Lasius fuliginosus

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    • marcel91 wrote:

      Ich vermute folgendes passiert in der Natur bei erfolgreich gegründeten Lasius fuliginosus Kolonien und ich testete das in der Haltung aus: Eine Lasius fuliginosus Königin findet ein Lasius platythorax (schwarze Wald-Lasius, welche im Totholz leben und oft falsch als Lasius niger bestimmt werden) die um die tausend Arbeiterinnen groß ist und fängt an Eier zu legen. Aus den Eiern entsteht haufenweise Brut, da es sich schon um eine viel größere Kolonie handelt kommen die Arbeiterinnen beim Brut töten nicht hinterher und können das Massenschlüpfen nicht verhindern, da die Brutmenge so riesig ist, dass schon bald die Kolonie mit haufen Lasius fuliginosus Arbeiterinnen unterwandert ist. Irgendwann ist der Geruch so stark, dass die Lasius platythorax freiwillig das Nest verlassen und sterben.
      Moin, du bringst da die Wirtsarten etwas durcheinander. Lasius platythorax ist zwar eine Wirtsart für Lasius umbratus, aber nicht für den Hyperparasiten Lasius fuliginosus, der bei Chthonolasius gründet. Auch wenn unter künstlichen Bedingungen die Gründung auch mit anderen Arten, etwa mit Lasius niger, funktionieren kann wie einige Berichte der vergangenen Jahren und deiner ja auch zeigen, gibt es keinen einzigen Nachweis für natürlich entstandene Mischkolonien mit diesen Arten im Freiland.

      Woher hast du die Zahl von 1000 Arbeiterinnen starken Wirtskolonien entnommen? Es ist zumindest naheliegend und deckt sich mit bisherigen Beobachtungen, dass bevorzugt deutlich größere Kolonien von Chthonolasius umbratus als Wirt genutzt werden.

      Auch ein Vertreiben bzw. ein freiwilliges Verlassen des Nestes der Wirtsarbeiterinnen wäre mir neu, die L. umbratus Arbeiterinnen laufen lange noch auf den Straßen von Lasius fuliginosus mit, selbst wenn die Kolonie bereits sehr groß ist. Bei einem Nest in der Nähe des Hauses meiner Eltern konnte ich noch über zwei Jahre hinweg Chthonolasius Arbeiterinnen auf den Straßen einer schnellwachsenden L. fuliginosus Kolonie beobachten.

      Verstehe mich nicht falsch, ich freue mich sehr über einen weiteren Bericht zu dieser interessanten Art und für die längerfristige Haltung ist es natürlich irrelevant, ob die Gründung auf natürliche Weise oder mit einigen Tricks erfolgt ist - Hauptsache es klappt. Aber trotzdem wäre es schön, wenn man in den Foren nicht immer Kreis läuft und Fehlinformationen immer wieder aufs Neue verbreitet werden. Ich wäre dir deshalb dankbar, wenn du die entsprechende Passage umändern würdest.

      Die Idee mit dem transparenten Eimer ist nicht schlecht, Platz haben sie da auf jeden Fall erstmal genug.

      Viele Grüße, Phillip
      "Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen." (Jean Anouilh)
    • Einiges erscheint mir auch erstaunlich. Z.B., dass die Arbeiterin der hier verwendeten Hilfsameisen mit dem Töten der Brut nicht hinterher kamen. So etwas habe ich noch nie bei Koloniegründungen von fuliginosus beobachtet, Marcel. Sicher gibt es Brut, die die Entwicklung nicht schafft, das kann aber in jeder Ameisenkolonie geschehen, bzw. vorkommen.
      Lasius fuliginosus gründet unter normalen Umständen im Freiland niemals bei niger oder platythorax oder irgend einer anderen beliebigen Lasius-Art. Ausschließlich und allein bei einigen Arten der Untergattung Chthonolasius. Phillip hat darauf hingewiesen und es ist wichtig, diesen Umstand nicht aus dem Auge zu verlieren. Auch wenn man unter Hatungsbedingungen mit etwas Zwang und einigen Tricks andere Arten verwenden kann und manchmal muss (Kolonien der Chthonolasius für Arbeiterinnenentnahmen sind ja nicht ganz leicht zu finden), sollte man das immer für fuiginosus angeben, damit es nicht zu Fehldeutungen kommt.
      Wenn dann die Koloniegründung mit einer anderen Art schwierig ist und nicht vollends gelingt, lässt das absolut keinen Rückschluss auf die Erfolgsquote der Koloniegründung von fuliginosus zu oder auf deren Vorgehen im Freiland oder deren bevorzugte Größe der Wirtsameisenkolonie für die Koloniegründung zu. All das gibt es nämlich nicht im Freiland, denn fuliginosus gründet nun einmal bei Chthnolasius. Und jede Kolonie von Chthonolasius erhält in jedem Sommer "Besuch" solcher fuliginosus-Königinnen. Jede.

      Zitat: "Also die beste Methode war doch mein Gedanke den ich schon lange hatte: eine riesige Menge Brut auf einer kleineren Menge Lasius niger. Ist ja natürlich auch unlogisch warum eine Lasius fuliginosus in der Natur bei einer nur 50-100 Arbeiterinnen großen Kolonie sozial-parasitisch gründen würde."
      Hier habe ich den Zusammenhang nicht verstanden...

      Dendrolasius-Königinnen dringen in alle Chthonolasius-Kolonien ein nach ihrem Hochzeitsflug. Die Art ist an diese gut angepasst, hier können die Königinnen gewaltlos eindringen und werden anfangs für einige Stunden von den Arbeiterinnen der Chthonolasius nicht beachtet oder nicht einmal erkannt. Sie verstehen es, sich zu tarnen. Das funktioniert allerdings nur bei den Chthonolasius. Dendrolasius ist an die Koloniegründung bei Chthonolasius angepasst, nur hier versuchen die Jungköniginnen der Dendrolasius in Nester einzudringen. Ihre Tarnung funktioniert nur hier und die Königinnen werden immer nach den Nesteingängen eben dieser Arten suchen und niemals in Nesteingänge anderer Lasius-Arten freiwillig eindringen. Wenn Adoptionen bei anderen Arten in der Haltung gelingen, hat das eben wenig mit dem zu tun, was in der Natur geschieht.

      Solche kleinen Lasius-Kolonien mit 50 bis 100 Arbeiterinnen gibt es im Freiland nur für kurze Zeit, wenige Wochen nach den Koloniegründungen dieser claustral gründenden Arten. Sehr schnell werden erfolgreich gegründete Kolonien größer. Kolonien aller Lasius-Arten sind in der Regel sehr viel größer als 100 oder 1000 Individuen.
    • Hallo,

      also bei uns gibt es komischerweise hier in Böblingen keine Lasius umbratus im Wald, hatte sehr viel umgegraben und immer wieder mal nach Hügel gesucht und das über viele Jahre an verschiedenen Orten regional. Ich fand nur bisher 4 Lasius im Wald trotz extrem intensiven suchen. Die gefundenen Arten waren: Lasius brunneus, Lasius niger, Lasius platythorax, Lasius fuliginosus. Ich habe keine Ahnung wer genau bisher Lasius fuliginosus in der Natur untersucht hat nur wundert es mich brutal wie es hunderte von meter weit von Lasius fuliginosus keine gelben Lasius gibt. Es gibt für mich nur 3 örtliche Erklärungen: 1. Es gibt Lasius umbratus nur sind diese nicht gelb wie Lasius flavus und es gibt mehrere Farbvarianten bei denen mit einer die gefärbt ist wie niger. 2. Es gibt welche doch diese befinden sich tief auf Wiesen die 20 Minuten zu Fuß von den Orten an denen sich Lasius fuliginosus niederlassen befinden und nach dem Gründen in der Wiese (nicht Totholz oder Walderde (Ich habe wie ein irrer schon rumgegrabgen, Steine umgedreht, Holz umgedreht, Hügel gesucht)) befinden. Bei uns gibt es andere gelbe Lasius nur auf Wiesen und Parks die nicht direkt am Waldrand sind und diese unterscheiden sich von den flavus hauptsächlich an minimalen Farb- und Größenunterschieden. Deswegen ist mir das bei den örtlichen Lasius fuliginosus, habe mehr als 7 Kolonien hier ein mega großes Rätsel wie diese zustanden kamen. 3. Es sind Zweigkolonien von denen nur 1-2 es mal geschafft haben, weil es eine vereinzelte Lasius umbratus Kolonie mal im Wald und nicht an einer Wiese gab, die erfolgreich eine oder mehrere Königinnen akzeptiert hatten und diese einfach dann eine mega große weite Straße gebildet haben um woanders neue Spaltkolonien zu gründen. Was mich sehr wundert ist auch, dass die Lasius fuliginosus Nester bei uns meistens bei abgesägten Baumstümpfen gründen die normal größtenteils von Lasius platythorax bewohnt werden.

      Zu dem essen und töten der Brut, dass haben meine Lasius niger Arbeiterinnen letztes Jahr tatsächlich gemacht und ich sah ständig wie Puppen aufgebrochen und Arbeiterinnenpuppen die schon grau gefärbt waren, geköpft und halbiert wurden, dann entsorgt. Deshalb gab es so wenige Arbeiterinnen beim letzten Versuch, wirkte so als würden die Lasius niger Arbeiterinnen erkennen, das dies fremde Arbeiterinnen sind.

      Vielleicht sind ja Lasius fuliginosus anpassungsfähig beim nicht Vorhandensein der idealen Wirtsart.
    • Hallo Marcel. Chthonolasius finden sich bei uns eigentlich überall. Jedoch sind die Nester und Wege der Kolonien nicht leicht zu finden, da sie unterirdisch angelegt sind und sich die Lebensweise der Kolonie bis auf eine kurze Zeit während des Schwärmens ausschließlich unterirdisch abspielt. Die Arten der Untergattung sind jedoch hier in Mitteleuropa überall präsent. Dabei besiedeln die Arten unterschiedliche Lebensräume, nicht alle sind auf Waldhabitate und Baumbewuchs angewiesen.
      Lasius umbratus zB. siedelt oft in teilmorschen, lebenden Bäumen, meist Eichen. Ich fand Kolonien manchmal im feuchten, erdigen Substrat im Inneren des Baumes. Aber andere Arten bauen ihre Nester auch einfach im Boden. Dabei werden ja die Nester bzw. Standorte der parasitierten Arten, niger oder alienus o.a., übernommen. Es gibt dabei keine auffälligen Hügel wie bei den ebenfalls gelben Cautolasius-Arten wie L. flavus oder zB. bei Lasius niger und anderen Lasius-Arten. Manchmal gibt es Andeutungen eines Hügels. In den sandigen Böden Brandenburgs fand ich manchmal Nester mit flachen, fast vegetationsfreien Hügeln, ebenso fand ich solche Nester in der Nähe des Balaton in Ungarn. Grub man da, fand man eine großes, scheinbar rundes Nest im Erdreich, unter dieser Stelle. Mit zigtausenden Arbeiterinnen.
      Um die Untergattung nachzuweisen, genügt es völlig, die typischen Jungkönignnen der Arten zu finden. Dort, wo man diese findet, sind in jedem Fall Kolonien anwesend.

      Mit etwas Übung kann man die Chthonolasius-Arbeiterinnen im Feld von den Arbeiterinnen der ja auf dem ersten Blick durchaus ähnlich aussehenden Cautolasius unterscheiden. Die Arbeiterinnen von Lasius flavus sind selten reingelb, haben manchmal etwas dunklere Köpfe und es gibt bei großen Kolonien deutliche Größenunterschiede zwischen den Arbeiterinnen einer Kolonie. Bei Chthonolasius erschienen mir die Arbeiterinnen immer eher monomorph, alle Tiere einer Kolonien (Arbeiterinnen!) waren eher reingelb. Je nach Art etwas kräftiger gefärbt oder eher hellgelb wie Lasius citrinus.
      Das ist nur ein laienhafter Versuch, dir die Unterschiede nahe zu bringen.
      Durchweg sind die Arbeiterinnen der Chthonolasius etwas größer als die von flavus, jedenfalls bei etablierten Kolonien mit gesicherten Ressourcen. Der Nestbau ist ein anderer, eben kein so auffallender Hügelbau auf feuchten Wiesen, sondern eher ein Kartonnestbau, ähnlich wie bei fuliginosus, jedoch mit keineswegs so festen, beständigen und stabilen Nestwandungen. Manchmal wird für den Nestbau Holzmehl verwandt, manchmal eher erdige Partikel. Das kommt auf die Art und den Neststandort an.
      Und, die Arbeiterinnen aller europäischen Chthonolasius-Arten sind meines Wissens gelb bis orange gefärbt. Es sind eben unterirdische lebende Ameisen mit geringer Pigmentierung.

      LG, Frank.
    • Hallo Marcel. Hier mal ein Bild eines geöffneten Erdnestes einer Chthonolasius-Kolonie, die ich im vorigem Jahr in Ungarn fand. Ohne Übung sind diese Ameisen schwer von den Cautolasius zu unterscheiden, wie man sieht. Es gibt aber ein paar Hinweise, die eine Bestimmung möglich machen. Hier waren es die bereits geschlüpften Jungköniginnen, die eine Bestimmung wenigstens bis zur Untergattung Chthonolasius auf Anhieb ermöglichten.



      LG, Frank.
    • Hey Olaf, danke für die Bilder der Lasius flavus.
      Vielleicht sieht man auf diesen Bildern, verglichen mit dem Bild darüber von den Chthonolasius, was ich meine. Die flavus sind fast immer etwas "schmutziggelb", etwas bräunlich getönt, manchmal nur teilweise, manche Tiere, meist die größeren, sind relativ dunkel gefärbt, es gibt aber durchaus auch reingelb erscheinende Arbeiterinnen in den Kolonien.

      Diese deutlichen Unterschiede in der Färbung innerhalb einer Kolonie findet man bei den Chthonolasius-Arten nach meiner Erfahrung eigentlich nicht.
      Natürlich genügen solche Merkmale nicht, um eine sichere Bestimmung der Arten hin zu bekommen. Aber gemeinsam mit Merkmalen wie Nestbau, Standort und Verhalten kann man zumindest bis zur Untergattung, Cautolasius oder Chthonolasius, bestimmen. Sicherheit hat man dann, wenn man das Glück hat, Geschlechtstiere, junge Königinnen im Nest zu finden.

      LG, Frank.
    • Danke Frank und Olaf,

      ja man sieht das gut auf den Fotos, die Chthonolasius sind viel heller und stärker gelb gefärbt. Hmmm es wäre durchaus möglich, dass Lasius umbratus bei uns doch im Wald vorkommt, wenn sie tatsächlich direkt unter Bäumen und in Büschen ohne oder nur minimalen Hügelanteil nisten. Das sind die einzigen Orte an denen ich noch nie im Leben gegraben habe. Weil 1. ich will es vermeiden Bäume zu zerstören aus Respekt gegenüber der Natur, deshalb habe ich noch nicht direkt an Bäumen gegraben. 2. Die Büsche ermöglichen mir kaum nahe an sie zu kommen und dort zu graben, ich verletze mich eher. Ich vermute einfach das die Chthonolasius bei uns im Wald nur mäßig verstreut vorkommen und nicht so eine Dichte haben wie Lasius platythorax, Lasius niger und Lasius brunneus. Ich muss auch sagen, dass ich bisher nur 10 Lasius fuliginosus Nester bei mir in der Gegend fand. 2 im Park und 8 im Wald, dafür sind diese aber immer mega riesig. Wenn ich aber meine Stadt verlasse und bei Dörfern im Wald z.B. schaue und einem besonderen Bereich den ich jetzt die Tage mal auch befahren und untersuchen werde sollte ich auf mehr Kolonien treffen, da dies ein großer Bereich ist den ich mal nur leicht belaufen habe, da er über 1 Stunde zu Fuß (25 Minuten mit dem Fahrrad) von mir entfernt ist. Hier gibt es aber auch einen höheren Grass Anteil im Wald und eventuell treffe ich hier auf Chthonolasius Kolonien.

      Gruß,

      Marcel