Berichte aus der Welt der Haltung exotischer Ameisenarten - Ein Potpourri-Thread

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    • Berichte aus der Welt der Haltung exotischer Ameisenarten - Ein Potpourri-Thread

      Moin!

      Seit längerer Zeit überlege ich, wie ich im Forum über meine anderen Ameisenarten, gemachte Beobachtungen oder Erkenntnisse über die Ameisenhaltung berichten kann, nur mir fehlte bisher dazu eine Entscheidung über die Vorgehensweise und das rechte Medium. Einige meiner Ameisenarten sind hier bisher nur über Bilder in Erscheinung getreten, ohne dass das groß von mir mit Informationen ergänzt worden wäre, neben ein paar kurzen Bildbeschreibungen, die sind meistens dabei. Weitere Haltungsberichte möchte ich nicht anfangen, für ihre gesamte Tragweite habe ich zu wenig Zeit und meine Ameisen brauchen auch ihre Aufmerksamkeit. Aber es wäre schade, wenn als Ergebnis der Umstände über so manches gar nicht berichtet werden würde. Mit diesem Potpourri-Thread möchte ich also eine Lücke schließen und so die Möglichkeit nutzen hier die eine oder andere interessante Geschichte zu berichten, die ein oder andere Ameisenart vorzustellen und den ein oder anderen Hintergrund zu beleuchten. Eben alles mögliche, was in dieser Form nicht in meine bestehenden HBs einfließt bzw. einfließen kann. Über die Zeit könnte dies eine schöne Zusammenstellung an Themen in der Ameisenhaltung ergeben. Das Thema für mich ist die Hobbyhaltung von Exoten.

      Den Auftakt wird eine eine Ameisenart machen, die der Unterfamilie der Ponerinae angehört und 2017 im südlichen Afrika gesammelt wurde. Eine Bestimmung ist noch nicht gelungen, aber @Phil hat den Hinweis gegeben, dass es sich um eine Mesoponera-Art handeln könnte.

      Hier sind drei Arbeiterinnen der Ponera sp. I zu sehen. Es war schwierig scharfe Fotos der Kolonie zu schießen, da die Tiere sehr agil ihre Umgebung untersuchten.

      Eine Ponera sp. I Arbeiterin sucht nach Futter.

      Die Kolonie zieht aktiv Brut auf und es sind in dem Behältnis Larven in allen Stadien zu sehen.

      Die Tiere ließen sich bei Erhalt im März 2018 recht schwer zählen, zum Teil waren sie nicht an der Oberfläche und gruben Gänge in dem Sand-Lehm-Gemisch. Ich schätze, dass es ungefähr fünfundzwanzig Tiere waren, dabei einige wenige dealate Königinnen und ein paar mehr alate Königinnen. Zusammen gezählt waren es bestimmt acht Königinnen und den Rest der Kolonie stellten Arbeiterinnen. Männchen waren nicht vorhanden, dafür wurde aktiv Brut in allen Stadien aufgezogen.

      Bei diesen zwei Tieren handelt es sich um dealate Königinnen, ein Teil der Brut ist ebenfalls zu sehen.

      Hier vollziehen zwei Tiere den Tandemlauf, wobei eine dealate Königin von einer Arbeiterin geführt wird. Der ganze Ablauf des Tandemlaufs dauerte über eine Minute lang, mir kam die Zeit ewig vor und ich hätte einen früheren Abbruch vermutet. Kudos für Ausdauer!

      Nach vielen unscharfen Fotos: Hier steht der Tandemlauf kurz vor dem Ende. (Was passiert da rechts? Läuft da etwa ein zweiter Tandemlauf parallel ab? Oder putzt sich die eine Arbeiterin die Antenne und das Bild erweckt einen falschen Eindruck?)


      Seit April 2018 befindet sich die Kolonie in einem 30x20x20cm Terrarium. Ein Ausbruchsschutz ist nicht nötig, da die Tiere keinerlei Anstalten machen die Glasscheiben zu belaufen. Wahrscheinlich können sie nicht auf glatten Flächen laufen.

      Dies eine Aufnahme des Setups (11.06.2018), in dem die Tiere seit April leben.

      Die Tiere haben sich im Boden ein Nest und ein Gängesystem angelegt, wo genau sie sich hauptsächlich befinden, weiß ich nicht. Allerdings vermute ich sie nicht auf der Seite der kleinen 5W Heizmatte, meiner Erfahrung nach meiden manche Ponerinae die direkte Einwirkung von Heizmatten.

      Die Tiere haben emsig den Bodengrund mit Tunneln und Gängen durchzogen und sicherlich auch dabei Kammern angelegt. (11.06.2018)

      Heute sieht das Ganze bereits so aus: Die Pflanzen sind weiterhin gewachsen, Zuckerlösung wird im RG angenommen, wenn auch nur selten, und Wasser biete ich in der kleinen Plastikkappe frisch an. (02.08.2018)

      Zwischendurch gibt es Phasen, da zeigen sie viel Außenaktivität und die Tiere scheuen auch kein helles Licht. In der Nachmittagssonne suchen sie akribisch das Formicarium ab und finden sie etwas zum Fressen, dann verbleiben sie in Ruhe an der Stelle und schauen sich ihre Beute an, fressen ein wenig, rennen noch einmal darum herum und fressen noch ein bisschen mehr. Zu anderen Zeiten ist lange nichts von ihnen zu sehen und man fragt sich, ob noch überhaupt Tiere da sind. Dann reicht ein kurzer Blick auf das Gängesystem und man kann recht schnell eine Arbeiterin irgendwo durch einen der Tunnel an der Glasscheibe flitzen sehen.

      Eine Arbeiterin sondiert die Lage in der Müllecke und fängt danach an aufzuräumen.

      Die vielen Puppenhüllen sind ein Zeichen für eine positive Entwicklung der Kolonie.

      Da die Tiere den Kopf viel auf Bodenhöhe halten, sind Aufnahmen wie diese nur mit viel Geduld zu bewerkstelligen, denn irgendwie schauen sie gerade weg, ändern die Richtung oder gehen mit dem Kopf noch tiefer.

      Diese tolle Kolonie habe ich von @Roger Strotmann geschenkt bekommen, wofür ich mich noch einmal sehr herzlich bei ihm bedanken möchte!

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Potpourri-Thread bitte hier im Diskussionsthread äußern: Haltung von Exoten

      Gruß, Olaf
      „It's a white whale, I say,“ resumed Ahab, as he threw down the top-maul; „a white whale. Skin your eyes for him, men; look sharp for white water; if ye see but a bubble, sing out!“ Moby Dick, Herman Melville
    • Plectroctena mandibularis

      Moin!

      Seit April 2018 pflege ich eine Plectroctena mandibularis Gruppe, welche Anfang 2017 in Südafrika gesammelt wurde. Die P. mandibularis ist dort in tieferen Regionen verbreitet und deutlich größer als die Plectroctena conjugata, die eine „Bergform“ der P. mandibularis darstellt und erst in höheren Lagen vorkommt. Spezialisiert sind beide Arten auf Tausendfüßler, welche sie mit ihren Mandibeln bestens jagen können. Die P. mandibularis Gruppe besteht aus sieben Tieren, zwei ergatoiden Königinnen und fünf „Arbeiterinnen“. Die ergatoiden Königinnen sind erheblich größer als die Arbeiterinnen, wobei wiederum ein deutlicher Unterschied in Größe zwischen den beiden ergatoiden Königinnen besteht.

      Eine P. mandibularis Arbeiterin beim Fressen einer Waldschabe.

      Sie sind zwar auf Tausendfüßler spezialisiert, nehmen Schaben aber auch sehr gut an.

      Zwischendurch wird geputzt!

      In einem Bildkommentar bezüglich meines letzten Beitrags (16.10.18) in dem Haltungsbericht zur Tetraponera schulthessi hatte @Frank Mattheis auf das Duftsterzeln von Jungköniginnen hingewiesen. Ende Juni diesen Jahres hatte ich diesbezüglich ein paar Beobachtungen bei der P. mandibularis Gruppe gemacht. Nachdem ich die Gruppe in ein Terrarium überführt hatte, kletterte für mehrere Tage die kleinere der beiden ergatoiden Königinnen auf das Moospolster, welches den höchsten Punkt im Terrarium darstellte und verblieb dort immer wieder für eine Weile. Mir war das Verhalten zu dem Zeitpunkt nicht erklärlich und als ich das @Christian Ludwig erzählte, konnte er dies als Duftsterzeln einordnen, also das Verbreiten von Sexualpheromonen, die potenzielle Männchen anlocken sollen. Nachdem dieses Unterfangen erfolglos blieb, Männchen hatte ich leider nicht im Angebot, wurde dieses Verhalten durch die ergatoide Königin eingestellt.

      Eine ergatoide Königin beim Duftsterzeln auf dem Moospolster.

      Auf dem höchsten Punkt des Terrariums versucht die ergatoide Königin Männchen für die Begattung anzulocken.

      Die ergatoide Plectroctena mandibularis Königin beim Putzen.


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      Gruß, Olaf
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    • Odontomachus chelifer

      Moin!

      Wenn ich bei einer meiner Kolonien Geschlechtstiere entdecke, dann freue ich mich. Dies bedeutet zum einen für den Zustand der Kolonie, dass es den Tieren soweit gut geht und die Haltungsparameter erfolgreich getroffen werden. Zum anderen bedeutet dies für den Entwicklungszustand der Kolonie, dass sie eine gewisse Reife erreicht hat und somit aus den Kinderschuhen raus ist. Sie ist ein Stück weit „erwachsen“ geworden, wenn man dies so bezeichnen möchte, und das Ziel der Verbreitung der Art ist dann ein wesentliches Ziel der Kolonie. Läuft dies alles in einem zeitlich erwartbaren Rahmen ab, dann gibt es für mich Grund zur Freude.

      Allerdings verwundert es mich immer wieder, wenn Jungkolonien bereits sehr früh anfangen ein hohes Maß an Geschlechtstieren zu produzieren. Meine Erfahrungen in der Vergangenheit waren da manchmal durch eine negative Entwicklung der Kolonien geprägt. 2016 erhielt ich eine Neoponera apicalis Kolonie, die sich zu Beginn auch recht gut entwickelte, bis sie dann bei ca. 150 Tieren stagnierte und nur noch Geschlechtstiere produzierte. Dabei handelte es sich um einige wenige Jungköniginnen und um einen nicht mehr endenden Strom an Männchen. Die Kolonie schwand immer mehr und die letzten Arbeiterinnen starben dann Mitte diesen Jahres.

      Dies muss aber nicht so sein. Bei meiner Pheidole pallidula Kolonie wurden ebenfalls sehr früh Geschlechtstiere produziert, also ca. ein Jahr nach der Koloniegründung, wobei Soldatinnen bereits nach wenigen Monaten vorhanden waren. Der Kolonie geht es sehr gut und es gibt keine Anzeichen für eine negative Kolonieentwicklung, also eine Abnahme an Arbeiterinnen aufgrund der Produktion von Geschlechtstieren.

      Die beiden beschriebenen Fälle (N. apicalis und P. pallidula) lassen sich leider nur schlecht vergleichen und sollen nur separate Beispiele für eine frühe Produktion von Geschlechtstieren mit unterschiedlichen Verlauf der Kolonieentwicklung sein, handelte es sich doch bei der N. apicalis um einen Wildfang, bei der vermutlich die Kolonie ausgegraben wurde. Die P. pallidula Kolonie erwuchs aus einer Jungkönigin, die nach dem Schwarmflug gesammelt wurde und somit im Vergleich sehr viel genauer eine Bestimmung des Alters der Kolonie zulässt. Die N. apicalis könnte theoretisch schon älter gewesen sein, ich war bei dem Sammeln nicht dabei und bin mir bei dem Händler auch nicht im Klaren, wie viele „Zugeständnisse“ er bei dem Sammeln machte, d.h. dass er eventuell nur die Königin und einige Arbeiterinnen der gesamten Kolonie entnommen hat, um sie als kleine Kolonie besser verkaufen zu können. Einen Fehler habe ich 2016 de facto gemacht, nämlich war mir nicht bewusst, dass man bei der N. apicalis unbedingt die Jungköniginnen absammeln sollte, weil es zu Rangeleien unter den Königinnen kommen kann, was sicher die Kolonie unter Stress setzt. Diese Erkenntnis besteht allerdings unabhängig von dem Fakt, dass die Kolonie aus Haltungssicht sehr früh anfing massiv Geschlechtstiere zu produzieren, ob die Jungköniginnen durch mich nun abgesammelt wurden oder nicht.

      Dass zum Ende einer Kolonieentwicklung viele Geschlechtstiere produziert werden, konnte ich gut bei meiner großen Diacamma rugosum Kolonie beobachten. Die produzierte Männchen en masse, ein Zeichen für den Beginn des letzten Lebensalters der Kolonie. Dies stellt eine ganz natürliche Entwicklung dar, die für ein letztes Abstoßen an Erbmaterial sorgt, um die Art vor Ort zu erhalten.


      Odontomachus chelifer mit Futtertier.

      Im Dezember 2017 erhielt ich eine Odontomachus chelifer Kolonie aus Mittelamerika. Sie wurde im späten Herbst 2017 im Hochlandregenwald Panamas gesammelt, auf einer Höhe von ca. 1300m. Dabei wurde die gesamte Kolonie, eine Königin und weitere zwanzig Arbeiterinnen, entnommen. Die Kolonie hatte dort, in einem Waldstück mit Hanglage, Kammern zwischen aufgeschichtetem Laub eingerichtet. Sie hat sich seit dem bei mir gut entwickelt. Eigentlich müsste ich sagen, sie hat sich trotzdem entwickelt, obwohl sie eine Unmenge an Geschlechtstieren bisher produzierte. Genauer gesagt handelt es sich einzig und allein um Jungköniginnen, Männchen habe ich noch nicht gesehen. Anfang April 2018 ging es mit der Sichtung der ersten Jungköniginnen los und ich habe nun bis Ende Oktober, also innerhalb von sechs Monaten, Hunderteins (101!) Jungköniginnen abgesammelt. Nicht auszudenken wie groß die Kolonie heute wäre, wenn sie die Produktionsenergie in Arbeiterinnen gesteckt hätten! Vielleicht sollte ich froh sein, dass mir diese Kolonieentwicklung auf viel längere Sicht eine adäquate Unterbringung für die Tiere ermöglicht, ansonsten hätte ich bereits eine recht große Kolonie und müsste mir Gedanken bezüglich der weiteren Unterbringung machen.


      Eine Odontomachus chelifer Jungkönigin auf dem Weg durch die Arena.

      Ob Geschlechtstiere produziert werden hängt im Regelfall von der Zuwendung bzw. der Fütterung der Larven durch die Arbeiterinnen ab. Letztlich entscheiden sie, ob eine Larve sich zu einem Geschlechtstier entwickelt oder zu einer Arbeiterin, einer Soldatin etc. Sie beeinflussen die Entwicklung der Brut durch die verabreichte Futtermenge und der Lagerung an wärmeren oder kühleren Punkten im Nest. Bei polygynen Koloniestrukturen kommt es wohl auch vor, dass einzelne Königinnen gezielt Eier nur zur Entwicklung von Geschlechtstieren legen. Dies ist allerdings bei meinen zwei Beispielen (P. pallidula und O. chelifer), die einer monogynen Kolonieform entsprechen, nicht relevant, entscheiden doch nach dem Legen der Eier die Arbeiterinnen die Zukunft der Brut. Bei dem Beispiel der N. apicalis ist denkbar, dass eine der unbegatteten Jungköniginnen unbefruchtete Eier (haploid) gelegt hat und es somit zur Aufzucht von vielen Männchen gekommen ist.



      Mir wurde also geraten, dass ich die angebotene Futtermenge reduzieren soll, um wieder zu einer vermehrten Produktion von Arbeiterinnen zu kommen. Ich empfand mein Füttern zwar der Koloniegröße entsprechend angebracht, dennoch mussten ja alle diese Jungköniginnen mit dem vorhandenen Futter aufgezogen worden sein und dies legt die Überlegung schon nahe, dass das eventuell einfach in der Fütterung zu üppig war. Gesagt, getan, habe ich die Futtermenge ab August reduziert, nur mit dem Ergebnis, dass die Produktion der Jungköniginnen anscheinend zwar ausläuft, aber es werden seit dem auch immer wieder Larven entsorgt, was zuvor nie geschah. Vielleicht entsorgen sie Larven, die bereits die Entwicklung von Jungköniginnen eingeschlagen haben. Dafür kenne ich mich mit Larven noch zu wenig aus, um dies einordnen zu können. Ich empfinde dies auch alles nicht als Problem, weiß ich zum einen, dass die Tiere aus einer guten Quelle kommen, also von einem seriösen Sammler gesammelt wurden und zum anderen nimmt die Kolonie trotz alledem auch an Arbeiterinnen zu. Dies zeigt sie auch in ihrem Verhalten. Zuerst waren sie nur sehr selten einmal tagsüber zu sehen und waren primär nachtaktiv. Nun kann ich auch tagsüber Arbeiterinnen beim Jagen zusehen. Wünschenswert wäre, dass die Kolonie das Produzieren von Geschlechtstieren reduziert und mehr Energie in die Aufzucht von Arbeiterinnen steckt. Aber immerhin, die Anzahl Hunderteins ist schon ein ganz schönes Stück! Damit hatte ich nicht gerechnet.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Potpourri-Thread bitte hier im Diskussionsthread äußern: Haltung von Exoten

      Gruß, Olaf
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    • Pachycondyla impressa



      Moin!

      Spannend finde ich immer wieder das Umsetzen von Ameisen. Manchmal ist es recht schnell gemacht, wie z.B. bei einer kleinen Kolonie mit geringer Volksstärke, manchmal braucht ein Umsetzen einer größeren und wuseligen Kolonie, z.B. von Knoten- oder Schuppenameisen, auch einen Tag (+) lang, wenn man den Rhythmus der Ameisen beim Umzug mitberücksichtigt und zulässt. Ein Nachteil meiner „natürlichen“ Haltung ist, dass ich häufig keine Nesteinsicht habe. Ein Umsetzen ermöglicht es mir bei boden- bzw. erdbewohnenden Ameisenarten genau herauszufinden, wie es zahlenmäßig aussieht, ob und in welchem Maß Brut aufgezogen wird, ob Geschlechtstiere im Nest vorhanden sind etc. Häufig ist es ein belohnendes Unternehmen, manchmal aber auch eine herbe Enttäuschung, wenn eine Kolonie sich nicht so toll entwickelt hat oder sogar gänzlich abgestürzt ist. Sicherlich hat man zuvor eine gewisse Vorstellung, was einen erwarten wird, aber manchmal wird man auch ungemein freudig überrascht. Bei meiner Pachycondyla impressa Kolonie lag jetzt ein Umsetzen dringend an, denn es war seit einigen wenigen Monaten offensichtlich, dass die Kolonie groß geworden war und mehr Platz benötigte. Für ein Umsetzten sprach ebenfalls, dass die Tiere nun seit mehr als einem Jahr in dieser begrenzten Menge Erde lebten. Eine Erneuerung des Bodengrunds war da notwendig geworden.


      Hier ist die Pachycondyla impressa Königin mit einer frisch geschlüpften Arbeiterin zu sehen.

      Ein weiteres Bild der Königin mit der frisch geschlüpften Arbeiterin.

      Der Farbunterschied ist schon immens zwischen einer recht frisch geschlüpften Arbeiterin und einer älteren Arbeiterin.


      Erhalten hatte ich die Kolonie im Dezember 2017 mit einer Gyne und sechs Arbeiterinnen. Gesammelt worden war die Kolonie wenige Wochen zuvor in Panama im Hochlandregenwald (auf einer Höhe von ca. 850m). Die Sammelstelle lag an einem steinigen und äußerst steilen Weg, wo die Kolonie unter einem Stein nistend gefunden wurde. Vermutlich war die Jungkolonie nicht älter als sechs Monate. Die Kolonie gründete in einem einfachem Nest zwischen kleineren Steinen in sandig-feuchtem Boden. Es handelt sich also bei meiner Kolonie um eine kleine Bergform der Pachycondyla impressa. Die Art wird im Tiefland deutlich größer. Ich finde die Bergformen als kleineren Varianten durchaus interessant und ziehe sie zum Teil sogar vor. Die Größe der Tiere ist für mich bei weitem nicht so ausschlaggebend und für die Hobbyhaltung bieten sie sich an, wenn man nur begrenzten Raum für die Haltung zur Verfügung hat.


      Hier sieht man eine Jungkönigin, die eine Größe von ca. 15mm hat. [Anmerkung: Sie befand sich nur kurzzeitig für den Zweck des Fotografierens in diesem Plastikbehältnis, welches keine adäquate Unterbringung für diese Art darstellt!]


      Nach einem anfänglichen Aufenthalt in einer Plastikbox, wurde die Kolonie, die in ihrer Arbeiterinnenanzahl auf über zwanzig angewachsen war, in einem 30x20x20cm Terrarium untergebracht, mit Bodengrund und Bepflanzung. Eingebuddelt hatte sich die Kolonie recht schnell und sie wuchs und wuchs, und dementsprechend nahm auch der Proteinbedarf zu. Nach dem Sprühen konnte ich die Tiere von den Blättern Wasser trinken sehen, aber ich stellte auch immer frisches Wasser und Invertzuckerlösung zur Verfügung. Hin und wieder bekamen sie ein frisches Stück Apfel.


      Eine P. impressa Arbeiterin beim Trinken von Wasser.



      Grundsätzlich handelt es sich bei den P. impressa Arbeiterinnen um mutige Tiere, die nicht schnell fliehen, sondern im Gegenteil, erst einmal hart attackieren, und dies kann man bereits mit den ersten Arbeiterinnen beobachten, also bereits bei einer geringen Koloniegröße. Zu halten ist die Art nach einer erfolgreichen Gründung recht leicht, deshalb kann ich sie auch für Einsteiger in die Haltung von exotischen Ameisen sehr empfehlen. Die Koloniegründung selber ist heikel und deshalb würde ich Anfängern von dem Erwerb von Jungköniginnen eher abraten. Hat man aber erst einmal eine kleine Kolonie, so bereiten sie dem Halter schnell Freude. Die Art ist ungemein aktiv und stetig sind Arbeiterinnen am Fouragieren in der Arena. Lebendfutter (verschiedene Schaben und Grillen) wurde bei mir die meiste Zeit über gut angenommen.

      Die Kolonie hat sich in ihrem Verhalten über die Entwicklungszeit häufiger mal verändert. So hatte ich auch zwei Phasen, in denen die Kolonie nur schlecht Futter annahm und an ihre Brut gingen und sie die fast fertigen Puppen aus ihren Kokons zogen, um diese zu fressen. Diese Phasen dauerten nicht sehr lange an, zwischen zwei bis drei Wochen, und dann normalisierte sich die Futteraufnahme wieder und Brut wurde seit dem Erhalt stetig aufgezogen, da machten offensichtlich auch diese Phasen der Kolonieentwicklung nichts aus. Am Anfang 2019 kam es zu einer Phase offener Aggression unter den Arbeiterinnen. In Retrospektive würde ich schätzen, dass da die Kolonie ungefähr halb so groß war wie heute. Es kam zu heftigen Kämpfen mit einzelnen Arbeiterinnen, die häufig von mehreren Arbeiterinnen verfolgt wurden. Dann bissen und stachen sie die Verfolgte und manchmal wurde sie körperlich bis zum Tod gestreckt. Betrachtet man aber diese verschiedenen Phasen des Brutfressens bzw. des Auslebens von Aggressionen als wenige und zeitlich begrenzte Ausnahmesituationen, dann hat sich die Kolonie grundsätzlich stetig und gütlich entwickelt.


      Wahnsinn! Ich zähle 12 Eier.


      Nun habe ich vor einer Woche die Kolonie in eine deutlich größere Unterbringung überführt und konnte dann die Koloniegröße genau bestimmen. Ich hatte auf eine Koloniestärke von hundertfünfzig Tieren gehofft. Zu meiner Freude waren es zweihundertfünfundfünfzig Arbeiterinnen, zehn Männchen und eine Gynomorphe. Das hatte ich nicht erwartet. Nun leben sie in ihrem neuen Zuhause und haben sich bereits fleißig an die Arbeit gemacht und sich ein Nest im Erdreich ausgehoben. Was noch fehlt sind ein paar Steine, die ich in die Arena einbringen möchte, um den Fundort der Kolonie noch genauer nachzuvollziehen, wirklich notwendig ist dies sicherlich nicht. Das gesamte Setup werde ich in einem Regal in meinem Ameisenzimmer unterbringen. In dem Zimmer herrschen tagsüber mindestens 22-24 °C, deshalb ist keine zusätzliche Beheizung notwendig.


      Dies ist die gesamte P. impressa Kolonie nach dem Ausgraben.

      Hier sieht man einen Teil der Kolonie in einer Nahaufnahme.

      Das neue Setup (November 2019): Die Arena wurde ca. 14 Tage vor dem Umsetzen gestaltet. Die Pflanzen hatten ein wenig Zeit zum Verwurzeln.

      Das neue Setup wurde am 10.11.2019 bezogen. Invertzuckerlösung, Wasser und Schaben wurden ihr noch frisch hinzugegeben.

      Das neue Setup am 21.11.2019: Keine zwei Wochen lebt die Kolonie nun in dem Setup und sie hat sich bereits erfolgreich ein Nest ausgehoben.

      Nun hat die Kolonie erst einmal mehr Platz und kann es sich in diesem Setup weiterhin gemütlich machen. Mit einem weiteren Anstieg in der Anzahl der Tiere rechne ich nicht.

      Anmerkungen, Überlegungen und auch Kritik zum Potpourri-Thread bitte hier im Diskussionsthread äußern: Haltung von Exoten

      Gruß, Olaf
      „It's a white whale, I say,“ resumed Ahab, as he threw down the top-maul; „a white whale. Skin your eyes for him, men; look sharp for white water; if ye see but a bubble, sing out!“ Moby Dick, Herman Melville