Prof. Dr. Ulrich Maschwitz ist verstorben.

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    • Prof. Dr. Ulrich Maschwitz ist verstorben.

      Einer der ganz Großen ist von uns gegangen.
      Es wäre vermessen, wenn ich versuchen würde, einen würdigen Nachruf zusammen zu stammeln. Ich verweise daher besser auf das Nachbarforum, wo ein bedeutender Kollege des Verstorbenen dies bereits getan hat.

      Hier der Link: ameisenportal.eu/viewtopic.php…0e16972ac1dcc0aba00d4caef

      LG, Frank.
    • Hallo,

      eine traurige Nachricht! Ich hatte leider nie die Gelgenheit, Ulrich Maschwitz persönlich kennen zu lernen, und es ärgert mich nun etwas, dass ich nicht eher auf ein Treffen mit ihm gedrängt habe. Von den Geschichten, die ich über ihn gehört habe, war er eine sehr faszinierende und absolut leidenschaftliche Person wenn es um Ameisen ging. Wie Merkur schon im Thread andeutete, hat er sehr viel Forschung auf der Tropenstation Ulu Gombak betrieben und dort viele deutsche Forscher hingebracht und die Erforschung von unzähligen Ameisen vorangetrieben.
      Vor allem aufgrund der langen Ameisen-Forschungstradition von Ulu Gombak hat es mich dort auch hingezogen, und 2016 habe ich die Station für ein paar Tage besucht (inzwischen gibt es dort leider fast keine Forschung mehr!). Den kurzen Bericht dazu findet man hier: Malaysia

      Wenn es irgendeine seltsame, spektakuläre Ameise in den asiatischen Tropen gibt, seien es Leptogenys die ausschließlich Ohrwürmer fressen oder Pilz-konsumierende Ameisen, schäumende Pseudoneoponera oder was auch immer... Man kann sich fast sicher sein, dass Maschwitz auf irgendeine Art und Weise in die Forschung dieser involviert war! Ich musste immer wieder staunen, wie viele Entdeckungen auf ihn zurückgehen. Das alles ist einer sehr guten Beobachtungsgabe geschuldet, an die so kaum jemand herankam; von Erzählungen, die ich hörte, konnte er einfach so in einen Wald hineingehen, und sofort etwas spannendes und neues Entdecken, als hätte er einen extra Sinn für Ameisen ;)
      Trotz seiner großartigen Leistungen hatte er einen eher zurückhaltenden Charakter, was dazu führte, dass man ihn nur selten auf wissenschaftlichen Kongressen sah. Er hatte überhaupt keinen Hang dazu, die spektakulären Entdeckungen an die große Glocke zu hängen und in berühmten, einflussreichen Journals zu publizieren um wissenschaftlichen Einfluss zu gewinnen - schaut man auf seine Arbeiten, so finden sich fast in kleinen, spezialisierten Ameisenjournalen oder Museumsausgaben. Das zeigt seine bescheidene Art und Weise, die mich persönlich sehr beeindruckt.
      Der wichtigste Einfluss eines Professors auf die Nachwelt ist neben der Forschung nun auch die Lehre - und hier kann Maschwitz sicherlich auf einige tolle ehemaligen Doktoranden zurückblicken. Merkur hat drüben ja bereits Volker Witte erwähnt, der zunächst absolut fantastische Forschung über die Biologie von Leptogenys angefangen hat, und dann zu einem der wichtigsten Forscher über Myrmekophile wurde (leider inzwischen auch verstorben!) - einer seiner Schüler widerum ist mein Betreuer bei meiner Masterarbeit geworden, Christoph von Beeren, der auch einen myrmekophilen Käfer zu Maschwitz Ehren benannt hat.

      Ein großartiger Forscher, der uns hoffentlich lange in Erinnerung bleibt.

      Grüße, Phil
    • Hallo aus Koblenz,

      zu diesem traurigen Anlass hat Gerhard Kalytta mich gebeten hier etwas zu veröffentlichen. Ich habe Herrn Prof. Dr. Ulrich Maschwitz auch kennenlernen dürfen und bin immer noch sehr dankbar für diese tollen Stunden.


      Prof. Dr. Ulrich Maschwitz

      Ich möchte es nicht unterlassen mich dankbar an die Person und an das
      wissenschaftliche Vermächtnis von Herrn Prof. Dr. Ulrich Maschwitz zu
      erinnern.
      Obwohl ich bis zum Schluss ständig in Kontakt mit Ulrich Maschwitz
      stand, hat mich die Nachricht von seinem Ableben doch sehr erschüttert.
      Seit vielen Jahren stand ich in freundschaftlichem Kontakt zu Ulrich
      Maschwitz und kann nur bestätigen, dass er trotz seiner umfangreichen
      Kenntnisse über Ameisen und den verschiedensten Beziehungen zu deren
      Lebensraum immer sehr bescheiden war und nie im Vordergrund stehen
      wollte.Viele Grundkenntnisse über die Ameisen habe ich ihm zu verdanken.
      Immer wieder hatten wir Kontakt und er konnte mir viele Fragen
      beantworten, aber auch Anregungen zur Erforschung der Ameisen geben, was
      mir in Zukunft sehr fehlen wird.
      Ich hatte das Vorrecht Ulrich Maschwitz zusammen mit Herrn Prof.
      Buschinger in Indonesien zu beherbergen und an der Erforschung des
      Zusammenlebens von Diacamma und Polyrhachis lama teilzuhaben. Ebenso
      darf ich zurückblicken auf gemeinsame Reisen, wo ich Ulrich Maschwitz
      nicht nur als Ameisenforscher, sondern als guten Freund kennen lernen durfte.
      Die Leidenschaft für die Ameisen war bei Ulrich Maschwitz nicht nur
      wissenschaftlicher Natur, er war auch im Urlaub und im Privatleben immer
      von diesen Tieren begeistert und kannte keinen Urlaub von den Ameisen.
      Ich denke, Ulrich Maschwitz wird nicht nur bei mir unvergesslich bleiben.

      Grüße
      Gerhard Kalytta

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Christian Ludwig ()