Bestimmung einer Wespe

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    • Bestimmung einer Wespe

      Moin,

      im Wintergarten (Hannover) habe ich heuer eine Wespenkönigin (edit: es handelt sich wohl um eine Arbeiterin, s.u.!) gefunden, der die Wärme scheinbar zugesetzt hat. Da ich gerade erst begonnen habe, mich mit unseren Wespenarten und ihrer Bestimmung auseinanderzusetzen, würde ich mich über Hilfe bei der Bestimmung freuen.

      Die verkrampft angezogenen Mandibeln verkürzen den Eindruck des Kopfes und ich kann mich nicht entscheiden, ob der Abstand zwischen Komplexauge und Kiefergelenk nun groß ist oder nicht. Ich würde ihn als annähernd identisch mit der Tibialbreite der Vorderbeine einschätzen und bin daher zu der Auffassung gelangt, dass es sich um eine Langkopfwespe und aufgrund der deutlichen Strichzeichnung des Clypeus um Dolichovespula media handeln dürfte. Dafür sprechen auch die vollständig gelbe Einkerbung medial an den Komplexaugen und die Rotanteile am Hinterrand des Kopfes.

      Wirklich sicher bin ich mir aber in der Abgrenzung von den Kurzkopfwespen (DD: Vespula vulgaris) nicht, weshalb mich erfahrenere Meinungen interessieren.

      Danke schonmal und viele Grüße, Phillip






      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Hallo Phillip!

      Ohne jetzt der gestandene "Wespen" Bestimmer zu sein, würde ich mich mal aus meinem Fenster lehnen und darauf tippen das es sich hierbei um die "Mittlere Wespe" handelt.
      Für die "Gemeine Wespe" ist mir dein Exemplar etwas zu dunkel gezeichnet am Hinterleib. Andererseits gibt es von der mittleren Wespe auch deutlich rötlichere Abbildungen im Internet.

      Aber wie gesagt, ich bin da kein Fachmann und würde meinen das Frank dir das wie aus der Pistole geschossen sagen kann.

      Gruß
      Mathias
      "Wer an sich denkt, hat Schwierigkeiten. Wer an andere denkt, hat Aufgaben."
      (Lama Ole Nydahl)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mathias Zille ()

    • Hey ihr zwei.
      Die Aufnahmen sind sehr gut, Phillip. Wir haben hier ganz sicher eine Kurzkopfwespe vor uns, die Wangen der Langkopfwespen sind deutlich "länger". Ach die Zeichnung des Gesichts sprechen dafür, ebenso am Thorax und Gaster. Die "Gesichter" der Dolichvelspula wirken nicht rund, wenn man von vorne sie ansieht, sondern eher dreieckig und etwas länglicher. Eben viel längere Wangen, zwischen Unterseite der Facettenaugen und Kiefergelenk.
      Die Wespe ist seit einiger Zeit tot, die eingezogenen Mandibeln zeigen den Tod der Wespe.
      Für mich eine Vespula vulgaris-Königin. Veränderungen in der Farbgebung, wie zunehmend rötliche Anteile und ein allgemeines dunkler werden des Tieres treten bei alten Königinnen auf. Kann sein, dass dies eine Altkönigin ist, die von rebellierenden Arbeiterinnen vertrieben oder sogar abgestochen wurde. Das geschieht, wenn die Dominanz der Königin über ihre Töchter nachlässt, regelmäßig bei den Wespen.
      Dagegen spricht aber der gute Zustand der Flügel und der Behaarung. Bei alten Tieren, die dann als Königin jetzt im Hochsommer immerhin fast ein Jahr alt sind, sind die Flügel oft verschlissen (nicht immer!) und die Behaarung ist weitgehend abgewetzt.

      Ist die Wespe erst vor kurzem gestorben? Eine Jungkönigin wäre jetzt, so früh im Hochsommer, ungewöhnlich für diese Arten. Es muss also eine alte Königin sein. Entweder eine, die es versäumt hat, ein Nest zu gründen und bis jetzt herum vagabundierte oder aber ihr Gründungsnest verloren hatte und dies deswegen tat oder eben eine Königin, die von den Arbeiterinnen verdrängt wurde.

      LG, Frank.

      Edit: Wenn dich die Faltenwespen interessieren, Phillip, wofür ich allergrößtes Verständnis habe, sie sind nämlich fantastisch, dann besuche doch im Herbst mal ein Wespenschutz-Seminar. Am 20. Oktober diesen Jahres findet eines, wieder in Wipperfürth statt. Ich hatte das Seminar im letztem Jahre besucht und tue es vielleicht auch in diesem Jahr wieder. Dort werden die Grundlagen der Bestimmung und Biologie der Arten vermittelt, die auch völlig ausreichen, denn so viele Arten haben wir nicht in Mitteleuropa und es werden auch Schutz- und Hegeaspekte umrissen.
      Man sieht Präparate von heimischen und exotischen Vespiden und Präparate der Nester der verschiedenen Arten.
      Das Seminar ist kostenfrei und wird von kompetenten Wespenkennern und Wissenschaftlern abgehalten. Ein gutes Angebot, für jeden, der sich für die sozialen Faltenwespen interessiert und erste Kenntnisse erlangen möchte.

      Ich hatte hier kurz über das Seminar berichtet: Für die, die Wespen mögen...

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Frank Mattheis ()

    • Vielen Dank, Frank! Dann also doch Vespula vulgaris; ich war mir nicht sicher, inwieweit die dreieckige Kopfform auch bei Königinnen ausgeprägt sein würde bei den Langkopfwespen.

      Die Königin habe ich gestern halbtot im Wintergarten gefunden...es verirren sich dort leider häufig Fluginsekten hinein und finden den Weg ins Freie nicht mehr, bei der aktuellen Wärme ein sicheres Todesurteil. Um ihr weiteres Leiden zu ersparen und da ich sowieso Fotos machen und sie aufbewahren wollte, habe ich sie über Nacht ins Tiefkühlfach gelegt.

      Tatsächlich sehe ich am Teich neben dem Wintergarten, wo zahlreiche Wespen (auch Polistes dominula) zum Trinken landen, in den letzten Tagen häufiger Wespenköniginnen (allerdings bislang keine Feldwespenkönigin, dafür wohl aber zahlreiche Polistes Männchen). Auch bei einer kleinen Exkursion in ein Gebiet mit offener Trockenrasenlandschaft konnte ich heute eine Wespenkönigin (vermutlich ebenfalls eine Kurzkopfwespe) beobachten, die nach kurzen Flugstücken immer wieder landete und den Boden absuchte, dann aber immer weiterflog, als suche sie bereits eine Nistgelegenheit oder einen Unterschlupf. Die am Teich beobachteten Königinnen (ca. 4-5, es sei denn dasselbe Tier kam im Laufe des Tages mehrmals, was natürlich auch möglich ist) wirkten soweit fit und nicht alt und schwach. Sie flogen stets sehr zielstrebig davon. Für junge Königinnen dieses Jahres wäre es aber noch etwas früh oder? Auf der anderen Seite sind ja zumindest von Polistes bereits zahlreiche Männchen unterwegs.


      Auf besagter Wiese konnte ich eine ungewöhnlich große Zahl an Hornissen bei der Jagd beobachten, es muss unmittelbar in der Nähe ein Nest geben, vermutlich im angrenzenden Wald, in den die Arbeiterinnen mit erbeuteten Wespen abflogen. Die Zielgenauigkeit und Geschwindigkeit der Hornissenattacken hat mich enorm beeindruckt. Ich bin mehreren Hornissen jeweils einige Minuten gefolgt, bis sie stets nach kurzer Zeit eine Wespe gefunden und überwältigt hatten. Die Attacken dauerten meist nur wenige Sekunden, die ahnungslos auf der Blüte sitzende Wespe wird gepackt, Hornisse und Wespe fallen als Knäuel auf dem Boden, die Hornisse sticht zu und fliegt sofort mit der gelähmten Wespe in den Mandibeln Richtung Nest ab.
      Dabei schien es, als ob gezielt Wespen bevorzugt werden, zumindest wurden Schwebfliegen und Fliegen, die viel zahlreicher auf den Blüten saßen, von den beobachteten Hornissen ignoriert.

      LG, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Ja, für mich eine Vespula vulgaris. Das von dir gezeigte Exemplar ist dabei wirklich besonders schön, sie ist sehr dunkel gefärbt. Das muss dann bei ihren Töchtern, den Arbeiterinnen nicht so sein. Vespula vulgaris ist relativ variabel in der Färbung, manchmal hell und stark gelb gefärbt, so dass man die Wespen im Freiland auch für Vespula germanica halten könnte, manchmal, wie hier, sehr dunkel mit vielen schwarzen Anteilen in der Zeichnung.
      Etwas Sicherheit bei der Bestimmung gibt dann die Zeichnung auf dem Kopfschild, bei vulgaris oft ein ausgedehnter Ankerfleck. Das ist aber eben auch sehr variabel. Absolute Sicherheit bietet ein Blick auf das verwendete Baumaterial, vulgaris verbaut wie die Hornissen Fasern von morschem Holz, weswegen das Nestpapier meist gelb bis braun befärbt ist; Vespula germanica verbaut überwiegend grauverwittertes Holz, hier ist das Nestpapier ähnlich wie bei den Langkopfwespen meist grau.

      Hier gibt es einen einfach anwendbaren Bestimmungsschlüssel für die heimischen Polistinae (Feldwespen) und für die Vespinae, zu denen die bei uns heimischen Langkopfwespen (Dolichovespula), die Hornissen (Vespa) und die Kurzkopfwespen (Vespula) gehören.

      80.153.81.79/~div/BSNE/Faltenw…e-polistinae-01-print.pdf

      LG, Frank.
    • Ich bin mir jetzt gar nicht mehr so sicher, ob ich die richtige Ferndiagnose gestellt habe. Asche auf mein Haupt, Mathias, du lagst wohl doch richtig.
      Mich haben die scheinbar kurzen Wangen der Wespe getäuscht. Die wirken aber wohl nur so kurz, weil die Wespe im Todeskampf die Kiefer so eingezogen hat, wie es diese Wespen meisten tun, wenn sie sterben.

      Es handelt sich wohl doch eher um eine Arbeiterin von Dolichvespula media. Dafür spricht die rötliche Färbung an den Gliedmaßen, die Zeichnung des Kopfschildes passt einigermaßen (variabel bei allen Faltenwespen innerartlich, insgesamt aber typisch), die ausgedehnte Schwarzzeichung des Hinterleibes. Es soll sogar Kolonien von Dolichovespula media geben, bei denen die Arbeiterinnen einen fast komplett schwarzen Hinterleib haben und insgesamt fast schwarz sind.
      Nicht zuletzt spricht das zeitliche Auftreten jetzt Anfang August gegen Jungköniginnen von Vespula vulgaris. Königinnen, zumindest Jungköniginnen fliegen jetzt noch nicht bei Vespula (V. vulgaris und V. germanica), allenfalls die von Vespula rufa (die Art hat einen kurzen Jahreszyklus, der bereits im September endet) oder junge Weibchen der sozialparasitischen, arbeiterinnenlosen Art Vespula austriaca. In den Kolonien der V. germanica und V. vulgaris beginnt die Aufzucht der Geschlechtstiere eigentlich erst im September, frühestens Ende August. Schwärmende Männchen und Jungköniginnen kann man ab Mitte September beobachten, die Hauptschwärmzeit liegt hier bei uns in Mtteleuropa eher im Oktober bis November.

      Hier mal drei Bilder von Arbeiterinnen von Dolichovespula media.



      Von mir keine so guten Bilder, aber man erkennt das "lange" Gesicht, dass die Arbeiterinnen der Dolichvoespula machen. Es entsteht bei ihnen durch die langen Wangen, den Zwischenraum zwischen Facettenauge und Kiefergelenk.

      Der Jahreszyklus der schönen Art geht jetzt im August bereits zu Ende. Es gibt nur noch wenig zu tun für die Arbeiterinnen, die jetzt noch leben und er werden keine Arbeiterinnen mehr aufgezogen. Die jetzt noch fliegenden Arbeiterinnen sind dann auch durchweg alte Tiere, die die die wenigen Wochen ihrer Lebensspanne fast hinter sich haben. Die Wespenarbeiterinnen der Art, die jetzt noch leben und auf Grund der weniger werdenden Brut und des geringer werdenden Nahrungsbeschaffungsdrucks in der Kolonie wenig zu tun haben, machen sich jetzt noch ein paar schöne Tage. Bald wird man für dieses Jahr keine Wespen dieser Art mehr sehen.

      Hey, Mathias, du hast die Art wahrscheinlich richtiger bestimmt als ich!

      LG, Frank.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Frank Mattheis ()

    • Danke euch beiden für die Bestätigung der Bestimmung und ergänzenden Ausführungen! Es ist in der Tat interessant, wie stark der Eindruck der Mandibeln sich auf die subjektiv wahrgenommenen Proportionen auswirkt. Bilder können auch immer nur zweitklassig sein gegenüber einer persönlichen Untersuchung des Originalpräparates.

      Ich werde die Königin die Tage etwas aufbereiten und die Mandibeln in eine ansehnlichere Position bringen, danach stelle ich hier noch einmal neue Bilder ein, die dann sicher einen besseren Eindruck dieser Art vermitteln werden.

      LG, Phillip

      Edit: Frank hat mich gerade noch darauf aufmerksam gemacht, dass es sich zwar um die Mittlere Wespe handeln dürfte, aber um eine Arbeiterin und keine Königin. Mich hat einfach die Größe des Tieres getäuscht; nicht ohne Grund nennt man sie auch die „Kleine Hornisse“.
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Hey Phillip. Bilder einer Königin der Art habe ich hier eingestellt: upload.eusozial.de/i/t/9y25wb6eoijq.jpg

      In meinem Thread zur "Mittleren Wespe oder Kleinen Hornisse". Sehr alte und schlechte Bilder, aber man sieht, dass die Königinnen den Arbeiterinnen kaum ähneln. Wer sich nicht auskennt, hält beide für Vertreter unterschiedlicher Arten. Und das ist auch verständlich.
      Die Königinnen sehen aus wie etwas kleinere Hornissen, weitgehend rot bis rotbraun gefärbt. Wunderschön.

      Auf den letztem Bild der vier alten Fotos sieht man die Arbeiterinnen am Nest, die diese Königin damals bei mir auf dem Balkon aufgezogen hatte in ihrem Gründungsnest. Sie sind viel dunkler und eher schwarz-gelb gezeichnet und ähneln ihrer Mutter kaum.

      LG, Frank.