte Quelle AntWeb.org im vorherigen Beitrag hatte dies so für den gewöhnlichen Fall benannt. Hier handelt es sich also um Aufnahmen von S. peetersi Nesteingängen, die außerhalb der regional auftretenden Kiesschicht angelegt wurden. Die Quelle benenennt nicht, dass die S. peetersi ausschließlich in Kies gräbt. Immerhin sind die Grasbüschel zu sehen. (Übrigens: Die folgenden Bilder sind alle hochkant und für einen besseren Eindruck lohnt es sich sie aufzurufen, denn hier seht ihr durch die Darstellungsform leider nur einen begrenzten Ausschnitt.)

      Hier die Aufnahmen der Art Streblognathus peetersi:

      Diese Aufnahme zeigt einen Streblognathus peetersi Nesteingang. Davor befinden sich Arbeiterinnen der Art. Der Eingang selbst ist recht gut durch Vegetation versteckt.

      Eine weitere Aufnahme eines S. peetersi Nesteingangs. Diesmal ganz versteckt im Grün.

      Ein eher offen gelegener Nesteingang der S. peetersi vereint mehrere Ausgänge.

      Eine nähere Aufnahme des mehr offen gelegenen Nesteingangs der S. peetersi. Die Ausgänge scheinen auf allen Seiten gelegen zu sein.

      Hier die Aufnahmen der Art Streblognathus aethiopicus:

      Diese Aufnahme zeigt einen Streblognathus aethiopicus Nesteingang. Wenn man hineinschaut kann man erkennen, dass mehrere Gänge in den Boden führen.

      Diese Eingangskonstruktion der S. aethiopicus dient vermutlich der Abwehr von Regenwasser.

      Eine weitere Aufnahme eines S. aethiopicus Nesteingangs.

      Dies beeendet das Thema 'Nesteingang' und ich hoffe, dass ich in Zukunft noch ein Bild zu den Steinhaufen der Nesteingänge der S. peetersi im Internet finden werde, also bis zum nächsten Beitrag!

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread Streblognathus

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      In manchen Momenten springt einem als Ameisenenthusiast das Herz in der Brust und macht einen Salto: Es gibt frische Eier! Super! Darauf hatte ich gewartet. Die Eier scheinen recht frisch gelegt worden zu sein. Und besonders erfreulich ist der Umstand, dass dies bei beiden Gruppen der Fall ist. Es wird Nachwuchs geben, wir hoffen natürlich als erstes auf weiblichen Nachwuchs!

      Für das bessere Verständnis werde ich in Zukunft die Gruppen in Gruppe A und Gruppe B unterscheiden. Diese folgenden zwei Bilder sind von der Gruppe A, welche ihre Eier auf den Boden gelegt haben. Die Gruppe B hat sich ebenfalls vom Bodengrund freie Flächen geschaffen, dort lagen aber im Vergleich zur Gruppe A nicht die Eier, sondern die wurden von Arbeiterinnen in ihren Mandibeln gehalten, wenn ich es richtet gesehen habe. Ich werde dies mal beobachten und weiterhin davon berichten.

      Super! Frische Eier bei der Gruppe A.

      Die S. peetersi Gruppe A war so freundlich und hat ihre Eier auf den Boden gelegt, ansonsten hätte ich dies nicht fotografieren können.

      Bis bald!

      Gruß, Olaf
    • Moin!



      Seit meinem letzten Bericht hat sich die Brut der Streblognathus peetersi gut entwickelt. Bei der Gruppe A kann ich durch den transparenten Boden drei Kokons und sehr viele Larven sehen. Ihre Größe müsste man in Anbetracht der Gesamtgröße der Arbeiterinnen als mittel und groß einstufen. Für meine Augen erscheinen sie mir einfach nur gigantisch. Die Gruppe B schafft es sich weiterhin meinen Blicken zu entziehen, lediglich mittelgroße Larven sind erkennbar. Aber den Tieren geht es ausgezeichnet. Tagsüber sitzen manche ruhig draußen herum und manche erscheinen beschäftigt mit irgendwelchen Aufgaben, wie z.B. die Abfälle des Futtertiers vom letzten Tage zu entsorgen. Die Gruppe B scheint an der Oberfläche deutlich aktiver zu sein. Vielleicht liegt das an der Koloniestärke, die ich nicht kenne, d.h. ich vermute sehr, dass die Gruppe B größer ist. Allerdings möchte ich die Tiere nicht ohne Not ausbuddeln und für eine Volkszählung schon gar nicht. Mal sehen, was passiert. Vielleicht gewinnt Gruppe A an Selbstvertrauen und ist demnächst genauso geschäftig wie Gruppe B an der Oberfläche.

      Wählerisch scheinen die S. peetersi in ihrer Futterannahme nicht zu sein, bisher wurden alle Schabenarten dankbar angenommen, die ich ihnen anbot. Allerdings ziehen sie die Futtertiere bereits getötet vor, bei zu viel Leben im Futtertier lassen sie eher schnell ab und schauen eine Zeit lang später erneut vorbei. Gestern hat sich eine Arbeiterin eine kleine Rotkopfschabe (Oxyhaloa deusta) gepackt, ich hatte nicht ganz so doll gedrückt wie üblich, und hat dann versucht die fliehende Schabe in den Griff zu bekommen. Am Ende ließ die Arbeiterin los ich musste die Schabe schnell jagen und töten, weil sie ansonsten in meinem Zimmer herumgelaufen wäre. Bisher habe ich täglich frisch getötete Schaben angeboten, wirklich vor längerer Zeit getötete oder sogar eingefrorene Futtertiere haben meine beiden Gruppen noch nicht erhalten. Weiterhin biete ich manchmal Zuckerwasser an. Bisher tat ich dies in kleinen Mengen und es wurde meistens mit Erfolg angenommen. Zur Zeit mach ich den Versuch mit Invertzuckerwasser in einem RG als stetige Quelle für Kohlenhydrate und schaue, ob die Tiere das Zuckerwasser auch in dieser Form annehmen. Bisher habe ich sie nicht aktiv trinken sehen, vielleicht habe ich auch nur noch nicht das Glück gehabt.

      Hier seht ihr die Unterbringung der beiden Gruppen. Links ist Gruppe A und rechts Gruppe B.


      Ende April habe ich diese Aufnahmen beim Klettern gemacht. Die Arbeiterinnen stellten sich durchaus der selbstgewählten Aufgabe und schafften es zu klettern ohne herunterzufallen, was manchmal recht abenteuerlich wirkte. ^^









      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread Streblognathus

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Im April wurden also bei mir zum ersten Mal Eier gelegt und es hat sich seither die Brut der zwei Streblognathus peetersi Gruppen gut entwickelt. Vor zehn Tagen beschrieb ich in meinem letzten Beitrag, dass mir nur die Gruppe A genauere Einsicht in ihr Nest gewährte und dass dort wenige Puppen und recht viele Larven zu sehen gewesen waren. Bei der Gruppe B ließen sich einige Larven ausmachen.

      Am vergangenem Wochenende sah ich dann bei der Gruppe A zum ersten Mal eine tote, mittelgroße Larve im Bereich der Müllecke liegen. Sonntag früh das selbe Spiel, die zweite Larve war bei der Gruppe A über Nacht entsorgt worden. Am Montag waren bei beiden Gruppen jeweils eine tote Larve in der Arena zu sehen. Insgesamt waren drei Larven bei der Gruppe A und eine Larve bei der Gruppe B entsorgt worden.

      Frisch entsorgte Larve.

      Folgende Strategie habe ich als einen ersten Anfang, um die Ursache des Problems zu ermitteln, ausprobiert. Ich habe versucht die Gruppen mit Eiweißen zu überschütten und dabei ihr Futter von zwei Schaben auf vier Schaben erhöht. Weiterhin habe ich pro Mahlzeit am Tag jeweils wechselnd zwei Schabenarten angeboten (2x+2y). Die Schaben wurden weiterhin gut angenommen, jetzt verblieb bei Gruppe A sogar mal eine Schabe unangetastet. Seit Montag habe ich keine toten Larven mehr gefunden.

      Am Tag darauf war von der Larve nur noch die Hülle vorhanden und es kamen immer wieder Arbeiterinnen und versuchten die Hülle zu umsorgen und zu pflegen.

      Experimentiert habe ich auch mit der Futtergröße der Tiere, die scheint als erste Hypothese keine Rolle zu spielen. Wenn es Schaben im Überfluss gibt, dann scheinen meine Gruppen den muskulären Bereich mit den Beinpaaren zu favorisieren und lassen den eher fetten Hinterleib liegen.

      Heute habe ich wieder unter die beiden Behältnisse geschaut und mit großer Freude sofort sehen können: Die Produktion von Nachwuchs ist auf vollen Touren! Bei Gruppe A kann ich mindestens zwölf Puppen ausmachen. Bei Gruppe B, bisher mit kaum Einsicht, sind drei Puppen sichtbar, hauptsächlich aber viele große und mittlere Larven und als Bonus: viele frisch gelegte Eier!

      In Anbetracht dieser Brutmengen ist das Verlieren weniger Larven (Gruppe A drei Larven, Gruppe B eine Larve) für die Gruppen verkraftbar und nicht mit Rückschritten in der Kolonieentwicklung verbunden. Seit dem Erhalt der beiden Gruppen im März sind zuerst nach einem Monat jeweils eine Arbeiterin pro Gruppe verstorben. Vor zwei Wochen verstarb eine zweite Arbeiterin der Gruppe A. Gestern verstarb eine dritte Arbeiterin der Gruppe A.

      Fazit: Insgesamt betrachtet geht es den Gruppen gut und das Entsorgen der Brut war eher minimal. Weiterhin versterben auch Arbeiterinnen einen natürlichen Alterstod, das war hier sicherlich der Fall. Allerdings hat Gruppe A drei Larven und drei Arbeiterinnen verloren, im Gegensatz dazu hat Gruppe B lediglich eine Larve und eine Arbeiterin verloren.

      Kleiner Nachtrag zum Versuch mit dem Invertzuckerwasser im RG, es wird anscheinend nicht angenommen. Es sei denn sie trinken nur davon, wenn ich nicht schaue. :D Deshalb werde ich wieder andere Formen zum Anbieten von Zuckerwasser finden müssen.

      Hier seht ihr eine Arbeiterin beim Fressen. Das tun sie wirklich gut! Was sie nicht schaffen, das tragen sie am folgenden Tag halt wieder aus ihrem Nest heraus.

      In diesem Fall frisst die Arbeiterin an einer Paratemnopteryx couloniana.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread Streblognathus

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Bei meinen beiden Streblognathus peetersi Gruppen ist alles voll mit Puppen! Und ich habe gestern die erste Puppenhülle bei Gruppe A gefunden. Mein Herz schlug ganz gut, weil ich nach einer zehntägigen Phase ohne weitere Verluste an Larven gerade erst ein paar Stunden zuvor erneut eine tote Larve bei Gruppe A gefunden hatte. Und nun lag da die Hülle und sah vollkommen unverletzt aus. Mein erster Gedanke war dann auch schnell: „Jetzt schlüpfen die Tiere nicht“. Aber weit gefehlt: mit großer Erleichterung war die Hülle leer! Nun hätte ich ja gern gewusst ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist, da muss ich wohl noch ein wenig warten...

      Weitere Verluste an Larven hatte ich nicht und dieser Verlust hätte möglicherweise vermieden werden können. Der Bedarf an Proteinen ließ die Tage zuvor deutlich nach. Ich fütterte zuerst nach Erhalt der Gruppen täglich eine halbe große Schabe oder zwei kleine adulte Schaben. Dann hatte ich auf vier kleine adulte Schaben erhöht (jeweils zwei Sorten kombiniert s.o.) und die halben großen Schaben weggelassen. Jetzt benötigten sie eigentlich nur noch eine halbe kleine Schabe am Tag pro Gruppe, aber ich fütterte eher aus überhöhter Vorsichtigkeit weiterhin zwei kleine adulte Schaben, bei denen wurden nur noch die Beine gefressen und ein wenig am Thorax geknabbert. Nun sammelte ich jeden Tag die vielen Reste heraus (und verfütterte sie weiter an andere Kolonien), das fand ich dann zunehmend überflüssig. Mag sein, dass der erneute Verlust der einen Larve darauf zurück geht, dass ich die zwei Tage zuvor die Fütterung dann doch auf eine Schabe reduziert hatte, denn eigentlich sind die S. peetersi in der Futterverwertung ziemlich effizient. Da jetzt so viele Puppen vorhanden sind, macht es ja auch Sinn, dass ich als Halter und Futtergeber einen starken Einbruch an dem Proteinbedarf beobachten konnte, nur mag ich vielleicht mit der einen Schabe ein wenig unter dem Bedürfnis der Kolonie gelegen haben, deshalb verfüttere ich wieder zwei Schaben am Tag. Sicher ist sicher. Ist trotzdem alles Spekulation, vielleicht hat das einzelne Versterben von Larven auch andere Gründe.

      Hier seht ihr eine Arbeiterin mit einer Erdschabe.

      Wenn ich im Text von "kleine adulte Schaben" schreibe, dann meine ich ungefähr diese Größe, also bis zwei Zentimeter.

      Es starben ein paar Arbeiterinnen. Ich berichtete (s.o.) von dem Stand 3:1 von Gruppe A zu B. Gruppe B hat jetzt nach gelegt und es sind dort über die Tage drei Arbeiterinnen verstorben. Es steht jetzt also 3:4, weil bei Gruppe A alles unverändert blieb. Ich vermute regulären Alterstod. Da die Eiablage zeitnah geschieht, schlüpfen auch in einem zeitnahem Fenster die Tiere, die wiederum eine ähnliche Lebenserwartung haben dürften und deshalb auch zeitnah versterben. Dies ist zumindest eine gute Erklärung dafür.

      Danach wird das Futtertier in der Regel in Richtung Nest transportiert.

      Meine beiden Gruppen wollen keinen Invertzucker annehmen, ich hab es mit RGs, kleine und große Näpfe und flache kleine Plättchen, mit einem Tropfen versehen, ausprobiert: an die RGs gehen sie nicht, die größeren Näpfe betreten sie nicht und die kleineren Näpfe füllen sie mit Sand. Last but not least, die Plättchen wollen sie entsorgen und sind damit sofort so in ihrem Verhalten gefangen, dass sie den Tropfen Zuckerwasser oder Invertzucker-Wasser-Gemisch darauf gar nicht erst bemerken. Mit Wasser habe ich das Selbe erlebt. Ich habe jetzt wieder kleine Näpfe mit Wasser in den beiden Behältnissen bereit gestellt, denn ich probiere es halt immer wieder aus. Nun befeuchte ich die Erde regelmäßig, wahrscheinlich trinken sie dort. Oder nehmen ihren Bedarf an Wasser mit dem täglichen Verzehr von frischen Futtertieren auf. Neulich habe ich als Experiment absichtlich ein wenig schnell Wasser auf die Oberfläche gegeben, es war an sich nicht viel und es bestnad nicht die Gefahr einer Überschwemmung, nur konnte das Wasser nicht so schnell bei dem lehmhaltigen Boden versickern, mit dem Ziel, dass die Tiere, sollten sie Durst haben, an den kleinen "Pfützen" trinken könnten. Die Tiere waren auch draußen und realisierten, dass Wasser zur Verfügung stand, aber sie sahen keinen Bedarf davon zu trinken. Irgendwie scheint es klar zu gehen.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread Streblognathus

      Gruß, Olaf
    • Moin!

      Seit dem letzten Beitrag Ende Juni hat sich recht viel getan und ich bin erfreut darüber, dass die Tiere nun auch Invertzucker annehmen. Chris und Roger schrieben im Diskussionsthread Streblognathus, dass ihre Gruppen Invertzucker annähmen und das Problem bei mir Zuhause war letztendlich, dass meine Verdünnung des Invertzuckers nicht dünn genug war. Da ich ebenfalls das Plastik als ein Problem ausschließen wollte, habe ich den Invertzucker den Tieren probeweise auf einem natürlichen Material (Holz) angeboten. Allerdings war es mit dem Holzstück nicht sehr effizient, die Flüssigkeit lief leicht herunter und die Feuchtigkeit zog mit in das trockene Holz ein. Einen kleineren Stein mit Mulde hatte ich leider nicht zur Hand und nachdem die Tiere erfolgreich den Invertzucker auf Holz angenommen hatten, habe ich es auch einfach erneut mit Plastik probiert und dies ging dann auch problemlos. Zur Zeit nutze ich eine ähnliche Lösung zu der, die Roger in seinem Video den Tieren anbietet, in meinem Fall ein Plastikbehältnis, welches einem RG ähnlich und nur ein wenig dicker ist.

      Und sie trinken doch...

      Schön, dass der Invertzucker in dieser Verdünnung angenommen wird.

      Die S. peetersi Arbeiterin trinkt den Invertzucker, der auf den Boden geflossen ist und nun versickert.

      Nun biete ich Zuckerlösung in dieser Form an und die Tiere mögen es.

      In den ersten Tagen konnte ich die Tiere häufiger trinken sehen, dann fingen sie an den Invertzucker oder das Wasser abzudecken und jetzt sehe ich die Tiere nur sehr selten an dem Invertzucker trinken. Da ich täglich die Tiere füttere, brauchen die Tiere vielleicht keine große Zugabe an Kohlenhydraten.


      @Roger Strotmann hat für seine Gruppen eine schöne Unterbringung hergerichtet und war so freundlich und hat mir erlaubt sein Video hier in diesem Thread zu verlinken. Danke!



      Was nun die Brutentwicklung und das Schlüpfen der Tiere angeht, so stellte sich dies in den letzten drei Wochen mit Höhen und Tiefen dar. Ein paar Tage nach meinem letzten Beitrag waren bei der Gruppe A drei Tiere geschlüpft und gleichzeitig drei Puppen entsorgt worden. Bei Gruppe B waren zwei Puppen entsorgt worden. Da bei der Gruppe A bereits Tiere geschlüpft sind, heißt das, dass grundsätzlich vieles richtig läuft und es den Tieren im Großen und Ganzen gut geht. Wenn also alles recht gut klappt, dann frage ich mich was auf dem letzten Schritt zum Schlüpfen nicht ganz optimal ist und die Brut nicht zum Erfolg geführt wird. Vielleicht liegt es an den Temperaturen und es ist zu heiß in meinem Zimmer. Die Streblognathus befänden sich jetzt in Südafrika in der Winterruhe und Roger wies darauf hin, dass es mancherorts in Südafrika in der Nacht gerade 3 Grad und am Tag 20 Grad sei, die Tiere machten folglich jetzt ihren ersten warmen Winter bei uns mit. Chris meinte, dass das Entsorgen von Puppen bei größeren Ponerinen nicht ungewöhnlich sei, man denke nur an Paraponera oder Myrmecia.

      Eine Arbeiterin trägt hier eine Puppe herum, die sie kurz danach entsorgt hat.

      Eine Zeit lang hat sich dann bezüglich des Schlüpfens nicht viel getan, bis jetzt die vergangenen Tage bei Gruppe A zuerst ein Tier und heute hinzukommend zwei weitere Tiere geschlüpft sind, mit dem Wermutstropfen einer entsorgten Puppe. Bei Gruppe B wurden heute zwei Puppen entsorgt und bis heute ist bei Gruppe B noch nichts geschlüpft.

      Eine entsorgte Puppe.

      Wenn ich zur Kontrolle unter die Plastikboxen schaue, um mir ein wenig Einsicht zu verschaffen, dann kann ich frische Eier sehen, Larven in verschiedenen Entwicklungsstufen und natürlich auch die riesigen Puppen der Streblognathus. Der interne Ablauf der Gruppen scheint zu funktionieren.

      Kurz nach meinem letzten Beitrag sind noch weitere Tiere verstorben. Der Stand von Gruppe A zu Gruppe B lag zuvor bei 3:4 und liegt nun bei 3:7, es sind folglich drei weitere Tiere bei Gruppe B gestorben, davon sind sechs Tiere relativ zeitnah verstorben. Zu meiner Erleichterung sind nun seit fast zwei Wochen keine Tiere mehr gestorben und ich schaue morgens nicht mehr so sehr mit bangem Blick in die Unterbringung der beiden Gruppen.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Haltungsbericht bitte hier äußern: Diskussionsthread Streblognathus

      Gruß, Olaf