Eciton - Mandibeldrüsenchemie

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    • Eciton - Mandibeldrüsenchemie

      Hallo liebe Leser,

      ich möchte nur kurz unsere neue Forschungsarbeit vorstellen. Sie ist relativ kurz, aber trotzdem vielleicht für den ein oder anderen interessant. In Costa Rica ist uns aufgefallen, dass alle Eciton Arten einen sehr typischen 'Duft' absondern, besonders die großen Soldaten. Jede Eciton Art hatte ein wenig ihren 'eigenen' Geruch. Aber haben sie die tatsächlich die gleichen chemischen Komponenten? Vor allem mein Kollege Adrian Brückner, ein chemischer Ökologe, hat sich sehr dafür interessiert und so sammelten wir die Köpfe von einigen Soldaten und ließen sie an der Feldstation 'La Selva' direkt gefrieren. Das muss man machen, da sonst die sehr flüchtigen Stoffe sofort verdampfen würden.
      Die größte Herausforderung war, die Köpfe dauerhaft gefroren von Costa Rica nach Deutschland zu bekommen (ein anderer freundlicher Forscher hat uns da weitergeholfen), wo sie dann vor allem Adrian analysiert hat.
      Am Ende haben wir dann dieses wissenschaftliche Paper veröffentlicht, das seit gestern online frei verfügbar ist:
      Brückner, A., Hoenle, P.O. & von Beeren, C. (2018) Comparative chemical analysis of army ant gland compounds (Formicidae: Dorylinae)
      peerj.com/articles/5319/

      Wir haben Köpfe von insgesamt 6 Eciton Arten gesammelt, sowie zum Vergleich noch welche von den nahe-verwandten Nomamyrmex esenbeckii. Die Treibenameisen haben überraschender Weise eine sehr große Überlappung in den chemischen Komponenten (vor allem Ketone und die dazugehörigen Alkohole). Aber die relative Zusammensetzung dieser Komponenten war deutlich unterschiedlich zwischen den Arten, und man kann die Treiberameisenarten allein anhand ihrer Mandibeldrüsen-Chemie gut auseinander halten. Ingesamt entdeckten wir 10 volatile (leicht flüchtige) Komponenten in Eciton, und zwei zusätzliche in der verwandten Treiberart Nomamyrmex esenbeckii. Interessanter Weise ist die Ähnlichkeit der Komponentenzusammensetzung nicht mit der phylogenetischen Verwandtschaft korreliert - das heißt, dass zwei sehr nahe miteinander verwandte Arten sich nicht unbedingt in ihrer chemischen Ähnlichkeit nahe stehen (das war nur bei Eciton burchellii - Eciton hamatum der Fall).

      A Zeigt einen typischen Soldaten (in diesem Fall Eciton lucanoides)
      B zeigt, dass man die unterschiedlichen Eciton-Arten anhand der typischen Komponenten in der Mandibeldrüse gut auseinander halten kann (Darstellung mithilfe einer sog. NMDS - multidimensionale Skalierung)

      Grüße, Phil