*Cataglyphis, beobachten und halten.

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    • *Cataglyphis, beobachten und halten.

      Cataglyphis, Beobachtungen und Haltungserfahrungen.
      Ein Bericht vom 03.07.2005

      Von allen Ameisenarten, die ich bisher beobachtete und in Gefangenschaft hielt, beeindruckten mich die Ameisenarten der Gattung Cataglyphis am meisten. Für mich sind dies die in mancherlei Hinsicht höchstentwickelten Ameisen überhaupt. Jeder Ameisenfreund, der einmal die Vertreter dieser Gattung in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet hat, hat ganz sicher den Wunsch, diese Tiere über einen längeren Zeitraum beobachten zu können.
      Für mich als Bürger der damaligen DDR eröffneten sich erst mit politischen Wende die Möglichkeiten, diese und andere faszinierende Ameisenarten mit subtropischer Verbreitung in ihren Verbreitungsgebieten zu beobachten und auch zu sammeln.
      Meine ersten Begegnungen mit Ameisen der Gattung Cataglyphis hatte ich in Spanien, nördlich von Barcelona, in der Nähe von Figueres mit C. cursor. Später beobachtet ich im Süden Spaniens, bei Alicante eine weitere, kleinere Art, die ich jedoch nicht bestimmen konnte. An der Algarve in den dort typischen Korkeichenwäldern fand ich eine weitere, sehr große Art der Gattung, die ich ebenfalls nicht bestimmen konnte.
      Mitte der neunziger Jahre fand ich im Süden Ungarns, bei Szegedin C. aenescens. Das Vorkommen einer Cataglyphis -Art hatte ich bis dahin für die gemäßigten Breiten Mitteleuropas nicht für möglich gehalten.
      In Tunesien, auf Djerba und in der Nähe der Stadt Monastir konnte ich insgesamt fünf Arten beobachten, von denen ich mit einigermaßener Sicherheit nur zwei Arten bestimmen konnte. Auf Djerba fand ich drei Arten, unter ihnen C. bombycinus und C. savignyi. Bei Monastir beobachtete ich ebenfalls drei Arten, zwei von ihnen waren für mich unbestimmbar, die dritte, hier wie auf Djerba dominierende Art war wahrscheinlich C. savignyi.
      Es ist leider ein Problem, daß es keine gute, leicht handhabbare Bestimmungsliteratur (etwa in einer moderneren Form des STITZ) schon nicht einmal für die Ameisenfauna des Mittelmeerraumes gibt. Vielmehr werden wir Laienforscher ständig über die Risiken unseres Tuns belehrt und angemahnt, unsere Neugier auf die vergleichsweise gut erforschte heimische Fauna zu beschränken, in der es freilich auch noch viel zu entdecken gibt. Auch hier gilt es noch so manchen Irtum auszuräumen.
      In Spanien und Tunesien beobachtete ich Ameisen der Gattung Cataglyphis über einige Zeit im Freiland. Erstaunlich und immer wieder ungeheuer beeindruckend war für mich die enorme Wachheit und Wendigkeit der Cataglyphis, ihre durch Vorsicht nur mühsam unterdrückte Neugier und ihr dadurch entstehendes gewaltiges Potential, verschiedenste und selbst neue, ungewöhnliche Nahrungsquellen schnell und effektiv auszubeuten. Ich hatte oft den Eindruck, ein intelligentes Wesen zu beobachten und fühlte mich so manches Mal selbst beobachtet und überwacht. Von anderen Ameisenarten ist man es gewohnt, das sie einen entweder angreifen oder sich verstecken, wenn man ihnen zu nahe kommt, Cataglyphis-Arbeiterinnen entzogen sich meinen Zugriff oft durch schnelle, geschickte Flucht, versteckten sich dann jedoch oft nicht, sondern suchten einen erhöhten Aussichtspunkt, um von hier meine weiteren Aktivitäten zu überwachen.
      Die Ameisen dieser Gattung sind durchweg Bodenbewohner und Oberflächenjäger. Sie sind schlechte Kletterer und nur selten auf Pflanzen anzutreffen. Bei der bodennahen Vegetation fungieren sie jedoch als Bestäuber, indem sie die Blüten niedrigwachsender Pflanzen aufsuchen, um Nektar zu sammeln. Es war für mich erstaunlich, zu beobachten, wie die Ameisen unter größten Anstrengungen die Pflanzen erklommen, sich durch Rückfälle nicht entmutigen ließen. Offenbar war diese Nahrungsquelle für die Cataglyphis sehr lohnend.
      Öffnete ich ein Nest einer beliebigen Ameisenart in Tunesien, dauerte es oft nicht lange, bis die ersten Kundschafter von C. savignyi die strategische Lage prüften. Gerade die räuberischen C. savignyi versuchten jede Chance zu nutzen, Imagines oder Brut anderer Arten zu stehlen. Ständig wurde auch ich bei Pausen auf meinen Streifzügen von den Kundschaftern von C. savignyi observiert, auf eventuelle Verwertbarkeit hin überprüft. Vorsichtig und fluchtbereit näherten sich die Tiere, untersuchten, wenn ich sie gewähren ließ, meine Hände, zwickten schon mal probeweise hinein, anfangs nicht zu fest, später frecher werdend. Sicher treibt die Tiere auch ständiger Nahrungsmangel um und lässt sie ständig und überall nach Nahrung suchen, und doch ist es ein großer Vorteil für die Art gerade in nahrungsarmen Steppengebieten, wenn die Arbeiterinnen neugierig und flexibel ständig neue Nahrungsquellen erschließen.
      Der größte Vorteil der Cataglyphis gegenüber anderen Ameisenarten der Region ist wohl ihre Anpassung an hohe Temperaturen. Selbst bei größter Hitze mit Bodentemperaturen über fünfzig Grad fouragierten savignyi-Arbeiterinnen mit gelassener Selbstverständlichkeit auf dem Steppenboden, selbst auf dem Asphalt der Straßen. Andere Ameisen verließen bei diesen Temperaturen nicht mehr ihre Nester.
      Im Januar 2000 hatte ich das große Glück, eine Königin von C. savignyi fangen zu können. Sie saß unter einen von der Sonne erwärmten Stein, umgeben von den Arbeiterinnen ihrer Kolonie. Ich nahm die Königin mit etwa fünfzig Arbeiterinnen mit nach Hause.
      Zu Hause angekommen, war es das Erste und Wichtigste, ein möglichst großes Terrarium mit großen Freilaufmöglichkeiten und naturähnlichen, steppenhaften Auslauf anzufertigen und herzurichten. Ein großes Gipsnest mit mehreren Kammern diente als Behausung für die Kolonie. Für die großen Ameisen der C. savignyi, immerhin erreichen die großen Arbeiterinnen der Art eine Körperlänge von sechzehn Millimetern, war ein großes Terrarium unbedingt nötig, eine Haltung in irgendwelchen Ameisenfarmen und Schläuchen ist für die auslaufliebenden Cataglyphis ohnehin abzulehnen.
      Die Königin begann sofort mit der Eiablage, die Kolonie wuchs zusehends. Die Cataglyphis schienen in der Lage zu sein, das gesamte Eiweiß der Futterinsekten sehr schnell in neue Arbeiterinnen umzuwandeln. Als Eiweißfutter bot ich im Winter überwiegend die Larven von Bockkäfern an, diese findet man auch im Winter leicht unter Rinden absterbender Kiefern, solche Nahrung ist immer den industriell vermehrten Futterinsekten vorzuziehen. Hinzu kamen gelegentlich erbeutete Fliegen und andere Insekten. Über das Jahr wuchs die Kolonie auf etwa zweitausend Arbeiterinnen.
      Im Herbst des gleichen Jahres schlüpften erste Geschlechtstiere, leider in meiner Kolonie nur junge Königinnen. So hatten diese leider keine Aussicht auf Begattung, sie verschwanden nach einiger Zeit.
      Im Mai des darauffolgenden Jahres verstarb die alte Königin der Kolonie leider, sie war erkennbar schon ein altes Mädchen, als ich sie gefangen hatte, ihr fehlte bereits ein Fühler und einige Tarsen, trotzdem hatte ich gehofft, länger an ihr Freude haben zu können.
      Ich hielt die nun weisellose Kolonie noch einige Zeit, gab später die letzten Arbeiterinnen an Joachim zur Beobachtung ab.
      Im Februar diesen Jahres hatte ich wieder etwas Glück. Diesmal fing ich bei Monastir eine junge, koloniegründende Königin einer kleineren glänzendschwarzen Cataglyphis-Art mit rötlich-braunen Schimmer auf dem Kopf (möglicherw. C. nodus?). Ich entnahm einer etablierten Kolonie der gleichen Art einige Arbeiterinnen und nahm die Tiere mit nach Hause. Zu Hause fügte ich die Kolonie zusammen, was ohne Probleme gelang (wie ich Ameisen verschiedener Kolonien zu einer Kolonie zusammenfüge, habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich beschrieben). Fotografien dieser Cataglyphis und zu ihrer Haltung habe ich ins Forum gestellt.
      Seit dem Februar hat sich die Kolonie nur auf nun etwa zwanzig Tiere verstärkt. Diese Art ist allerdings auch in ihrer Heimat weniger auffällig und lebt in kleineren Kolonien als
      C. savignyi. Im Gegensatz zu C. savignyi legt die Königin dieser Art Eier in Schüben und legt dazwischen immer wieder längere Pausen ein. So entstehen immer nur wenig mehr Arbeiterinnen wie von den leider relativ kurzlebigen Cataglyphis-Arbeiterinnen wegsterben. Diese Art ist weniger dominant und weicht Kämpfen aus, so ist es möglich, sie im Terrarium mit einer Anfangskolonie von Formica glauca und einer jungen Kolonie von Camponotus ligniperda zusammen zu halten. Im gleichen Terrarium leben außerdem Kolonien von Leptothorax acervorum, Crematogaster sordidulus und Tetramorium caespitum. Alle diese Arten weichen bei geringen Koloniestärken Konkurrenzkämpfen aus und lassen sich bei ausreichender Fütterung und entsprechender Größe und Vielfalt des bewohnten Habitats ohne weiteres vergesellschaften. Oft treffen Arbeiterinnen verschiedener Arten an der Zuckertränke aufeinander, dies sorgt zwar mitunter für gewisse Irritationen, jedoch kommt es nie zu Feindseligkeiten oder gar zu Kämpfen. Meist weichen die Ameisen der verschiedenen Arten einander aus und nutzen die gegenüberliegenden Seiten der Tränke.

      LG, Frank.
    • Ameisen der Gattung halte ich immer wieder und in den verschiedenen Regionen des Mittelmeerraumes sind mir schon dutzende Arten der Cataglyphis begegnet. Einzigartige und hochspezialisierte wie die Cataglyphis bombycinus wie auch richtige Alleskönner, für mich relativ opportunisitsche, also anpassungsfähige und flexible Arten wie die Cataglyphis nodus in der Türkei.
      Jetzt fanden wir in Marokko eine Art, die in der Färbung und, bei flüchtigen Hinsehen im Habitus den vielen Arten der bicolor-Gruppe ähnelt.
      Allerdings verhalten sich die Ameisen im Freiland und auch jetzt in der Haltung doch anders. Obwohl sie aus trockenheißen, halbwüstenartigen Steppengebieten in der Gegend nördlich von Marrakesch stammen, fällt ihre Vorliebe auf, ständig und überall zu trinken. Ich sprühe fast täglich, ich bewässere das Terrarium satt und reichlich. Die Ameisen trinken dann und tragen das Wasser ins Nest zur Weitergabe an die Kolonieangehörigen. So kommt es, dass der Sand und das gesamte Substrat im Terrarium meist feucht ist, immer verfestigt und so grabbar. Trotzdem graben diese Cataglyphis nie außerhalb des Nestes, bisher. Jetzt habe ich mir sogar "getraut", den Ameisen weiter entgegenzukommen und habe die Umgebung des Nesteingangs mit Lehm bedeckt. Die Ameisen leben in Marokko in harten, tonigen Böden, sie bauen dort sehr spezielle, zentrale Nesteingänge, Fotos dazu habe ich im Forum eingestellt.
      Sie haben auch hier begonnen, einen solchen Nesteingang anzulegen, allerdings fehlt bisher weitgehend das geeignete Material. Diese Nesteingänge sind immer, zumindest im Freiland, senkrecht nach unten verlaufende, fest vermauerte Röhren. Sie sind auch unterirdisch fest ummantelt, bzw. mit wohl zum Zeitpunkt des Baus mit feuchten Lehm und Ton zusammengefügten Mantel versehen. Das Trocknen sorgt dann für eine immense Festigkeit und erstaunliche Stabilität, beim Öffnen der Nester hatten wir oft regelrecht Tonröhrchen, Bruchstücke der Eingangsröhre, in der Hand. Große Nester hatten kreisrunde Nesteingänge mit dem Durchmesser einer 1-Euro-Münze, kleinere Völker hatten entsprechend kleinere Eingänge, aber immer kreisrund und fast geglättet im Inneren. Für Cataglyphis ist das einzigartig, einzigartig genug, eine solche Kolonie mitzunehmen, fanden wir. Das war nicht ganz einfach, wir hatten nur einmal großes Glück und erwischten in einem von uns Tage zuvor präparierten Freilandnest die Königin.
      Die Art ähnelt, wie gesagt, bei flüchtigem Hinsehen den bicolor-Arten. Das war sicher auch der Grund, der dafür sorgte, dass mir die Tiere erst nach einigen Tagen auffielen. Nämlich erst dann, als wir das erste Nest sahen.
      Die Ameisen sind sehr kräftig, die Arbeiterkaste ist extrem polymorph. Das ist nichts besonderes bei Arten der Gattung. Die Arbeiterinnen, es sind im weiterem Umfeld nur mittelgroße und vor allem die großen Arbeiterinnen unterwegs auf Nahrungssuche, tragen im Lauf nie den Hinterleib steil angehoben oder angekippt. Es werden von diesen Arbeiterinnen weite Wege zurück gelegt, allerdings nicht im schnellem Lauf, sondern eher langsam und alles im Umfeld untersuchend.
      Kleine und winzige Arbeiterinnen halten sich außerhalb des Nestes nur in der Umgebung des Nesteingangs auf. Uns schien es so, als ob sie hier ständig den Zustand der Eingangsröhre untersuchten und die Nestumgebung nach Feinden absuchten. Möglicherweise sind diese kleinen Arbeiterinnen besser in der Lage, kleine Feinde wie andere Ameisen oder Spinnen zu bemerken und dann zu alarmieren.

      Soweit erstmal. Ich denke, ich werde hier über diese Art und über andere Arten der Gattung berichten.

      LG, Frank.
    • Merkwürdig und erstaunlich bei den Nesteingängen der Art sind für mich nicht nur diese etwas erhabenen Wälle, die manchmal, bei einigen Nestern fast an Eingangsröhren erinnern und eindeutig von den Ameisen angefertigt wurden. Interessant ist jedoch auch die Weite der Eingänge. Eigentlich untypisch für die meisten Arten der Gattung. Meist werden Nesteingänge versteckt oder relativ unauffällig angelegt. Große Kolonien der bicolor- oder fortis-Arten verschwenden wenig Mühe, ihre Eingänge zu verstecken, manchmal ist das ja auch gar nicht möglich (zB. in leeren, ebenen Salzlagunen), aber nie sind die Nesteingänge so groß und weiträumig. Mir zumindest ist das noch nicht begegnet.

      Hier nochmal eine Aufnahme aus dem Freiland in Marokko.



      In der Haltung gelingt es den Ameisen bisher nicht so gut, einen solchen Eingang anzulegen. Sie bemühen sich jedoch und wenn ich sprühe, wird mit dem nassen Lehm herumhantiert.



      Die Kolonie ist nicht klein und wächst jetzt stark. Auch sie legt bereits einen großen, weiten Eingang an, versucht nicht, den Nesteingang klein, unauffällig und damit so anzulegen, dass er gut zu verteidigen ist.
      Immer ist der Nesteingang von wachenden Arbeiterinnen jeder Größe umgeben.

      LG, Frank.
    • Zwar ähneln die Ameisen den Arten aus der bicolor-Gruppe. Trotzdem gibt es Unterschiede. Die Ameisen dieser Art heben nie den Hinterleib beim Laufen im Freien, das habe ich schon erwähnt. Völlig anders ist aber auch der Nestbau, vor allem der Nesteingang, auch das habe ich schon mehrfach erwähnt.
      Interessant und sehr angenehm ist die Tatsache, dass diese Ameisen bisher noch nie im Auslauf des Terrariums begonnen haben, zu graben. Es gibt nicht die kleinste Tendenz bei ihnen, irgendwelche Zweitnester anzulegen und irgendwo zu graben. Z.B. an einer warmen Stelle, das Becken steht oberhalb eines Heizkörpers am Fenster. Andere Arten der Gattung haben in solchen Situationen bei mir immer gebuddelt... Diese hier tun das bisher überhaupt nicht und werden es wohl auch nicht tun, solange das große Nest genügend Platz für die Kolonie bietet. Ihre Nester sind im Freiland wahrscheinlich von den Kolonien zeitlebens bewohnt, es werden nie Umzüge veranstaltet oder neue Nester angelegt von etablierten Kolonien.
      Das macht schon Sinn. In dem Umfeld, in dem ich die Ameisen fand, ist der Boden knochenhart und absolut trocken in der Trockenzeit und damit der aktiven Zeit der Ameisen. Die Nester haben somit einen hohen Wert und werden ungern oder gar nicht aufgegeben. Deswegen vielleicht auch die Besonderheiten der Nesteingänge bei dieser Ameise.

      In einem unterscheiden sich diese Ameisen nicht von der Verwandschaft aus der bicolor-Gruppe und von anderen Arten der Gattung. Die Kolonien haben jetzt in der hochaktiven Phase einen ungeheuren Proteinbedarf und wachsen stark. Diese Kolonie wächst so stark, dass mir das schon einiges Kopfzerbrechen bereitet. Das hatte ich nicht erwartet, die Freilandkolonien waren, bis auf wenige sehr starke Kolonien eher mittelgroß mit geschätzt vielleicht zwei bis drei Tausend Tieren.

      Noch ist das jedoch händelbar. Und man freut sich ja, wenn es junge und kräftige Tiere gibt und die Kolonie sich verjüngt.

      Diese Cataglyphis mögen auch solche Engerlinge, wie man sie manchmal in den Blumentöpfen findet. Aber eigentlich mögen sie alles...



      LG, Frank.
    • In vielem sind es dann doch auch ganz "gewöhnliche" Cataglyphis, diese Cataglyphis spec. aus dem Süden Marokkos. Sie machen aus dem, was man ihnen an Proteinen gibt, Unmengen von Arbeiterinnen.

      Hier ein Blick in die Puppenkammer dieser Kolonie.



      Viele junge, unausgefärbte Arbeiterinnen, neben vielen Puppen und kleinen und mittelgroßen Ammen.

      LG, Frank.
    • Diese hier vorgestellte Kolonie hatte riesengroßes Glück, sie entkam heute meiner Haltung... :P
      Ich hatte mich nach einigem Überlegen dafür entschieden, sie einem anderen Halter zu überantworten, der die Tiere einfach sehr, sehr viel großzügiger halten kann als ich es kann. Die Tiere wegzugeben fiel mir nicht ganz leicht.
      Aber, es sind große Tiere und es hat mir immer mehr gewurmt, dass das Terrarium mit seinen 120 x 60 cm bereits jetzt viel zu klein war für die Ameisen. Diese Distanz durchschreitet eine Ameise dieser Art in wenigen Sekunden.
      Ich werde die Ameisen ab und zu besuchen, um sie mal wieder zu fotografieren und hier dann kurz über sie berichten.

      Hier geht es demnächst weiter mit einer anderen interessanten Art der Gattung.

      LG, Frank.
    • Nördlich von Marrakesch in einem idyllischen Flusstal mit subtropischer Flora fanden wir eine weitere Art, die uns vorher noch nicht begegnet ist. Im Schwemmsand, zwischen teils dichter Bodenvegetation, die aber stets von großen, sandbedeckten Lücken durchzogen war, fanden wir einige Kolonien der Art. Wir fanden die Art nur hier, im sandigen Milieu. Wenige Meter weiter, im Lehmboden, war die Art nicht mehr anzutreffen und wurde hier von bicolor-Arten und albicans-Arten ersetzt. Im erstem Moment erinnerten diese Ameisen hier an bombycinus, doch fehlte ihnen der metallische Schimmer, der bei bombycinus durch die Pubescens erzeugt wird und es fehlte ihnen, natürlich, die Soldatenkaste. Jedoch, in der Bewegung, in der Art der Nestanlage und der Nestplatzwahl (sandige Flächen) und mit ihrer Behendigkeit und Schnelligkeit schienen diese Ameisen auf dem ersten Blick den bombycinus sehr ähnlich zu sein. Hübsche, mittelgroße Cataglyphis, die nach dem Verlassen der Nesteingänge erst mal einen Rundblick machen und sich dabei auf der Stelle drehen. Die Fühler hochgereckt und schnell trillernd, alles an den Tierchen ist dann schiere, reine Aufmerksamkeit.

      Wir hatten uns sofort verguckt in diese Art. Zum Glück fiel uns eine Königin in die Hände.

      Ein Blick über das Tal des kleinen Flüsschens. In der Ferne schemenhaft im Dunst der warmen Luft Ausläufer des Atlas-Gebirges.



      Im Vordergrund die Vegetation und die Sandflächen, hier fanden wir diese Art. Schafhirten treiben mindestens einmal am Tag ihre Tiere hier durch, das beugt der Verbuschung vor und kommt den Ameisen zugute. Natürlich werden auch schon einmal Nesteingänge zertreten von den Schafen und Ziegen, das scheint aber nur geringen Einfluss auf die Population zu haben.

      Arbeiterinnen im Nest.



      Auch diese Art trägt im Lauf den Hinterleib nicht nach oben gekippt. Und auch diese Art können wir ebenso wenig bestimmen wie die vorher vorgestellte. Ist ja erst mal auch nicht sooo wichtig.
      Hier noch ein Bild der Königin, die sich gerade putzt.



      LG, Frank.
    • Alle Arten der Gattung Cataglyphis sind auf proteinreiche Ernährung angewiesen. Natürlich vor allem für die Ernährung der Larven und der legenden Königin. Aber auch die Arbeiterinnen werden Proteine aufnehmen, neben Kohlehydraten, welche von diesen Ameisen auf Blüten gesammelt werden. Trotzdem sind die Arbeiterinnen der wenigsten Arten der Gattung wirkliche Räuber. Es wird eher gesammelt und eingetragen, was gefunden wird an toten Insekten und Spinnen. Einige Arten aus der bicolor-Gruppe jagen aktiv und töten auch größere, wehrhafte Beutetiere. Cataglyphis nodus beobachtete ich in der Türkei beim Erjagen von Messor-Geschlechtstieren nach deren Schwarmflug, Cataglyphis fortis erjagte und schnappte im rasanten Lauf Salzfliegen an den Rändern von Lagunen auf Djerba.
      Diese Art hier aus Marokko ist eine eher friedliche Art, die anderen Ameisen ausweicht und Kämpfe vermeidet. Nicht ohne jedoch alles neugierig zu untersuchen, was sich im Revier abspielt. Mit ihrer friedlichen, jeden unnötigen Konflikt vermeidenden, aber neugierigen Art ist sie eigentlich ein typischer Vertreter der Gattung.



      Das eröffnet in einem ausreichend großen Terrarium die Möglichkeit, diese Ameisen mit anderen eher ruhigen Ameisen zusammen zu halten.
      Eine Jungkolonie einer sehr kleinen Messor-Art aus Marokko ist so weit, es gibt die ersten Arbeiterinnen und ich entließ eine Jungkolonie in das Terrarium. Die Messor dürfen sich eingraben und ein Erdnest anlegen.
      Die Ameisen haben bereits begonnen, einen kleinen Krater aus Nestaushub um den Nesteingang zu errichten.



      LG, Frank.
    • Viele Formicinen der gemässigten und subtropischen Breiten verstehen es effektiv, Vorräte anzulegen. So auch diese Cataglyphis. Arbeiterinnen mit gefüllten Kröpfen und gedehnten Gastern ruhen in den tieferen, kühlen Kammern des Nestes. Sie beinhalten die Energiereserven der Kolonie in ihren Körpern.



      Kohlehydrate sind in den Lebensräumen dieser Arten oft nur saisonal zu finden. Im Frühjahr blühen viele niedrigwachsende Blütenpflanzen, auf denen die Arbeiterinnen der Cataglyphis Nektar sammeln. In den lebenden Körpern der Speichertiere werden diese eingelagert und dienen jetzt als Futterreserve.

      LG, Frank.
    • Nach der großen Hitze der letzten Wochen legen die Cataglyphis nun wieder los und ziehen wieder verstärkt Nachkommen auf. Während der warmen Zeit in den letzten Wochen ging die Aktivität und die Brutaufzucht stark zurück, jetzt aber sieht es wieder anders aus.



      Es gibt jede Menge Puppen und andere Brutstadien. Einige Puppen sind verhältnismäßig groß; im Freiland erreichten die größten Arbeiterinnen etwa die Größe mittelgroßer bicolor-Arbeiterinnen. Bei dieser Art handelt es sich aber definitiv nicht um bicolor, eine genaue Artbestimmung hat aber Zeit und ist mir nicht wirklich wichtig.
      In dem Terrarium verhalten sich die Ameisen fast wie im Freiland. Sie sind scheu, aber neugierig, weil die Kolonie nun hungrig ist und Proteine braucht.
      Für mich eine der hübschesten Arten der Gattung.



      LG, Frank.
    • Die Ameisen ziehen jetzt viele Nachkommen auf. Eigentlich wollte ich die Kolonie im September bereits etwas kühler halten, das werde ich wohl lassen, so lange die Kolonie so stark brütet.
      Die Kolonien der Art waren nicht sehr stark im Freiland. Meine Kolonie dürfte jetzt eine Stärke erreicht haben, wie sie große Kolonien der Art im Freiland haben.Freilich muss man bedenken, dass meine Ameisen hier keinen Feinddruck ausgesetzt sind und sich nicht mit Konkurrenten herum ärgern müssen.
      Trotzdem sterben immer wieder Arbeiterinnen. Die Arbeiterinnen dieser Art werden leider nicht sehr alt. Arbeiterinnen anderer Arten der Gattung können in der Haltung mehrere Jahre alt werden und leben damit durchaus sehr viel länger bzw. können bei günstigen Umständen sehr viel länger leben, als man oft lesen kann.

      Das Terrarium dieser Kolonie wird von ihr nun drei Monate bewohnt. Eigentlich ist es fast leer, es gibt eine dicke Sandschicht mit einer Drainageschicht aus Kieseln darunter und etwas Bodenstreu. Im Sand nistet eine kleine Messor-Kolonie, deren Arbeiterinnen ganz selten zu sehen sind. Der Boden wird regelmäßig, na ja, eigentlich eher unregelmäßig bewässert. Nach drei Monaten beginnen nun an einigen Stellen sogar Moose zu wachsen, die offenbar mit den wechselnden Bedingungen ganz gut zurecht kommen.
      Die Cataglyphis haben ein ausreichend großes Nest, das mit Rotlicht erwärmt wird. Sie danken es mir und graben in der gesamten Zeit bisher an keiner Stelle im Terrarium.

      Brut und junge Arbeiterinnen im Nest.



      LG, Frank.
    • Diese Kolonie hat sich nun auf die kommende Ruhephase vorbereitet und hat jede Bruttätigkeit eingestellt. Es gibt noch eine oder zwei Puppen, das war es aber auch. Proteine werden nicht mehr angenommen, lediglich Zuckerwasser wird angenommen und natürlich Wasser an der Tränke.
      Die Kolonie wurde noch einmal umgesiedelt, bewohnt nun ein kleineres Becken. In den nächsten Tagen werde ich dieses Becken in einen kühleren Raum stellen. Die Temperaturen werden dann für die nächsten zwei bis drei Monate etwas tiefer sein. Zwischen 12 und 18 Grad. Das dürfte durchschnittlich den Temperaturen nahe kommen, die in dieser Zeit (und dort für etwas längere Zeit) auch in der Heimatregion bei Marrakesch, Marokko herrschen. Die Region ist durchaus subtropisch, jedoch kann es im Winter infolge der kontinentalen Lage nahe des Hohen Atlas auch kalt werden. Die Lufttemperaturen dürften dabei manchmal an kalten Tagen und Nächten im Dezember und Januar sehr viel tiefer sein. Das hat dann aber wenig mit den Temperaturen zu tun, die im Erdreich vorherrschen.
      Seit März hat sich die Kolonie gut entwickelt. Ich denke, das freilebende Kolonien der Art kaum individuenreicher sind. Zumindest waren die Kolonien dieser Art, die wir damals beobachteten und deren Nester wir teilweise öffneten, sicher nicht größer. Diese Kolonie hier mag jetzt etwa 500 Arbeiterinnen zählen.

      Ein Bild der Kammer, in der sich die Königin aufhält.



      LG, Frank.