Sozialparasitismus bei Hornissen.

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    • Sozialparasitismus bei Hornissen.

      Temporärer Sozialparasitismus bei Hornissen.

      Hier mal ein Link zu einen für Hornissen wohl einzigartigen Phänomen.
      Ähnliches gibt es ja bei zwar anderen sozialen Faltenwespen auch, manche Polistes, Vespula und Dolichovespula werden von Sozialparasiten in ähnlicher Weise heimgesucht, aber für die Hornissen ist derartiges gemeinhin wenig bekannt (Dies sind aber meines Wissens immer obligatorische, sogar arbeiterinnenlose Sozialparasiten, diese Hornisse ist aber auch fähig, selbstständig zu gründen, also ein fakultativer temp. Sozialparasit.).

      hornissenschutz.de/vespa-dybowskii.htm

      Ich hatte in früherer Zeit mal von dieser Hornisse und ihren Eigenheiten in einer wissenschaftl. Radiosendung gehört, dann aber keine Infos mehr gefunden. Auf der genannten Seite gibt es jedoch diese Informationen neben vielen weiteren zu den verschiedensten Hornissenarten.
      Der Sozialparasitismus der Vespa dybowskii unterscheidet sich jedoch grundlegend in einigen Punkten von dem der Kukuckswespen, die bei Polistes schmarotzen (Sulcopolistes), wie auch von den der Kukuckswespen, die bei Vespula und Dolichovespula schmarotzen (Vespula austriaca, Dolichovespula adulterina und Dolichovespula omissa). Auf die Unterschiede will ich noch in aller Kürze hinweisen, weil ich auch ihren Sozialparasitismus erwähnt hatte. Die sogenannten Kukuckswespen sind arbeiterinnenlos, die von den jungen Weibchen dieser Arten übernommenen Wirtswespenkolonien ziehen keine Arbeiterinnen der sozialparasitischen Art auf, sondern ausschliesslich Geschlechtstiere.
      Während also die Hornissenkolonien nicht aussterben, weil der Sozialparasit eine Arbeiterinnenkaste hat, die die "Geschäfte" weiterführt, gehen die Nester der anderen genannten Faltenwespen wenige Wochen nach der Übernahme durch den Sozialparasiten zugrunde. Die vorhandenen und noch schlüpfenden Arbeiterinnen ziehen einige Geschlechtstiere des Sozialparasiten auf und sterben auf natürliche Weise nach einiger Zeit. Der fehlende Nachschub junger Arbeiterinnen lässt die Kolonie bald zugrunde gehen.

      Der Sozialparasitismus der Vespa dybowski ist nicht zwingend und obligatorisch, diese Hornisse kann auch selbstständig gründen. Wahrscheinlich ist ihr Sozialparasitismus entwicklungsgeschichtlich noch sehr jung.
      Die o.e. Kukuckswespen sind dazu nicht (oder nicht mehr ?) in der Lage. Sie sind völlig abhängig von ihren Wirtswespenarten.

      LG, Frank.
    • Manchmal kommen ja Fragen auf, warum der Sozialparasitismus bei den sozialen Wespen und Bienen nicht die gleiche Ausprägung fand wie bei den Ameisen. Warum es zB. keine dulotischen Beziehungen zwischen Arten gibt.
      Man sollte bedenken, dass die Wespen und Bienen in völlig anderen Nestern leben als die meisten Ameisen. Ihre Nester sind immer relativ feste, stationäre und manchmal durchkonstruierte Behausungen, mit viel Mühe und Aufwand errichtet, die Brut wird in Waben, hier in Zellen aufgezogen und ist daher nicht so "transportfähig" wie die Larven und Puppen der Ameisen.
      Hinzu kommt, dass diese Nester, die ja mit einigen Aufwand erbaut werden, nur für einen Sommer als Behausung dienen, zumindest bei den Arten der gemäßigten Zone, und schon daher nicht ohne weiteres aufgegeben werden können. Doch gibt es hier durchaus Ausnahmen, einige Hornissenarten sind in der Lage, mit der Kolonie umzuziehen und neue Nester an neuen Standorten anzulegen im Verlauf der Saison.

      Brutraub und Dulosis ist daher kaum möglich. Wohl aber die Okkupation und Übernahme bestehender Nester wie im o.g. Beispiel inklusive der daraus folgenden Übernahme der der Arbeiterinnen, die aus der Brut des okkupierten Nestes hervorgehen.
      Okkupationen werden bei den Wespen und Bienen nicht nur von spezialisierten, sozialparasitischen Arten unternommen und dies dann nicht nur bei den bevorzugten Wirtsarten, sie kommen auch innerartlich (und eben zwischenartlich) bei vielen Arten vor. Unsere europäische Hornisse (Vespa crabro) zeigt dieses Verhalten, junge Königinnen versuchen manchmal, Anfangsnester und junge Völker der gleichen Art zu übernehmen. Das schließt dann die Tötung der rechtmäßigen Gründerin ein, ein sehr risikoreiches Unterfangen. Bei diesen Versuchen sterben alljährlich viele Hornissenköniginnen und auch nestverteidigende Arbeiterinnen der ersten Generationen. Junge Völker werden in den ersten Sommermonaten oft von Königinnen aufgesucht, die vielleicht ihr Nest verloren haben oder gar keinen eigenen Gründungsversuch unternommen haben.
      Okkupationen habe ich ebenfalls bei Hummeln beobachtet und sie sind hier auch nicht selten oder neu. ZB. Erdhummeln besetzen oft junge Nester der gleichen Art oder anderer Arten wie der Wiesenhummel oder der Waldhummel und töten dann die Gründerin oder werden selbst beim Versuch getötet.
      Es kann sein, dass man unter den jungen Nestern von Faltenwespen und in jungen Hummelkolonien mehrere getötete Weibchen findet. Dies sind Opfer der Kämpfe um die Nestübernahmen.

      LG, Frank.